Dever / Grant Legends of Lone Wolf 02 - Tor der Finsternis
Deutsche Erstauflage 2015
ISBN: 978-3-945493-31-1
Verlag: Mantikore-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Fantasy Roman in der Welt des Einsamen Wolf
E-Book, Deutsch, Band 2, 340 Seiten
Reihe: Legends of Lone Wolf
ISBN: 978-3-945493-31-1
Verlag: Mantikore-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Joe Dever geboren 1956 in England, ist ein bekannter Fantasyautor, der vor allem durch seine Spielbuchreihe EINSAMER WOLF international bekannt wurde. Er war zunächst in der Musikbranche tätig, jedoch seit frühester Jugend ein großer Fan der Fantasy. Er gewann 1982 als erster Brite die Advanced Dungeon & Dragons Championships in den USA. Er hat die Fantasywelt Magnamund als Schauplatz für seine Dungeons-&-Dragons-Kampagnen entworfen. Nachdem er eine Zeitlang für das britische Magazin White Dwarf gearbeitet hat, veröffentlichte er 1984 das erste Buch der Spielbuch-Reihe Einsamer Wolf, die Bücher dieser Reihe haben sich seither weltweit über 10 Millionen Mal verkauft. Seit einigen Jahren erfreute sich die Reihe besonders in Deutschland, Frankreich, Italien und den englischsprachigen Ländern wieder großer Beliebtheit, sodass sie in diesen Ländern neu aufgelegt wurde. Das Genre des 'FANTASY-SPIELBUCH' wurde dadurch neu belebt und erhält seither eine immer größer werdende Fangemeinde. +++ Auszeichnungen +++ RPC Award 1. Platz Kategorie Pen&Paper für EINSAMER WOLF FlUCHT AUS DEM DUNKEL RPC Jury Award für EINSAMER WOLF MEHRSPIELERBUCH FANTASY ROLLENSPIEL
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I
IM WALD
1
»Wir sollten besser in den Schutz der Bäume zurückkehren«, sagte Banedon nervös. »Überall treiben sich Kraan herum.«
»Geh ruhig. Ich komme nach. Ich muss zuerst noch etwas erledigen.«
Während er über das Gras spurtete, pries er den Umstand, dass seine grüne Tunika und der Umhang ihm eine gewisse Tarnung boten. Neben den Überresten eines Giaks lag sein bösartig aussehendes, schwarzes, zackiges Schwert. Er bewegte sich so schnell, wie er nur konnte, nahm das Schwert am Griff auf und huschte zurück zu Banedons Versteck.
»Du brauchst eine Waffe«, keuchte er. »Ein Giak-Schwert ist vielleicht nicht genau das, was du ausgesucht hättest, aber etwas besseres kann ich gerade nicht bieten. Hier, nimm es.«
Zögerlich streckte der Magier die Hand aus, um die Waffe entgegenzunehmen, doch sobald er seine Finger um den Griff legte, schoss eine Abscheu durch ihn, die so stark war, dass sie ihm körperliche Schmerzen zufügte. Es fühlte sich an, als sei das Schwert ein Behältnis voller passiver Leblosigkeit und aktiver, gieriger Tödlichkeit zugleich. Er würgte heftig und warf die Waffe zurück auf das Gras der Lichtung.
»Es tut mir leid. Ich kann dein Geschenk nicht annehmen.«
Einsamer Wolf war erstaunt und verärgert.
»Sei nicht dumm. Wenn du von einem Kraan angegriffen wirst, dann bist du so gut wie tot, aber mit einer Waffe hast du wenigstens einen Hauch von Hoffnung.« Er ging los, um das Schwert zurückzuholen.
»Nein! Lass es!«, rief Banedon. Sein dünnes, fahles Gesicht war nass vor Schweiß und auch sein gelbes Haar war sichtlich feucht. »Verstehst du nicht? Ich kann dieses … dieses Ding nicht berühren.«
»Oh, bei der Liebe Kais …«, begann Einsamer Wolf ungeduldig, doch der Zauberer unterbrach ihn.
