Darling | Incantaras | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 360 Seiten

Darling Incantaras


2. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7407-5602-4
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 360 Seiten

ISBN: 978-3-7407-5602-4
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was für Augustus als ganz normaler Tag in einer ganz normalen Stadt beginnt, zerbricht schlagartig noch am gleichen Abend, denn alles steht auf einmal Kopf, als er vom plötzlichen Tod seiner Eltern erfährt. Nicht nur, dass er von heute auf morgen mit diesem schrecklichen Verlust klar kommen muss, obendrein bekommt er auch noch Besuch von kuriosen Gestalten, die merkwürdig gekleidet sind, erfährt, dass sein Vater nicht einfach nur ein gewöhnlicher Mensch war und muss bald sogar um sein eigenes Leben fürchten. Was hat es mit dem mysteriösen Notizbuch seines Vaters auf sich? Wer sind die Männer ohne Gesichter? Und was hat das geheimnisvolle Straßenmädchen Maya, die ihm trotz ihrer rotzigen Art irgendwie ans Herz wächst, mit all dem zu tun? Coverdesign: André Thaleikis

Lisa Darling schrieb schon als Kind gerne Geschichten. Kurzgeschichten, Gedichte, FanFictions. Als Teenager wurden dann die ersten Kurz-Bücher draus und das Schreiben ist bis heute eine ihrer Leidenschaften geblieben.
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Highcott - Aberness


Die Regentropfen schellten unbarmherzig gegen die Fensterscheiben im 20. Stock des Victory Buildings. Die lauten, dumpfen Geräusche die sie dabei machten, brachten Ilenna Raise völlig aus dem Konzept. Seit Tagen brütete sie über ihrem aktuellen großen Fall. Die ganze Stadt blickte dem bevorstehenden Prozess neugierig entgegen. Manche Menschen standen sogar just in diesem Moment am Fuße des Gebäudes, um zu protestieren. Jawohl! Sie war Opfer eines Protestes geworden, nur weil sie diesen Fall übernommen hatte. Dabei trat sie für etwas Gutes ein. Das stelle man sich einmal vor. Da wird der Bürgermeister wegen Schmiergeldern angeklagt und dann darf man sich von dessen treuen Fans anhören, dass man seine Stadt verraten würde, in dem man gegen ihn arbeite. Aber es ist nun einmal verkehrt, was Bürgermeister Cunning da getan hat. Dem muss seine gerechte Strafe zugefügt werden. Solche Fälle hat Ilenna schon immer übernommen. Aus Überzeugung! Und damit würde sie jetzt nicht aufhören, bloß weil ein paar blinde Cunning-Fans meinten, sie dafür bespucken oder beschimpfen zu müssen. Ja, in der Tat. Am Vortag wurde sie wahrhaftig von einem bespuckt. Ein Glück leitet ihr Bruder Charles eine Security-Firma. Die sorgen jetzt dafür, dass niemand Ilenna zu nahe kommt, während der Prozess läuft. Seit heute Morgen stehen zwei Männer in schwarz vor dem Gebäude und passen auf, dass von den Demonstranten niemand zu ihr in den 20.

Stock fährt. Nicht, dass sie sonderlich paranoid wäre, aber wenn die Leute anfangen zu spucken, dann sind die Steine nicht mehr weit. Das hat sie im vergangenen Jahr bei einem befreundeten Anwalt sehen können. Dieser hatte sich für einen mutmaßlichen Kindsmörder eingesetzt, der jedoch unschuldig war. Sogar mit klaren Beweisen, er hatte ein wasserdichtes Alibi. Jedoch gab es wie immer Menschen, die diesen armen Mann dennoch beschimpften und auf dem elektrischen Stuhl sehen wollten, auch wenn dieser natürlich schon lange abgeschafft wurde. Und weil ihr Kollege der Anwalt dieses angeblichen aber unschuldigen Kindsmörders war, wurde auch er nicht zufrieden gelassen. Bei ihm hatte es auch mit Bespucken angefangen. Dann hatte man ihn auf offener Straße mit Dosen beworfen und später sein Haus belagert und ihm Morddrohungen zukommen lassen. Diese wurden zwar glücklicherweise nicht wahr gemacht, allerdings musste er mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert werden, da eine der Dosen, die ihn am Kopf trafen, noch voll gewesen ist.

