DeWeese Star Trek: Zwischen den Fronten
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11474-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11474-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Durch eine gewaltige Gravitationsanomalie wird die Enterprise in eine unbekannte Galaxie geschleudert. Selbst wenn Captain Kirk und seine Crew wüssten, wo sie sich befinden, würde der Rückflug zur Föderation Jahrhunderte dauern. Auf der Suche nach intelligentem Leben entdeckt die Crew, dass sämtliche einst bewohnte Planeten in einem interstellaren Krieg in radioaktive Wüsten verwandelt wurden. Als die Enterprise endlich auf eine raumfahrende Zivilisation trifft, wird sie sofort unter Beschuss genommen. Und dann taucht ein zweites Schiff auf - die Enterprise gerät zwischen die Fronten.
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Kapitel 1
Selbst nach vorsichtigen Schätzungen existieren allein in unserer Milchstraße mehr als hundert Milliarden Sterne, und es gibt mindestens ebenso viele andere Galaxien, die selbst mit Warptriebwerken unerreichbar bleiben. Das bedeutet: Auf jeden Ende des zwanzigsten Jahrhunderts auf der Erde lebenden Menschen kommen zwanzig oder mehr Sterne in unserer Galaxis und viele Milliarden weitere in den Haufen und Superhaufen von Galaxien, die bis zum Ende des Universums reichen – falls es überhaupt irgendwo endet. Deshalb ist es kein Wunder, dass mehr als neunundneunzig Prozent der Milchstraße unerforscht sind, obwohl Raumschiffe der Föderation, Romulaner und Klingonen tief in die Sternenräume vorstoßen. Selbst in den vom Forschungsvertrag der Föderation bestimmten Quadranten überwiegt das Unbekannte, während Scoutschiffe Hunderte oder Tausende von Lichtjahren zurücklegen, um neue kosmische Horizonte zu erreichen.
Unter diesen Umständen bereitet es keine Probleme, dorthin zu gehen, wo noch nie ein Mensch gewesen ist. Es lässt sich gar nicht vermeiden. Aber es kann weitaus schwieriger sein, solche Forschungsmissionen zu überleben und sicher heimzukehren.
»Ich verstehe nicht, warum Sie diese Situation komisch finden, Dr. McCoy.«
Spocks Bemerkung brachte wie üblich keinen Ärger oder Tadel zum Ausdruck. Er stellte nur eine Tatsache fest und sprach in jenem leicht verwirrt klingenden Tonfall, den er häufig unlogischen Menschen gegenüber benutzte.
»Ich weiß, ich weiß«, erwiderte McCoy und trat zurück, um Spock genug Platz zu lassen, als die langen, dünnen Finger des Vulkaniers über die Kontrollen der wissenschaftlichen Station huschten. »Aber Sie haben doch nichts dagegen, wenn Menschen ab und zu herzhaft lachen, oder?«
»Natürlich nicht«, sagte Spock. Ein großer Teil seiner Aufmerksamkeit galt den Anzeigen der verschiedenen Instrumente, und er suchte nach Hinweisen auf die vor fünf Minuten gestartete Sonde. Doch sie blieb verschwunden, erschien weder fünf noch fünfhundert Parsec entfernt. McCoy sah darin einen angemessenen und amüsanten Höhepunkt des völlig unberechenbaren Verhaltens von bisher mehr als vierzig ausgeschickten Sonden.
»Nun, Doktor«, fuhr Spock fort, ohne den Blick von seinen Instrumenten abzuwenden, »Sie haben selbst darauf hingewiesen: Gelächter scheint bei Ihrer Spezies einen therapeutischen Effekt zu haben. Es wäre kaum logisch von mir, Ihnen etwas vorzuenthalten, das Ihrem physischen und psychischen Wohlbefinden dient und damit die individuelle Leistungsfähigkeit im Dienst verbessert.«
McCoy schmunzelte, sah über Spocks Schulter und betrachtete die Bildschirmdarstellungen. »Vielleicht ist es gut, dass Sie nie lachen. Sie sind bereits viel zu tüchtig. Ich möchte nicht erleben, was geschähe, wenn Sie einen Sinn für Humor entwickelten. Dann wären Jim, ich und die halbe Besatzung überflüssig.«
»Offenbar belieben Sie erneut zu scherzen, Doktor. Mir fällt die Vorstellung schwer, dass selbst Sie Ineffizienz für positiv halten. Aber wenn Sie erlauben …«
Eine Erschütterung erfasste die Enterprise, und das Brückendeck neigte sich kurz zur Seite. Spock ließ sich natürlich nicht aus dem Gleichgewicht bringen und rief Daten ab.
