E-Book, Deutsch, Band 2, 281 Seiten
Reihe: Michi Cordes
Dechant MORDSEIER
Überarbeitete Neuauflage des rasanten Thrillers 2021
ISBN: 978-3-98576-003-9
Verlag: Early Bird Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
CORDES #2
E-Book, Deutsch, Band 2, 281 Seiten
Reihe: Michi Cordes
ISBN: 978-3-98576-003-9
Verlag: Early Bird Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein erschossener Nazirocker im Wildschweingehege in Ketsch, eine unmögliche neue Kollegin und eine Explosion in der Mannheimer Innenstadt. Ihren ersten Tag nach sechs Monaten Auszeit hatte sich Michi Cordes anders vorgestellt. Dann verschwindet auch noch ein Zeuge spurlos. Michi ahnt nicht, dass dieser Fall sie in nur sieben Tagen von zerstrittenen Kleintierzüchtern über die ‚Germanische Bruderschaft‘ bis in dieUnterwelt von St. Petersburg führen wird.
Um Leben zu retten, muss Cordes sich mit der Russenmafia verbünden!
Zielgruppe
Leser*innen mit Interesse an Kriminalromanen und Thrillern.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
3 Rheininsel Ketsch, Montag, 10. Juli, 10.30 Uhr Es hatte gerade aufgehört zu regnen, als Hauptkommissarin Cordes ihren Mini direkt vor der massiven hölzernen Altrheinbrücke abrupt zum Stehen brachte. Oberkommissarin Heller auf dem Beifahrersitz landete unsanft im Sicherheitsgurt. Insgeheim hoffte Michi, ihrer neuen Kollegin Gaby damit ein wenig die Luft zu rauben. Erfolglos. Ohne Punkt und Komma redete diese kleine Person. Die erste halbe Stunde des für Michi eher unfreiwilligen Kennenlernens hatte Gaby Heller darauf verwandt, der neuen Vorgesetzten ihre komplette Lebensgeschichte zu erzählen. Michi war erstaunt, dass sie sich einen Teil davon tatsächlich gemerkt hatte. Obwohl sie sich zu diesem Zeitpunkt sicher war, dass diese berufliche Liaison lediglich eine kurze Halbwertszeit haben würde. Sabrina ... nein, Samantha hieß die sechzehnjährige Tochter und dann waren da noch die Zwillinge Rebecca und Vincent, der Grund für die vierjährige berufliche Auszeit. Den Namen des Ehemanns hatte Michi vergessen. Sie speicherte ihn einfach als Herrn Heller ab. Chemiker sei er wohl bei der BASF, aber jetzt erst mal in Elternzeit. Die zurückliegenden zehn Minuten im Auto von der Schwetzinger Marstallstraße bis zur Ketscher Rheininsel waren jedoch die schlimmsten gewesen. ‚Ich zusammen mit der großen Michi Cordes im Auto ...‘ ‚Ist das alles wahr, was über dich in der Zeitung stand?‘ ‚Hast du wirklich ganz alleine diesen Serienmörder zur Strecke gebracht? Und warst du tatsächlich mit ihm verlobt?‘ Michi hätte es wissen müssen. Nichts auf dieser Welt gibt es umsonst. Auch nicht unerwünschte Informationen. Gaby Heller forderte kommunikativen Tribut. Und Frau Hauptkommissarin hatte versucht, der Forderung höflichkeitshalber nachzukommen. ‚Na, so groß sei sie jetzt auch nicht – nur ein Meter neunundsiebzig ...‘ ‚Nein, die Zeitungen hätten maßlos übertrieben!‘ ,Nein, Jean Baptiste Devier habe sie nach Frankreich verschleppt, sich dann aber selbst gestellt. Und die Beziehung sei eine Erfindung der Presse!