So etwas wollte und musste Ilenna unbedingt vermeiden. Mal ganz abgesehen von dem Schmerz, den so eine Dose am Kopf verursachen kann, steht der Gerichtstermin so kurz bevor, dass sie ihn jetzt nicht mehr verschieben lassen möchte. Nicht wegen einer Gehirnerschütterung oder was auch immer sonst noch passieren könnte.

Die letzten und wenigen Zeugen waren gesichert und alle Beweisakten fein abgeheftet. Normalerweise hat sie für den Aktenordner einen Assistenten, aber den hatte sie schon vor einer Stunde nach Hause geschickt. Eigentlich hatte Ilenna auch schon längst Feierabend. Den überzog sie jedoch meistens vor so wichtigen Prozessen. Am nächsten Vormittag war es soweit. Zu allem Überfluss hatten Ilenna und ihr Mann am gleichen Abend auch noch geplant, ihren Hochzeitstag zu feien. Endlich wieder schick ausgehen und essen. Selbst dass musste sie nun um zwei Stunden verschieben. Einfach ungünstig, dass das so zusammenfällt, aber was soll man machen? Sie wollte zumindest einfach alles erledigt haben um zur Verabredung mit ihrem Mann abschalten zu können.

Jawohl. Sie ist keine von diesen Frauen, die privat die ganze Zeit über Geschäftliches nachdenken und das liegt daran, dass sie immer alles fein säuberlich abarbeitet, bevor sie zu ihrer Familie nach Hause fährt. Sie lässt nichts offen.

Als es an der Tür klopfte, hatte sie gerade den Aktenordner in ihrer Tasche verstaut.

Wieder einmal hat Jakobo es geschafft, eines der begehrtesten Häuser in Paisling zu verkaufen. Viele Interessenten haben es sich bereits angeschaut, aber die wenigsten konnten es sich tatsächlich leisten. Ein altes Haus mit Türmchen und Erkern aus der Barockzeit. Ein wunderschönes Haus. Wenn es nicht viel zu groß und zu teuer wäre, hätte er es glatt selbst für seine Familie gekauft. Aber was sollen sie schon zu dritt in einem derart riesigen Haus anfangen? Mit fünf Bädern, sieben Schlafzimmern, einem Salon, Kaminzimmer, Wohnzimmer, einer wunderschönen großen Empfangshalle und den ganzen anderen Räumen? Nein. Das wäre alles viel zu groß gewesen und Gäste würden sich ständig verlaufen.

An einer roten Ampel setzte Jakobo den Blinker seines schwarzen Chryslers rechts. Die Rushhour war glücklicherweise schon vorbei und so kam er entspannter als gewohnt in das Geschäftsviertel Aberness.

Glücklich lächelnd, weil es ein perfekter Tag war und genauso perfekt zu bleiben versprach, bog er ab, nachdem die Ampel auf grün geschaltet hatte. Haus verkauft, gutes Geld verdient, der Sohn heute bei seinen Freunden und seine Frau würde er gleich sehen. Und er würde einen wunderschönen Abend mit ihr verbringen zu ihrem 18. Hochzeitstag. Ihre Ehe wurde sozusagen volljährig und Volljährigkeit feierte man bekanntlich gebührend. Wenn er da nur an seinen 18. Geburtstag zurück dachte. Oho, das war eine Feier. Großartig! Damals war er noch ein ganz anderer Mensch. Ungezähmt, unbekümmert und ungebunden. Das war ein paar Jahre, bevor er seine jetzige Frau kennen lernte, die sein ganzes Leben auf den Kopf stellte. Nur für sie war er nach Highcott gezogen und hat keine seiner Entscheidungen bis heute bereut. Er hat alles richtig gemacht. Nur um seine Eltern tat es ihm manchmal leid. Dass er sie einfach so verlassen hatte, um hier zu leben.

