Davidson | Das Geheimnis der Menora | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 317 Seiten

Davidson Das Geheimnis der Menora


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95530-583-3
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 317 Seiten

ISBN: 978-3-95530-583-3
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Ausgezeichnet mit dem 'Gold Dagger' - der renommiertesten literarischen Krimi-Auszeichnungen der Welt! Sie besteht aus massivem Gold und ist von unschätzbarem Wert. Doch seit fast zweitausend Jahren gilt die legendäre Menora, der große, siebenarmige Leuchter und das Sinnbild des Judentums, als verschollen. Bis eines Tages ein uraltes Schriftfragment auftaucht, das neue Hinweise auf den möglichen Fundort liefert. Von der israelischen Regierung beauftragt, macht sich der junge britische Archäologe Caspar Laing sofort auf die Suche nach dem Heiligtum. Aber er ist nicht der Einzige, denn eine Kopie der Schriftrolle ist in die Hände skrupelloser Jordanier gefallen, und auch sie wollen sich um jeden Preis in den Besitz des goldenen Leuchters bringen. Für Laing beginnt ein fieberhafter Wettlauf mit der Zeit...

Lionel Davidson, geb. 31. März 1922 in Hull, Yorkshire; gest. 21. Oktober 2009 in London, war ein britischer Schriftsteller. Er verließ frühzeitig die Schule und arbeitete als Laufbursche beim Wochenmagazin The Spectator. Später arbeitete er beim Londoner Pressedienst Keystone, unterbrochen vom Zweiten Weltkrieg, wo er bei der U-Boot-Marine diente. Nach dem Krieg bereiste er als selbstständiger Berichterstatter Europa. Seine Reiseerfahrungen und der Kalte Krieg brachten ihn auf die Idee, einen Spionageroman zu schreiben, der in der damaligen Tschechoslowakei spielte. Die Nacht des Wenzel erschien 1960 und war sofort ein großer Erfolg. Bis 1978 erschienen in unregelmäßigen Abständen weitere Romane von ihm, die alle ebenfalls sehr erfolgreich waren. Daneben schrieb er auch einige Kinderbücher, für die er teilweise das Pseudonym David Line verwendete. Danach folgte eine größere Pause, bis 1994 sein letzter Spionageroman Der Rabe erschien. 2001 erhielt er für sein Lebenswerk den Diamond Dagger der britischen Krimiautorenvereinigung CWA.
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1


Als ich ankam, war niemand da, niemand außer Birkett und seiner Frau, was ich als besondere Strafe empfand. Er aß Trauben und eine Selleriestange und unterbrach sich nicht, als er mich sah, sondern nickte nur und fuhr fort, langsam und bedächtig zu kauen. Er trug einen schwarzen Rollkragenpullover aus irgendeinem dünnen Material, wahrscheinlich Nylon, der ihm gemeinsam mit seinen eng zusammenstehenden Augen, von denen eines größer war als das andere, und den hohen, dämonisch wirkenden Wangenknochen das Aussehen eines verrückten alten Ballettänzers verlieh.

Seine Frau war am selben kleinen Eichentisch mit einer ähnlichen Mahlzeit beschäftigt gewesen; nun nahm sie ihren Teller hoch, sagte: »Entschuldigen Sie mich einen Moment«, und verließ damit den Raum. Er kaute weiter und nickte, um anzudeuten, daß sein Mund bald leer sein würde, und so war es. Er beendete seine Mahlzeit nicht; er hatte nur den Mundvoll fertiggegessen und saß nun ganz unbeteiligt da.

Ich sagte: »Ich fürchte, ich komme zu früh.«

Er widersprach mir nicht, sondern sah mich nur auf seine ernste, leicht überspannte Art an und sagte: »Dadurch haben wir die Gelegenheit, miteinander zu reden.«

»Wir müssen Ihnen gratulieren«, sagte seine Frau, die zurückkam, mit ihrem dünnen, verkniffenen Lächeln auf dem Gesicht.

»Natürlich«, sagte Birkett würdevoll. »Das wollte ich schon seit längerem.«

»Dr. Laing ist ein junger Mann, dessen man schwer habhaft wird. Iß zu Ende, Liebling. Sie trinken doch sicher einen Schluck, Dr. Laing?«

Dies war eher eine Feststellung als eine Frage, mit der sie auf ihre seltsam zweideutige Art auf ein paar meiner besonderen Charakterzüge anzuspielen schien, wie zum Beispiel Zügellosigkeit, Gier und Opportunismus.

