E-Book, Deutsch, 312 Seiten
Darling microman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7407-7318-2
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
kein fucking superheld
E-Book, Deutsch, 312 Seiten
ISBN: 978-3-7407-7318-2
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lisa Darling schrieb schon als Kind gerne Geschichten. Kurzgeschichten, Gedichte, FanFictions. Als Teenager wurden dann die ersten Kurz-Bücher draus und das Schreiben ist bis heute eine ihrer Leidenschaften geblieben.
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Kapitel 2
«Und wieder mal hat der Mikroheld zu geschlagen!», ruft Cora, reckt die Faust siegesgewiss in die Luft und strahlt mich aus einem grünen und einem blauen Auge an. Wir sitzen in unserem Stammcafé in der Stadt, nachdem ich vor Jean geflüchtet bin. Gerade hab ich ihr den Grund dafür geschildert.
Ihr unendlich langes blondes Haar hat sie heute ausnahmsweise mal zu einem lockeren Knoten auf dem Kopf gebunden. Deshalb sieht man ihren schlanken Hals besser. Die Haare verdecken ihn sonst immer. Ich grinse und zucke mit den Schultern.
«Dieses Mal hab ich eher mir geholfen.»
«Ach was.» Sie winkt ab. «Du hast auch ihr geholfen. bevor sie sich da in irgendetwas verrennt.»
«Dafür war’s zu spät.»
«Ja. Du hättest schon früher abhauen sollen, das stimmt. Aber du hast es zumindest getan, bevor sie anfangen konnte, sich Kinder und Eigenheim mit dir vorzustellen oder sogar fest einzuplanen.» Wir schütteln uns beide gleichzeitig bei dem Gedanken. Dann lachen wir.
Immer, wenn Cora lacht, blitzt ihr Zungenpiercing hervor. Eine kleine, silberne Kugel. Ich war dabei, als sie ihn sich mit 18 hat stechen lassen. Zu Beginn hat sie ganz furchtbar gelispelt. Heute hört man das nur noch ganz selten und ganz leicht durch.
«Gruselig!», sage ich.
«Siehst du.» Cora nickt. «Genau deshalb hast du ihr etwas Gutes getan.»
«Und mir. Ich bin schließlich erst 25.»
«Ja, ja. Und dir.»
Ich ziehe meine Kippenschachtel hervor. Sie ist ganz zerdrückt, weil sie immer in meiner Arschtasche steckt und ich sie da mehrere Male am Tag hervor hole. Eigentlich überlebt sie nur einen Tag. Höchstens zwei. Aber an jedem Nachmittag sehen die neuen Packungen uralt aus. Weil sie so zerdrückt sind. Ich hol mir eine Kippe raus, reiche Cora auch eine und stecke die Schachtel zurück in die Tasche. Dabei merke ich, wie sie einen neuen Knick bekommt.
«Danke.» Cora zündet sie sich sofort an und reicht mir ihr Feuerzeug. «Und was sind deine Pläne für heute?» Ich zucke mit den Schultern.
«Eigentlich wollt ich mit Joe ins Killer. Aber meine Mum will mich unbedingt bei diesem Dinner heute Abend dabei haben. Ihre und Dads Kollegen kommen. Sie will unbedingt, dass ich in seine Fußstapfen trete. Drauf geschissen!»
«Akzeptiert sie deinen Job immer noch nicht?»
«Solange du keinen vernünftigen Verdienst aufweisen kannst, ist das kein richtigerJob, den du da machst. Hunderte von Schauspielern verhungern tagtäglich, weil sie daran festhalten, dass Schauspielerei ein Beruf mit echten Chancen ist», äffe ich meine Mum nach. «Sie glaubt nicht an meine Hollywood Qualitäten.» Ich grinse. Cora auch.
Wir nehmen beide einen tiefen Zug von unserer Zigarette und ich lehne mich zurück. Ich betrachte ihre Brüste. Sie sind klein, aber fein. Ich stehe auf jede Art von Brüsten. Klein, groß, schmal, breit. Von mir aus auch unterschiedlich groß. Das Wichtigste ist, dass sie echt sind. Fühlt sich einfach besser an. Was Cora da heute trägt, nennt sich glaube ich Oversizetop. Jedenfalls versteckt es ihre Brüste viel zu sehr.
«Hier ist mein Gesicht, Schätzchen!», grinst sie und tippt sich auf die Nase. Ich hebe meinen Blick wider und sehe ihr grinsend ins Gesicht. «Lass es doch einfach. Tu dir die Scheiße nicht an. Du tust damit keinem von euch beiden einen Gefallen. Du weißt doch genau wie das immer endet.»
«Sie wird sauer und wälzt ihre Hasstiraden auf mich ab. Wie misslungen und undankbar ich bin. Oder auf Dad.» Cora nickt. Ich erkläre mich. «Aye. Aber ich muss. Sie droht wieder damit, mich sonst raus zu schmeißen.»
Leider hat meine Mum ein bisschen Recht. So ungern ich es auch zu gebe, aber ich verdiene einen Scheiß mit der Schauspielerei. Noch! Angefangen hab ich in einem kleinen Theater ein paar Straßen weiter von zu Hause entfernt. Das waren nur fünf Minuten mit dem Bus. Da war ich Bühnenschauspieler. Hat nicht sehr viel abgeworfen, aber ich hatte immerhin etwas Geld und war sogar schon auf Wohnungssuche. Dann mussten die dicht machen. Bankrott. Seitdem dümple ich umher. Renne von Casting zu Casting. Ich hätte sicher tolle Chancen. Ich bin zum Schauspieler geboren! Hollywood würde mich mit Kusshand nehmen, wenn sie mich erstmal entdeckt haben. Wenn ich nicht so oft zu spät zu den Castings kommen würde. Alles was bisher für mich abgefallen ist, ist ein Werbespot für Schokoladenpudding und eine Rolle als Taubstummer in einer Seifenoper. Besonders für den Pudding Werbespot schämt sich meine Mum. Jeder ihrer Kollegen hat ihn schon im TV gesehen und sie darauf angesprochen. Ich denke allerdings, dass jeder, der groß hinaus will, solche Wege am Anfang gehen muss. Irgendwann werde ich schon den großen Durchbruch haben. Vielleicht entpuppt sich der Puddingspot ja später mal als das ultimative Sprungbrett?
