E-Book, Deutsch, 393 Seiten
Delinsky Das Licht auf den Wellen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-744-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | »Voller Wärme und Leben, unmöglich aus der Hand zu legen«, sagt Bestsellerautorin Nora Roberts
E-Book, Deutsch, 393 Seiten
ISBN: 978-3-98690-744-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Barbara Delinsky wurde 1945 in Boston geboren und studierte dort Psychologie und Soziologie. Nach der Geburt ihres ersten Sohnes arbeitete sie als Fotografin für den Belmont Herald, erkannte aber bald, dass sie viel lieber die Texte zu ihren Fotos schrieb. Ihr Debütroman wurde auf Anhieb zu einem großen Erfolg. Inzwischen hat Barbara Delinsky über 70 Romane veröffentlicht, die in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden und regelmäßig die New-York-Times-Bestsellerliste stürmen. Sie engagiert sich außerdem sehr stark für Wohltätigkeitsvereine und Aufklärung rund um das Thema Brustkrebs. Barbara Delinsky lebt mit ihrem Mann in New England und hat drei erwachsene Söhne. Die Website der Autorin: barbaradelinsky.com/ Bei dotbooks veröffentlichte Barbara Delinsky ihre Romane: »Die Schwestern von Star's End« »Jennys Geheimnis« »Das Weingut am Meer« »Julias Entscheidung« »Lauras Hoffnung« »Die alte Mühle am Fluss« »Der alte Leuchtturm am Meer« »Das Haus auf Beacon Hill« »Sturm am Lake Henry«, Die Blake-Schwestern 1 »Der Himmel über Lake Henry«, Die Blake-Schwestern 2 »Heimkehr nach Norwich« »Das Leuchten der Silberweide« »Das Licht auf den Wellen« »Die Frauen Woodley« »Ein Neuanfang in Casco Bay« »Im Schatten meiner Schwester« »Rückkehr nach Monterey« »Drei Wünsche hast du frei« »Ein ganzes Leben zwischen uns« »Jedes Jahr auf Sutters Island« »Was wir nie vergessen können«
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Kapitel 2
Hugh hoffte, einen Scherz gemacht zu haben. Er und Dana waren weiß. Ihr Baby konnte nicht schwarz sein.
Trotzdem kroch, als er da im Kreißsaal das Neugeborene in Danas Arm musterte, ein ungutes Gefühl in ihm hoch. Lizzies Haut war wesentlich dunkler als die eines jeden anderen Clarke-Babys, das er gesehen hatte – und er hatte viele gesehen. Die Clarkes waren stolz auf ihre Sprösslinge, wie die Flut von Ferienfotos bewies, die Verwandte jedes Jahr schickten. Sein Bruder hatte vier Kinder – allesamt typisch angelsächsisch hellhäutig -, ihre Cousins ersten Grades brachten es gemeinsam auf mehr als sechzehn Kinder. Und keines davon war dunkelhäutig.
Hugh war Anwalt. Er verbrachte seine Tage damit, Sachverhalte darzustellen, und in diesem Fall gab es keine, die nahelegten, dass sein Baby alles, nur keine Weiße war. Er bildete sich das nur ein, machte aus einer Mücke einen Elefanten. Aber wer konnte ihm das verübeln? Er war übermüdet. Am Abend zuvor hatte er sich das Sox-Spiel im Fernsehen angesehen, war spät ins Bett gekommen, eine Stunde später von Dana geweckt worden und seitdem aufgedreht. Aber er hätte keine Sekunde der Geburt versäumen wollen. Zu sehen, wie das Baby auf die Welt kam – die Nabelschnur durchtrennen es gab nichts Schöneres als das.
Doch jetzt fühlte er sich seltsam leer. Dies war sein Kind – seine Familie, hatte seine Gene. Es sollte vertraut aussehen. Er hatte gelesen, was Babys bei der Geburt durchmachten, und war auf einen Eierkopf, fleckige Haut und sogar Blutergüsse vorbereitet gewesen. Der Kopf dieses Babys war rund und seine Haut makellos.
Aber es hatte weder das feine, glatte Haar noch den spitzen Haaransatz der Clarkes, noch Danas blondes Haar oder ihre blauen Augen.
Es sah fremd aus.
Vielleicht war es ja nur eine ganz natürliche Enttäuschung nach den vielen Monaten gespannter Erwartung. Vielleicht hieß es deshalb in den Büchern, dass man sein Kind nicht zwangsläufig auf den ersten Blick liebte. Die Kleine war ein Individuum. Sie würde ihre eigenen Vorlieben und Abneigungen entwickeln, ihre eigenen Stärken, ihr eigenes Temperament, und all das wäre vielleicht völlig anders als bei Dana und ihm.
