Dee / Corvo | Das Haus Zamis 25 - Das Dorf der Stille | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 25, 200 Seiten

Reihe: Das Haus Zamis

Dee / Corvo Das Haus Zamis 25 - Das Dorf der Stille


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95572-225-8
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 25, 200 Seiten

Reihe: Das Haus Zamis

ISBN: 978-3-95572-225-8
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der Weg führt Graf Nocturno und Coco in ein seltsames Dorf. Die Bewohner dort scheinen allesamt in einem vergangenen Jahrhundert zu leben. Seit jeher sind sie von der Umgebung hermetisch abgeriegelt und fürchten die Bewohner des Nachbardorfes wie die Pest ... Angeblich sind diese allesamt dem Wahnsinn verfallen ... Coco stellt Nachforschungen an - und schwebt schon bald darauf in Lebensgefahr ... Der 25. Band von 'Das Haus Zamis'. 'Okkultismus, Historie und B-Movie-Charme - ?Dorian Hunter? und sein Spin-Off ?Das Haus Zamis? vermischen all das so schamlos ambitioniert wie kein anderer Vertreter deutschsprachiger pulp fiction.' Kai Meyer enthält die Romane: 67: 'Der magische Kompass' 68: 'Das Dorf der Stille'

Dee / Corvo Das Haus Zamis 25 - Das Dorf der Stille jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Der magische Kompass

von Catalina Corvo

nach einer Story von Uwe Voehl

1.


Sandkörner, die unter den Kragen geglitten waren, pieksten in meinen Nacken, Kiesel bohrten sich in meinen Rücken. Ich schlug die Augen auf. Über mir streckten sich graue Wolken träge am Himmel wie eine Reisegruppe fetter, vollgefressener Touristen im Ausflugslokal. Ich roch eine leichte Note von Salz und Mineralien. In der Ferne rauschte das Meer. Ich drehte den Kopf. Sah Dünengras, zäh, grau und hässlich, zu Boden gequetscht unter einem Paar schwarzer, glänzender Schuhe, die nicht so aussahen, als hätten sie jemals den Sand wirklich berührt, auf dem sie standen.

In den Schuhen steckten Füße, mein Blick wanderte weiter hinauf, Beine, schlanke Beine in schwarzen Hosenbeinen. Mit Bügelfalte. Eine dunkle Weste aus Seide, eine ebenso vornehme Anzugjacke, helle Haut, ein Blick wie Traum und Glut.

Nocturno.

»Gut, du bist wach.« Seine Stimme – wohlklingend wie immer, sein Tonfall beiläufig. Jovial. »Steh auf, wir müssen gehen. Der Weg beginnt gerade erst.«

»Wo sind wir?«, fragte ich und richtete mich auf. Alles war grau, keine Sonne zu sehen, nur die dunkle Wolkenwatte, die den Himmel überzog. In der Ferne verschwamm sie mit einem ebenso grauen Streifen Meer.

Erstaunlicherweise wehte kein Lüftchen. Es herrschte Flaute. Und bis auf das entfernte, gleichmäßige Rauschen eine endlose, unheimliche Stille. Der Sand unter meinem Hintern und meinen Füßen knirschte überlaut in meinen Ohren, als ich mich mühsam erhob. Jeder Muskel meines Körpers schmerzte, wie nach einem anhaltenden schweren Krampf. Ich verzog das Gesicht und ächzte leise.

»Das ist eine Nebenwirkung des Übergangs.« Nocturno nickte mir zu. »Es vergeht bald, und du gewinnst deine Kraft zurück.«

Auf einmal spürte ich einen seltsamen Druck auf meinen Ohren. Wie bei einer schnellen Autofahrt oder im Flugzeug. Ich schluckte ein paarmal. Erfolglos. Ich wurde das nervtötende Gefühl nicht los, dass mir etwas die Ohren verkleisterte. Zur Sicherheit schnipste ich nahe an meiner Ohrmuschel mit den Fingern. Ich hörte das Geräusch deutlich, und zugleich sagte ein Teil von mir, dass ich es eigentlich undeutlich, wie durch Watte wahrnehmen sollte.

Ähnliche Schwierigkeiten hatte ich mit den Augen, sobald ich länger in die Ferne spähte. Ich sah die Konturen klar, und zugleich verschwamm das Bild.

