de Vert | Französische Vergeltung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 352 Seiten

Reihe: Mimik-Expertin Margeaux Surfin ermittelt

de Vert Französische Vergeltung

Provence-Krimi | Ein fesselnder Frankreich-Krimi mit Rezepten zum Nachkochen
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-492-98757-8
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Provence-Krimi | Ein fesselnder Frankreich-Krimi mit Rezepten zum Nachkochen

E-Book, Deutsch, Band 6, 352 Seiten

Reihe: Mimik-Expertin Margeaux Surfin ermittelt

ISBN: 978-3-492-98757-8
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein skrupelloser Mörder und ein gefährlicher Verbündeter - der sechste Fall der Mimikexpertin im malerischen Frankreich  Bei Mimikexpertin Margeaux Surfin kehrt nach ihrem aufwühlenden letzten Fall der Alltag wieder ein. Doch dann tauchen in Deutschland und Frankreich übel zugerichtete Männerleichen auf. Treibt hier vielleicht sogar ein brutaler Serienmörder sein Unwesen? Margeaux kennt nur eine Person, die helfen kann: der berüchtigte Straftäter Martin Angerer. Der Privatdetektivin bleibt nichts anderes übrig, als ihn als Berater hinzuzuziehen, während sie mit Sonderrechten der Kripo ermittelt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem Margeaux an ihre ganz persönlichen Grenzen kommt ...  »Das Buch ist ein packender, fesselnder Kriminalroman. Immer wieder der Wechsel zwischen wunderbaren Schilderungen aus der Provence und andererseits unglaublich finstere Beschreibungen eines Verbrechens. Durch ihre Kenntnisse in der Mimikanalyse und der nonverbalen Kommunikation zeichnet sich die Autorin aus. Wenn man erst mal anfängt zu lesen, dann hört man kaum auf.« ((Leserstimme auf Netgalley))

Nicole de Vert schrieb ihren ersten Krimi bereits mit 12 Jahren. Bis sich der Traum als Romanautorin Bücher zu veröffentlichen erfüllte, vergingen fast vier Jahrzehnte. Als Fachbuchautorin sammelte sie schriftstellerische Erfahrungen und als Mimikexpertin füllt sie die Fähigkeit ihrer Protagonistin mit praktischem und wissenschaftlichem Hintergrund. In der Provence hatte sie seit fast zwei Jahrzehnten ein Ferienhaus und ist dadurch mit der Gegend rund um Avignon mit Herz und Seele verwoben.
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Die Kammer


Ihr habt den Teufel zum Vater und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit; denn es ist keine Wahrheit in ihm. Wenn er lügt, sagt er das, was aus ihm selbst kommt; denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge.

Johannes 8,44

Es war dunkel und kalt – mehr eine Kammer als ein Zimmer auf dem Dachboden des Hauses. Einst mussten Tauben darin gewohnt haben, denn wenn die Tür aufging und etwas von dem schummerigen Licht der Speicherbeleuchtung hineinfiel, konnte man die grauweißen Kotflecken am Gebälk sehen, und es stank eklig darin. Im Sommer schlimmer als im Winter, denn dann war es so kühl, dass schon mal ein Eiszapfen an einem der Balken hing, aber zumindest konnte man den lutschen, um den schlimmsten Durst zu stillen. Denn zum Eingesperrtsein kam hinzu, dass es weder was zu essen noch zu trinken gab. Manchmal verging eine Ewigkeit, bis diese grausame Bestrafung endete. Doch was danach folgte, war meist nicht besser. Weil es keinen Eimer gab oder etwas Ähnliches, um zu pinkeln, stank es nach Pisse und Scheiße und auch nach Erbrochenem, denn kein Mensch konnte den Gestank und die Angst ertragen, ohne selbst bitteren gelben Saft auszuwürgen. Für diese sogenannte »Schweinerei« gab es im Anschluss regelmäßig Prügel. So, als wäre es der eigene Wille gewesen, in einem hölzernen Verschlag zu verschwinden, in dem man schreien und weinen konnte, wie man wollte.

