Dempf | Blutgruppe Null | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Reihe: hockebooks

Dempf Blutgruppe Null


Erstausgabe als E-Book
ISBN: 978-3-95751-096-9
Verlag: hockebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Reihe: hockebooks

ISBN: 978-3-95751-096-9
Verlag: hockebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Liebe, die unter der Last der Vergangenheit zu zerbrechen droht: Als Jens herausfindet, dass er im Gegensatz zu seinen Eltern nicht die Blutgruppe Null hat, bricht für ihn eine Welt zusammen. Bei Nachforschungen stößt er auf ein düsteres Familiengeheimnis, das er nicht ertragen kann: Er reißt von zu Hause aus und schließt sich einer Gruppe Jugendlicher an. Auf dem alten Fabrikgelände lernt Jens Chrissi kennen und lieben, doch ihre Gefühle zueinander werden von ihren familiären Problemen überschattet. Als Chrissi keinen Ausweg mehr sieht, versucht sie, sich das Leben zu nehmen. Nur noch Jens kann sie retten ...

Peter Dempf, geboren 1959 in einem Augsburger Vorort, begann bereits als Zwölfjähriger mit seinen ersten Schreibversuchen: Auf dem Dachboden fand er eine zerfledderte Heftchenroman-Serie, deren fehlende Seiten er selbst ergänzte. Nach seinem Studium der Germanistik, Geschichte und Sozialkunde war er als Dozent für Deutsch als Fremdsprache sowie als Trainer für Körpersprache und Rhetorik für Industriebetriebe tätig, bevor er Lehrer an einem Gymnasium wurde. Peter Dempfs Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wie 2001 mit dem »Kunstpreis des Landkreises Augsburg für Literatur«, und auch die Augsburger Allgemeine sagt: »Peter Dempf kann wunderbar erzählen.« Peter Dempf lebt mit seiner Familie in Stadtbergen bei Augsburg.
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18


Jens hatte versucht, Charly anzurufen, aber der Penner war nicht ans Telefon gegangen. Jetzt stand er vor dessen Tür und läutete Sturm, bis er hinter der Tür Schritte hörte.

»Ja?«, klang es verschlafen. »Wenn dort die Polizei ist, holt mich bitte erst in zwei Stunden, dann bin ich ausgeschlafen. Ich laufe bestimmt nicht weg.«

»Charly, ich bin’s, Jens. Mach auf, verdammt!«

Der Schlüssel drehte sich im Schloss und das verschlafene Gesicht Charlys erschien.

»Verflucht, Jens. Es kann nur kurz nach Mitternacht sein. Was willst du schon wieder hier?«

Jens hatte nicht die Zeit, Charly seine Lebensgeschichte auseinanderzulegen, und ihm zu erklären, dass es bereits acht Uhr war, sondern er drängte sich einfach durch den Türspalt.

»Es ist wichtig, Charly. Wach auf. Du musst mir helfen.«

»Das klingt irgendwie nicht gut. Das letzte Mal …«

»Red kein Blech, Charly, wo ist die Kaffeemaschine, damit dein Kreislauf aufwacht? Ich brauche deinen Computer. Alles legal! Außerdem habe ich eine Frage.«

Charly atmete hörbar enttäuscht auf. »Legal? Dann lass mich in Frieden und hau ab.«

»Na ja, ganz legal nicht, Charly. Ich muss etwas wissen.«

Charly wuchtete die Augenlider nach oben und sah ihn mit wässrigen, rot geränderten Augen an. Dann rümpfte er angewidert die Nase. »Du stinkst nach Scheiße, Mann. Das ist ja ekelhaft.«

»Okay, gewonnen, Freund. Ich dusch mich und du kannst noch zwei Minuten knacken.«

Unter der Dusche genoss Jens das heiße Wasser. Jetzt hatte er Zeit nachzudenken. Die letzten Tage waren hektisch und voller Ereignisse gewesen, die er noch nicht einschätzen konnte. Er war bei Chrissi gelandet. Sie war für ihn ein einziges Rätsel und ebenso unnahbar wie geheimnisvoll. Er wusste nicht recht, ob er sich in sie verliebt hatte, oder ob nur ihre Art zu leben ihn momentan anzog. Sein eigentliches Ziel hatte er dabei etwas aus den Augen verloren. Schließlich wollte er den Mann finden, dem er sein beschissenes Leben verdankte. Aber die Straße forderte ihren Tribut. Sie ließ ihm wenig Spielraum, wenn er sich behaupten wollte. Ein ungutes Gefühl bereitete ihm Dirk, dessen Machenschaften ihm noch völlig unklar waren. Einzig die Gedanken an Angela und Kogge waren wie weggeblasen und selbst die Schule spielte keine Rolle mehr. Sollten sie ihn doch suchen, er würde allein zurechtkommen.