«Dann zieh zu mir. Ich krieg dich schon noch in meine kleine Einraum Bude rein. Hauptsache du musst dir diesen Mist nicht mehr antun.»
Ich schüttele den Kopf. «Ich kann Dad nicht allein mit ihr lassen. Er ist zu soft für sie.»
Sie seufzt. Wir schweigen. Dann grinst sie. «Wir könnten uns mein Bett teilen.» Cora wackelt mit den Augenbrauen und ich bin ganz kurz versucht. Sie ist seit der zehnten Klasse meine beste Freundin und sogar wir hatten schon ein paar Mal Sex miteinander. Es war jedes Mal einfach der Hammer und hier war wirklich nicht mal der Ansatz von romantischen Gefühlen vorhanden. Daher reizt mich der Gedanke schon ein bisschen. Ich befürchte allerdings, dass wir uns zu schnell auf den Sack gehen würden. Uns wie ein altes Ehepaar benehmen könnten, wenn wir zusammen wohnen. Also schüttele ich wieder den Kopf.
«Klingt verführerisch. Ehrlich. Aber dadurch ist Dad leider nicht geholfen.»
Sie seufzt wieder und zieht an ihrer Kippe.
Eine Kellnerin kommt und bringt uns beiden einen Latte Macchiato mit Keks. Aber nicht diese Amaretti. Die hassen wir beide. Und wir sind so oft hier, dass die Kellnerinnen hier das mittlerweile alle wissen. Wir kriegen stattdessen Mini Cookies.
«Und? Musst du dann wieder in so `nem schnieken Anzug rum laufen heute Abend?», fragt Cora grinsend und ascht ab. Ich nehm einen besonders tiefen Zug von meiner Kippe und nicke betroffen.
«Den Dunkelroten. Hörst du Jasper? Der macht dich wenigstens seriös. Und kämm dir bloß ordentlich die Haare!», mache ich meine Mum wieder nach. Cora lacht auf. «Willst du mich begleiten? Du könntest dein dunkelrotes Kleid anziehen. Dann passen wir zusammen. Sieht bestimmt entzückend aus.» Ich grinse.
«Es fällt mir echt schwer, aber ich verzichte», lacht sie.
Meine Mum hasst Cora. Sie zieht mich runter, ist ihre Meinung. Dass ich schon so war wie ich bin, bevor ich Cora kennen lernte, verdrängt sie immer gerne. Eigentlich bin ich nämlich wie mein Dad. früher. Bevor er Mum kennen lernte und sich von ihr umkrempeln ließ. Warum auch immer er das mit sich machen lassen konnte. Mir wird das garantiert nicht passieren. Deshalb verliebe ich mich auch nicht. Damit ich nicht so ende wie er. Auch wenn er sich seit seinem Schlaganfall bemüht, wieder lockerer zu sein. Seitdem verstehen wir uns auch viel besser. Außerdem hab ich mit all dem Gras, Alkohol und meinem gleichgültigen Auftreten nur wegen Mum angefangen. Sie und ihr absolut unmoralisches Verhalten und ihre merkwürdige Art von Erziehung, haben mich damit anfangen lassen. Irgendwie musste ich das ja aus meinem Kopf kriegen. Interessanterweise hat sie nie versucht, mir das abzugewöhnen. Hauptsache ich benehme ich in ihrer Gegenwart, gemeinsam mit Fremden, wie ein wohl erzogener Junge. Hat nicht immer so gut geklappt.
Cora wäre eigentlich die perfekte Frau für mich. Wir stehen beide nicht auf diesen Liebesscheiß. Wir haben die gleichen Vorlieben für Essen, beim Sex und die gleiche Einstellung was Beziehungen angeht. Und wir wollen uns für niemanden verbiegen müssen - für meine Mum muss ich leider manchmal, damit ich mein Dach über dem Kopf nicht verliere.
Eigentlich ist Cora wie ich. Nur mit Brüsten. Und ich bin wie sie. Nur mit Penis. Aber genau das ist es auch, weshalb wir wieder nur perfekt als Freunde sind. Wären wir ein Pärchen, dann würden wir uns sicherlich gegenseitig ins Verderben treiben und irgendwann in einem riesen Zoff trennen. Dafür ist mir meine Freundschaft mit ihr viel zu wichtig. Außerdem gruselt es mich manchmal zu Tode, wenn ich zu Hause alter Bilder von Mum sehe. Aus ihrer Jugendzeit. Und wenn ich dabei dann immer wieder feststellen muss, dass sie Cora sehr ähnlich sah, als sie ihn ihrem Alter war. Wenn wir zusammen wären, wäre das doch ein Mutterkomplex. Und bei der Mutter kann ich mal sowas von darauf verzichten.
«Wollen wir nicht doch nochmal kurz im Killer vorbei nachher?»
«Nope. Geht schon um sieben los dieses Dinner. Schaff ich nicht vorher.»
Cora nickt und wir rauchen stumm unsere Kippen weiter.
«Es gibt...




