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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 176 Seiten
Daschner Du hast mein Leben dem Tod entrissen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7917-6275-3
Verlag: Pustet, F
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ansprachen zu Bestattung und Aussegnung
E-Book, Deutsch, 176 Seiten
ISBN: 978-3-7917-6275-3
Verlag: Pustet, F
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dominik Daschner OPraem, Dr. theol., geb. 1962, ist Mitglied der Abtei Windberg und Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Mitterfels-Haselbach
Autoren/Hrsg.
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Ansprachen bei der Bestattung alter Menschen
Geführt vom guten Hirten
Als aus einer Landwirtschaft stammende Ehefrau, Mutter und Grundschullehrerin hatte die Verstorbene Jesus als guten Hirten als Leitbild für ihr Leben vor Augen. Durch ihr eigenes Leben und Wirken ist sie selbst zu einer guten Hirtin für andere geworden. Ihre Krankheit, an der sie schon länger litt, hatte sie für sich behalten, bis sie daran im Alter von 73 Jahren starb. Für ihr Requiem hatte sich die gläubige, in einer konfessionsverbindenden Ehe lebende Christin ausdrücklich Texte und Lieder gewünscht, die das Bild vom guten Hirten thematisieren.
Lesung: Ez 34,11-16
Evangelium: Joh 10,11-15.27-29
Von Gott, der sich um die Menschen kümmert wie ein Hirt um seine Schafe – sie sammelt, sie auf gute Weide führt, darauf achtet, dass keines verloren geht, sich um verletzte Tiere kümmert –, und von Jesus, der sich dieses Bild aus dem Buch des Propheten Ezechiel zu eigen macht, es auf sich bezieht und sich selbst damit identifiziert – Jesus als der gute Hirte, der die Seinen kennt, der keinen von ihnen verloren gehen lässt und dafür sogar sein Leben hingibt –, davon haben wir in den Schrifttexten gerade gehört. Dieses Bild war Ihrer Ehefrau und Mutter sehr wertvoll und hat ihr gläubiges Leben geprägt.
Durch ihre Herkunft aus der Landwirtschaft ihrer Eltern N. und N. N. in N., wo sie am [Datum] zur Welt gekommen und zusammen mit ihrem jüngeren Bruder N. aufgewachsen ist und schon in jungen Jahren fleißig mithelfen musste, von daher war N. N. diese Bilderwelt der menschlichen Fürsorge für die ihm anvertrauten Tiere bestens bekannt. Der Ort N. mit seiner Landwirtschaft dort lag ihr ein Leben lang besonders am Herzen.
Von Christus, dem guten Hirten, heißt es, dass er die Seinen genau kennt. Jesus hat es uns eben im Evangelium noch einmal zugesprochen: „Ich bin der gute Hirt, ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“ Er ruft sie einzeln beim Namen, heißt es ein paar Verse davor; sie hören auf seine Stimme und folgen ihm. Gott kennt und liebt uns Menschen nicht nur so allgemein. Nein, jeder Einzelne ist vor ihm wertvoll mit seiner ganz individuellen Lebensgeschichte.
Dazu gehört bei unserer Verstorbenen ihr Berufsleben. Trotz der fleißigen Mitarbeit in der elterlichen Landwirtschaft, wodurch Lernen und Hausaufgabenmachen hintangestellt werden mussten, konnte sie das Gymnasium in N. besuchen, wo sie 1969 Abitur gemacht hat und dann an der Universität N. Lehramt studiert hat. Nahezu 40 Jahre war sie Lehrerin: zunächst an verschiedenen Grundschulen im Landkreis und ab 1979 fest in N., wohin sie jeden Tag zusammen mit ihrem Mann gefahren ist, der ebenfalls an der dortigen Schule unterrichtet hat.
Zu diesem unverwechselbaren Leben gehören die vielfältigen Begabungen und Interessen Ihrer Schwester, Schwägerin und Tante. Ihre Liebe zur Natur: die Arbeit im Garten, die Blumen, die sie gezüchtet hat, ihre Tierliebe – ganz besonders zu Katzen. Ihr großes Hobby: das Lesen. Sie kannte sich gut aus in der Literatur. Dazu ihr musikalisches Talent. Sie liebte klassische Musik – Beethoven vor allem –, mochte aber auch moderne Tanzmusik gern. Sie hatte große Freude am gemeinsamen Chorgesang, war selber lange Jahre sängerisch aktiv beim N.er Singkreis. Beim Gottesdienst hatten es ihr lateinisch gesungene Messen besonders angetan.
Zu dieser Lebensgeschichte gehört als ganz wesentliches Element das Familienleben von N. N. als Ehefrau, Mutter und Oma. Gleich nach dem Abitur hatte sie ihren Mann N. geheiratet, und noch im selben Jahr kam Sohn N. zur Welt. Neun Jahre später war mit Sohn N. die Familie komplett. Darin war unsere Verstorbene der Mittelpunkt. Sie war die Managerin des gesamten Haushalts. Als Oma hatte sie ihre Freude an ihren Enkelkindern, ganz besonders an N., der 2020 zur Welt kam und für sie ein Lichtblick in ihrer Krankheit war, die die letzten Lebensjahre von N. N. beschwerlich gemacht hatte. Sie hat darüber nicht öffentlich gesprochen und diese Dinge lieber mit sich selbst ausgemacht. Trotzdem hat sie nie ihren Lebensmut und ihre Lebensfreude verloren. Beim Abschiednehmen an ihrem Krankenbett in ihren letzten Lebensstunden im Krankenhaus in N., wo sie am Montag im Alter von 73 Jahren verstorben ist – so haben Sie mir erzählt –, hat sie selbst gesagt: „Das Leben war schön.“ Das ist doch etwas Wunderbares, wenn ein Mensch das am Ende seines Lebens als Resümee so sagen kann.
Liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde, das Bild vom guten Hirten war unserer Verstorbenen ein wertvolles Leitbild für ihr Leben und für ihren Glauben. Für ihr Requiem hat sie sich deshalb Texte und Lieder gewünscht, die dieses Bild thematisieren. N. N. war eine gläubige Frau, hat im Gebet ihr Leben immer wieder in Beziehung zu Gott gebracht. In einer traditionell-konservativ glaubenden Weise ist sie mit ihrem Leben Christus, dem guten Hirten, gefolgt.
Und sie ist auch selbst für andere Menschen zu einer guten Hirtin geworden. In ihrer Familie als Ehefrau und Mutter, wo sie – trotz ihrer eigenen Berufstätigkeit und der Hausarbeit – ihrem Mann Freiraum für berufliche Projekte gelassen hat; wo sie – bescheiden und nicht auf sich selbst bedacht – in jeder Situation für ihre Kinder da war und immer ein offenes Ohr für alle Probleme hatte.
Gute Hirtin war N. N. auch für die ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler. Die meiste Zeit als Lehrerin waren das die ganz Kleinen der ersten und zweiten Klassen, die sie behutsam in den Schulalltag hineinbegleitet, sie ins Lesen, Schreiben und Rechnen eingeführt hat und in all die anderen schulischen Lernfelder. Denn N. N. hat alle Fächer selbst unterrichtet und hatte vom Bischof auch die Missio canonica verliehen bekommen – die Lehrbefähigung für katholische Religion –, wo sie ihren Kindern das Bild von Gott als einem guten Hirten unseres Lebens vermittelt hat.
Mit diesem Hirtesein für andere ist Ihre Ehefrau, Ihre Mutter, Schwiegermutter und Oma Christus, dem guten Hirten, ein Stück ähnlich geworden. Darauf wird Gott mit Lob und Anerkennung schauen und sie nun – so dürfen wir vertrauen – auf die Weide des ewigen Lebens führen.
Denn vom guten Hirten sagt Jesus im Evangelium, dass dieser keines seiner Schafe verloren gehen lässt. Wo sich eines im Leben verlaufen hat, geht er ihm nach, sucht es und bringt es zur Herde zurück. So ist Gott. Wenn wir uns im Leben auf Abwege verlaufen oder mit unserem Handeln in die Irre gehen, dann schreibt er uns nicht ab, sondern geht uns durch Jesus nach, um uns auf den rechten Weg zurückzubringen. So wird er auch unserer verstorbenen Schwester im Glauben vergeben, wo sie aus menschlicher Schwachheit etwas schuldig geblieben oder an anderen schuldig geworden sein sollte.
Und auch im Tod lässt er uns nicht verloren gehen. Als guter Hirte ist Jesus selbst vor dem Tod nicht zurückgewichen, der uns wie ein reißender Wolf nach dem Leben trachtet, sondern hat sich ihm in den Weg gestellt. Vielleicht nicht so, wie wir uns das gerne wünschen würden: dass keiner von denen, die wir lieben, sterben muss. Aber doch so, dass er uns nicht dem Tod überlässt; dass uns der Tod nicht für immer verschlingt wie ein reißender Wolf.
Bei seinem Sterben am Kreuz ist Jesus in das für uns undurchdringliche Dornengestrüpp des Todes hineingegangen, in dem wir uns zu verlieren drohen, aus dem wir alleine nicht herausfinden. Er hat dabei auf eigene Wunden nicht geachtet, sondern sein Leben für uns dahingegeben, um uns aus dem Tod zu befreien. Auch für N. N. hat Christus das vollbracht. So dürfen wir zuversichtlich sein, dass Christus sie aus dem Gestrüpp von Krankheit und Tod herausholen wird und sie nun heimführen wird auf die gute und frische Weide des ewigen Lebens.
Damit uns niemand wie ein Löwe das Leben raubt
Dem Familienvater, umtriebigen Geschäftsmann mit vielerlei Talenten und geselligen Mitbürger in der Dorfgemeinschaft, der trotz angeschlagener Gesundheit weiterhin mitten im Leben stand, wird vom Corona-Virus, mit dem er sich bei der Dialyse infiziert hatte, mit 76 Jahren das Leben geraubt. Seine Angehörigen, die erst nach seinem Tod verständigt wurden und erfahren haben, dass es so schlecht um ihn stand, sind schockiert. Sein Tod fiel in die Osterzeit.
Lesung: 2 Tim 1,9-14
Evangelium: Joh 5,24-29
In der Bibel werden Tod und Teufel wiederholt mit einem reißenden Löwen verglichen. Im ersten Petrusbrief heißt es, er schleiche wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann (vgl. 1 Petr 5,8). Ja, der Tod lauert uns in vielfältiger Gestalt auf und stellt unserem Leben nach.
Ein brüllender Löwe, das ist eine sichtbare Gefahr, der wir aus dem Weg gehen, vor der wir fliehen können. Ein mikroskopisch kleines Virus jedoch, das unsere Welt seit Wochen in Atem hält und in Schrecken versetzt, das uns befällt, ohne dass wir es zunächst merken, das ist eine unsichtbare Gefahr – aber genauso tödlich.
Ihrem Ehemann, Ihrem Vater, Schwiegervater, Opa und Bruder hat es den Tod gebracht. Gesundheitlich angeschlagen, wie er seit seinem schweren Herzinfarkt 2016 war, hat er die Infektion...