Niemandes Herz erweichte sich. Die Mutter war eine fette Frau mit bösen kleinen Augen. Sie stand meist am Herd, hatte eine Zigarette im Mundwinkel und zeterte über Kinder, die ihr das Essen wegfraßen. Sie wurde nicht müde zu betonen, dass die Geburten ihr die sexy Figur geraubt hatten. Zur Strafe für die Missetat bekam man dann einen Teller mit undefinierbarem Zeug darauf regelrecht hingeworfen. War man zu hungrig und schaufelte den Fraß schmatzend in sich hinein, schlug sie einem mit dem Kochlöffel hart auf den Kopf. Schaute man das Zeug misstrauisch an, bekam man ebenfalls Schläge, und wehe man stieß einen Ton des Schmerzes aus. Das rief nämlich den Vater auf den Plan. Man gewöhnte sich an stummes Hinabwürgen von allem, was auf dem Tisch landete – gern auch mal mit der Asche dekoriert, die von einer der Kippen auf den Teller bröselte –, denn die Strafen des Erzeugers … sie waren … Lieber ließ man sich von der Mutter mit einem Küchengerät dreschen.

Aber am Ende war es egal. Regelmäßig wurde man die Treppe hinaufgeschleift, schürfte sich dabei den Rücken oder die Knie auf – je nachdem, in welcher Körperhaltung der Vater einen gepackt hielt – und landete in der Kammer. Hatte man Glück, waren die Exkremente vom letzten Mal schon angetrocknet, und er reichte einem Eimer und Schaufel mit den Worten: »Mach’s weg, oder ich stecke deine hässliche Fresse rein.«

Also kroch man im Halbdunkel herum, kratzte die Kacke vom Boden und musste dankbar dafür sein, wenn es dabei blieb. An den schlimmsten Tagen zückte der Alte nämlich den Gürtel, während man auf dem Boden entlangkroch, und flüsterte böse: »Los, Hose runter, du stinkendes Schwein.« Das war schlimmer, als mit der Hand geschlagen zu werden, Hunger oder Durst zu spüren, Angst im Dunkeln zu haben oder sich in eine Ecke zu erleichtern, wenn man dringend musste. Es tat weh, wenn der Gürtel auf das nackte Fleisch klatschte, während man auf den Knien kroch. Doch der Vater war nicht nur gnadenlos brutal, er rieb sich auch noch stöhnend den Pimmel dabei. Zu all den anderen ekelerregenden Gerüchen gesellte sich dadurch auch noch der Gestank von Sperma.

Dann warf er die Tür ins Schloss, beschimpfte einen als abartiges Geschöpf, dem es recht geschah, in der Kammer zu verrecken, während man selbst wimmernd darum bettelte, wieder rauszudürfen. »Bitte, Papi, ich will auch brav sein. Ich … ich werde alles essen … bitte, ich bin lieb und gehorche. Bitte … bitte, Papi.«

Doch es half nichts. War die Tür erst zu, blieb man in der Kammer, kauerte sich liegend zusammen, denn Sitzen war auf dem misshandelten Hintern nicht möglich. Man zog die Knie an die Brust, und irgendwann hatte die Natur Mitleid, wenn man vom Wimmern schwach genug war, und schenkte einem Stunden des ohnmächtigen Schlafes.

Avignon, 1. März

Aimé war sich darüber bewusst, dass er nie mehr ganz der Alte sein würde. Auch wenn ihm die Ärzte gute Prognosen stellten, so war doch klar, dass die bösartigen Zellen in seinem Körper lauerten und niemand versprechen konnte, dass die Chemo und die nachfolgende Bestrahlung ihn für immer davon befreiten. Der Gedanke an den Tod war seit jenem Moment, in dem er blutend in Margeaux’ Armen gelegen hatte, zu einem ständigen Begleiter geworden. Es war nicht so leicht, das wieder von sich zu weisen, und schon gar nicht, wenn alle um einen herum so taten, als balancierte man auf des Messers Schneide. Was für ein durchaus passender Vergleich.