‘ Bis auf die Körpergröße hatte Michi gelogen. Die Geschichte des Serienkillers Jean Baptiste Devier, den sie als Gregor Jehnke geliebt hatte, war ihre private Geschichte. Und das sollte gefälligst so bleiben. Über sechs Monate hatte sie damit zugebracht, sich ihrer Gefühle im Klaren zu werden. Die Gefühle für einen Mann, der sie so fasziniert hatte, und den sie bis heute nicht zu hassen im Stande war. Vier Frauen hatte Devier kaltblütig umgebracht, darunter ihre beste Freundin. Michi musste oft an Tanja denken. Immer wenn sie Charly ansah. Obwohl der Hund sie über alles liebte, legte er sich bei jedem Besuch auf dem Schwetzinger Friedhof leise wimmernd auf das Grab seines toten Frauchens. Charlys Atem, eine Mischung aus verdautem Hundefutter und toter Katze, drang zwischen den Vordersitzen in den Fonds und holte Michi aus ihrem kurzen Tagtraum. »Du bleibst hier und bewachst das Auto!« Widerstandslos trollte sich der graue Dreibeiner auf die Rückbank, nicht ohne Gaby mit einem flehentlichen Blick zu bedenken. »Glaub‘ mir, ich würde gerne mit dir tauschen.« Gähnend schälte sich die Oberkommissarin aus dem tief liegenden Wagen. Es war lange nicht mehr so heiß, wie an den zurückliegenden Tagen und der warme Asphalt verdampfte die Wassermassen des Morgens. Die feuchtschwangere Luft drückte sich unangenehm in die Lungen der beiden Polizistinnen, die sich auf dem Fußweg zum Wildschweingehege vorankämpften. Vor allem Oberkommissarin Heller bedauerte es zutiefst, dass Michi den Wagen vor der Brücke hatte stehen lassen, um die gut hundert Meter zum Tatort zu Fuß zu gehen, während ihnen der modrige Geruch von faulendem Holz und Moos des Biotops entgegenschlug. ‚Buddha‘ strahlte über beide Pausbacken, als er Michi sah. Umgehend stellte der Kriminaltechniker die Arbeit an dem vor ihm liegenden leblosen Körper ein, und wälzte seinen üppigen Leib mit ausgebreiteten Armen die leichte Anhöhe hinauf, während zwei ebenfalls in weiße Schutzanzüge gehüllte Menschen die letzte Plane an das Schutzzelt hefteten. »Isch free misch so, dass du widder do bisch. Du hosch uns escht gfehlt.« Bernhard ‚Buddha‘ Leistritz, streifte sich die blauen Latexhandschuhe ab und nahm Michis rechte Hand liebevoll in seine beiden fleischigen Pranken. Oberkommissarin Heller bedachte er lediglich mit einem deutlich unterkühlten »Guten Morgen Frau Heller!« »Na, vielleicht wird er ja noch gut, Herr Leistritz. Was haben wir?«, giftete die Oberkommissarin zurück. Michi übernahm wieder. »Wissen wir schon, wer das Opfer ist? Am Telefon hieß es Ertrunken?« »Ja und nä.« Buddha wandte sich wieder von den Frauen ab und stapfte voran Richtung Leichnam. »Dietmar Heinemann, 48 Johr alt. Unn wann misch froogsch, ä eschtes Herzele. Ä Joggerin hot den Dode entdeckt. Mitm Kopp in dem Wasserloch do hinne. Versoffe isser awwer net!« Buddha und die beiden Kommissarinnen passierten die beiden aufgeschnittenen Drahtzäune, die das Wildgehege im Abstand von etwa zwei Metern gesichert hatten. »Wo sind die Schweine?« Michi stapfte recht unbeeindruckt durch den morastigen Boden Richtung Spurensicherungszelt. »Ä Sau is wohl noch in dem Gehege, die onnere Schwoine sind abghaue. De Förschder unn ä paar Jäger sinn schunn am suche. Der oder die Täter wollde clever soi. Hänn offesischtlich gedenkt, wann se den Kerl dohin ablege, fresse die Viescher ihn. Hot wohl awwer net gschmeckt. Idiode!« Buddha öffnete die Seitenplane zu dem Zelt der Spurensicherung und zeigte auf die Tätowierungen an beiden Armen des Toten, Reichsadler und Hakenkreuz auf dem einen, die ‚Schwarze Sonne‘ die einst den Obergruppenführersaal der Wewelsburg in Büren zierte, auf dem anderen Unterarm. »Än eschde Symbadieträger! Wi isch schunn gsagt hebb.« Erst jetzt bemerkten die Frauen das deutliche Einschussloch auf der Stirn des Toten. »Da war aber jemand mächtig sauer auf unseren Nazi.« Michi ging in die Hocke, um sich die Schusswunde etwas näher zu betrachten. »Ist das eine Brandwunde um das Loch?