E-Book, Deutsch, 0 Seiten
DeWeese Star Trek: Nexus
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11488-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11488-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die USS Cochise wird von unerklärlichen Gravitationsanomalien erschüttert. Dann ergreift eine furchtbare Angst die Mannschaft, ein Crew-Mitglied tötet seinen Kameraden und begeht anschließend Selbstmord. Die Sensoren der Enterprise können die Ursachen des Phänomens erfassen: Ein Tor, das den Transit zu einer Lichtjahre weit entfernten Galaxis ermöglicht. Schon einmal war der Enterprise ein derartiger Transit gelungen. Plötzlich tauchen überall im Föderationsgebiet derartige Tore auf, bedrohen sogar die Erde und verbreiten Paranoia. Auch Captain Kirk wird von dem Panik-Sydrom erfasst. Und dann wird die Enterprise in den Gravitationsstrudel des Tores gerissen.
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Kapitel 1
»Captain Chandler, zur Brücke!« Eine heftige Erschütterung hatte Captain Jeremiah Chandler geweckt, und er reagierte instinktiv auf die Stimme, die aus dem Lautsprecher des Interkoms in seiner Kabine drang. Mit der einen Hand schaltete er das Gerät ein, und mit der anderen griff er nach Uniformpulli, Hose und Stiefeln.
»Was ist los, Mr. Ortiz?«
»Gravitationsturbulenzen, Sir.«
»Ich hab's gespürt, Mr. Ortiz«, erwiderte Chandler. »Und die Ursache?«
»Die Instrumente zeigen nichts, Sir. Deshalb …«
»Halten Sie unsere gegenwärtige Position und sammeln Sie möglichst viele Daten. Ich bin gleich bei Ihnen. Und ich verständige Commander Ansfield.«
Chandler wartete keine Bestätigung ab, unterbrach die Verbindung und öffnete einen anderen Kom-Kanal. »Commander«, sagte er scharf und streifte den Pulli über. »Ich brauche den wissenschaftlichen Offizier auf der Brücke.«
»Das dachte ich mir schon, als die Vibrationen begannen«, antwortete die ruhige Stimme einer Frau. »Und ich bin unterwegs.«
»Dann will ich Sie nicht aufhalten.« Chandler deaktivierte das Interkom, strich den Uniformpulli glatt und eilte zur Tür. Wahrscheinlich stellten sich die Gravitationsturbulenzen als harmlos heraus, aber er hieß die unerwartete Aktivität willkommen. Nach fast frei Monaten des Patrouilleneinsatzes im Bereich der Föderationsgrenze, nicht weit von Starbase Eins entfernt, kam ihm fast alles gelegen – abgesehen vom Erscheinen eines klingonischen Schlachtkreuzers.
Als Chandler den Turbolift erreichte, traf er dort Commander Ansfield. Die kleine, drahtige und gut fünfzig Jahre alte Frau hielt die Tür für ihn auf. Ihr eisengraues Haar war fast so kurz wie Chandlers dunkelbraune Locken, und es wirkte nicht vom Schlaf zerzaust. Der Captain vermutete, dass sie wach gewesen war und in einem der vielen hundert Bücher gelesen hatte, die zu ihrem persönlichen Besitz gehörten. Sie stammten aus dem neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert; die entsprechenden Regale beanspruchten in Ansfields Quartier den Platz von zwei Wänden.
»Wieso haben Sie so lange gebraucht, Captain?«, fragte sie, als er die Transportkapsel des Turbolifts betrat.
