E-Book, Deutsch, 0 Seiten
David / Friedman / Greenberger Star Trek - Classic: Die Enterbten
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11721-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
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ISBN: 978-3-641-11721-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Föderationskolonien in den Xaridia-Systemen werden angegriffen und gnadenlos verwüstet. Als die Enterprise eintrifft, kommt es zum Kampf, doch Captain Kirk muss die bittere Erfahrung machen, dass sein Raumschiff den kleinen Flitzern und ihren Kamikaze-Piloten nicht gewachsen ist. Spock entdeckt, dass eine der angegriffenen Kolonien vor der Zerstörung geplündert wurde. Dabei wurde Technologie entwendet, die zum Bau einer gefährlichen Waffe benutzt werden kann.
Peter David, geboren 1956 in Maryland, tat sich vor allem als Comicautor (u.a. Hulk, Captain Marvel, Spider-Man, Wolverine, Supergirl und Aquaman) hervor. Darüber hinaus schrieb David auch eine Folge der Fernsehserie Star Trek und mehrere Romane, die auf dieser Serie basieren. Er arbeitete außerdem als Autor für einige Folgen der Serie Babylon 5.
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Kapitel 1
»Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens.« Jak Eisman bedachte den Mann, der dies gerade gesagt hatte, mit einem schiefen Grinsen. Dann deutete er mit dem Finger auf ihn. »Und du, Delacort«, sagte er, »bist ein Neidhammel.«
Delacort machte einen Schritt zurück und tat so, als habe ihm jemand ins Herz geschossen. Er war zwar ein paar Jahrzehnte älter als Jak, aber dies hinderte ihn nicht daran, sich wie ein Junge aufzuführen. Er schüttelte seine weiße Mähne und legte mit ernster Miene eine Hand auf Jaks Schulter. »Wir haben zusammengearbeitet, und ich habe dich ausgebildet«, erwiderte er. »Ich habe mich bemüht, dich alle Werte zu lehren, die mich durchs Leben gebracht haben. Und was passiert? Du heiratest trotzdem.«
Jak schüttelte den Kopf und tätschelte den vor Delacort stehenden Computerbildschirm. »Glaubst du nicht auch«, sagte er, »dass es besser wäre, wenn du jetzt anfängst zu arbeiten? Wir haben heute eine Menge zu erledigen.« Seine blauen Augen blinzelten heiter. Sein langes rotes Haar war zu einem Zopf gebunden, den er noch nicht lange trug. Zwar hatte der Zopf ihm einige Kommentare seitens der übrigen Angehörigen der kolonialen Forschungsgruppe von Gamma Xaridia eingetragen, aber es störte ihn nicht. Für ihn zählte im Grunde nur eins: dass er L'rita gefiel. Ihrer Ansicht nach wirkte er mit dem Zopf und seinem viereckigen Kinn irgendwie heldenhaft – fast wie ein Pirat aus alter Zeit. Der Klang ihrer Worte hatte ihm gefallen. Jak Eisman, der piratenhafte Adjutant des administrativen Leiters der Kolonie Gamma Xaridia. Klang das nicht toll?
Delacort ließ sich mit einem Seufzer, der wie ein lauer Wind klang, hinter dem Schreibtisch nieder. Sein Büro war das größte nicht nur in diesem Gebäude, sondern auch auf dem gesamten Planeten. Die prächtige Sonne Gamma Xaridias kam gerade über den Horizont, ihre Strahlen fielen durch das Fenster und erhellten eine Vielzahl gläserner Nippsachen, die Delacort mit Hingabe sammelte. Sie standen in Massen in den Regalen, so dass der Morgen in seinem Büro wie üblich sehr beeindruckend ausfiel. Auf sämtlichen weißen Flächen schillerten Regenbogen. Obwohl Jak es nicht ausstehen konnte, so früh aufzustehen, um seinen Pflichten als rechte Hand Delacorts nachzukommen, hatte die Sache doch einigen ästhetischen Reiz.
Delacort warf einen Blick auf seinen Tagesplan. »Das gleiche wie gestern«, sagte er dumpf. »Und das gleiche wie vorgestern: Debatten, Diskussionen. Ich gehe jede Wette ein, dass heute sieben Komiteekonferenzen anstehen.«
»Acht«, korrigierte Jak ihn.
