Davidson | Weiblich, ledig, untot | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 01, 318 Seiten

Reihe: Betsy Taylor

Davidson Weiblich, ledig, untot


1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8025-8818-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 01, 318 Seiten

Reihe: Betsy Taylor

ISBN: 978-3-8025-8818-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Betsy Taylor hat eine fürchterliche Woche hinter sich -- erst verliert sie ihren Job, dann kommt sie bei einem Autounfall ums Leben - und stellt schließlich fest, dass sie gar nicht wirklich tot ist! Außerdem wird sie ständig von einem unheimlichen Heißhunger auf Blut geplagt. Ihre neuen Freunde halten sie für die lange prophezeite Königin der Vampire. Betsy ist da anderer Meinung, doch die Vampire ködern sie mit einer Geheimwaffe, der sie nicht widerstehen kann: Designerschuhe. Mindestens ebenso verlockend ist der Vampir Sinclair ...

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1

Mein Todestag begann schon schlecht. Und wurde leider auch nicht besser.

Ich kam zu spät zur Arbeit, weil ich die Snooze-Taste meines Weckers wieder einmal zu oft gedrückt hatte. Tut das nicht jeder für ein paar Minuten Extraschlaf? Na, also! Deshalb verschlief ich auch regelmäßig. Wegen der blöden Snooze-Taste.

Zeit für ein richtiges Frühstück blieb natürlich nicht mehr, also schlang ich zwei gefüllte Kekse hinunter, während ich auf den Bus wartete. Schokoladenfüllung! Mmhhh … Meine Mutter hätte mir applaudiert (von wem sonst stammte wohl meine Vorliebe für das ungesunde Zeug?), mein Ernährungsberater eher die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Der Bus hatte natürlich Verspätung. Den öffentlichen Nahverkehr in Minnesota muss man einfach lieben: gerade mal sechs Busse für eine viertel Million Einwohner! Und wenn sie nicht Verspätung hatten, kamen sie zu früh. Ich wusste schon gar nicht mehr, wie oft mir der Bus vor der Nase weggefahren war. Fahrplan? Was für ein Fahrplan?

Als der Bus endlich angezockelt kam, stieg ich ein und setzte mich erst einmal – in Kaugummi.

Um zwanzig nach neun erschien ich zu meinem Neun-Uhr-Meeting und musste erfahren, dass die wirtschaftliche Rezession, deren Existenz von den Experten seit Jahren hartnäckig geleugnet würde, nun auch mich erwischt hatte, und zwar mit voller Wucht: Ich wurde entlassen. Was nicht unerwartet kam. Den letzten Gewinn muss Hamton & Sons erwirtschaftet haben, als ich noch auf die Highschool ging. Aber weh tat es trotzdem. Es ist hart, den Job zu verlieren. Plötzlich wird einem klar, dass man nicht mehr gebraucht wird. Egal ob aus persönlichen, wirtschaftlichen oder anderen Gründen. Man will dich nicht mehr. Punkt.

Die Idee, Kosten zu reduzieren, kam Hamton & Sons ungefähr ein Jahr zu spät. Und schließlich entschied man sich lieber dafür, Leute zu entlassen, als, sagen wir mal, die sechsstelligen Gehälter der Manager zu kürzen. Die Bürokräfte und Sekretärinnen sah man als entbehrlich an. Aber wir wussten, dass die Trottel ohne uns nicht mal in der Lage waren, ein Fax zu senden, ganz zu schweigen davon, die Firma zu leiten. Sie würden schon sehen, was sie davon hätten!

Mit diesem aufmunternden Gedanken packte ich meine Sachen zusammen und versuchte die ausweichenden Blicke meiner Kollegen zu übersehen. Dann ging ich nach Hause.

Um mich zu trösten, machte ich Halt bei Dairy Queen auf einen Blueberry-Milchshake. Auf diese Frühlingsvorboten war immer wieder Verlass: Rotkehlchen, frisches Gras und Dairy Queen begrüßen die neue Saison.

Milchshake schlürfend kam ich zu Hause an. Mein Anrufbeantworter blinkte Unheil verkündend. Und richtig, die Nachricht war von meinem Stiefmonster, und nach dem Lärm im Hintergrund zu schließen nahm ich an, dass sie beim Friseur war. „Dein Vater und ich werden es leider nicht zu deiner Party heute Abend schaffen … Ich habe neue Medikamente verordnet bekommen und ich … wir … können ganz einfach nicht kommen. Tut mir leid.“ Aber sicher tut es das, blöde Kuh. „Hab viel Spaß, auch ohne uns.“ Kein Problem. „Vielleicht lernst du ja auch heute jemanden kennen.“ Was so viel hieß wie: Vielleicht heiratet dich irgendein armer Irrer.

Vom ersten Tag an hatte mein Stiefmonster mich als Rivalin um die Gunst meines Vaters betrachtet. Schlimmer noch: Wann immer mir etwas wirklich wichtig gewesen war, hatte sie die Depressionskarte ausgespielt, um sich zu drücken. Doch schon eine Woche nach unserem ersten Kennenlernen hatte mir das nichts mehr ausgemacht und war mir eigentlich auch ganz recht gewesen.

