de Lisle | In den Händen des Schotten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 311 Seiten

de Lisle In den Händen des Schotten

Roman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96898-225-0
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 311 Seiten

ISBN: 978-3-96898-225-0
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wenn Liebe zwischen Feinden erblüht: Der Highland-Roman »In den Händen des Schotten« von Anne de Lisle jetzt als eBook bei venusbooks. Sie ist seine Gefangene ... wird er sie ausliefern? Im Jahre 1746 ist der Konflikt zwischen den Jakobitern und den Anhängern der englischen Krone auf seinem Höhepunkt. Die junge Freiheitskämpferin Isabeau MacPherson wird beim Überbringen einer geheimen Botschaft von einer Gruppe feindlicher Soldaten überwältigt. Nun droht ihr der Tod - doch der Anführer Alistair Campbell, ein Schotte wie sie, bringt es nicht über sich. Auf der gefährlichen Reise zu seiner Burg, wo er Isabeau verstecken will, kommen sie sich immer näher. Und obwohl sie sich nicht sicher ist, ob Alistair ihr Vertrauen verdient, kann Isabeau ihre Gefühle für den schneidigen Krieger schon bald nicht mehr leugnen. Aber was, wenn Alistairs Verbündete erfahren, wer die neue Frau in seinem Leben wirklich ist? Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der historische Liebesroman »In den Händen des Schotten« von Anne de Lisle für alle Fans von »Outlander«. Lesen ist sexy: venusbooks - der erotische eBook-Verlag.

Anne de Lisle lebt mit ihrem Ehemann in einem angeblichen »Geisterhaus« in Maryborough. Ihre Romane sind international erfolgreich. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin die historischen Liebesromane »Das Herz des Lairds«, »Die Leidenschaft des Lairds«, »In den Händen des Schotten« und »Tender Kiss - Ein Lord zum Verlieben«.
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Kapitel 1


Schottland, April 1746

Die Nacht war still und friedlich, und der Mond stand voll und hell über den aufgetürmten Massen des Cairngorms – die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für eine Flucht. Zum Glück entdeckte Isabeau den Schein eines Lagerfeuers zwischen den Bäumen, lange bevor jemand sie hätte hören können, und so stieg sie von der Stute und führte sie am Zügel weiter.

Es lag Schnee, nicht viel, aber genug, um ihre Schritte zu dämpfen, und Isabeau hatte vor, ihr Pferd in weitem Bogen um die Männer herumzuführen. Doch als sie näher kam, verengte sich der Paß plötzlich. Isabeau zögerte, hob die Hand und streichelte dem Pferd beruhigend über den Kopf. Wenn sie weiterging, mußte sie ein ganzes Stück näher an den Männern vorbei, als ihr lieb war – das machte ihr angst, denn sie wußte nicht, ob es sich bei ihnen um Freund oder Feind handelte.

Doch dann dachte sie an Robbie und schämte sich ihrer Furcht. Wieder schlich sie leise vorwärts, aber das Pferd war unruhig und nervös, und als sie sich den Männern näherten, warf das Tier den Kopf hoch und stampfte so laut mit den Hufen in den Schnee, daß sie überzeugt war, gehört worden zu sein. Als das Gespräch abrupt verstummte, wurden ihre Befürchtungen bestätigt. Isabeau erstarrte, unschlüssig, ob sie abwarten sollte und hoffen, daß sie das Geräusch für ein wildes Tier hielten, oder ob sie in der Hoffnung fliehen sollte, daß sie sie nicht einholen würden.

Dann hörte sie wieder Stimmen, aber Isabeau ließ sich nicht täuschen. Und tatsächlich löste sich einer aus der Gruppe, ein großer schwarzer Schatten, der mit der Dunkelheit der Bäume verschmolz, rasch gefolgt von einem zweiten.

Isabeau verfluchte ihre Unentschlossenheit, schwang sich in den Sattel und grub dem Pferd die Hacken in die Flanken, wobei sie sich weit vorbeugte, als das Tier losrannte. Doch die Bäume standen zu dicht und behinderten ihre Flucht, und plötzlich brach ringsum Aufruhr los. Isabeau zog an den Zügeln, weil sie umkehren wollte, aber wohin sie sich auch wandte, immer versperrte eine Gestalt ihr den Weg. Sie fuhr herum, suchte verzweifelt nach einer Stelle zum Entkommen und stieß der Stute die Hacken in die Flanken, als sie eine Möglichkeit zu erkennen glaubte.