Beinahe musste er grinsen, und er spürte einen Teil des alten Aimés in sich aufblitzen. Jenes Mannes, der fröhlich pfeifend seine Polizeimütze in den Nacken geschoben und den Verkehr in Barbentane geregelt hatte. Er war stets stolz auf seine Sprachkenntnisse gewesen, hatte Touristen durch den Ort gelotst und auch dafür gesorgt, dass sich der Hotelierssohn Thierry Baile mit seiner Bäckerei unweit der Gendarmerie niedergelassen hatte. Er war auf seine Art ein Strippenzieher gewesen, denn er kannte alle Welt und war überall beliebt. Mit seinem Vorgesetzten aus Tarascon, Gilbert Brenot, verband ihn sogar eine Freundschaft. Doch das zählte alles nicht mehr.

Er war nun en retraite – im Ruhestand. Konnte man das als Flic überhaupt sein? Vielleicht war es anderen Kollegen und Kolleginnen möglich, doch für ihn war es furchtbar, und genau deshalb war das Gespräch mit Margeaux mehr als nötig. Er brauchte sie auf seiner Seite. Sie würde ihn verstehen, doch wusste er auch, wie besorgt sie war. Dazu brauchte er kein Mimikexperte zu sein. Sie hatte eine Schulung zum Thema Emotionserkennung in Tarascon abgehalten. Ihre Position als Officier de Liaison hatte Brenot nie aufgehoben, und so war sie heute einerseits Privatdetektivin und andererseits beratend sowohl für die französische als auch die deutsche Polizei tätig. Ihr ehemaliger Chef Werner Walter hatte ihr dies für die Kripo in Stuttgart ermöglicht. Das hatte Margeaux aus ihrem Zwiespalt geholfen, in dem sie kurz vor ihrer Eheschließung mit Thierry steckte, denn die Polizeiarbeit hatte ihr ganz offensichtlich gefehlt. Der Vortrag hatte ihre Expertise gezeigt und alle Teilnehmenden begeistert. Für die Polizeiarbeit war das wirklich ein hervorragendes Werkzeug, und Margeaux konnte ihre Expertise teilen und war eben genau deshalb eine versierte Kommissarin gewesen. Da war er wieder beim Thema: Konnte man seinen Beruf als ehemaliger Polizist je ablegen?

Sie ging gelassen neben ihm und schob den Ständer mit dem Piepding. Noch arbeitete es gleichmäßig und schallte nicht schrill durch den Flur, als würde er innerhalb der nächsten Sekunden umkommen. Obwohl der Krebs der Böse war, hatte er begonnen, auch in der Chemo einen Feind zu sehen, denn sie machte ihn schwach und bedürftig. Er hasste es. Doch er würde sich nicht unterkriegen lassen, und für all die nötige Energie brauchte er dringend eine Perspektive.

»Ich will, dass du mich in deine Privatermittlungen einbindest«, ließ er die Katze aus dem Sack.

Sie blieb stehen, und auch er musste stoppen, damit der Schlauch nicht an der Nadel in seiner Armbeuge zerrte. »Wie einbinden?«

»Ganz einfach, Margeaux. Ich habe den Antrag auf den Status als Privatdetektiv gestellt, was bei einem Polizisten i. R. unproblematisch möglich ist, und sowie ich die Bestätigung in meinen Händen halte, will ich mit dir zusammenarbeiten.«

Sie schaute ihn an und zog die Stirn kraus. »Weiß Hilde davon?«

»Du bist die erste und auch die wichtigste Person, der ich das erzähle. Ich will mich nicht mit dem ganzen Kram beschäftigen, wie man Kunden bekommt oder so. Ich will ermitteln, beobachten und Fälle lösen.« Er gab seiner Stimme Nachdruck.

»Solltest du …«

Er wusste, was nun kommen würde, und wappnete sich. Verbannte man ihn aufs Sofa, wäre er bald wirklich nur noch ein Wrack, bei dem Haut die Knochen zusammenhielt. Er straffte sich und wartete ihre Worte ab. ...



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