»Eine neuerliche Veränderung der Feldstärke, Captain«, sagte er. »Sie ist um siebenundzwanzig Komma eins Prozent gewachsen. Ich schlage vor, wir ziehen uns sicherheitshalber um zehn astronomische Einheiten zurück.«
»Zehn AE zurück, Mr. Sulu, Warpfaktor drei«, wies Kirk den Steuermann an. Er hatte längst gelernt, den Rat seines Ersten Offiziers sofort zu beherzigen. »Anschließend die Position halten.«
»In Ordnung, Sir«, antwortete Sulu und gab die Koordinaten ein.
McCoy schwieg nun, schloss die Hände ums Geländer des Oberdecks und drehte sich zum Captain um. Kirk saß im Kommandosessel und sah auf den Wandschirm, der das leuchtende Band des Sagittariusarms zeigte, dahinter die Shapley-Ballung. Die Sterne waberten kurz, aber diesmal blieb eine Vibration des Schiffes aus.
»Hat sich die Feldstärke schon wieder verändert, Mr. Spock?«, erkundigte sich Kirk. »Oder handelt es sich um das Ergebnis unserer Bewegung?«
»Unser Positionswechsel in Hinsicht auf die Phänomene im Bereich der Anomalie ist der Grund. Die Feldstärke bleibt derzeit stabil.«
»Und die letzte Sonde, deren Verschwinden Dr. McCoy so lustig fand … Noch immer keine Spur von ihr?«
»Nein, Captain.«
»Vielleicht eine Fehlfunktion?«
»Das glaube ich nicht, Captain. Wie Sie wissen, sind die Sonden wenig mehr als leistungsstarke, mit Impulstriebwerken ausgestattete Subraum-Baken. Angesichts ihrer einfachen Konstruktion besteht nur eine statistische Wahrscheinlichkeit von eins zu eins Komma drei Millionen, dass irgendwelche wichtigen Komponenten ausfallen.«
»Aber es ist möglich«, beharrte Kirk.
»Ja, Captain. In rein statistischer Hinsicht ist praktisch alles möglich, so unwahrscheinlich es auch sein mag.«
»Ich verstehe. Welche andere Erklärung haben Sie für mich?«
»Ich nehme an, die Sonde ist zu weit entfernt, um von uns geortet zu werden.«
Kirk drehte seinen Sessel herum und musterte den wissenschaftlichen Offizier. »Zu weit entfernt, Mr. Spock? Soweit ich weiß, können wir ihre Signale auch nach einem Transfer über mehr als fünftausend Parsec empfangen.«
»Die kritische Distanz liegt bei fünftausendvierhundertachtzig Parsec, um ganz genau zu sein, Captain. Damit ist natürlich nur die garantierte Minimal-Reichweite gemeint.«
»Soll das heißen, die … die ›Gravitationsanomalie‹ könnte unsere Sonde mehr als fünftausend Parsec weit transferiert haben?«
»Das sollten wir in Erwägung ziehen, Captain.«
»Aber keine der anderen Sonden hat mehr als fünfhundert Parsec zurückgelegt.«
»In der Tat, Captain.«
»Das ist alles, Spock? Sie nennen mir keine Einzelheiten?«
»Wenn Sie detaillierte Angaben wünschen, Captain … Wie Ihnen und Dr. McCoy klar sein dürfte, konnten wir bisher keine logische Struktur im Verhalten der Sonden erkennen, die wir durch die sogenannten Anomalien schickten. Einige von ihnen wurden nicht beeinflusst, als seien die Anomalien für sie inexistent. Andere sind verschwunden und ein Parsec entfernt im Normalraum rematerialisiert. Wieder andere erschienen in einem ganz anderen Raumbereich, und bei ihnen maßen wir eine Distanz von fünfhundert Parsec. Es gibt