Das Tagebuch im Waschsalon der lächelnden Träume | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Das Tagebuch im Waschsalon der lächelnden Träume

Roman - Berührend und mit dem Leben versöhnend: Die Bestsellersensation aus Südkorea
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-641-32306-6
Verlag: Limes
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman - Berührend und mit dem Leben versöhnend: Die Bestsellersensation aus Südkorea

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-641-32306-6
Verlag: Limes
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Willkommen in einem Waschsalon voller Wunder – der Feelgood-Bestseller aus dem Trendland Südkorea!

In einem charmanten Viertel mitten in Seoul befindet sich ein kleiner Waschsalon, in dem nicht nur Wäsche gereinigt wird, sondern die Menschen auch ihre Sorgen loswerden. Denn sie hinterlassen in einem grünen Tagebuch, das im Salon ausliegt, ihre Nöte, Ängste und Geschichten – und erhalten hinterher schriftlich Rat von anderen Besuchern. Auf diese Weise finden fünf ungleiche Menschen zusammen, die nicht nur das Geheimnis um den Ursprung des rätselhaften Tagebuchs lüften, sondern emotionale Heilung finden und ihr Leben wieder schätzen lernen.

Ein einfühlsamer und mit dem Leben versöhnender Roman über außergewöhnliche Begegnungen an einem ungewöhnlichen Ort.

Kim Jiyun wurde 1992 geboren und wuchs in Seoul auf. Sie studierte Kreatives Schreiben, schrieb Drehbücher und absolvierte einen Schauspielkurs. Eines Nachts, als sie durch die lärmenden Straßen des Viertels Hongdae in Seoul ging, inspirierte sie ein sanft erleuchteter Waschsalon zu ihrem ersten Roman. Sie liebt Filme, TV-Serien und Romane – und sie mag glänzende Dinge: Sterne, Sonnenschein und Lächeln.

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Klopf auf den Tomatentopf


Jindol jaulte leise. Seit dem Tod seiner Frau kümmerte Herr Jang sich allein um den weißen Hund, der zur koreanischen Jindo-Rasse gehörte. Mit seinen neun Jahren konnte dieser sein Geschäft nicht mehr allzu lange aufschieben. Normalerweise verrichtete er es beim Spazierengehen oder im Garten, deshalb ließ Herr Jang die Tür zur Terrasse immer einen Spalt offen, aber heute war sie wegen des starken Frühlingswindes geschlossen. Nachdem Jindol also stundenlang vor der Tür gestanden hatte, wie ein Welpe winselnd, hatte er auf Herrn Jangs Decke gepinkelt.

Herr Jang selbst lag auf dem Sofa im Wohnzimmer, nachdem er vor dem Fernseher eingedöst war. Als die Decke durch den Urin immer feuchter wurde, wachte er auf.

»Oh, ist das nass!«

Jindol blickte ihn mit mitleidserregender Miene an, seine schwarzen Augen glänzten. Herr Jang fühlte sich schuldig und richtete sich auf.

»Jindol, hast du hier draufgepinkelt? Ach, die Tür ist geschlossen … Du hast es auch nicht leicht, was? Schon gut, das kann man waschen. Dafür sind Waschmaschinen ja da, also mach dir keine Sorgen.«

Der beschämte Jindol vergrub den Kopf in Herrn Jangs Schoß und wedelte kräftig mit dem Schwanz. Herr Jang steckte die besudelte Bettdecke in seine alte Waschmaschine. Da die Knöpfe abgenutzt waren, ließ sie sich nicht sofort einschalten, also drückte er noch einmal kräftig mit dem Daumen darauf. Er stellte den Deckenwaschgang ein und ließ die Maschine laufen. Eine Stunde und fünfundvierzig Minuten würde es dauern.

Herr Jang wohnte in einem freistehenden Haus, sodass er sich auch mitten in der Nacht keine Sorgen um den Lärm der Waschmaschine machen musste. Das weiße, zweistöckige Gebäude lag im Stadtteil Yeonnam-dong. Ein weitläufiger Garten mit gepflegtem Rasen und großem blauem Eisentor säumte es. Seit vierzig Jahren lebte er nun schon hier. Anfangs hatte die Gegend einer ruhigen Siedlung mit Einfamilienhäusern geähnelt, aber da sich das Viertel Hongdae mehr und mehr zu einem Ort für die Jugend entwickelte, wurde auch Yeonnam-dong immer beliebter. Die meisten von Herrn Jangs Nachbarn waren inzwischen weggezogen, nachdem sie ihre Häuser in Geschäfte umgewandelt und das Erdgeschoss an Cafés und Restaurants vermietet hatten. So wurde Herr Jangs Haus mit dem blauen Tor zu einem der wenigen noch unvermieteten Häuser in Yeonnam-dong.

