Das Nibelungenlied | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 378 Seiten

Das Nibelungenlied

Eine Heldensage
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-6737-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Heldensage

E-Book, Deutsch, 378 Seiten

ISBN: 978-3-7534-6737-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die große Heldensage über den Helden Siegfried, der nach dem Bad in Drachenblut als unverwundbar galt. Über seine geliebte Krimhild, die burgundische Königstochter, über Hagen, den Mörder Siegfrieds und den versunkenen Nibelungenschatz. Das Epos ist das Werk eines unbekannten Dichters. Entstanden ist es vermutlich gegen Ende des 12. Jahrhunderts, Anfang des 13. Jahrhunderts.Hier nachzulesen ist die Fassung de. Nibelungenliedes in der Übersetzung von Karl Simrock.

Karl Joseph Simrock wurde geboren am 28. August 1802 in Bonn und verstarb am 18. Juli 1876 ebenda. Er war ein deutscher Dichter und Philologe. Sein Ruf begründete sich auf seine Übersetzungen, insbesondere des Nibelungenliedes.
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Drittes Abenteuer.


Wie Siegfried nach Worms kam.

Den Herrn beschwerte selten / irgendein Herzeleid.

Er hörte Kunde sagen, / wie eine schöne Maid

Bei den Burgunden wäre, / nach Wünschen wohlgetan,

Von der er bald viel Freuden / und auch viel Leides gewann.

Von ihrer hohen Schöne / vernahm man weit und breit,

Und auch ihr Hochgemüte / ward zur selben Zeit

Bei der Jungfrauen / den Helden oft bekannt:

Das ladete der Gäste / viel in König Gunthers Land.

So viel um ihre Minne / man Werbende sah,

Kriemhild in ihrem Sinne / sprach dazu nicht ja,

Daß sie einen wollte / zum geliebten Mann:

Er war ihr noch gar fremde, / dem sie bald war untertan.

Da sann auf hohe Minne / Sieglindens Kind;

All der andern Werben / war wider ihn wie Wind.

Er mochte wohl verdienen / ein Weib so auserwählt:

Bald ward die edle Kriemhild / dem kühnen Siegfried vermählt.

Ihm rieten seine Freunde / und die in seinem Lehn,

Hab er stete Minne / sich zum Ziel ersehn,

So soll' er werben, daß er sich / der Wahl nicht dürfe schämen.

Da sprach der edle Siegfried: / »So will ich Kriemhilden nehmen,

Die edle Königstochter / von Burgundenland,

Um ihre große Schöne. / Das ist mir wohl bekannt,

Kein Kaiser sei so mächtig, / hätt er zu frein im Sinn,

Dem nicht zu minnen ziemte / diese reiche Königin.«

Solche Märe hörte / der König Siegmund.

Es sprachen seine Leute: / also ward ihm kund

Seines Kindes Wille. / Es war ihm höchlich leid,

Daß er werben wolle / um diese herrliche Maid.

Es erfuhr es auch die Königin, / die edle Siegelind:

Die mußte große Sorge / tragen um ihr Kind,

Weil sie wohl Gunthern kannte / und die in seinem Heer;

Die Werbung dem Degen / zu verleiden fliß man sich sehr.

Da sprach der kühne Siegfried: / »Viel lieber Vater mein,

Ohn edler Frauen Minne / wollt ich immer sein,

Wenn ich nicht werben dürfte / nach Herzensliebe frei.«

Was jemand reden mochte, / so blieb er immer dabei.

»Ist dir nicht abzuraten,« / der König sprach da so,

»So bin ich deines Willens / von ganzem Herzen froh

Und will dirs fügen helfen, / so gut ich immer kann;

Doch hat der König Gunther / manchen hochfährtigen Mann.

Und wär es anders niemand / als Hagen der Degen,

Der kann im Übermute / wohl der Hochfahrt pflegen,

So daß ich sehr befürchte, / es mög uns werden leid,

Wenn wir werben wollen / um diese herrliche Maid.«

»Was mag uns gefährden?« / hub da Siegfried an:

»Was ich mir im Guten / da nicht erbitten kann,

Mag ich schon sonst erwerben / mit meiner starken Hand:

Ich will von ihm erzwingen / so die Leute wie das Land.«

»Leid ist mir deine Rede,« / sprach König Siegmund,

»Denn würde diese Märe / dort am Rheine kund,

Du dürftest nimmer reiten / in König Gunthers Land.

Gunther und Gernot, / die sind mir lange bekannt.

Mit Gewalt erwerben / kann niemand die Magd,«

Sprach der König Siegmund, / »das ist mir wohl gesagt;

Willst du jedoch mit Recken / reiten in das Land,

Die Freunde, die wir haben / die werden eilends besandt.«

»So ist mir nicht zumute,« / fiel ihm Siegfried ein,

»Daß mir Recken sollten / folgen an den Rhein

Einer Heerfahrt willen: / das wäre mir wohl leid,

Sollt ich damit erzwingen / diese herrliche Maid.

Ich will sie schon erwerben / allein mit meiner Hand.

Ich will mit zwölf Gesellen / in König Gunthers Land;

Dazu sollt ihr mir helfen, / Vater Siegmund.«

Da gab man seinen Degen / zu Kleidern grau und auch bunt.

Da vernahm auch diese Märe / seine Mutter Siegelind;

Sie begann zu trauern / um ihr liebes Kind:

Sie bangt es zu verlieren / durch die in Gunthers Heer.

Die edle Königstochter / weinte darüber sehr.

Siegfried der Degen / ging hin, wo er sie sah.