»Acht. Wie viele wissenschaftliche Komitees gibt es eigentlich in dieser Kolonie?«
Jak wusste ziemlich gut, dass Delacort die Antwort kannte, aber er sprach sie dennoch aus. »Dreiundachtzig.«
»Dreiundachtzig.« Delacort schüttelte ungläubig den Kopf. »Dreiundachtzig«, wiederholte er. »Weißt du was?«, sagte er dann und winkte Jak mit einem fleischigen Finger. »Als ich damals mit dieser Kolonie anfing …«
»Ja, das war noch in der guten alten Zeit«, erwiderte Jak mit äußerster Ernsthaftigkeit. »In der guten alten Zeit, als es noch keine Raumfahrt gab, als man von der Erde aus noch zu Fuß hierherkommen musste. Hundertzwanzig Millionen Kilometer, durch den Schnee. Und immer bergauf.«
»Stimmt«, sagte Delacort todernst. »Und die ganze Zeit über bissen einem die Dinosaurier in die Waden.« Er lächelte kurz und fuhr dann fort: »Aber im Ernst, Jak. Als wir damals hier anfingen, gab es genau ein Komitee. Ich habe es geleitet. Man nannte es ›das Komitee, das alles ankurbelt‹. Damals habe ich mir geschworen, dass wir nicht in diese Falle tappen – dass wir uns schneller teilen als eine Amöbe und jedes Komitee für etwas anderes verantwortlich ist. Und weißt du, was passiert ist?«
»Wir haben es trotzdem getan.«
»Genau«, brummte Delacort. Seine Hände machten eine vage Geste. »Hol's der Henker. In drei Monaten verlasse ich diesen Klotz, dann kannst du alles übernehmen. Dann gehört alles dir – und deiner süßen Braut.«
»Aber sicher«, sagte Jak. »Dann gehst du in Pension. Das hast du voriges und vorvoriges Jahr übrigens auch gesagt.«
Delacort setzte eine erschreckte Miene auf. »Was soll das heißen? Kannst du es etwa nicht erwarten, mich los zu sein?«
Jak machte eine abfällige Geste. Dann ertönte der Türsummer. »Herein«, rief Delacort.
Die Tür ging zischend auf, und L'rita lugte hindurch. Sie wusste, wie hoch Jak Delacort in Wahrheit einschätzte, auch wenn er es hinter seinem gutmütigen Gefrotzel zu verbergen wusste. Sie selbst war als Individuum zu offen, um ihre diesbezüglichen Gefühle zu verbergen. Wenn sie in seiner Nähe war, gab sie sich immer recht schüchtern.
»Störe ich etwa?«, fragte sie zögernd.
Delacort winkte sie herein. »Überhaupt nicht«, sagte er. »Ich habe mich nur gerade mit dem armen Hund da unterhalten.«
»Mit dem armen Hund?« Sie blinzelte, schien ihn nicht ganz zu verstehen. L'rita war zwar absolut kompetent, wenn es galt, über Quantenastrophysik zu diskutieren, aber wenn unterschwelliger Humor und milder Sarkasmus angesagt waren, schien sie schwer von Begriff. »Meinen Sie etwa meinen Verlobten?«
Delacort zuckte die Achseln. »Ist doch das gleiche.«
»Ignoriere ihn einfach, Schätzchen«, sagte Jak. Er gab L'rita mit einer Handbewegung zu verstehen, sie solle zu ihm kommen. Als sie neben ihm stand, streichelte er mit der Hand zärtlich über ihren kahlen Schädel. Er ertastete ein paar Stoppeln und wusste, dass sie sich bald wieder rasieren würde. »Was ist denn?«
»Wir müssen noch ein paar Kleinigkeiten besprechen – wegen des Hochzeitsempfangs heute Abend.«
»Kleinigkeiten?«, sagte Delacort. »Mich trifft der Schlag. Wenn ihr noch länger wartet, besprecht ihr sie erst nach der« – er schüttelte sich leicht – »Hochzeit. Und wenn ich mir vorstelle, dass ich die Zeremonie als Leiter der Kolonie durchführen muss …«
L'rita neigte leicht den Kopf. Ihre pupillenlosen schwarzen Augen musterten Delacort eingehend. »Sie reagieren so negativ auf das Wort Hochzeit, Mr. Delacort«, sagte sie neugierig. »Warum eigentlich?«
»Weil die Ehe ein unnatürlicher Daseinszustand ist, meine Liebe«, erwiderte Delacort dröhnend. »Kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen Ehe und Tod?«
L'rita schaute von Delacort zu Jak. Da Jak den Witz nicht seiner Pointe berauben wollte, sagte er mit einem Seufzer: »Nein, wissen wir nicht. Was ist der Unterschied, Chef?«
»Ich kenne ihn auch nicht«, sagte Delacort. »Aber bevor ich es nicht weiß, habe ich nicht vor, eins von beidem auszuprobieren.«
In diesem Augenblick heulten die Sirenen auf.