Er liebte sie. Ja, das tat er. Sie sah zwar nicht so aus, aber sie war sein Kind.
Demzufolge war er für sie verantwortlich. Und so folgte er der Schwester, als sie seine Tochter ins Babyzimmer brachte, und beobachtete durchs Fenster, wie eine Säuglingsschwester ihr Tropfen in die Augen gab und sie anschließend gründlich wusch.
Lizzies Haut blieb unverändert kupferfarben. Wirkte im Kontrast zu der zartrosa Decke und dem blassrosa Mützchen sogar noch dunkler.
Die Schwestern schienen Lizzies Hautfarbe nicht wahrzunehmen. Mischehen waren üblich, und die Frauen wussten nicht, dass Hughs Frau eine Weiße war. Außerdem gab es weitere dunkelhäutige Babys hier. Und im Vergleich zu ihnen war Elizabeth Ames Clarke hellhäutig.
Sich an diesen Gedanken klammernd, ging er in Danas Zimmer und begann zu telefonieren. Sie hatte recht damit, dass seine Eltern sich einen Jungen wünschten – als Eltern von zwei Söhnen hatten sie eine Vorliebe für Kinder, die den Familiennamen weitertrugen -, doch sie freuten sich trotzdem über die Neuigkeit, ebenso sein Bruder, und als Hugh schließlich Danas Großmutter anrief, fühlte er sich schon besser.
Eleanor Joseph war eine bemerkenswerte Frau. Nachdem sie ihre Tochter und ihren Mann im Abstand von vier Jahren durch tragische Unfälle verloren hatte, hatte sie ihre Enkelin allein aufgezogen und dazu noch ein erfolgreiches Geschäft aufgebaut. Der reguläre Name lautete The Stitchery, doch es hieß bei allen nur Ellie Jo’s.
Bis er Dana kennenlernte, hatte Hugh keine Ahnung von Strickgarnen gehabt und keinerlei Kontakt zu Frauen, die damit umgingen. Noch heute konnte er sich nicht merken, was SKP war, obwohl Dana es ihm mehrfach erklärt hatte. Doch er schätzte die Wärme seines geliebten Alpaka-Schals, den sie selbst gestrickt hatte und der schöner war als alle, die er je gesehen hatte – und er schätzte die Atmosphäre des Ladens. In den letzten Wochen der Schwangerschaft, als Dana mit der Arbeit kürzertrat, verbrachte sie mehr Zeit dort, und er schaute oft vorbei. Offiziell, um nach ihr zu sehen, aber in Wahrheit, um die Ruhe zu genießen. Wenn ein Mandant ihn anlog oder ein angestellter Anwalt einen Fall vermurkste oder ein Richter gegen ihn entschied, spendete The Stitchery ihm Trost und Entspannung.
Vielleicht war es ja der Ausblick – was konnte erholsamer sein, als auf eine Obstplantage mit Apfelbäumen hinauszuschauen? -, aber Hugh glaubte, dass es die Menschen waren. Dana brauchte ihren Mann nicht, wenn sie in dem Laden war. Er war ein Treffpunkt für Frauen mit Herz. Viele von ihnen hatten selbst Kinder. Und sie zeigten ihre Gefühle. Er war schon mehrmals in Unterhaltungen über Sex hineingeplatzt, was ihn auf den Gedanken gebracht hatte, dass das Stricken für sie Mittel zum Zweck war. Diese Frauen gaben einander etwas, was sie in ihrem Leben vermissten.
Allen voran Ellie Jo. Vorbehaltlos aufrichtig, freute sie sich überschwänglich, als er ihr sagte, dass sie eine Tochter bekommen hatten, und brach in Tränen aus, als er ihr den Namen nannte. Tara Saxe, Danas beste Freundin, reagierte genauso.
Er rief die beiden Partner der Kanzlei an – die RAe Galli und Kohn von Calli, Kohn und Clarke – und seine Sekretärin, die versprach, die Neuigkeit an seine Angestellten weiterzugeben. Er rief David an, ihren Nachbarn und Freund. Er rief eine Handvoll weiterer Freunde an, seinen Bruder und die beiden Clarke-Cousins, denen er am nächsten stand.