Wider seine Mutter / gütlich sprach er da:

»Frau, ihr sollt nicht weinen / um den Willen mein:

Wohl will ich ohne Sorgen / vor allen Weiganden sein.

Nun helft mir zu der Reise / nach Burgundenland,

Daß mich und meine Recken / ziere solch Gewand,

Wie so stolze Degen / mit Ehren mögen tragen:

Dafür will ich immer / den Dank von Herzen euch sagen.«

»Ist dir nicht abzuraten,« / sprach Frau Siegelind,

»So helf ich dir zur Reise, / mein einziges Kind,

Mit den besten Kleidern, / die je ein Ritter trug,

Dir und deinen Degen: / ihr sollt der haben genug.«

Da neigte sich ihr dankend / Siegfried der junge Mann.

Er sprach: »Nicht mehr Gesellen / nehm ich zur Fahrt mir an

Als der Recken zwölfe: / verseht die mit Gewand.

Ich möchte gern erfahren, / wie's um Kriemhild sei bewandt.«

Da saßen schöne Frauen / über Nacht und Tag,

Daß ihrer selten eine / der Muße eher pflag,

Bis sie gefertigt hatten / Siegfriedens Staat.

Er wollte seiner Reise / nun mit nichten haben Rat.

Sein Vater hieß ihm zieren / sein ritterlich Gewand,

Womit er räumen wollte / König Siegmunds Land.

Ihre lichten Panzer, / die wurden auch bereit,

Und ihre festen Helme, / ihre Schilde schön und breit.

Nun sahen sie die Reise / zu den Burgunden nahn.

Um sie begannen zu sorgen / beides, Weib und Mann,

Ob sie je wiederkommen / sollten in das Land.

Sie geboten aufzusäumen / die Waffen und das Gewand.

Schön waren ihre Rosse, / ihr Reitzeug goldesrot;

Wenn wer sich höher deuchte, / so war es ohne Not,

Als der Degen Siegfried / und die ihm untertan.

Nun hielt er um Urlaub / zu den Burgunden an.

Den gaben ihm mit Trauern / König und Königin.

Er tröstete sie beide / mit minniglichem Sinn

Und sprach: »Ihr sollt nicht weinen / um den Willen mein,

Immer ohne Sorgen / mögt ihr um mein Leben sein.«

Es war leid den Recken, / auch weinte manche Maid:

Sie ahnten wohl im Herzen, / daß sie es nach der Zeit

Noch schwer entgelten müßten / durch lieber Freunde Tod.

Sie hatten Grund zu klagen, / es tat ihnen wahrlich not.

Am siebenten Morgen / zu Worms an den Strand

Ritten schon die Kühnen; / all ihr Gewand

War von rotem Golde, / ihr Reitzeug wohlbestellt;

Ihnen gingen sanft die Rosse, / die sich da Siegfried gesellt.

Neu waren ihre Schilde, / licht dazu und breit,

Und schön ihre Helme, / als mit dem Geleit

Siegfried der kühne / ritt in Gunthers Land.

Man ersah an Helden / nie mehr so herrlich Gewand.

Der Schwerter Enden gingen / nieder auf die Sporen;

Scharfe Speere führten / die Ritter auserkoren.

Von zweier Spannen Breite / war, welchen Siegfried trug;

Der hat an seinen Schneiden / grimmer Schärfe genug.

Goldfarbne Zäume / führten sie an der Hand;

Der Brustriem war von Seide; / so kamen sie ins Land.

Da gafften sie die Leute / allenthalben an:

Gunthers Mannen liefen / sie zu empfangen heran.

Die hochbeherzten Recken, / Ritter sowie Knecht,

Liefen den Herrn entgegen, / so war es Fug und Recht,

Und begrüßten diese Gäste / in ihrer Herren Land;

Die Pferde nahm man ihnen / und die Schilde von der Hand.

Da wollten sie die Rosse / ziehn zu ihrer Rast;

Da sprach aber Siegfried / alsbald, der kühne Gast:

»Laßt uns noch die Pferde / stehen kurze Zeit;

Wir reiten bald von hinnen; / dazu bin ich ganz bereit.

Man soll uns auch die Schilde / nicht von dannen tragen;

Wo ich den König finde, / kann mir das jemand sagen,

Gunther den reichen, / aus Burgunderland?«

Da sagt es ihm einer, / dem es wohl war bekannt.

»Wollt ihr den König finden, / das mag gar leicht geschehn:

In jenem weiten Saale / hab ich ihn gesehn

Unter seinen Helden: / da geht zu ihm hinan,

So mögt ihr bei ihm finden / manchen herrlichen Mann.«

Nun waren auch die Mären / dem König schon gesagt

Daß auf dem Hofe wären / Ritter unverzagt;

Sie führten lichte Panzer / und herrlich Gewand;

Sie erkenne niemand / in der Burgunden Land.

Den König nahm es wunder, / woher gekommen sei'n

Die herrlichen Recken / im Kleid von lichtem Schein

Und mit so guten Schilden, / so neu und so breit.

Daß ihm das niemand sagte, / das war König Gunthern leid.

Zur Antwort gab dem König / von Metz Herr Ortewein;

Stark und kühnen Mutes / mocht er wohl sein:

»Da wir sie nicht erkennen, / so heißt jemand gehn

Nach meinem Oheim Hagen: / dem sollt ihr sie lassen sehn.

Ihm sind wohl kund die Reiche / und alles fremde Land:

Erkennt er die Herren, / das macht er uns bekannt.«

Der König ließ ihn holen / und die in seinem Lehn:

Da sah man ihn herrlich / mit Recken...



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