L'rita schnappte nach Luft, trat instinktiv näher an Jak heran und drängte sich an ihn. Sie schaute sich verwirrt um. »Jak?«
Das kameradschaftliche Geplänkel brach augenblicklich ab. Delacort war sofort hinter dem Computerbildschirm. »Computer!«, rief er. »Bildschirm löschen, verdammt! Ich brauche einen umfassenden Report!«
Jak hatte sich an die Kom-Einheit an der Wand begeben und verlangte die aktuellen Zustandsmeldungen. In diesem Augenblick zischte die Tür ohne Vorwarnung auf, und die Wissenschaftler ergossen sich wie Lemminge in Delacorts Büro. Die Luft war von wirren Stimmen erfüllt, die entweder über den neuesten Stand der unerwarteten Situation berichteten oder wissen wollten, was überhaupt los war.
Auf dem Hof tief unterhalb von Delacorts Büro heulte die Sirene weiterhin. Verschiedene Kolonisten wankten in unterschiedlichen Stadien der Zerzaustheit auf die Plätze vor den Gebäuden und zupften an ihren Kleidern und Morgenmänteln, um ihre Schlafanzüge zu bedecken. Nur Irre wie Delacort und sein unmittelbarer Stab waren so verrückt, zu dieser frühen Stunde schon auf den Beinen zu sein.
Delacort schwenkte die Arme. »Klappe halten!«, schrie er aufgeregt. »Klappe halten! Alle Mann!« Da er die Meldung des Computers nicht hören konnte, musste er brüllen. »Computer – wiederholen!«
»Im Umkreis des Planeten sind sechs Schiffe aus dem Warp gekommen«, sagte die Computerstimme mit tiefem Bariton. »Sie nähern sich mit hoher Geschwindigkeit. Die vorläufige Sensorabtastung zeigt, dass ihre Waffen scharf und feuerbereit sind. Allgemeine Größe und Konfiguration der Schiffe besagt mit dreiundneunzig Prozent Wahrscheinlichkeit, dass es sich um die gleichen handelt, die in den vergangenen vier Monaten die Systeme Alpha und Beta Xaridia angegriffen haben.«
»Nächstes planetares Verteidigungssystem?«, fragte Delacort.
»Station Bravo.«
»Direkte Kom-Verbindung«, sagte Delacort. »Sofort!«, fügte er hinzu, als könne sein Gebrüll die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Computers beschleunigen.
Kurz darauf meldete sich über Interkom eine schleppende Stimme. »Hier ist Sloan, Station Bravo«, sagte der Mann. »Klingeln Sie an, um mir zu sagen, dass Sie Besuch bekommen haben, Großer Häuptling?«
Delacort wischte sich urplötzlich entstandenen Schweiß von der Oberlippe und sandte ein stummes Dankgebet an Kolkers beschützenden Geist. Sloan war der erfahrenste Mann, den die planetaren Verteidigungsstationen aufzuweisen hatten. Wenn sie wirklich angegriffen wurden, hätte er es nicht besser treffen können. »Yeah, Sloan. Haben Sie schon was?«
»Ich bin ihnen auf der Spur«, sagte Sloan. »Die haben wirklich Laufschuhe an … Es ist aber nichts, womit ich nicht fertig werden könnte. In etwa vier Sekunden haben wir die Zielinformationen.«
Delacort nickte und warf einen raschen Blick auf die in seinem Büro...