Seitdem hat er sie nicht mehr gesehen, denn sie lebten viel zu weit weg, als dass man sich regelmäßig besuchen könnte. Außerdem hatten sie ihm nicht verziehen, dass er für Ilenna und Higcott alles liegen gelassen hat. Dabei wären sie sicher von ihr entzückt gewesen, wenn sie sie nur kennen gelernt hätten. Und Augustus erst. Ein Abbild seiner selbst. Seine Mutter würde ihn lieben. Hätte sie geliebt, wenn sie noch leben würde. Es tat weh daran zu denken, dass er seiner Mutter nicht noch einmal gesagt hatte, dass er sie liebt.

Vielleicht, so dachte Jakobo, wird es langsam mal Zeit über seinen eigenen Schatten zu springen und zu seinem Vater zu reisen, um ihm seine Familie vorzustellen, bevor es auch ihn trifft. Oder er würde ihn her kommen lassen. Wenn er seine wundervolle Familie kennenlernen und sehen würde, wie Jakobo sich entwickelt hatte, dann wäre er sicher stolz auf ihn und könnte ihm verzeihen. Und Jakobo würde seiner Familie alles über seine Eltern erzählen. Und von dort, wo er herkommt.

In der Vergangenheit hat er nie über sein Leben vor Ilenna gesprochen. Es tat weh, über seine Eltern zu reden. Aber heute war ein guter Tag und Jakobo hatte im Gefühl, dass es die richtige Entscheidung war, die er soeben getroffen hatte. Er würde seine Familie und seinen Vater endlich miteinander bekannt machen. Er würde endlich über seinen Schatten springen und mit ihm reden, ihm sagen, dass er ihn liebte. Die Vergangenheit ist schließlich lange vorbei und Familie, so hat er doch in Highcott erst tatsächlich gelernt, ist das allerwichtigste im Leben.

Beinahe geräuschlos schlug er die Tür seines schwarzen Chryslers zu und holte die Sonnenblume vom Beifahrersitz. Anschließend ging er auf das Victory Gebäude zu. Der Eingang war belagert von ein paar hartnäckigen Demonstranten, die sauer auf seine Frau waren weil sie als Anwältin an einem Fall gegen den Bürgermeister und seine Schmiergelder arbeitete. Die wenigen, die ihn als ihren Mann aus der Presse kannten, warfen ihm Buhrufe zu, aber die Securitybeauftragten der Firma seines Schwagers nahmen ihn sofort in Schutz und bauten sich vor ihm auf. Freundlich nickte er ihnen zu und verschwand in Richtung Fahrtstuhl.

Obwohl sie nun schon so lange verheiratet waren und sich bereits seit so langer Zeit kannten, fühlte Jakobo auch jetzt noch Nervosität in der Magengegend, die sich während der Fahrstuhlfahrt erneut wie ein Tornado entwickelte. Noch immer war sie die schönste, liebevollste und klügste Frau, die er je getroffen hatte. Was für ein Glück, dass er sie die seine nennen konnte.

Die Fahrstuhltüren öffneten sich und Jakobo atmete tief ein und wieder aus, bevor er auf den Flur hinaus und auf die Bürotür von Ilenna Raise zutrat, um anzuklopfen.

«Herein.» Die Tür öffnete sich und sofort zauberte sich ein Lächeln auf Ilennas Lippen. Wie immer pünktlich auf die Minute stand ihr Gatte in der Tür. Geschniegelt und gebügelt in einem schwarzen Anzug mit grüner Krawatte. Das dunkle Haar, dass sein Sohn geerbt hatte, gegelt. In der Hand hielt er eine einzelne, kleine Sonnenblume. Ihre Lieblingsblume.

«Ich hab gehört hier arbeitet eine zauberhafte Frau, die sich dringend eine Auszeit gönnen...



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