Doch ein weiterer Mann trat aus den Schatten und fiel ihr in die Zügel. Isabeau trat zu und spürte, wie ihr Stiefel etwas traf – seinen Kopf, wie sie hoffte. – Der Griff um die Zügel lockerte sich, und wieder trieb sie das zitternde Tier an. Einen Moment dachte sie, sie käme frei, aber dann packte eine Hand sie an der Jacke. Isabeau fiel zur Seite, und der Boden schien auf sie zuzurasen.

Isabeau lag auf dem Rücken auf dem gefrorenen Boden und rang nach Luft. Ein dunkler Schatten im Kilt ragte über ihr auf – ein Schotte also –, und dann blieb ihr Blick an der blitzenden Klinge in seiner Hand hängen. Sie mußte sich bewegen, sonst war alles vorbei.

Isabeau rollte sich auf die Seite und stützte sich auf Hände und Knie, aber ehe sie aufspringen konnte, wurde ihr Arm mit eisenhartem Griff umklammert, und sie wurde zurückgerissen. Isabeau griff nach dem Dolch in ihrem Gürtel, zog ihn und wandte sich zu dem Mann um, der sie jetzt zu sich zerrte. Doch der Mond erleuchtete hell den Schnee, ihr Angreifer sah die Waffe und wich aus, als sie nach ihm stieß, wobei er ihr Handgelenk hart umklammerte. »Laß ihn fallen!« kommandierte er. »Laß ihn sofort fallen!«

Isabeau hatte Angst, er würde ihr den Arm brechen, so fest war sein Griff, aber sie ließ die Waffe nicht los. Statt dessen trat sie nach ihm und wurde mit einem Schmerzenslaut belohnt, als ihr Stiefel sein Schienbein traf. Dann zog er sie mit sich zum Stamm einer Kiefer und preßte ihre Hände hart dagegen.

Mit einem Aufschrei ließ Isabeau ihren Dolch in den Schnee fallen und wartete darauf, daß er ihr den Rest gab.

»Hast du ihn, Alistair?« rief eine Stimme aus den Schatten.

»Aye«, keuchte der Mann, der sie festhielt. »Es ist nur ein Junge, der versucht hat, mir mit seinem Dolch Angst zu machen.« Er warf ihr in der Dunkelheit einen scharfen Blick zu.

»Was suchst du zu so einer Stunde hier draußen, Junge? Wo wolltest du hin?«

Isabeau schwieg. Sie konnte nicht viel von dem Mann erkennen, nur seinen dunklen Umriß, der das Mondlicht verdeckte. Sie stand ganz still. Es hatte wenig Sinn, weiterzukämpfen, zumal er ihr Handgelenk immer noch in eisenhartem Griff hielt und ihre Hand von dem Treffen mit dem Baum schmerzte. Wenigstens hielt man sie für einen Jungen – das war etwas, wofür sie dankbar sein konnte.

Eine weitere Gestalt tauchte neben ihrem Häscher auf, ein älterer Mann, der ein wenig gebeugt ging.

»Rumschnüffeln, das ist es, was er getan hat.«

Weitere Gestalten sammelten sich um sie.

Ohne sie loszulassen, bückte sich der Mann, der sie überwältigt hatte, nach ihrem Dolch und steckte ihn hinter seinen Gürtel. »Jetzt will ich mir dich einmal anschauen«, verkündete er dann und begann, sie in Richtung Feuer zu zerren.

Im Mondlicht erhielt der große Schatten Gestalt. Isabeau erkannte auf den ersten Blick, daß er ein Campbell war, die vertrauten bunten Farben seines Kilts waren im Feuerschein deutlich zu erkennen. Sie erkannte auch, daß nicht nur die Dunkelheit ihn so groß hatte wirken lassen. Er stand nahe bei ihr und überragte sie so sehr, daß sie den Verdacht bekam, daß er sie absichtlich mit seiner Größe einschüchtern wollte.

Isabeau zwang sich, ihrem Gegner ins Gesicht zu sehen. Es war schmal, dunkel und grimmig, um so mehr, als sein Blick aus blitzenden dunklen Augen und die wilde Mähne schwarzer Locken seine Ungezähmtheit betonten. Er sah wild und gefährlich aus, und Isabeau mußte sich beherrschen, um nicht vor ihm zurückzuweichen. Als sie sich umdrehte und die anderen Männer ansah, die vorsichtig näher traten, ergriff Alistair Campbell die Gelegenheit, um sie sich näher anzusehen.