»Spürst du es nicht?«
»Was spüren?«
»Die Seele in diesem Schwert. Es ist böse. Es ist grausam. Es ist …«
Banedons stolpernde Worte verklangen. Er begriff, wie wenig sie das ausdrückten, was er sagen wollte. Er versuchte es erneut. »Ich … ich glaube, dass meine Seele auch so werden würde, wenn ich dieses Schwert mit mir führe.«
»Ich habe nichts gespürt. Es ist nur eine Waffe, mehr nicht.« Einsamer Wolf zuckte mit den Schultern.
»Es ist keine mundane? Waffe.«
»Davon bin ich auch nicht ausgegangen. Giaks sind keine Sterblichen. Sie sind Bruten. Sie haben keine Seele.«
»Nun, egal was es war, was ich …«
Banedon wusste, dass es keinen Sinn ergab, noch weiter zu sprechen. »Es nützt nichts. Ich kann es dir nicht erklären. Aber ich kann es auf keinen Fall anfassen.«
Das Bersten der Zweige über ihnen erschreckte sie beide. Und sie beide reagierten auf die ihnen eigene Art. Einsamer Wolf ging augenblicklich in die Hocke, umfasst seine zweischneidige Axt mit beiden Händen und war bereit für den Kampf. Banedon sprang hinter einen Busch und machte sich auf das Schlimmste gefasst. Er kannte die Gestalt der Gedanken, die er brauchte, um zischende Energie zu schleudern und seinen Feind zu töten, doch seine Reserven des Widerstands waren durch den köstlichen Schmerz der Magie vollständig aufgebraucht. Die höheren Adepten der Bruderschaft des Kristallsterns waren dazu imstande, solche Schmerzen für längere Zeit zu unterdrücken, aber er gehörte dem niedrigsten Initiationsgrad an.
Die Geräusche waren von einem Kraan verursacht worden. Die große, fledermausartige Kreatur mit ihren messerscharfen Krallen und ihrem langen, grausamen Schnabel war mit einer ihrer Schwingen in den Zweigen hängen geblieben und versuchte nun sich zu befreien. Mit starrsinniger Wildheit kratzte sie nach dem Ast. Als das keinen Erfolg hatte, begann das Geschöpf, seine eigene Schwinge zu zerfleischen. Tropfen von grünlich-grauem Sekret regneten um sie herum zu Boden.
»Schnell!«, bellte Einsamer Wolf. »Die Bestie hat uns vielleicht gesehen. Wenn sie es hat, und sie sich befreit, dann wird sie berichten, wo wir sind. Wir müssen schnell los.«
Banedon reagierte nur langsam.
»Beweg dich!«
Einsamer Wolf schleppte ihn am Arm tiefer zwischen die Bäume. Endlich begann Banedons Körper den Befehlen zu gehorchen. Die beiden stolperten durch das dichte Unterholz. Sie machten einen ordentlichen Lärm, doch Einsamer Wolf hatte keine Zeit, sich darum zu sorgen – mit Glück würde das Geräusch von dem Wüten des feststeckenden Kraan übertönt werden.
Es war ihnen unmöglich zu sagen, wie viel Zeit vergangen war, als Banedon auf den moosigen, braunen Boden fiel, keuchend und seine Seite haltend.
»Es nützt nichts.« Er weinte fast. »Geh ohne mich weiter.«
Einsamer Wolf lehnte sich auf den Stiel seiner Axt und blickte auf die sichtlich erschöpfte Gestalt seines Gefährten herab. »Ich glaube, wir sind weit genug geflohen. Und um ehrlich zu sein, ich bin auch ziemlich erschöpft. Wir können uns aber nicht lange ausruhen. Wir müssen in Bewegung bleiben.«
Weit über ihnen konnten sie das Gemecker von Hunderten von kreisenden Kraan und das Kreischen von Schwärmen von desorientierten Vögeln hören, die der Schreck der morgendlichen Invasion aus den Nestern getrieben hatte. In der Entfernung konnten sie die Schmerzensschreie von Menschen vernehmen. Zagarnas Truppen hatten wohl noch andere Flüchtlinge im Wald entdeckt. Aber soweit Einsamer Wolf sagen konnte,waren keine Giaks in ihrer Nähe.
