E-Book, Deutsch, Band 2591, 144 Seiten
Reihe: Julia
Darkins E-Mails für eine Traumfrau
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-1844-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2591, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-1844-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Chatbekanntschaft mit der charmanten, temperamentvollen Ally hat einen Riesenvorteil, findet Caleb Kinley. Wenn es für ihn zu intensiv wird, kann er einfach den Computer ausschalten! Aber nun braucht der beziehungsscheue Millionär dringend eine Freundin vor Ort, wenn auch nur als Scheindate zur Hochzeit seiner Schwester. Also lädt er Ally in die Kinley-Villa nach Italien ein. Doch nichts hat ihn darauf vorbereitet, wie verführerisch seine Online-Freundin ist! Und diesmal kann Caleb aus Angst vor Nähe nicht einfach offline gehen ...
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1. KAPITEL
Alles war in bester Ordnung. Ihm ging es gut. Ally ging es gut … und alles zwischen ihm und Ally war gut.
Es gab also keinen Grund, warum er sich darüber aufregen sollte, dass ihre Lüge – oder seinetwegen auch ihre kleine Schwindelei – innerhalb einer Woche dazu geführt hatte, dass er am Ankunftsgate des Mailänder Flughafens stand und darauf wartete, seine beste Freundin zum ersten Mal live zu sehen.
Als zweite Herausforderung kam hinzu, seine wie auch ihre Familie davon zu überzeugen, dass sie wirklich zusammen waren und keine weitere Einmischung in ihr Liebesleben – oder das Fehlen eines solchen – akzeptieren würden.
Caleb erinnerte sich noch sehr gut daran, wie inspiriert er sich gefühlt hatte, nachdem ihm diese Lösung für ihrer beider Probleme eingefallen war, als er mitten in der Nacht Allys letzte Nachricht gelesen hatte. Sie wollte unbedingt, dass ihre Eltern aufhörten, einen Freund für sie zu suchen, und er wollte auf diesem Weg seine Geschwister davon überzeugen, dass er mit dem Leben, das er führte, vollkommen zufrieden war. Dann könnten sie endlich aufhören, sich ständig Sorgen um ihn zu machen und ihn heimlich zu beobachten, während sie mit ihren Liebsten an Orten rumknutschten, die für seinen Geschmack viel zu öffentlich waren.
Dazu kam, dass sie nicht einfach nur subtil kritisierten, wie viel Zeit er am Handy oder seinem PC verbrachte, sondern die Geräte sogar konfiszierten. Seine Versicherungen, dass er ernsthaft arbeiten und dringend mit einer Freundin sprechen müsse, hatten sie nicht davon überzeugen können, dass er durchaus in der Lage war, eigene Entscheidungen sein Leben betreffend zu fällen. Vielleicht brächten sie mehr Verständnis auf, wenn sie davon ausgingen, dass auch er – na ja – in Liebesdinge verstrickt war.
Mit dem Ergebnis, dass ihm eine Woche Family-Time am Pool bevorstand. Denn sowohl sein Bruder und seine neue Schwägerin als auch seine Schwester und ihr Freund hatten beschlossen, seine Auszeit in der italienischen Villa, die er von ihren Großeltern geerbt hatte, zu sprengen beziehungsweise ihn dort mit ihrer Anwesenheit zu beehren. Um zu verhindern, dass sie ihn auf Schritt und Tritt nervten, würde er Handy und Laptop ab und zu zur Seite legen und Zeit mit ihnen verbringen müssen.
Und wie konnte er seine ebenso liebevoll besorgten wie nervigen Geschwister samt Anhang besser davon überzeugen, dass es ihm bestens ging, als damit, ihnen die Person vorzustellen, mit der er im letzten Jahr nahezu seine gesamte Freizeit online verbracht hatte.
So war Cal auf diese blendende Idee gekommen: Anstatt ständig von seiner Familie genervt zu werden, könnte er Ally doch einfach zu sich einladen. Auf diese Weise müsste er sich nicht für die Zeit rechtfertigen, die er mit ihr allein verbringen wollte.