Als Dana ins Zimmer zurückgeschoben wurde, wollte sie wissen, wie es dem Baby gehe und wann es ihr wieder gebracht würde. Sie wollte mit ihrer Großmutter und Tara telefonieren, doch die beiden waren bereits auf dem Weg. Hughs Eltern trafen als Erste ein. Obwohl es gerade mal neun war, waren sie tadellos gekleidet, der Vater in blauem Blazer und Ripskrawatte, die Mutter in Chanel. Hugh hatte keinen von beiden jemals anders als untadelig erlebt.
Mitgebracht hatten sie eine große Vase mit Hortensien. »Aus dem Garten«, sagte seine Mutter überflüssigerweise, denn sie schenkte zu allen Gelegenheiten zwischen Mitsommer und erstem Frost Hortensien. Mit den Worten, was für ein Glück dass in diesem Jahr mehr weiße als blaue blühten, da es doch ein Mädchen geworden sei, drückte sie Hugh die Vase in die Hand und reichte ihm die Wange zum Kuss, wie danach auch Dana. Hughs Vater umarmte beide überraschend herzlich und schaute sich anschließend erwartungsvoll um.
Während Dorothy Clark noch immer über die schnelle Geburt und die vielen Fortschritte in der Geburtshilfe seit der Geburt ihrer Kinder staunte, führte Hugh seine Eltern zum Babyzimmer. Sein Vater entdeckte sofort den Namen an dem Bettchen am Fenster und sagte: »Da ist sie.«
Hugh hoffte auf Entzückensäußerungen über die Schönheit seiner Tochter. Er wünschte sich, von seinen Eltern zu hören, dass Lizzie wie die Lieblingsgroßtante seiner Mutter aussehe oder der Cousin zweiten Grades seines Vaters oder einfach, dass sie bemerkenswert einzigartig sei.
Doch seine Eltern schwiegen, bis sein Vater schließlich mit ernster Stimme sagte: »Das kann sie nicht sein.«
Seine Mutter las stirnrunzelnd die Namen an den anderen Bettchen. »Sie ist die einzige Clarke.«
»Das kann nicht Hughs Kind sein.«
»Aber da steht ›Clarke, Mädchen‹, Eaton.«
»Dann ist das falsch.« Er war Historiker von Beruf – Lehrer wie Autor -, und auch bei ihm zählten nur Tatsachen wie bei Hugh.
»Sie hat ein Namensarmbändchen um«, bemerkte Dorothy, »aber darauf kann man sich auch nicht verlassen. Oprah hatte mal zwei Elternpaare in ihrer Sendung, deren Babys falsch ausgezeichnet waren. Geh doch mal fragen, Hugh. Die Kleine sieht nicht aus, als wäre sie dein Kind.«
»Das ist sie aber.« Hugh tat, als überrasche ihn ihr Zweifel.
Dorothy war verwirrt. »Aber sie sieht dir überhaupt nicht ähnlich.«
»Sehe ich dir ähnlich?«, fragte er. »Nein. Ich sehe Dad ähnlich. Und dieses Baby ist zur Hälfte Dana.«
»Aber sie sieht auch ihr nicht ähnlich.«
Ein junges Paar kam den Flur herunter und drückte sich die Nasen an der Scheibe platt.
»Ich würde das überprüfen, Hugh«, sagte Eaton mit gesenkter Stimme. »Verwechslungen passieren nun mal.«
»In der Zeitung stand gerade die Geschichte über eine Samenverwechslung, über eine Frau, die Zwillinge von einem Fremden bekam«, steuerte Dorothy bei, »und man kann das beinahe verstehen bei den Unmengen in diesen Samenbanken.«
»Das war eine künstliche Befruchtung, Dorothy.«
» Vielleicht, was aber nicht gegen eine Verwechslung spricht«, meinte sie. »Und wie man schwanger wird, müssen Söhne ihren Müttern ja nicht erzählen.«
Sie warf Hugh einen Blick zu, peinlich berührt.
»Nein, Mom«, sagte Hugh. »Es war keine künstliche Befruchtung. Und es ist keine Verwechslung. Ich war bei Dana im Kreißsaal, und es war dieses Kind, dessen Geburt ich miterlebte. Ich selbst habe die Nabelschnur durchschnitten.« Eaton war noch immer nicht überzeugt. »Bist du wirklich sicher, dass es dieses Kind war?«
»Absolut.«
»Nun«, sagte Dorothy ruhig, »was wir hier sehen, ähnelt weder dir noch sonst jemandem aus unserer Familie. Dieses Baby muss nach Danas Familie kommen. Ihre Großmutter spricht nie über Verwandte – wie viele Josephs waren einschließlich der Braut auf der Hochzeit? Drei? -, aber sie muss...




