E-Book, Deutsch, 315 Seiten
Dawson Still Broken
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7363-0928-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 315 Seiten
ISBN: 978-3-7363-0928-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Liebe, die jede Träne wert ist ...
Als Norah sich am College in den unnahbaren Max verliebt, beginnt die aufregendste Zeit ihres Lebens. Die Gefühle zwischen ihnen sind leidenschaftlich, echt und so völlig anders, als alles, was sie zuvor erlebt hat - auch wenn alle sie vor Max gewarnt haben. Je näher sie sich kommen, desto deutlicher spürt Norah allerdings, dass Max etwas vor ihr verbirgt - aber auch, dass ihre Liebe jeden Kampf wert ist, selbst wenn Max' Geheimnis ihr Leben für immer auf den Kopf stellen könnte ...
Der neue Roman von Bestseller-Autorin April Dawson
April Dawson lebt mit ihrer Familie in Kematen, Österreich. Seit über zehn Jahren schreibt sie begeistert Liebesgeschichten mit ein klein wenig Drama, einer Prise Humor und ganz viel Gefühl. Für ihren Debütroman wurde sie auf der Frankfurter Buchmesse mit dem SKOUTZ AWARD ausgezeichnet.
Autoren/Hrsg.
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2
Trotz eines Lageplans fühlte ich mich auf dem großen Campusgebäude verloren. Ich bewunderte die Studenten um mich herum, die wussten, wie sie zu ihren Hörsälen gelangten. Da half es nichts, dass ich schon ein paar Wochen vor Unibeginn angereist war, um mich einzugewöhnen. Meine Freundinnen und mein Bruder konnten mir auch nicht wirklich helfen, da sie in andere Gebäude mussten. Leider war ich keine Rory Gilmore, die Lagepläne und Kurszeiten auswendig lernte, deshalb musste ich da durch.
Mir fiel auf, dass nur ich orientierungslos mitten auf dem Quiet Green, der Lernwiese, stand. Die Fläche war leer, doch sobald es wärmer wurde, lagen viele Studenten auf dem Gras und lernten unter freiem Himmel.
Ich versuchte, mich auf den Plan zu konzentrieren und zum wiederholten Mal die John-Carter-Universitätsbibliothek zu finden, denn in der Nähe dieses Gebäudes war mein Ziel.
»Na, hast du dich verlaufen?«, hörte ich eine männliche Stimme sagen und drehte mich um. Vor mir stand ein Student, den ich nie gesehen hatte. Sein honigblondes Haar glänzte in der warmen Herbstsonne und blendete mich kurz.
»Da könntest du recht haben«, erwiderte ich achselzuckend und ließ den Plan sinken. Ich war über jede Hilfe froh, die ich bekam.
»Ich bin Drew.« Er reichte mir seine makellose Hand, die ich schüttelte.
»Norah.«
»Dann erzähl mal, wohin des Weges?« Er lächelte mich an und kratzte sich am Hinterkopf. Er wirkte nervös, was ich irgendwie süß fand.
»Ich muss zur John-Carter-Bibliothek.« Ich faltete den Plan zusammen und schob ihn in meine Umhängetasche, während sich Drew umdrehte und in eine Richtung deutete. »Du gehst diesen Weg entlang, bis du zu einer Weggabelung kommst, dann rechts, bis du raus aus dem Green bist und zu einer schmalen Straße kommst. Die Bibliothek ist ein pompöses, helles Gebäude, das an die Akropolis erinnert wegen der protzigen Säulen.«
»Hier regiert wohl eher der Prunk der alten Zeit.«
»Aber hallo.« Er lachte auf, ehe er sich durchs dichte Haar fuhr und mir wieder in die Augen sah. »Kommst du ab jetzt klar?«
»Nach deiner tollen Wegbeschreibung auf alle Fälle.«
»Nun.« Er räusperte sich und zog sein Handy aus der Hosentasche. »Wenn du möchtest, kannst du mir ja deine Nummer geben, und ich führe dich mal hier auf dem Campus herum.« Drew war attraktiv und sah wie ein typischer College-Student aus, bis hin zu den karierten Bermudashorts und dem hellblauen Poloshirt, passend zu den Chucks, die meinen ähnlich sahen. Er machte einen netten Eindruck, hatte Grübchen, die sich zeigten, wenn er lächelte, und freundliche braune Augen. Ich fühlte mich wohl in seiner Gegenwart und aus diesem Grund gab ich ihm meine Nummer. Ich war dabei, mich auf den Weg zu machen, als er noch mal nach mir rief.