»Was sind deine Pläne, Magier?«, fragte er. Er versuchte, seine Stimme ruhig zu halten.
»Ich denke … Ich denke, ich muss zurück nach Toran. Wenn die Truppen der Finsteren Länder die Abtei zerstört haben, dann ist gewiss die Auslöschung unserer Bruderschaft ihr nächstes Ziel.« Banedons Worte kamen in keuchenden, kleinen Zuckungen aus ihm heraus, doch schien sein Verstand wieder klar zu sein. »Ich bin sicherlich kein großer Magier, Einsamer Wolf, und ich bin erst recht kein Kämpfer. Aber ich würde mir nie verzeihen, wenn ich sie auf die Art sterben lassen würde, wie ihr Kai abgeschlachtet wurdet.«
Einsamer Wolf sah Rot.
»Es war nicht meine Schuld, dass ich nicht gegen Zagarnas Horden kämpfen konnte«, sagte er. Seine Lippen waren zusammengepresst, seine Stimme leise. »Ich schlug mit dem Kopf gegen einen Ast, als ich los lief, um meinen Gefährten zu helfen, und wurde dabei ohnmächtig. Es war, als hätte mir jemand den Ast in den Weg gestellt.«
Dann begriff er, wie dürftig seine Erklärung klang, doch zu seiner Überraschung nickte Banedon.
Der Zauberlehrling hatte aus einem Grund, den er selbst nicht verstand, sofort an Alyss denken müssen. Das klang nach der Art, wie sie handeln würde. Ihre Macht war gewaltig, doch sie war alles andere als allmächtig. Sie war keine Göttin – er wusste nicht genau, was sie war. Dass sie sich gegen die Mächte der Dunkelheit gestellt hatte, wusste er sicher. Es schien ihm, als habe sie keine kleine Rolle darin gespielt, Einsamer Wolf vor dem Gemetzel zu retten. Der Gedanke munterte ihn ein wenig auf. Wenn sie eingreifen konnte, um Einsamer Wolf zu retten, dann würde sie vielleicht auch ihm helfen. Sie hatte etwas Derartiges gesagt, als sie sich das erste Mal getroffen hatten. Vielleicht würde er am Ende doch überleben.
Einsamer Wolf konnte einen Teil von Banedons Gedanken aus dem Gesichtsausdruck des Zauberers herauslesen.
»Du scheinst etwas zu wissen, dass ich nicht weiß«, sagte er.
»Ich habe dir von meiner Freundin erzählt«, sagte Banedon und setzte sich in eine kniende Haltung auf. »Du weißt schon, Alyss. Ich glaube sie hilft uns – dir und mir.«
Ich dachte schon, du kommst nie darauf, Banedon, sagte eine Stimme in ihrer beider Verstand. Banedon erkannte sie sofort und hieß sie warm willkommen.
Hallo, ließ er seinen Geist antworten.
Und auch dir hallo, aber ich habe nicht viel Zeit für eitles Geschwätz. Ich werde tun, was ich kann, aber ich kann nichts versprechen. Dein bester Weg ist der nach Toran. Einsamer Wolf hat andere Dinge zu erledigen. Ihr werdet euch, wenn alles gut verläuft, noch viele Male in der Zukunft treffen. Übrigens siehst du ziemlich albern aus. Dein Haar ist ein richtiges Krähennest.
Ihre Stimme war verschwunden.
Einsamer Wolf taumelte zurück.
Stärke schien Banedon zu erfüllen, als er langsam aufstand.
»Ja«, sagte der Magier, »das ist es, was ich tun muss. Ich muss nach Toran zurückkehren und meiner Gilde helfen, wie ich kann.«
Einsamer Wolfs Herz wurde von Hoffnung erfüllt, doch er gab sich Mühe, es zu verbergen. Ein...