Es gab drei Zimmer im Erdgeschoss und drei im ersten Stock, ein großes Haus für eine einzelne Person. Herr Jang hatte überlegt, mit seinem Hund woanders hinzuziehen, aber wegen der Erinnerungen an seine Frau wollte er das Haus nicht aufgeben. Die Magnolien, Jujuben, Kakibäume und Pappeln im Garten sowie die Narzissen, Rosen und Kirschtomaten, die gerade in den Töpfen blühten, waren alle von seiner Frau gepflanzt worden. Mit seinen mittlerweile achtzig Jahren fiel es Herrn Jang zunehmend schwerer, das zweistöckige Haus zu putzen sowie die Bäume im Garten zu pflegen, aber er wollte seiner Frau im Himmel eine Freude machen, indem er sich in ihrer Abwesenheit gut um die Pflanzen kümmerte.

Herr Jang trank ein Glas lauwarmes Wasser und nahm die Fernbedienung zur Hand. Während er die Nachrichten auf dem Bildschirm verfolgte, ratterte die Waschmaschine, beendete den letzten Schleudergang und piepste dann laut. Herr Jang stellte sich vor die Maschine und zog mit einem Stöhnen die feuchte Bettdecke heraus, trug sie in den Garten und hängte sie auf die Wäscheleine. Beim Gehen achtete er darauf, Jindol, der ihm vom Waschraum gefolgt war, nicht auf die Pfoten zu treten. Es war noch dunkel draußen, aber die Sonne würde bald aufgehen. Und während Herr Jang die Decke aufhängte, konnte Jindol sich schließlich unter dem Jujube erleichtern.

»Fühlst du dich jetzt besser?«

Jindol kam bellend und mit wedelndem Schwanz auf Herrn Jang zugelaufen.

»Pst! Sei ruhig, alle anderen schlafen noch.«

Als Herr Jang den Zeigefinger auf den Mund legte, verstummte Jindol.

»Brav so. Es ist kalt, lass uns reingehen!«

Am Nachmittag kamen einige Leute über siebzig im Seniorenzentrum zusammen – ein seltener Anblick im Jugendviertel Hongdae.

»Doktor Jang, meine Knie machen mir in letzter Zeit so sehr zu schaffen. Früher war es nur beim Gehen, aber jetzt tun sie mir auch im Sitzen oder Liegen weh. Was soll ich tun?«

Frau Hong trank einen Schluck Instantkaffee aus einer Plastikwasserflasche, während Herr Wu, der sich als Herr Jangs Rivale betrachtete, sie tadelte: »Herr Jang ist kein Arzt und auch kein Apotheker mehr, was weiß er schon? Wenn Sie krank sind, sollten Sie ins Krankenhaus gehen!«

Herr Jang kommentierte dies mit einem Hüsteln, dann antwortete er Frau Hong: »Es könnte einfach am Alter liegen oder vielleicht sind die Gelenkknorpel am Ende …«

»Sagt derjenige, der letztes Jahr nach all den Problemen die Apotheke geschlossen …« Mitten im Satz brach Herr Wu ab. Nach fast fünfzig Jahren war Herr Jang letztes Jahr gezwungen gewesen, seine Apotheke nahe der Station Sinchon zu schließen und seinen Apothekerkittel abzulegen, nachdem er Rezepte falsch gelesen und zu viele Medikamente herausgegeben hatte.

Nachdem er sich ein paarmal geräuspert hatte, sagte Herr Jang: »Ich schicke Ihnen einen Tipp per SMS

Herr Wu blickte Frau Hong mit zusammengekniffenen Augen an und sagte dann: »Bis zum Schluss spielt er den Apotheker.«

»Herr Wu! Reißen Sie nicht Doktor Jangs Wunde auf. Schließlich werden wir alle alt …«

»Wo wir schon dabei sind, Frau Hong, warum sprechen Sie ihn als Jang an und mich als Wu? Nehmen Sie mich etwa nicht für voll?«

»Lassen Sie uns aufbrechen, Doktor Jang. Jindol ist schon zu lange allein da draußen.«

Frau Hong fasste Herrn Jang am Ärmel und die beiden gingen zur Tür hinaus. Jindol, der angeleint vor dem Seniorenzentrum wartete, wedelte mit dem Schwanz, als sie auf ihn zukamen.