also keinen logischen Grund für die Hypothese, dass die Reichweite Beschränkungen unterliegt. Darüber hinaus fehlt ein Zusammenhang zwischen zurückgelegter Entfernung und Eintrittsgeschwindigkeit der Sonde. Ich vermute vielmehr, dass die Geometrie des Raums und die von den sogenannten Anomalien bewirkte Verzerrung des Kontinuums eine entscheidende Rolle spielt. Der Verzerrungsfaktor scheint sich innerhalb von Sekundenbruchteilen zufällig zu verändern, und manchmal nimmt er für kurze Zeit einen Null-Wert an.«
»Sie sprechen dauernd von ›sogenannten Anomalien‹. Kann ich daraus schließen, dass Sie während Ihrer Beobachtungen einen besseren und genaueren Begriff geprägt haben?«
»Nein, Captain. Ich beginne nur daran zu zweifeln, dass dies wirklich nur schlichte Anomalien sind, die aufgrund gravitationeller Turbulenzen entstanden.«
»Was dann?«
»Ich weiß es nicht, Captain.«
»Aber bestimmt haben Sie darüber nachgedacht«, sagte Kirk.
»Natürlich, Captain.«
»Und vielleicht auch eine Theorie entwickelt?«
»Eine gewisse, aber unbestimmbare Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass wir es nicht mit einem natürlichen Phänomen zu tun haben.«
Stille folgte, und die Blicke aller Anwesenden richteten sich auf Spock. McCoy lachte kurz.
»Eine unbestimmbare Wahrscheinlichkeit?«, wiederholte der Bordarzt und schüttelte in gespieltem Erstaunen den Kopf. »Ist das eine vulkanische Umschreibung für Ahnung!«
»Von einer ›Ahnung‹ in Ihrem Sinne kann keine Rede sein, Doktor. Ich möchte auf folgendes hinaus: Die Ergebnisse unserer Beobachtungen erscheinen rein zufällig und daher unlogisch. Meine bisherigen Erfahrungen lassen den Schluss zu, dass unlogisch wirkende Phänomene häufig nicht das Resultat von Naturgesetzen sind, sondern die direkte Folge von Manipulationen jener Gesetze durch intelligente Wesen, die das Gebot der Logik missachten.«
Captain James T. Kirk unterdrückte ein Lächeln, als er nickte und sich im Kommandosessel zurücklehnte. Auch er hatte schon daran gedacht, dass die Anomalien nicht natürlichen Ursprungs waren, aber wie sich Spock ausdrücken würde: Er sah keinen hohen Wahrscheinlichkeitsfaktor in dieser Vermutung. Als die Enterprise zum ersten Mal mit den Phänomenen konfrontiert wurde – sie flog direkt hinein –, erfolgte ein Transfer über mehr als dreihundert Parsec, und die energetischen Turbulenzen führten zu Schäden an Bord. Unter solchen Bedingungen dachten alle an ihr eigenes Überleben und das der Enterprise; es blieb nur wenig Zeit für wissenschaftliche Analysen oder philosophische Erwägungen.
Inzwischen hatte sich die Situation geändert. Das Schiff war mit neuen Sensoren ausgerüstet, die eine Ortung der sonderbar komplexen Turbulenzen erlaubten, und hinzu kamen gut zweihundert Sonden. Sie dienten dazu, eine Ansammlung von Anomalien zu untersuchen, die von einem Scout-Kreuzer entdeckt worden war, kurz nach der Rückkehr der Enterprise aus dem mercanianischen System, wo der Kontratransit nach dem überraschenden Transfer stattgefunden hatte. Genauer gesagt: Kirk und seine Crew erforschten mehrere...