Der schlanke blonde Junge in Reithose und Jacke sah verfroren, hungrig und ängstlich aus. Um so besser für ihre Aufgabe. »Wie heißt du, Junge?« wollte Alistair wissen. Schweigen. »Wenn du uns deinen Namen nicht sagen willst, dann kannst du uns vielleicht erklären, warum du zu dieser Stunde um unser Lager herumschleichst?«

In dem darauf folgenden Schweigen konnte Alistair nur schlecht seine Ungeduld verbergen. Als er keine Antwort bekam, befahl er: »Durchsuche ihn, Patrick, und sieh, was du finden kannst.«

Als ein alter Mann vortrat und Isabeaus Taschen zu durchsuchen begann, begann sie erneut zu kämpfen. Doch ihr Gegner hielt ihr die Arme auf dem Rücken fest, so daß Patrick, solange er ihren Tritten auswich, in der Lage war, eine Reihe von Dingen aus ihren Jackentaschen zu holen – ein Medaillon an einer Silberkette, zwei glatte, flache Steine, die Schultemadel eines Hochländer-Plaids, die bei genauerer Inspektion die Zeichen des Macpherson-Clans zeigte, ein zerdrücktes Taschentuch und zuletzt und am interessantesten ein gefaltetes Stück Papier.

Dieser Zettel wurde an einen anderen weitergereicht, denn Patrick Macphee konnte nicht lesen, so daß es Ian Campbell war, der sich neben das Feuer kniete, das Papier so hielt, daß Licht darauf fiel, und die ersten Zeilen des schicksalsschweren Briefes las.

Als er fertig war, sah er seinen Bruder an und sagte: »Lies das besser Alistair, denn ich habe noch nie etwas so Verräterisches gesehen!«

Alistair hatte immer noch alle Hände voll mit seinem Gefangenen zu tun. Er wandte sich erneut an Patrick. »Such etwas, womit wir ihn fesseln können.« Der alte Mann zog ein Stück Schnur hervor, und Alistair drehte Isabeau schnell herum und band ihr die Handgelenke auf dem Rücken zusammen. Dann übergab er sie in Patricks Obhut, kniete sich neben das Feuer, nahm Ian das Dokument ab und begann zu lesen:

Es ist meine Überzeugung, daß sich der Herzog aus strategischen Gründen dazu entschlossen hat, sich in Aberdeen Zeit zu lassen. Er wartet in der Hoffnung, daß wir uns bei dieser und anderen Sachen erschöpfen. Ich werde mich darum bemühen, die Mittel zu erlangen, um ihm nahe zu kommen, und sobald ich in Aberdeen bin, werde ich die Tat ausführen, und zwar ohne Bedauern, denn ich glaube, daß sie die Moral seiner Männer signifikant senken wird, so daß sich der Ausgang des Kampfes sicher wandelt.

Als Alistair zu Ende gelesen hatte, faltete er den Brief zusammen und erhob sich mit aschfahlem Gesicht. Die Worte, die er gerade gelesen hatte, und ihre offensichtliche Bedeutung schockierten ihn zutiefst, denn die Absicht des Schreibers war eindeutig – er wollte ein Attentat auf den Herzog von Cumberland begehen, den Sohn des Königs, einen Mord und Akt des Hochverrates.

Mit seiner Stimme, die von einer Gefaßtheit zeugte, von der er weit entfernt war, sagte er: »Wir müssen dafür sorgen, daß Cumberlands Leute in Aberdeen das bekommen. Donald, du bringst es im Morgengrauen hin.«

Dann schwang er plötzlich zu Isabeau herum. Sein Blick wurde hart, als er auf sie zutrat und ihren Dolch hervorzog. »Und jetzt will ich wissen, wer dieses schurkische Stück Papier geschrieben hat.«

Isabeau stand schweigend vor ihm, als er bedrohlich auf sie zutrat. »Warst du es?«

Isabeau zuckte ein wenig zusammen, als er die Frage hervorstieß, aber sie schwieg. Alistair hob den Dolch, so daß die Spitze ihr Kinn berührte. »Du bist gut beraten, es mir jetzt zu sagen, Junge, denn am Ende wirst du es mir ohnehin verraten.«

»Das werde ich nicht!« schrie sie plötzlich auf, »und ihr könnt zum Teufel gehen, die ganze Verräterbande von euch …«

Ihre Stimme ließ ihn innehalten. Der Junge war jünger, als er gedacht hatte. Aber jetzt war nicht die Zeit...



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