Ich ging in die Küche, um meine Katze zu füttern, und stellte fest, dass sie schon wieder abgehauen war. Sie war sehr abenteuerlustig, mein kleiner Mitbewohner Giselle, obwohl ich manchmal den Eindruck hatte, ich wäre ihr Mitbewohner. Ein Blick auf die Uhr – oje, noch nicht einmal Mittag. Genug Zeit, um die Schmutzwäsche zu versorgen und sich die Augen aus dem Kopf zu heulen. Ein perfekter Tag.

Alles Gute zum Geburtstag.

Wie das Leben so spielt: Ein Schneesturm kam auf (eher ungewöhnlich für April), und meine Party fiel aus. Auch gut. Ich hatte ohnehin keine Lust gehabt, auszugehen, ein gut gelauntes Gesicht aufzusetzen und zu viele Daiquiris zu trinken. Das Einkaufszentrum ist toll, aber für überteuertes Zeug, streitlustige Wochenendbesucher und Sechs-Dollar-Drinks muss ich in der richtigen Stimmung sein.

Mein einziger Lichtblick an diesem Tag war Nicks Anruf um acht Uhr. Nick Berry war ein super Detective drüben in St. Pauls. Vor einigen Monaten war ich Opfer eines Überfalls geworden und …

Na ja, „Überfall“ war vielleicht untertrieben. Etwa so, als fände man den Zweiten Weltkrieg „bedauerlich“. Ich möchte nicht gerne darüber sprechen – noch nicht einmal daran denken. Eines Tages hatte sich nämlich ein Haufen Irrer auf mich gestürzt, als ich gerade aus Khans Mongolischem Grill gekommen war. Dort gab es ein „All you can eat“-Buffet für elf Dollar fünfundneunzig, Salat, Dessert und Getränke inklusive – kein schlechter Deal, wenn es einen nicht störte, dass die Klamotten anschließend für einige Stunden nach Knoblauch rochen. Ich habe immer noch keine Ahnung, was meine Angreifer eigentlich von mir wollten. Kein Raub, kein Vergewaltigungsversuch, kein wirres Gequatsche von irgendwelchen Verschwörungen auf höchster Ebene.

Sie waren buchstäblich aus dem Nichts aufgetaucht, als ich noch gähnend nach meinen Schlüsseln gesucht hatte. Sie umzingelten mich, kratzten und bissen wie ein Haufen tollwütiger Eichhörnchen, während ich sie mit den Absätzen meiner Manolo Blahniks zurücktrieb und so laut ich konnte um Hilfe schrie. Danach hatte ich drei Tage lang nur noch flüstern können. Zu allem Überfluss stanken sie furchtbar, etwa so wie meine Küche, wenn ich vor der Urlaubsfahrt nach Cape Cod vergessen hatte, den Müll zu entsorgen. Alle hatten lange Haare und unheimliche, farbige Augen. Und die ganze Zeit über sprachen sie kein Wort mit mir.

Hilfe war nicht aufgetaucht, aber die Typen hatten schließlich trotzdem den Rückzug angetreten. Vielleicht hatte sie meine Stimme nervös gemacht. Wenn ich schreie, heulen die Hunde. Oder sie mochten den Knoblauchgeruch nicht. Was immer es war – sie flohen, Hals über Kopf. Als ich an meinem Auto lehnte und versuchte, nicht in Ohnmacht zu fallen, sah ich, dass einige sogar auf allen vieren krabbelten. Ich kämpfte tapfer darum, das Buffet, den Ingwertee und das Sesambrot bei mir zu behalten. Zu schade, wenn auch noch die elf fünfundneunzig zum Teufel gewesen wären! Dann nahm ich mein Handy und rief die 911.

Detective Nick übernahm den Fall und verhörte mich im Krankenhaus, während die Bisswunden desinfiziert wurden. Alle fünfzehn. Der Assistenzarzt, der sich an mir zu schaffen machte, roch nach Koriander und summte die ganze Zeit über die Titelmelodie von Harry Potter und die Kammer des Schreckens. Und zwar falsch. Was mir tatsächlich mehr auf die Nerven ging als das Brennen des Antiseptikums.

Das war im Herbst gewesen. Seitdem waren immer mehr Leute überfallen worden, Männer ebenso wie Frauen, ohne Unterschied. Die beiden Letzten hat man tot aufgefunden. Ich hatte also allen Grund zur Angst – einer Scheißangst sogar –, und schwor, nicht wieder zu Khans zu gehen, bis die schrecklichen Typen gefasst wären. Aber vor allem war ich dankbar, dass mir nicht mehr passiert war.

Detective Nick hat dann noch einmal angerufen. Wir quatschten ein bisschen und – lange Rede, kurzer Sinn – ich versprach, noch einmal das Große Buch der Bösen Jungs durchzublättern. Zum einen, weil ich mich dann nicht mehr...


Davidson, Mary Janice
Mary Janice Davidson gelang mit ihrer Serie um die Vampirin Betsy der Sprung auf die internationalen Bestsellerlisten. Seither hat sie mit ihren humorvollen Liebesromanen eine riesige Fangemeinde gewonnen. Davidson lebt in Minnesota. Mit ihrer Heldin teilt sie die Leidenschaft für Designerschuhe.

Mary Janice Davidson gelang mit ihrer Serie um die Vampirin Betsy der Sprung auf die internationalen Bestsellerlisten. Seither hat sie mit ihren humorvollen Liebesromanen eine riesige Fangemeinde gewonnen. Davidson lebt in Minnesota. Mit ihrer Heldin teilt sie die Leidenschaft für Designerschuhe.



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