»Ach, und für die Zukunft kannst du ja die Campus-App benutzen.«
»Und das sagst du mir erst jetzt?«, rief ich lachend.
»Na ja, wenn ich dich gleich auf die App verwiesen hätte, wärst du doch sofort abgerauscht, und ich hätte mich nicht mit dir unterhalten können.« Da war was dran.
»Wie dem auch sei«, sagte ich. »Danke trotzdem für die Wegbeschreibung.«
»Gern. Wir sehen uns.« Er winkte mir zu und ging in die entgegengesetzte Richtung. Trotz der anfänglichen Orientierungslosigkeit und des Zeitverlusts kam ich pünktlich in den Hörsaal, mit einem Lächeln auf den Lippen, das ich Drew zu verdanken hatte.
Nach einem vollgepackten ersten Tag am College wusste ich nicht, ob ich ein Bier oder zwei Wochen Schlaf brauchte. Die Zeit, nervös zu sein, hatte ich nicht, aufgrund meines vollen Terminkalenders. In den Kursen wurden die Literaturlisten verteilt, und bei jeder einzelnen wäre ich aufgrund der Länge fast in Tränen ausgebrochen. Als Highschoolschüler freute man sich auf das Leben am College, die Freiheit, seine Entscheidungen selbst zu treffen und seine Kurse ganz nach eigenem Geschmack belegen zu können. Dass das Studentenleben auch einiges an Arbeit bedeutete, wurde einem nicht gesagt.
Deshalb war ich froh darüber, die Tür meiner Wohnung aufzuschließen und tief durchzuatmen. Ich legte die Tasche auf die Kommode neben dem Eingang ab und war überrascht, ein leeres Apartment vorzufinden. Geplant war, dass heute Rachel ihr Zimmer bezog, doch ihr schien etwas dazwischengekommen zu sein. Ich beschloss, ihr später eine Nachricht zu schreiben, ob sie Hilfe beim Umzug benötigte. Nach einer heißen Dusche fühlte ich mich viel besser, zwar ausgehungert und müde, aber glücklich. Ich war an der Brown University, wie schon mein Großvater, Vater und Bruder es waren. Es war mein Traum, auch hier zu studieren, und ein Schritt in die richtige Richtung, wenn ich Journalistin werden wollte.
Ich zog mir ein Tanktop mit Einhornmuster und die dazu passenden Schlafshorts an, schnappte mir mein Handy und legte mich erschöpft auf mein Bett. Kurz las ich meine Mails und die Nachrichten in unserem Gruppenchat, den Lydia, Brooke, mein Bruder und ich hatten. Während ich den ganzen Tag im Stress versunken war, hatten sie sich köstlich amüsiert, und ich hatte hundert Nachrichten zu lesen. Ich wollte unbedingt noch meine Notizen von den einzelnen Kursen durchgehen, doch der Schlaf übermannte mich, und ich schlief erschöpft ein.
Schwer atmend schreckte ich hoch und riss die Augen auf. Mein Herz klopfte wie wild. Ich hatte von einem Mann geträumt, den ich nicht kannte. Ich war in Dunkelheit versunken, und nur seine grünen Augen hatten die Macht, mich auf den richtigen Weg zu bringen. Ein Schauer rieselte über meinen Rücken, wenn ich an die Berührung seiner Hand auf meinem Unterarm dachte. Ich stöhnte genervt auf, legte mich hin und presste mir das Kissen aufs Gesicht. Es war schon ziemlich peinlich, von einem Typen zu träumen, den man nur einmal gesehen hatte.