»Einige von uns schlafen während der Bordnacht und verbringen die Ruheperiode nicht damit, in irgendwelchen Büchern zu blättern«, sagte Chandler und lächelte schief, als sich das Schott mit einem leisen Zischen schloss. »Was war's diesmal? Abenteuer? Etwas Geheimnisvolles? Vielleicht ein historischer Liebesroman?«
»Sie möchten es bestimmt nicht wissen, Sir.«
»Ist es so schlimm, Commander?«
»Kommt darauf an, Micah«, erwiderte Ansfield und benutzte den Spitznamen aus Chandlers Kindheit. »Verzichten wir auf Kategorisierungen. Es handelt sich um reinen – oder manchmal nicht ganz so reinen – Eskapismus.«
Der Captain nickte und erinnerte sich an ähnliche Wortwechsel, als die junge Lehrerin namens Ansfield in jener kleinen Stadt des Mittelwestens unterrichtet hatte, in der Chandler aufgewachsen war. Er besuchte damals die High-School und beobachtete oft, wie sie uralte Bücher einer konservierenden Behandlung unterzog. Ihre Sammlung bestand aus Hunderten von Exemplaren, vielleicht sogar aus Tausenden. Die Bücher hatten ihn immer fasziniert, allerdings in erster Linie als Kuriositäten – er verspürte nicht den Wunsch, sich hinzusetzen und in einem davon zu lesen. Deutlich erinnerte er sich an seine Verwunderung, als man Ansfield zur Cochise versetzte und sie die Absicht äußerte, ein Dutzend gefüllter Regale mitzubringen. Natürlich hätte sie alle ihre Bücher digitalisieren und im Bordcomputer speichern können, aber aus irgendeinem Grund legte sie großen Wert auf ihre physische Präsenz …
Chandlers Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück, als die beiden Türhälften auseinanderglitten. Der Captain sah eine fast leere Brücke, und irgend etwas schien sich auf eine subtile Weise zu verändern: Plötzlich begrüßte er die Abwechslung nicht mehr, sondern empfand vage Furcht. Er blickte zum Wandschirm.
»Ist etwas geschehen, Mr. Ortiz?«, fragte er. Das unerklärliche Unbehagen veranlasste ihn, lauter als sonst zu sprechen.
Der schlanke blonde Lieutenant – außer ihm hielten sich nur noch zwei andere Personen im Kontrollraum auf – beugte sich über die Instrumente der wissenschaftlichen Station.
»Keine weiteren Turbulenzen, Sir«, sagte er, ohne sich umzudrehen. »Der Computer hat die während des Zwischenfalls aufgezeichneten Daten analysiert und das wahrscheinliche Zentrum der Störungszone lokalisiert.«
Als Ortiz diesen Satz beendete, stand Commander Ansfield bereits neben ihm und betrachtete die Anzeigen. »Dreifache Sol-Masse direkt voraus. Entfernung weniger als null Komma zwei fünf Astronomische Einheiten.« Sie betätigte einige Tasten. »Aber dort draußen befindet sich nichts. Die nächste feststellbare Masse von auch nur planetarer Größe ist mehr als ein Lichtjahr entfernt. Eine sonderbare Angelegenheit – gelinde gesagt.«
Chandler beobachtete die fernen Sterne auf dem Wandschirm und blinzelte, als sich ein seltsames Vorstellungsbild in ihm formte: Er sah die Cochise, allein und hilflos in der gespenstisch anmutenden Leere des Alls. Der Captain schauderte unwillkürlich, obwohl er genau wusste, dass sie nicht durch einen fernen, unerforschten Sektor der Galaxis flogen. Nur einige wenige Parsec trennten sie von Starbase Eins.
Abrupt drehte er sich zum Steuermann um. »Deflektoren auf Automatik schalten, Lieutenant Kronin. Und wenn Sie dort draußen irgend etwas bemerken, so aktivieren Sie sofort die Schilde – ganz gleich, was Ihre Instrumente behaupten.«
Kronin – dunkelhäutig, Anfang dreißig – nickte verwundert. »Ja, Sir.«
Commander Ansfield musterte Chandler neugierig, blieb jedoch stumm.
»Empfangen Sie Subraum-Signale, Lieutenant Grayson?«, fragte Chandler und wandte sich an den Kommunikationsoffizier – das dritte Mitglied der Brückencrew während der ›Bordnacht‹.