Ich lehnte mich, bereits entnervt, zurück. Mir fiel auf, wie sie meine Schuhe betrachtete. Die Wildlederschuhe waren mir für die exzentrischen Leute, die heute abend hier zu erwarten waren, passend erschienen. Außerdem trug ich ein kariertes Flanellhemd und eine alte Tweedjacke; ganz der nüchterne Laing. Ich hätte nicht gewaltiger danebengreifen können, wenn ich in Frack und Zylinder erschienen wäre. Ihre Art von Nüchternheit war dermaßen ausgefeilt, daß alles andere, die Wildlederschuhe einbezogen, wie schrille Affektiertheit wirken mußte. Unter dem Tisch sah ich Birketts schmale, elegante Füße in schwarzen Turnschuhen in zweifellos entspannter Yoga-Stellung nebeneinanderstehen. Die Beine darüber steckten in gebleichten Jeans. Seine Frau trug ein Gymnastiktrikot, braune Strümpfe und Sandalen. Ihre massige Gestalt durchquerte in diesem Aufzug den Raum, brachte mir einen Drink und schaffte es gleichzeitig anzudeuten, es handele sich dabei um eine Art medizinische Notversorgung für jemanden, der ohne das Zeug nicht leben kann.

Sie gab mir ein Glas, das ungefähr zehn Zentiliter Whisky ohne Wasser oder Soda enthielt, nur die pure Substanz. Sie war wirklich ein ziemlich widerwärtiges Weib.

»Ich hoffe, Sie mögen ihn so.«

»Danke sehr.«

»Ich meine mich zu erinnern, daß Sie auch rauchen. Die Zigaretten sind möglicherweise etwas trocken. Bei uns finden sie keine Verwendung.« Mit einer Porzellandose kam sie vom Büffet zurück.

»Dann ziehen sie besser durch.«

»Ziehen besser durch«, wiederholte sie und setzte sich mit verkniffenem, mißtrauischem Lächeln hin, während sie den Scherz auf Fallen und Doppelsinnigkeiten abklopfte. Ich zündete eine Zigarette an und beschloß, das Scherzen zu lassen. Hier war es gefährlich, Scherze zu machen. Es war gefährlich, überhaupt etwas zu sagen. Ich nippte am Whisky und spürte, wie ich nervös wurde; mein Schädel brummte noch leicht vom morgendlichen Kater.

»Sie machen eine turbulente Zeit durch, Dr. Laing.«

»Nun, die Leute sind außerordentlich liebenswürdig.«

»Zu Erfolgreichen ist man immer liebenswürdig.«

»Da haben Sie sicher recht«, sagte ich. Es war besser, das hier hervorzuheben.

»Ihr Erfolg ist in hohem Maße verdient«, sagte sie barsch. »Das steht außer Frage. Dennoch überrascht es, daß man einem Mann Ihres Alters die Professur angeboten hat.«

»Es gibt nicht viele in dieser Disziplin.«

»Mag sein«, sagte sie vorsichtig. »Möglicherweise erfreut sich diese Disziplin derzeit auch einer gewissen modebedingten Aufmerksamkeit und zusätzlich scheinbar nahezu unbegrenzter Geldmittel. Dies alles zu erwähnen bedeutet natürlich nicht, Ihre Leistung schmälern zu wollen.«

Natürlich war das ihre Absicht. Sie hatte gesehen, wie meine Deckung ins Wanken geriet, und war blitzartig vorgestoßen; eine geübte und erfahrene Kämpferin. Sie war wirklich gut, dieses Biest. Die Euphorie der letzten Wochen verflog im Nu. Ich trank noch einen Schluck Whisky und spürte direkt, wie sie verschwand.

Lächelnd saß sie da, die Hände im Schoß. Nun war sie im richtigen Fahrwasser und läutete prompt die nächste Runde ein.

»Bestimmt tat der Abschied dennoch weh.«

»Ja. Nach drei Jahren.«

»Die anerkannten Disziplinen einer alten Universität hinter sich zu lassen, um etwas ganz – Neues anzufangen?«

»O ja, natürlich. Ganz sicher.«

Hier war nichts zu holen, sie spürte es. Gierig fuhr sie fort. »Wir haben kürzlich Ihren Aufsatz gelesen, worin Sie Professor Gordon von Brandeis unterstützen.«

»Sie meinen den über die Hethiter-Kreter.«

»Äußerst brillant und eigenwillig formuliert (›effekthascherisch, marktschreierisch‹).« – »Soweit ich Sie verstanden habe, stehen Sie auf dem Standpunkt, daß die kretische und die hellenische Kultur gemeinsamen Ursprungs mit jener der Nordsemiten sind.«