Abgesehen von seiner kleinen Intrige gegen zu viel Familien-Überwachung wäre das auch für Ally und ihn ein aufregendes Abenteuer, wenn sie tatsächlich nach Italien käme. Eine Woche reale Zeit miteinander anstatt am Bildschirm … Reality life … face to face.
Sie hatten es so lange hinausgezögert, sich persönlich zu treffen, dass er fast vergessen hatte, dass Freundschaften normalerweise anders als digital verliefen. Sie lebten in derselben Stadt und hätten im vergangenen Jahr jederzeit in eine U-Bahn steigen, sich treffen und in der realen Welt Zeit miteinander verbringen können.
Kennengelernt hatten sie sich bei einem Online-Rollenspiel, bei dem sie angefangen hatten zu chatten. Als sie merkten, dass sie damit mehr Zeit als mit dem Spiel selbst verbrachten, verlegten sie ihre Beziehung von der Spieleplattform auf eine private Basis und schickten sich seit Monaten Nachrichten, mit denen sie sich gegenseitig unterhielten, amüsierten und zum Lachen brachten. Inzwischen tauschten sie sich auch zunehmend über ihre täglichen Unternehmungen und Erlebnisse oder ihre nervigen Familien aus, wenn ihnen mal wieder alles zu viel wurde.
Caleb seufzte und überlegte, ob die Einladung nach Italien wirklich eine so brillante Idee gewesen war, wie er sich bisher eingeredet hatte. Ally und er hätten sich einfach auf einen Kaffee in London treffen können, wo sie beide lebten. Das wäre viel einfacher und sinnvoller gewesen als das hier: auf einem fremden Flughafen in dem Wissen zu stehen, dass seine gesamte Familie am Ende einer kurzen Fahrt auf sie beide wartete!
Aber die Sache zwischen Ally und ihm war längst an einem Punkt angelangt, an dem allein der Gedanke, einfach mal einen Kaffee zusammen zu trinken, sich zu einem übergroßen und unüberwindbar scheinenden Hindernis ausgewachsen hatte. Ihre Freundschaft war Caleb so wichtig geworden, dass er nichts tun wollte, was Ally zu der Ansicht bringen könnte, dass er die Mühe nicht wert war. Doch anstatt dieses Hindernis zu überwinden, hatte er zugelassen, dass es immer größer wurde, bis …
Tja, bis er sich dazu hatte hinreißen lassen, die ganze Familie mitten in den Hochzeitsvorbereitungen seines Bruders und dessen Verlobter für eine Woche in sein Haus in Italien einzuladen, anstatt Ally einen Cappuccino in einem Londoner Café auszugeben.
Wer Ally jedoch nahekommen wollte, der bekam ein Problem. So wie es dieser Arzt erlebt hatte, der auf keinen Fall gut genug für sie gewesen war! Er wurde kalt abgewiesen, bevor er überhaupt zum Zug kam.
Und was ihn selbst betraf … seine Eltern waren nicht nur in einen Steuerschuldenskandal verstrickt gewesen, sondern hatten sich durch ihre Kinder so belastet gefühlt, dass sie sich kurzerhand und ohne einen Blick zurück ans andere Ende der Welt abgesetzt hatten – noch bevor er aus der Schule war. So hatte Jonathan als Ältester die Verantwortung für einen Teenager übernehmen müssen und es nie wirklich verbergen können, was ihn das gekostet hatte.
Caleb seufzte und versuchte, seine verkrampfte Schulterpartie zu lockern. Er sollte die belastende Vergangenheit wenigstens für die nächsten Tage rigoros ausblenden und sich auf das konzentrieren, was vor ihm lag.