»Stille auf allen lokalen Frequenzen, Sir.«
Chandler sah über die Schulter des Steuermanns und prüfte die Einstellung der Kontrollen. Der Wandschirm war auf maximale Vergrößerung justiert, und sein Erfassungsfokus galt jenem Bereich, in dem der Computer den Ursprung der Gravitationsturbulenzen lokalisiert hatte.
Ortiz und Ansfield behielten recht: Dort draußen befand sich tatsächlich nichts, nur schwarze Leere und der übliche Hintergrund aus leuchtenden Sternen. Doch das All schien jetzt noch dunkler zu sein als sonst, und der stellare Glanz wirkte matt … Das Unbehagen in Chandler verdichtete sich, und dem Gefühl der Bedrückung folgte Ärger. Kein Wunder, dass der Kosmos hier dunkler anmutete – der Grund wäre selbst einem Kadetten im ersten Ausbildungsjahr sofort klargeworden: Die derzeitige Beobachtungsperspektive reichte zum Zenit und aus der galaktischen Ebene hinaus. In dieser Richtung gab es natürlich weitaus weniger Sterne als zum Beispiel in der Shapley-Ballung, die so hell strahlte, dass man die elektronischen Filter des Wandschirms einschalten musste. In dieser Region …
Chandler war sicher, im Projektionsfeld eine Bewegung erkannt zu haben: ein Schimmern, als hätte sich etwas fast völlig Transparentes zwischen die fernen Sterne und den Kreuzer Cochise geschoben. Wie etwas, das man aus den Augenwinkeln wahrnahm – es blieb vage, aber um eine optische Täuschung handelte es sich gewiss nicht. Chandler dachte an klingonische Tarnvorrichtungen, obgleich er wusste: Das nächste imperiale Schlachtschiff fliegt mindestens tausend Parsec entfernt.
»Was ist mit den Anzeigen Ihrer Instrumente, Commander Ansfield?«, kam es scharf von seinen Lippen. Er versuchte, das wachsende Unbehagen zu unterdrücken, aber es lief ihm trotzdem kalt über den Rücken.
»Sie haben sich nicht verändert«, antwortete Ansfield, ohne sich umzudrehen. »Ist Ihnen etwas aufgefallen?« Sie kniff kaum merklich die Augen zusammen, als sie sah, mit welcher intensiven Aufmerksamkeit der Captain zum Wandschirm starrte.
»Ich weiß nicht«, entgegnete er. »Dort draußen schien sich etwas zu bewegen.«
»Wenn man lange genug hinsieht, gewinnt man den Eindruck, dass selbst der Fels von Gibraltar in Bewegung gerät. Was haben Sie beobachtet?«
Chandler schüttelte den Kopf und fühlte, wie neuerlicher Ärger in ihm brodelte. Erst bilde ich mir Dinge ein, und dann bin ich nicht einmal imstande, sie zu beschreiben. »Für einen Sekundenbruchteil … erzitterten die Sterne. Aber wenn die Sensoren nicht reagieren … Vielleicht spielt mir meine Phantasie einen Streich.«
»Ja, vielleicht«, räumte Ansfield ein. Sie trat neben den Captain und blickte ebenfalls zum Wandschirm. »Andererseits … Jeden Tag entdecken wir neue Phänomene, die von Lebewesen wahrgenommen werden können, nicht jedoch von Sensoren.«
Das Prickeln in Chandlers Rücken verstärkte sich. »So etwas möchte ich nicht von meinem wissenschaftlichen Offizier hören«, sagte er.
»Es gehört keineswegs zu den Pflichten eines wissenschaftlichen Offiziers, Phänomene zu leugnen, die von der Wissenschaft – noch – nicht erklärt werden können. Das Gegenteil ist der Fall. Außerdem …« Ansfield sprach jetzt so leise, dass nur der Captain sie hörte. »Wenn Sie es nicht immer wieder versäumen würden, die neuesten Starfleet-Berichte zu lesen, so wüssten Sie jetzt, womit wir es zu tun haben.«
Chandler runzelte die Stirn. »Ich bin nicht in der richtigen Stimmung für irgendwelche Spielchen,...