Ich drehte mich auf die Seite und sah auf den Wecker. Ein Uhr morgens. Mist, verdammter. Meine Kehle fühlte sich mit einem Mal trocken an, deshalb verließ ich mein Zimmer und begab mich in die Wohnküche, wo ich mir aus dem Kühlschrank eine Flasche Wasser holte und einen kräftigen Schluck nahm. Erst jetzt fiel mir auf, dass das Wohnzimmer mit Umzugskartons vollbepackt war. Plötzlich öffnete sich die Tür des Badezimmers, und ein halbnackter Mann kam nur mit einem Handtuch um die Hüften gebunden heraus. Er rubbelte sich das nasse Haar mit einem zweiten trocken. Meine Augen wanderten seinen Körper auf und ab und blieben an seinem festen Bauch hängen, mein Atem stockte. Himmelherrgott, wer ist das?
Mein Blick heftete sich an sein Gesicht, und mir blieb augenblicklich das Herz stehen. Er ist es! Max von der Party, der Mann, von dem ich eben geträumt hatte. Ich verschluckte mich und hustete mir die Seele aus dem Leib. Als ich den Kopf wieder hob, sah ich, wie sein Mundwinkel zuckte. Aber nur fast.
»Hallo«, krächzte ich und räusperte mich. »Wer bist du und was machst du in meiner Wohnung?«, fragte ich mit fester Stimme, obwohl ich aufgeregt war.
Er sagte nichts, sah mich nur an und hielt meinem Blick stand. Diese Augen waren faszinierend, so vertraut, was natürlich völliger Quatsch war.
Dann ließ er das kleine Handtuch in seiner Hand achtlos auf den Boden fallen, senkte den Blick und fuhr sich durch sein dichtes Haar. Es schien, als müsse er sich selbst sammeln. In mir breiteten sich Nervosität und Unruhe zugleich aus. Immerhin stand ein völlig Fremder in meiner Wohnung und noch dazu halbnackt.
Bevor er mir antwortete, öffnete sich die Tür zum Gästezimmer und Rachel betrat die Wohnküche. »Oh entschuldige, haben wir dich geweckt?«
»Nein, ich bin früh eingeschlafen und vorhin aufgewacht.«
»Gut, nicht dass ich Max einen Kopf kürzer machen muss, weil er dich um deinen Schlaf bringt.« Zögernd wanderte mein Blick wieder zu dem halbnackten Mann in meiner Küche. Er stand neben der Küchentheke, klammerte sich an die Arbeitsplatte und schien wegen etwas aufgebracht zu sein. Die Muskeln spannten sich unter seinem festen Griff an, und die Adern traten hervor. »Ach ja, diesen Irren kennst du noch nicht, oder? Norah, das ist Max, mein Bruder.«
Bruder? Er war mit meiner neuen Mitbewohnerin verwandt? Nun löste sich Max von der marmorierten Platte und schritt auf mich zu. Mein Herzschlag verdreifachte sich. Nicht nur weil er auf mich zukam, sondern auch weil er halbnackt war und so unverschämt gut roch. Ich sprach mir innerlich Mut zu, um nicht wie eine Idiotin zu stottern, sollte er dicht vor mir stehen bleiben, doch anders als erwartet, ging er wortlos an mir vorbei, holte eine Tasche, die neben den Umzugskartons stand, und verschwand wieder im Badezimmer. Nur sein Duft blieb zurück, und er roch genau, wie ein Mann riechen sollte. Enttäuschung und Wut machten sich in mir breit, denn selbst wenn er kein Interesse an mir hatte, hätte er sich wenigstens offiziell vorstellen können. Nicht dass ich nicht schon wusste, wer er war. Schließlich war ich so hingerissen von diesem Kerl, dass ich sogar von ihm träumte. Erbärmlich. Ich war wirklich verrückt.
»Nimm’s ihm nicht übel. Er ist sehr … ähm … verschlossen.«
»Das habe ich schon bemerkt«, knurrte ich und trank einen Schluck, um irgendetwas zu tun.
»Ich hoffe, es stört dich nicht, dass er hier geduscht hat. Er hat mir beim Umzug geholfen.«
Ich schüttelte den Kopf, obwohl es mir etwas ausmachte. Ich war regelrecht wütend auf ihn. Es enttäuschte mich, dass er mich aus irgendeinem Grund nicht leiden konnte, und diese Erkenntnis traf mich...




