Davidson | Das schwarze Gold | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 382 Seiten

Davidson Das schwarze Gold


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95530-634-2
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 382 Seiten

ISBN: 978-3-95530-634-2
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Format: EPUB
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EIn brisanter und atemberaubend fesselnder Roman von einem der erfolgreichsten Spannungsautoren der Welt: Lionel Davidson - 'Keiner kann es besser!' (Literary Review) Den Yom-Kippur-Krieg hat Israel militärisch gewonnen. Doch wie sicher sind die Grenzen des winzigen Staates - und kann der militärische Sieg auch in einen politischen umgemünzt werden? Kaum wahrscheinlich angesichts des Erdöl-Embargos, unter dem die westliche Welt im Jahre 1973 zu leiden hat. So nimmt der internationale Druck auf Israel zu, einen Schritt auf die arabische Welt zuzugehen. Verbunden damit ist ein geheimer Auftrag an das Weizmann Institute of Technology: Denn nur die chemische Herstellung eines Erdöl-Substituts könnte die Macht der arabischen Länder brechen. Doch der letzte Baustein der komplizierten Formel scheint nicht aufzufinden zu sein...

Lionel Davidson, geb. 31. März 1922 in Hull, Yorkshire; gest. 21. Oktober 2009 in London, war ein britischer Schriftsteller. Er verließ frühzeitig die Schule und arbeitete als Laufbursche beim Wochenmagazin The Spectator. Später arbeitete er beim Londoner Pressedienst Keystone, unterbrochen vom Zweiten Weltkrieg, wo er bei der U-Boot-Marine diente. Nach dem Krieg bereiste er als selbstständiger Berichterstatter Europa. Seine Reiseerfahrungen und der Kalte Krieg brachten ihn auf die Idee, einen Spionageroman zu schreiben, der in der damaligen Tschechoslowakei spielte. Die Nacht des Wenzel erschien 1960 und war sofort ein großer Erfolg. Bis 1978 erschienen in unregelmäßigen Abständen weitere Romane von ihm, die alle ebenfalls sehr erfolgreich waren. Daneben schrieb er auch einige Kinderbücher, für die er teilweise das Pseudonym David Line verwendete. Danach folgte eine größere Pause, bis 1994 sein letzter Spionageroman Der Rabe erschien. 2001 erhielt er für sein Lebenswerk den Diamond Dagger der britischen Krimiautorenvereinigung CWA.
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Kapitel 1


Lautlos trat ich ein, während ich mir die kühlen Regentropfen von der Stirn tupfte, zog den Mantel aus und schnupperte. Ich hatte es mir gedacht. Schon wieder. Noch nie hatte ich sie auf frischer Tat ertappt. Ich hängte den Mantel auf, lief leise über den Teppich den Flur entlang und erhaschte durch die geöffnete Tür des Arbeitszimmers einen Blick auf sie. Sie stand am Fenster, den Stein des Anstoßes im Mund, und kratzte sich träge, während sie nach draußen sah.

»Na, Ettie, noch hier?«

»Herrgott!« Sie fuhr herum und spuckte das Ding vor Schreck fast aus. »Sie schleichen sich ja an wie eine Katze!«

»Noch nicht fertig?«

»Fehlt nur noch der letzte Schliff«, sagte sie und wedelte mit dem Staubtuch. »Ich will, daß Sie es hier schön sauber haben.«

»Das ist fein. Nehmen Sie sich eine Zigarette, Ettie.«

»Habe ich schon. Habe mir sozusagen eine von Ihnen geborgt.«

»Ich verstehe.«

»Meine sind ausgegangen. Ziemlich stark, die hier, nicht? Die könnte ich nicht immerzu rauchen.«

»Das ist auch nicht unbedingt nötig, Ettie.«

»Es ist ja nur, weil mir meine ausgegangen sind. Wofür sind diese schwarzen Dinger am Filter?«

»Für Russen mit grobschlächtigen Mündern.«

»Eher mit grobschlächtigen Seelen.«

»Vielen Dank.«

»Ihre nicht. Meistens jedenfalls nicht. Ich bin fast fertig.«

»Gut. Hat Hopcroft angerufen?«

»Nein.«

»Und Caroline?«

»Niemand hat angerufen.«

»Komisch.«

»Und ich war die ganze Zeit hier, sogar als ich nach einer Zigarette lechzte«, versicherte sie, zog gewissenhaft an der Zigarette meines Vaters und verzog sich staubwischend in eine andere Ecke des Raumes. Ich sah ihr nach und warf einen Blick auf die Zigarettenschachtel, die sie offen auf dem Schreibtisch liegengelassen hatte. Es fehlten wieder drei. Kein Drama, ich selbst rauchte sie nicht. Trotzdem, es ging ums Prinzip. Sie nahm sich Freiheiten heraus. Jeder nahm sich Freiheiten heraus. Warum also nicht auch Hopcroft oder Caroline? Mein Magen rumorte, wie immer vor einer Reise. Es gab so viel zu erledigen. Ich setzte mich hin, zog ein Blatt Papier hervor und machte mich an die Arbeit.