»Nun, Gordon sieht das so. Ich vermochte lediglich ein paar Erkenntnisse über mein auserwähltes Volk hinzuzufügen.«

»Ihr auserwähltes Volk?«

»Die Nordsemiten.«

»Ah, so. Das sind Juden, nicht wahr?«

»Juden, vorjüdische Völker, Syrer, Phönizier, diese Gruppe.«

»Ah, diese Gruppe«, sagte sie mit einem äußerst milden Lächeln. »Nun, ich muß gestehen, daß ich Ihrer schmissigen und unterhaltsamen Darstellung (›Clown! Possenreißer!‹) weit besser folgen konnte als der sehr anspruchsvollen Arbeit von Professor Gordon. Obwohl diese Meinung, soweit ich gehört habe, nicht allgemein anerkannt ist.«

»Nein. Das heißt, die Stellungnahmen sind alle recht zurückhaltend, wissen Sie? Die Dummheit kommt früh genug ans Tageslicht. Von Neulingen wie mir wird einfach erwartet, daß sie durch die Weltgeschichte reisen und wilde Vermutungen anstellen. Hin und wieder könnte sich dann eine davon als berechtigt erweisen.«

Diese Bescheidenheit besänftigte und verärgerte sie in ungefähr gleichem Maße. Ihre Hände bewegten sich ruhelos auf dem Schoß. Sie wollte eine Herausforderung, und alles, was ich ihr darbot, war meine schmale, wendige Schulter; eine zu kleine Zielscheibe.

Sie sagte: »Vielleicht sollten wir jetzt nicht darüber diskutieren. Ich weiß, daß Birkett mit Ihnen darüber sprechen möchte.«

Birkett sprach im Augenblick mit niemandem; außer vielleicht mit sich selbst. Fasziniert beobachtete ich ein kaninchenhaftes Zucken seiner Oberlippe, nicht ganz im Takt mit seinen Kaumuskeln. Dies konnten sowohl vorgeschriebene Übungen aus dem Bhagavadgita als auch unwillkürlich ablaufende Stoffwechselvorgänge sein. Falls er etwas von dem Gerede mitbekommen hatte, das da vonstatten ging – was zweifelhaft war –, dann war ihm dessen unterschwellige Feindseligkeit sicherlich entgangen. Ein komischer Vogel, entnervend spleenig, sein Gesicht eine einzigartige Mischung aus überarbeitetem John Stuart Mill und Picasso auf dem Totenbett – alles in allem ein höflicher, sanfter und leidenschaftsloser Mann, außer in seinen Ansichten, von denen er selbstverständlich leben mußte. Er hatte es noch nicht zum Lehrstuhl für Englische Literatur gebracht, nach dem seine Frau so dürstete, und er würde es wohl auch nie schaffen. Ein entschieden seltsamer Vogel inmitten eines Klüngels zweifellos ebenfalls seltsamer Vögel, für die ich heute abend die Schuhe, Hemd und Jackett trug.

Er war fertig mit seinem Essen, trank ein Glas Wasser, ging hinaus, während er sich kräftig räusperte, und fing im Nebenraum an zu pinkeln. Offenbar tat er dies gleich hinter der Tür, er pinkelte endlos, exakt in die Mitte der Schüssel. Wir saßen da und lauschten, wobei das Gesicht seiner Frau völlig ausdruckslos blieb. Alles war hörbar in bester gesundheitlicher Ordnung.

»Und was genau«, fragte sie gedehnt, »werden Sie jetzt als nächstes tun?«

Ich erklärte ihr, was ich als nächstes tun würde.

»Ach, ja. Ich hörte, daß Sie auf Schwierigkeiten gestoßen sind.«

»Erwartete Schwierigkeiten. Eine Menge von dem Zeug wird nicht mehr aufgelegt, und ich muß es ausfindig machen.«

Der Lärm hinter mir hielt unvermindert an. Ich begann mir Sorgen zu machen, der erstaunliche kleine Teufel könnte sich selbst aus purer Unachtsamkeit ganz und gar davonpinkeln.

»Wann werden Sie sich also in Beds niederlassen?«

»Ende Januar.«

»Aber das ist doch erst in zwei Monaten?«

»Ja. Ich werde nicht ständig hier sein. Ich werde eine kleine Rundreise zu den privaten Bibliotheken unternehmen.«

Hinter mir kam Birkett zu meiner Erleichterung zu einem zögernden, melodischen Finale und ein paar Sekunden später zum endgültigen Schluß.

»Das wird wohl für einige Zeit Ihr letzter Ausflug sein, nehme ich an?«

»Das denke ich auch.«

»Ich kann mir vorstellen, daß Sie...



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