Jens trocknete sich ab, so dass die Haut rot anlief. Dann nahm er sich aus Charlys Schrank Unterwäsche, packte seine Jeans und sein Sweatshirt zusammen mit Short und Hemd und steckte es in die kleine Wäschetrommel. Obenauf stand Waschmittel. Charly hatte ihm einmal gezeigt, wie alles funktionierte und das zahlte sich jetzt aus. Als das Gerät lief, sah er ins Zimmer. Charly lag auf dem Sofa und schnarchte, die Computer leuchteten betriebsbereit.

Jens wusste selbst nicht, was er genau suchte, aber er dachte sich, dass der Vergewaltiger vielleicht irgendwann geschnappt worden war und diese Nachricht in der Zeitung auftauchen müsste. Er setzte sich an einen der Computer und wollte sich ins Internet einwählen, als Charly aufwachte. »Was suchst du?«

»Einen Zugang zum Netz!«

Charly gähnte und streckte sich. Dann stand er auf und tappte zu Jens an die Tastatur. »Hey, spinnst du? Das ist meine eigene Nummer. Das kostet Geld. Lass mich mal. Die Stadt ist da großzügiger. Wir versuchen es einfach über eine städtische Nummer. Vielleicht die des Oberbürgermeisters. Sollen wir eine Sex-Seite anwählen? Dann bekommt er bestimmt Ärger. Würde ihm nicht schaden, dann käme er einmal so richtig in die Gänge. Oder nehmen wir die des Kulturreferenten? Das ist doch so ein Schickimicki-Schnösel. Vielleicht würde der einmal aufwachen.«

Jens rutschte und Charly nahm seinen Platz ein. Seine Finger flogen über die Tastatur. Dann steckte er einen Stick ein und holte aus einer mit einem Kennwort gesicherten und vor Fremdzugriff präparierten Datei eine Nummer. Kurz danach hatten sie Zugang zum Surfer der Stadt Augsburg.

»Also, auf zu Teresa Orlowski oder Dolly Buster, damit die Referenten unserer Stadt ein wenig gekitzelt werden.«

»Lass den Blödsinn, Charly. Ich muss ins Zeitungsarchiv!«

»Kotz, brech, spei! Was suchst du im Zeitungsarchiv?«

»Quatsch nicht. Mach schon. Dann holst du die drei Jahrgänge seit meiner Zeugung. Du musst sie auf die Begriffe Vergewaltigung und Vergewaltiger durchsuchen.«

Charly drehte sich auf seinem Stuhl zu Jens um. In seinem Gesicht spiegelte sich Überraschung. »Wenn ich hier richtig peile, dann ist was dran an deiner Vermutung von letztens. Deine Mutter …«

Jens hob die Augenbrauen und nickte. »So ist es. Jetzt will ich wissen, ob er von der Polizei irgendwann geschnappt wurde? Das muss doch in der Zeitung gestanden haben. Wenn sie damals schon ein Fahndungsbild ausgegeben haben.«

Charly drehte sich wieder dem Bildschirm zu und tippte wie ein Wahnsinniger in die Tastatur. Kurze Zeit darauf hatten sie die Seiten der Lokalzeitung auf dem Schirm. Jens machte Charly mit den Ausschnitten bekannt, die er für wesentlich hielt und sortierte die aus, die er bereits gelesen hatte.

Zwei Meldungen deuteten noch auf ihren Unbekannten hin. Weitere zweimal hatte der noch zugeschlagen. Zweimal waren es Frauen, die sich nachts bei der Goggeles-Brücke oder im Wäldchen vor dem Eisstadion aufgehalten hatten. Dann brachen die Überfälle auf Frauen durch den Täter mit dem Muttermal plötzlich ab, aber nirgends wurde in der Zeitung erwähnt, dass man ihm habhaft geworden wäre.

Irgendwann stand Jens auf und setzte sich auf das Sofa. Es war kalt und ihn fror, weil er nur in Shorts dasaß.

»Wo könnte noch etwas stehen? Wer weiß, ob die Fälle abgeschlossen wurden?«

Charly drehte sich zu ihm um. Er unterdrückte ein Gähnen. »Im Polizeicomputer, Mann. Aber wenn ich mich dort anmelde, haben die mich am Arsch. Die verstehen keinen Spaß. Außerdem laufen bei denen Spezialisten rum, die mich innerhalb von einer Stunde lokalisiert haben. Das würde nicht einmal mein Vater verstehen.«

»Kapier ich, Charly. Ich will das auch nicht. Du kannst mir aber noch eine andere Frage beantworten.«

Charly ging zum Kaffeeautomaten und schenkte sich und Jens ein. »Mit Zucker oder Milch?«

»Nur Milch, Charly.«

»Also, schieß los.«

»Kannst du mein Smartphone orten?«

»Klar. Pass auf.« So schnell konnte er gar nicht folgen, wie Charly ihn auf seinem Computer geortet hatte. Der Bildschirm vor ihm zeigte eine Karte auf der ein roter Punkt blinkte.