« Buddha nickte. »Isch vermuts emol stark. Sieht noch äm uffgsetze Schuss aus. Mords Kaliber jedenfalls.« Bernhard Leistritz drehte den kahlgeschorenen Kopf des Opfers. »Wow!« Gaby Heller sah zuerst auf die Austrittswunde. »Sieht nach einer Hinrichtung aus. .460 S&W Magnum? Eventuell sogar Kaliber .500. Könnten Sie mal den Körper so drehen, dass wir den ganzen Rücken vor uns haben?« Heller war bemüht, dem Kriminaltechniker nicht in die Augen sehen zu müssen. »Aber sischer doch Fra Heller. Fer Sie immer gern!« Buddha bat einen der Streifenpolizisten, ihm behilflich zu sein, den etwa einsneunzig großen und beleibten Körper von Dietmar Heinemann auf die Seite zu drehen. Über dem schwarzen T-Shirt trug er die typische Lederweste einer Motorrad-Gang. Das aufgenähte Logo zeigte einen Totenkopf mit der gleichen schwarzen Sonne auf der Schädelplatte wie auf dem Arm des Opfers. In Frakturschrift darüber und darunter ‚BRUDERSCHAFT GERMANIA‘ »Hab‘ ich mir doch fast gedacht.« Heller fischte ein Haargummi aus ihrer abgenutzten Jeanshandtasche und klöppelte die immer noch feuchten halblangen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen. »Mit denen hatte ich schon mal zu tun. Übler Haufen. Bezeichnen sich selbst als deutschen Ableger der ‚Arian Brotherhood‘ in den Staaten.« Michi meldete sich wieder zu Wort. »Habt Ihr ein Projektil gefunden?« Buddha schüttelte den Kopf. »Dann gehen wir mal davon aus, dass das hier nur der Ablageort der Leiche ist. Die sollte wahrscheinlich von den Schweinen gefressen werden. Aber um sicher zu gehen Buddha, sucht bitte nochmal die Gegend ab. Der Richter soll außerdem die Nachbarschaft hier abklappern. Zu den Wohnhäusern hier sind es keine zweihundert Meter. Wenn hier einer eine Magnum abgefeuert hat, muss das jemand gehört haben. Kannst du schon was zum Todeszeitpunkt sagen?« Leistritz fischte einen Plastikbeutel aus seinem Beweissicherungskoffer. »Zwische zwe heit Nacht unn em neune heit morge!« »So genau?« Gaby Heller zeigte sich schnippisch überrascht. Buddha versuchte, es zu überhören. »Der hot zwar die halb Nacht im Rege gelege, awwer soi Handy hots iwwerlebt. Unn des hot um 2.04 Uhr noch mit wemm telefoniert. Unn um neune hot die jung Fra ihn gfunne!« Leistritz zeigte Richtung Brücke. »Die warded im VW-Bus uff die Zeugeaussag.« »Okay, da kümmere ich mich drum.« Michi tippte ihrer Kollegin auf die Schulter. »Machst du mit deinem Handy noch ein paar Fotos, Leiche, Tatort, Umgebung, das Übliche ...« Heller verzog peinlich berührt das Gesicht, während sie ein Nokia 3310 aus der Tasche zog. So etwas hatte Michi sehr lange nicht mehr gesehen. »... ich dachte, du warst nur vier Jahre außer Dienst.« Buddha prustete vor sich hin. »Egal. Kümmere du dich um die Zeugin. Die wird den Schock ihres Lebens haben.« »Des glab isch net.« Der Kriminaltechniker zog sein iPhone aus der Tasche. »Als mir herkumme sinn, hot die schunn alles fotografierd. Do, guck. Unser Freund hier is schunn än Schtar bei Instagram.« Gaby trottete den Weg zurück in Richtung VW-Bus. »Sag‘ mal Bernhard, was ist da los zwischen der Heller und dir?« Michi verwendete nur in ernsthaften Situationen den Vornamen des Kollegen. »Des is kompliziert!« Der Angesprochene zierte sich. »Das ist es immer!« Michi ließ nicht locker. »Frog se halt selwer!« »Nein Bernhard, ich frage dich!« Leistritz winkte dem eben eingetroffenen Leichenwagen zu. Er nahm Michi am Arm. »Die Gaby unn isch,...