Seine Onlinefreundschaft mit Ally trotz dieser spontanen Familienferien-Woche in Italien aufrechtzuerhalten, war für ihn das Wichtigste. Hauptsache, sie fühlte sich nicht überfordert von zu viel Nähe und seiner Familie und er verpatzte nicht alles mit seinem reduzierten Gemeinschaftssinn. Dann konnten sie nach dieser Woche wieder entspannt online abhängen …
Nur warum habe ich dann diese schweißnassen Hände?
Sicher lag das nur daran, dass die Klimaanlage im Terminal nicht funktionierte und Allys Flugzeug Verspätung hatte, weshalb er zwei Stunden lang in der Hitze auf sie hatte warten müssen. Wahrscheinlich glaubten seine Geschwister immer noch, dass Ally sich als Hirngespinst entpuppte …
Es schien keine Rolle zu spielen, wie oft er seiner Familie sagte, dass er alles hatte, was er brauchte, einschließlich Freunden und eines sozialen Lebens. Sie machten sich weiterhin Sorgen. Er wusste nicht, wie groß die Wirkung von einer Woche, in der er vorgab, mit Ally liiert zu sein, auf seine Geschwister sein würde. Ob sie anschließend endlich aufhörten, ihn zu bevormunden und zu pushen? Einen Versuch war es allemal wert.
Als ein weiterer Menschenstrom die Ankunftshalle bevölkerte, schaute er sich die Augen aus dem Kopf, entdeckte aber immer noch kein Zeichen von Ally. Er hatte sich schon damit abgefunden, noch länger warten zu müssen, als er sie sah.
Ally starrte mit gerunzelter Stirn auf ihr Handydisplay, schleppte einen silbern glänzenden Koffer hinter sich her und trug ein leuchtend orangefarbenes Sommerkleid, das fast die gleiche Farbe wie ihr Haar hatte und ein wenig verrutscht war, sodass Cal eine cremeweiße Schulter und den Träger eines Neckholder-Bikinis sehen konnte …
In diesem Moment schaute sie hoch und registrierte seinen Blick. Ihre vollen Lippen weiteten sich in einem Lächeln, das über die rosigen Wangen bis zu den strahlenden Augen reichte. Ohne einen Funken Unsicherheit steuerte sie direkt auf ihn zu.
„Ally?“, fragte er etwas benommen.
Ihre Antwort bestand darin, dass sie ihre Arme um seinen Hals schlang, sich an ihn schmiegte und ihm ins Ohr flüsterte: „Caleb! Ich kann nicht glauben, dass du es bist.“
„Du hast dich nicht einmal versichert, ob ich es auch tatsächlich bin!“ Er lachte und hielt Ally auf Armeslänge von sich ab, um sie richtig anschauen zu können. Sie war … erstaunlich.
Leuchtende Farben, ein Gewirr aus Locken und überall derart aufregende Kurven, dass Caleb einmal heftig schluckte und sich dann auf ihr Gesicht konzentrierte. Er hielt das für sicherer, merkte aber schnell, dass er sich geirrt hatte. Denn Ally zwinkerte ihm wissend zu und lachte.
„Was, wenn du dem falschen Typ um den Hals gefallen wärst?“
„Niemals! Du siehst aus wie … na ja, eben genau wie du. Hast du lange gewartet?“
Er wich der Frage aus, indem er nach ihrem Koffer griff, den sie ihm aber sofort wieder entriss, losmarschierte und ihr Gepäck hinter sich in Richtung Ausgang herzog.
„Wie lange brauchen wir bis zu deinem Domizil?“, wollte Ally wissen, als sie in den Wagen stiegen.
Caleb schnitt eine Grimasse. „Etwa eine halbe Stunde … bis meine Familie mich bis aufs Blut blamiert und du es bereuen wirst, hergekommen zu sein.“
„Unsinn! Sie können unmöglich schlimmer sein als meine Familie. Was hast du ihnen denn erzählt?“, fragte sie, als sie den Flughafenparkplatz verließen und nur knapp einem verbeulten Fiat ausweichen konnten, der aus dem...