Geliebte Veruschka, mein Schatz,

Heute kam kein Brief von Dir, und das ist für mich ein schlimmer Verlust. Ich hoffe, daß morgen Post kommt, und warte geduldig darauf. Du bittest mich, geliebter Schatz, Dich zu umarmen, und sei es auch nur im Brief. Verunja, meine Liebe, das tue ich, mit jedem Wort, mit jeder Faser meines Herzens. Aber solche Zärtlichkeiten können mir nicht genügen. Doch ich hoffe, ...

So ging es noch eine Weile weiter, ich quälte mich da durch, Etties Anwesenheit im Zimmer stets gegenwärtig. Dann brachte ich mit einem Gewaltakt den letzten Abschnitt hinter mich.

Du weißt es, nicht wahr, daß ich jede Sekunde an Dich denke? Du bist es, durch die ich denke, atme und lebe. Du bist nicht verärgert und böse, sondern schreibst mir nette, zärtliche Briefe, und wenn ich bei Dir bin, küßt und umarmst Du mich, nicht wahr, Veruschka? Bleib gesund, mein einziges Glück, und schreibe mir regelmäßig jeden Tag, sonst ist mir elend zumute. Ich schicke Dir, meiner innig geliebten Verusenka, alle meine Liebe.

Dein Chaimchik

»Eine ulkige Schrift ist das«, sagte Ettie.

Sie stand hinter mir und blickte mir über die Schulter.

»Ja. Haben Sie etwas auf dem Herzen, Ettie?«

»Also.« Sie schien nervös zu sein und nestelte an ihrem Haar herum. »Ich hab’ mich bloß gefragt«, fing sie an, »ob Sie es in diesem Monat vielleicht versuchen könnten.«

»Ich verstehe.«

Ich hatte den Brief noch nicht datiert und holte es nach. »Pinsk, 27. August 1902.« Oder war es 1903? Ich sah noch einmal nach. Nein, er hatte ihn 1902 geschrieben.

»Ich möchte natürlich nicht drängeln«, fuhr Ettie fort, »aber Sie wissen schon. Darum wollte ich Sie nur noch bitten, bevor Sie gehen.«

»Ich reise erst morgen ab.«

»Bevor Sie zur Bank gehen.«

»Ach so.« Ich war schon dort gewesen, kam gerade von dort. Es hatte eine lange Verzögerung wegen dem bißchen fremder Währung gegeben.

»Es ist wegen dieser verdammten Aussperrung, die angekündigt wurde«, sagte Ettie. »Sie wissen doch, die Aussperrung. Ist ja wohl klar, wer darunter zu leiden hat.«

»Überlassen Sie die Arbeiter nur mir, Ettie. Auf dem Gebiet bin ich Experte.«

»Wenn soweit dann alles in Ordnung ist, mache ich mich jetzt auf den Weg. Sie denken daran, ja?«

»Ja«, antwortete ich. Stirnrunzelnd nahm ich ein anderes Blatt heraus.

Mein lieber Herr Motzkin,

leider kann ich nicht selbst zu Ihnen kommen, und nehme deshalb brieflich Kontakt zu Ihnen auf. Es geht mir sehr schlecht, mein Name ist absolut keinen Pfennig mehr wert. Der Erste rückt näher, und ich kann die Miete nicht bezahlen. Ich schulde verschiedenen Personen, die mir unerträgliche Unannehmlichkeiten bereiten, Geld. Deshalb bitte ich Sie, mir unbedingt dreißig Mark zu leihen. Sie sind der einzige Mensch, auf den ich mich verlassen kann. Wenn Sie sich weigern, ist meine Situation verzweifelt. Wenn ich in der Lage wäre, einen anderen Ausweg zu finden, hätte ich Sie nicht behelligt, aber ich bin in schrecklicher Geldnot, und völlig auf Sie angewiesen. Ich habe nichts, was ich verpfänden könnte. Meine Kompasse sind längst im Leihhaus, sie waren mein einziger Besitz. Verzeihen Sie mir, daß ich mich an Sie wende.