Die nicht-wehende Luft war kalt und ließ mich frieren. Zugleich überkam mich das Gefühl, schwitzen zu müssen. Aber Fieber hatte ich keins, meine Stirn war kühl.

Nocturnos Mundwinkel wanderten ein paar Millimeter nach oben. »Du hast noch nicht gelernt, dich an die Schwingung dieses Ortes anzupassen«, erklärte er mit einem Hauch Amüsement. »Aber es wird besser mit der Zeit.«

»Wo genau sind wir hier?«, fragte ich.

Aber er ignorierte mich und wandte sich um. »Da lang.« Nocturno zeigte scheinbar wahllos in eine Richtung und marschierte seinem Fingerzeig hinterher.

Während ich ihm folgte, wurde mir die Stille der Umgebung, ihre Eintönigkeit unheimlich. Ich glaubte, einen fremden Blick zu spüren, eine Bewegung hinter meinem Rücken. Aber als ich mich umdrehte, war nichts zu sehen. Auch keine fremden Spuren im Sand.

Nur meine eigenen und Nocturnos. Aber sie endeten nach wenigen Metern, als hätten sie nie existiert. Aber kein Wind war zu spüren gewesen, der sie mit Sand hatte überdecken können. Lautlos waren sie einfach verschwunden.

»Komm, Coco, halte dich nicht unnötig auf«, rief Nocturno mir zu. Er ging unbeirrt weiter. Ein kalter Schauer glitt über meinen Rücken. Ich schüttelte mich. Und schwitzte. Hastig beschleunigte ich meine Schritte und schloss zu Nocturno auf.

»Unsere Spuren …«

»Vergiss das.«

»Dir ist klar, dass sie verschwinden.«

»Kümmere dich nicht darum.«

»Du weißt schon, dass das nicht normal ist«, hakte ich skeptisch nach.

»Hier ist nichts normal. Und alles«, erwiderte er kryptisch und blickte weiter stur geradeaus.

Ich pustete missbilligend Luft durch die Lippen. »Danke für das Gespräch.« Er schien nicht bereit, mir eine sinnvolle Erklärung zu liefern. Und auf unverständliche Pseudo-Weisheiten konnte ich verzichten.

Eine warme Hand griff nach meiner. Fragend sah ich Nocturno an.

»Du fragst zu viel und könntest verloren gehen«, sagte er und verschränkte unsere Finger. »Ich würde dich nur ungern verlieren.«

»Jetzt bin ich beruhigt«, gab ich zurück und mied nun meinerseits seinen Blick. Aber, auch wenn ich es nicht gern zugab, die lebendige Berührung gab mir ein wenig Halt und Ruhe. Auch wenn es mich zermürbte, nicht zu wissen, wo wir uns befanden.

Plötzlich stand mitten zwischen den Dünen ein Auto. Schneidiges Rot, sportlicher Schnitt, offenes Verdeck – da stand ein waschechter Ferrari.

»Eure Kutsche ist da, Mylady«.

Man musste es Nocturno lassen, er gab sich nicht mit zweitklassigen Dingen zufrieden. Nicht, dass er mich damit auch nur im Geringsten beeindrucken konnte.

Als wir näher kamen, bemerkte ich viel zu spät die graue Asphaltstraße, in deren Mitte das Auto auf uns wartete. Sitze aus weißem Leder und eine Armatur aus poliertem Mahagoni. Nicht schlecht. Irrte ich mich, oder strahlte der Wagen eine gewisse Ungeduld aus?

Und warum hatte ich die Straße nicht früher bemerkt?

»Darf ich bitten?« Nocturno öffnete die Tür.

Ich runzelte die Stirn. Wollte er mich verspotten? Erst hatte er mich, ohne sich zu erklären, an diesen Ort verfrachtet, weigerte sich auch weiterhin konsequent, mich in seine Absichten einzuweihen, und jetzt spielte er den Galan?

»Bisher gehörte ›Bitten‹ nicht ins Repertoire deiner Handlungen.« Ich verschränkte die Arme. Ich wollte da nicht einsteigen. Ich wollte überhaupt nirgendwo mit ihm hin. Nicht ohne Erklärung. Und außerdem war mir das Auto unheimlich. Wie es schon so allein mitten im Nichts auf dieser mysteriösen Straße stand. Da faulten ganze Komposthaufen im Staate Dänemark.