»Jindol, du armer Kerl, darfst nicht einmal reinkommen wegen dem mürrischen alten Mann da drinnen. Ich habe dir ein Leckerli mitgebracht.« Frau Hong holte einen Hundekauknochen mit Rindfleischgeschmack aus ihrer selbst gehäkelten roten Tasche und reichte ihn Jindol.

»So was Feines. Sie verwöhnen meinen Jindol ja richtig.«

»Nehmen Sie sich Herrn Wus Worte nicht zu Herzen. In anderen Seniorenzentren wurde er gemobbt, seitdem kommt er hierher und spielt sich auf.«

»Aha«, sagte Herr Jang belustigt. »Nun, ich schicke Ihnen den Namen eines wirkungsvollen Nahrungsergänzungsmittels für Ihre Knie.«

»Vielen Dank, Doktor Jang.«

»Nicht der Rede wert. Es ist gut zu wissen, dass ich noch nützlich sein kann. Holen Sie Ihren Enkel von der Schule ab?«

»Ja, ist es etwa schon so spät?«, erwiderte Frau Hong, und Herr Jang bot ihr an, gemeinsam aufzubrechen.

»Vielleicht kann ich auf dem Heimweg mit Jindol eine Runde um die Grundschule drehen.«

»Nein, ich kann nicht direkt zur Schule gehen.«

»Ich dachte, Sie wollten Ihren Enkel abholen?«

Frau Hong rieb sich den Ringfinger ihrer linken Hand, an dem ein Glied fehlte, und sagte mit leiser Stimme: »Mein Enkel will, dass ich etwas weiter entfernt warte. Ich fürchte, er schämt sich vor seinen Freunden für seine Großmutter mit den verstümmelten Fingern … Das ist passiert, als ich in einer Fabrik an einer Nähmaschine gearbeitet habe. Alles, um seinen Vater großzuziehen. Aber ich will nicht, dass mein Enkel wegen mir Probleme bekommt, also bleibt mir nichts anderes übrig.«

Mit einem bitteren Lächeln strich Frau Hong wieder über ihren Ringfinger. Sie trug schon lange keinen Ehering mehr – nun wurde ihr wohl bewusst, wie viele Jahre vergangen waren, seit sie ihn abgenommen hatte.

Herr Jang schloss den Mund und nickte grimmig.

Er beschloss, mit Jindol zum Yeontral-Park in Yeonnam-dong zu gehen. Die Straßen dorthin waren nachmittags weniger überlaufen als nachts, aber immer noch voller Menschen, von denen einige schon kurze Ärmel trugen, obwohl es ein kühler Frühlingstag war. Als die beiden den kleinen Fußgängerübergang zum Park passieren wollten, bemerkte Herr Jang eine junge Frau, die mit einer Ladung Wäsche aus einem Waschsalon kam. Während alle anderen Spaziergänger rundherum mit Kopfhörern in den Ohren ausdruckslos auf ihre Handys starrten, hatte sie ein Lächeln im Gesicht. Als ob sie gerade eine Erleuchtung gehabt hätte. Herr Jang ging zu dem Waschsalon, aus dem die junge Frau getreten war.

stand auf dem Schild, in einem sauberen, aber gefühlvollen Schriftzug, die einzelnen koreanischen Schriftzeichen von gelben Halogenlichtern beleuchtet. »Der lächelnde Waschsalon« also. Die Vorderseite des Ladens war von oben bis etwa auf Taillenhöhe verglast, wodurch man einen guten Blick ins Innere hatte, während der untere Teil aus Ziegeln in einer hellen Mischung aus Elfenbein und Grau bestand, was dem Laden ein entspanntes, aber strenges Aussehen verlieh. Die Frühlingssonne schien tief in den Raum hinein, in dem eine große Waschmaschinentrommel im Kreis lief. Auf einem Holztisch am Fenster stand eine Kaffeemaschine, die niedrigen Regale an der Wand waren mit Büchern gefüllt.

»Ein Waschsalon und eine Bibliothek und ein Café. Die Welt hat sich wahrlich zum Besseren verändert, nicht wahr, Jindol?«

Als Antwort wedelte der Hund mit dem Schwanz.

Später, nachdem Herr Jang durch das Tor in den Garten seines Hauses getreten war, befühlte er als Erstes die Steppdecke auf der Wäscheleine. Sie war zwar immer noch...



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