Der Ihre

Während des Schreibens hatte ich Etties übliche Aufbruchgeräusche wahrgenommen, das Wechseln der Schuhe und des Kittels, und verschiedene Laute, die ihre Einkaufstaschen und der Schirm verursachten. Aber sie hatte, bevor sie gegangen war, Caroline noch die Tür geöffnet. Ich hatte die Klingel gehört.

»Caroline!«

»Ja.«

»Was machst du?«

»Augenblick.«

Sie trat ein und sah aus wie eine gebadete Maus. In der Hand trug sie eine Hose und einen flauschigen Pullover.

»Kommst du vom Einkaufen?« fragte ich.

»Nein. Ich zieh’ mich um. Wenn ich ein heißes Bad genommen habe. Draußen schüttet es wie aus Eimern«, erklärte sie mürrisch.

»Du hast gesagt, du würdest anrufen.«

»Ich bin direkt in ein Taxi gesprungen. Hatte Glück, eins zu erwischen.«

»Hättest du von dort, wo du warst, nicht anrufen können?«

»Ich war im Public Record Office, und habe gefroren wie ein Schneider, das kann ich dir sagen. Die haben die Heizung abgedreht.«

»Wo ist Hopcroft?«

»Nach Swiss Cottage gefahren.«

»Ich dachte, ihr wolltet gemeinsam fahren.«

»Ich hab’s mir anders überlegt. Es hat zu sehr geregnet. Er hat meinen Schirm genommen. Sieh mich doch an. Und heute abend kommt Willie«, fuhr sie fort und ging.

Ich ließ mir das, was sie gesagt hatte, durch den Kopf gehen, dann hörte ich das Badewasser rauschen und fuhr mit dem nächsten Brief fort.

Liebe Veruschka,

ich habe tatsächlich beschlossen, nicht mehr zu schreiben, sondern zu warten, bis Du Dich aufraffst, mir den Brief zu schicken, den Du auf Deiner letzten Postkarte versprochen hattest. Seit meiner Rückkehr aus Wien habe ich regelmäßig geschrieben, jeden Tag, oder jeden zweiten, aber ich habe nicht einmal ...

Noch viele weitere Zeilen wohlberechtigter Klage. Ich tastete mich zum Ende vor.

Über mich gibt es nicht viel zu berichten. Meine Tage und Wochen vergehen in Eintönigkeit ausgefüllt, nur mit Arbeit im Labor, die allerdings sehr gut vorangeht. Die Ferienzeit geht zu Ende, und die Mitarbeiter kommen nach und nach zurück. Kürzlich ist der Assistent von Perkin eingetroffen. Er heißt Pickles. Wir arbeiten seit vier Tagen zusammen, und ich bin sehr zufrieden. In erster Linie ist jetzt ein Mensch hier, mit dem ich tagsüber ein paar Worte wechseln kann. Und zweitens kann ich mit ihm Englisch sprechen, was sehr nützlich ist. Wenn Du kommst, kann ich bestimmt fast fließend sprechen ...

Caroline murmelte im Badezimmer vor sich hin. Ich unterschrieb den Brief, datierte ihn: »Manchester, 13. September 1904«, und warf einen Blick auf die Uhr. Halb drei.

»Caroline!«

»Ja.« Das Badewasser lief noch immer.

»Merkwürdig, daß Hopcroft noch nicht angerufen hat. Ich muß Connie Bescheid sagen.«

»Ich kann dich nicht verstehen.«

Ich trat ein. Das unordentliche Mädchen hatte ihre Kleider einfach auf einen Haufen geworfen. Sie lag im Wasser und rauchte. Ein dünner Strahl heißen Wassers lief noch immer.

»Ich sagte, es ist merkwürdig, daß Hopcroft noch nicht angerufen hat.«

»Vielleicht ist was an der Leitung. Ich habe auch versucht, dich anzurufen. Ich bin nicht durchgekommen. Meine Güte, zum ersten Mal heute wird mir warm.«

»Da ist noch Connie. Ich muß sie anrufen, in Rehovot.«

»Du hast dein Flugticket schon, oder?«

»Noch nicht, Liebling. Ich habe es noch nicht abgeholt und muß noch tausend Dinge erledigen.«

»Könntest du das eben ins Waschbecken tun«, bat sie und reichte mir die Zigarette. »Und dir gleichzeitig aus dem Kopf schlagen, daß ich losrenne und dir dein Ticket hole. Ich tue keinen Schritt mehr vor die Tür.«

»Oh.« Ich streifte die Asche ab und gab ihr die Zigarette zurück.

»Ja. Ich habe heute wirklich ein paar...



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