Ich wollte wirklich nicht in den Sportwagen einsteigen und doch tat ich es. Als zöge mich eine übermächtige Kraft unaufhaltsam auf die weißen Nobelpolster. Plötzlich saß ich im Wagen und fragte mich, wie ich hineingekommen war. Nocturno schlug die Tür neben mir zu. Er lächelte unbeeindruckt und unverändert charmant. »Du weißt, doch, ich bin undurchschaubar, schöne Coco.«

»Und ich hab nicht viel übrig für allzu mysteriöse Männer«, konterte ich. »Davon kenne ich mittlerweile so viele, dass es mir langweilig wird.«

»Keine Sorge.« Nocturno drehte den Zündschlüssel. Der Motor dröhnte tief und voll. »Langweilig wird unsere kleine Reise sicher nicht werden.«

Georg (Gegenwart)

Die misstrauischen Blicke der drei Chinesen ignorierend, starrte ich vor mich hin und widmete mich ganz dem dampfenden Getränk in der irdenen Schüssel. ›Ranzig‹ war das treffendste Wort, mit dem sich das widerliche Zeug beschreiben ließ. Der Buttertee stank schon wie ein vergorenes Teelicht. Und dann erst die Konsistenz. Ich kämpfte darum, nicht unhöflicherweise das Gesicht zu verziehen. Schicksalsergeben setzte ich die Schüssel an die Lippen und schlürfte die fettige Brühe herunter. Hastig spülte ich dann den Geschmack mit ein paar Löffeln Hirsebrei und erstaunlich wohlschmeckenden Fleischbällchen herunter.

Der Gastwirt nickte zufrieden. Immerhin verköstigte er mich, das Rundauge, den Touristen mit der tibetischen Nationalspeise. Buttertee, den man gut und gerne auch als Lampenöl verwenden konnte, und Tsampa, die erste Instantsuppe der Welt, die schon seit grauer Vorzeit hier oben in den Bergen die Menschen geschmacksfrei aber nahrhaft und billig verpflegte.

Erst nachdem ich einige Bissen der fremden Speise heruntergeschlungen hatte, merkte ich, welch starken Hunger mir die dünne Höhenluft trotz meiner dämonisch-leidensfähigen Konstitution bescherte, und verleibte mir auch den Rest ein. Nun ohne Rücksicht auf den gewöhnungsbedürftigen Geschmack. In den nächsten Tagen und womöglich Wochen musste ich mich wohl mit derlei Nahrung herumschlagen, also gewöhnte ich mich besser schnell daran. So wie ich mich mittlerweile auch an Peters unvermeidliches Gequatsche gewöhnt hatte.

»Also ich finde diese drei Kerle da drüben äußerst verdächtig.«

Niemand außer mir sah den grauen Mönch, der mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze neben mir hockte wie der Tod in Grau. Nur ohne Sense und Stundenglas.

»Ach, auch schon gemerkt?«, raunte ich leise. Mittlerweile hatte ich gelernt, wie ein Bauchredner zu sprechen, ohne die Lippen zu bewegen. So konnte ich mich unauffällig mit Peter unterhalten, ohne überall als völlig verrückt zu gelten.

Manchmal fragte ich mich, ob Peter sich einen Spaß daraus machte, sich über mich lustig zu machen, oder ob er wirklich so neben der Spur war, dass er das Offensichtliche so spät bemerkte. Wahrscheinlich bereitete es ihm großen Spaß, mich genau über diesen Punkt stets im Ungewissen zu lassen. Auch hatte ich das Gefühl, dass er mittlerweile meine Gedanken lesen konnte.

»Die drei sind magisch beeinflusst«, stellte er prompt fest.

»Ach.« Das hatte ich schon beim Einbiegen in die enge Gasse gespürt. Nur deswegen war ich in die kleine Garküche eingekehrt.

Auf Englisch, und bemüht um einen überzeugenden britischen Akzent, fragte ich den Wirt nach den Öffnungszeiten des Potala-Palastes und diverser...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.