»Auch wenn ich das Ding ausschalte?«

Jens drückte auf den Ausschaltknopf — und der blinkende Punkt verschwand.

»Das ist zwar etwas schwieriger, aber diese Dinger melden sich stumm, wenn man sie anwählt. Schau her. Und schon hab ich dich.«

Wieder klapperte die Tatstatur in einem irrsinnigen Rhythmus und schließlich tauchte der Punkt erneut auf.

Charly grinste ihn an. »Das ist eine Technik, was?«

»Scheiße«, entfuhr es Jens und er sah auf das abgeschaltete Gerät in seiner Hand. »Das ist ja schlimmer als bei Orwells .«

»Weit schlimmer. Nur bemerkt es keiner«, sagte Charly.

Mit einigen Klicks der Maus verschwand die Suchkarte und die Zeitungsberichte tauchten wieder auf.

»Wo könnten wir noch schauen, ohne dass sie dich hops nehmen?«, fragte Jens.

»Hör mal. Was jetzt hilft, ist nur der Zufall. Das alles ist sechzehn Jahre her. Damals haben die noch nicht einmal eine Genanalyse gemacht. Jeder, der draußen rumläuft und knapp über fünfzig ist, könnte dein Vater sein. Ist das wirklich so wichtig?«

Jens schwieg. Er wusste nicht recht, was er darauf antworten sollte. Er wusste nicht einmal recht, was ihn dazu trieb, den Mann ausfindig machen zu wollen. Was hätte er dem Triebtäter gesagt, wenn er ihn gefunden hätte? Hey, du, ich bin eines deiner Kinder, die du mit Gewalt in die Welt gesetzt hast? Hätte er ihn niederschlagen sollen, ihn quälen, ihn ans Messer liefern, sechzehn Jahre nach seiner Tat? Jens wusste es einfach nicht. Aber nichts tun konnte er auch wieder nicht, schließlich hing er wegen dieses Ereignisses wie in einem Spagat zwischen Gut und Böse, der verlogenen Welt seiner Eltern und der gefährlichen seines jetzigen Daseins mit Chrissi.

»Du musst auf den Zufall hoffen. Oder besser nicht«, fuhr Charly fort, der auf eine Antwort gewartet hatte. »Hoff’ lieber, dass du ihm nie begegnest, dann musst du dir auch nicht überlegen, was du tun sollst. Außerdem, Jens, wirst du dir nie sicher sein, ob der Mann tatsächlich dein Vater ist. Zufälle spielen hier eine enorme Rolle.«

»Ich glaube, du hast recht, Charly. Ich sollte damit aufhören. Es nützt nichts, hinter einem Phantom her zu rennen. Außerdem wüsste ich auch nicht, wo ich noch suchen sollte.«

Im Bad klingelte die Waschmaschine. Jens stand auf und ging hinaus. Dort lief gerade der Schleudergang aus. Jens holte die Hose, seine Unterwäsche und das Sweatshirt heraus. Alles war leicht bläulich angelaufen. Die Farbe der Jeans war ausgegangen. Er warf die Sachen achselzuckend in den Wäschetrockner und schaltete an. In zwanzig Minuten würde er von hier verschwinden.

Als er in das Wohnzimmer zurückkam, schlief Charly sanft schnarchend auf der Couch.

Jens nahm sein Smartphone und stopfte es in die Ritze der Couch. Charly würde es nicht suchen, und wenn er es fand, würde er glauben, Jens hätte es verloren.

Jetzt war er bereit für Chrissi. Er horchte auf das Rauschen des Trockners und versuchte zu dessen eintöniger Melodie einen Text zu rappen, in dem immer wieder der Name Chrissi auftauchte.

19


Jens knurrte...


Dempf, Peter
Peter Dempf, geboren 1959 in einem Augsburger Vorort, begann bereits als Zwölfjähriger mit seinen ersten Schreibversuchen: Auf dem Dachboden fand er eine zerfledderte Heftchenroman-Serie, deren fehlende Seiten er selbst ergänzte. Nach seinem Studium der Germanistik, Geschichte und Sozialkunde war er als Dozent für Deutsch als Fremdsprache sowie als Trainer für Körpersprache und Rhetorik für Industriebetriebe tätig, bevor er Lehrer an einem Gymnasium wurde.
Peter Dempfs Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wie 2001 mit dem »Kunstpreis des Landkreises Augsburg für Literatur«, und auch die Augsburger Allgemeine sagt: »Peter Dempf kann wunderbar erzählen.«
Peter Dempf lebt mit seiner Familie in Stadtbergen bei Augsburg.



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