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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Reihe: HarperCollins
Dias da Silva Hund bei Fuß, Mann an der Hand
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7499-5109-3
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Reihe: HarperCollins
ISBN: 978-3-7499-5109-3
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Jochen her!
Sophie Uhlmann hat ihr Leben fest im Griff: Sie wohnt mit ihrem Freund in einer schicken Wohnung, hat einen gut bezahlten Job und dazu noch ihre beiden besten Freundinnen, die ein bisschen Schwung in ihren Alltag bringen. Doch als eines ihrer Projekte Sophie zum Hassobjekt einer Gruppe renitenter Rentnerinnen und Rentner macht, geht es plötzlich drunter und drüber, und ehe sie sichs versieht, steht sie job-, partner- und wohnungslos da. Stattdessen treten ein kleiner Straßenhund namens Jochen und ein gleichermaßen attraktiver wie unverschämter Schreiner in ihr Leben. Aber mit Jule und Lina an ihrer Seite - und ein paar Gläsern Weißwein - bekommt sie auch das gewuppt. Wäre ja gelacht.
Nina Dias da Silva, Jahrgang 1989, lebt in Hamburg und arbeitet als Redakteurin, Journalistin, Schreiberin - an der Frage nach der konkreten Berufsbezeichnung verzweifelt ihre Steuerberaterin regelmäßig. Im schönen Süden aufgewachsen, hat sie in Stuttgart Linguistik studiert, aber eigentlich alles Wissenswerte in der Gastro gelernt. Geschrieben hat sie schon immer, auf den Hund gekommen ist sie erst bei den Recherchen zu ihrem Debütroman 'Hund bei Fuß, Mann an der Hand': Ihr eigener Vierbeiner Brito hat Angst vor Wind und liebt Käse.
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»So, Herr Wertheim, dann wollen wir mal.« Sophie wandte sich ihrem Mandanten mit einem ebenso breiten wie gefakten Lächeln im Gesicht zu. Justus Maximilian Wertheim war ein 25-jähriger Mann, Typ beste Alsterlage und von Beruf nicht Sohn, sondern schlimmer: Erbe. Er war die Arroganz in Person und erinnerte Sophie wieder einmal daran, was genau sie an ihrem Job eigentlich nicht mochte – oder wen. Justus Maximilian Wertheim fuhr sich mit den Fingern durch das dunkelblonde zurückgegelte Haar, das in sanften Wellen auf seinem Kopf ruhte, und antwortete Sophie nur mit einem Schnauben. Es schien, als kränkte allein ihre Existenz ihn in seinem Reichtum.
Junge, was für ein Start in den Tag.
Als Investmentmanagerin oder eben Vermögensverwalterin (das kam immer darauf an, wer ihr gegenüberstand) verkehrte sie täglich mit solchen Leuten. Oder: in diesem Paralleluniversum. Denn mit ihrer Realität hatte das Leben derjenigen, die sich eine Vermögensverwalterin leisten konnten oder sogar darauf angewiesen waren, herzlich wenig zu tun. Auf den ersten Blick konnten ihre kleine schlichte, aber wohlgewählte Designerhandtasche, der schmal geschnittene dunkelblaue Hosenanzug, die ordentlichen Pumps und die Perlenohrringe die Bewohner des Paralleluniversums täuschen. Auch ihre eloquente Ausdrucksweise, ihr Freund Jochen, ein Jurist und begeisterter, wenn auch wenig begnadeter Golfer, sowie die gemeinsame Wohnung in Winterhude stärkten den täuschenden Eindruck. Doch die Handtasche war secondhand, der Anzug von Zara und die Ohrringe geerbt. Und spätestens ihre zwei Freundinnen Jule und Lina sowie die gemeinsamen Abende in den Spelunken von St. Pauli sprengten die Illusion völlig. Doch ganz gleich, was Justus Maximilian Wertheim von ihr in diesem Moment denken mochte – er würde sicher nie in den Genuss kommen, mit Sophie und ihren Freundinnen Kümmelschnaps zu trinken.
Bei dem Gesicht, das er nun machte, konnte man tatsächlich auf den Gedanken kommen, er sei über diese Tatsache betrübt. Oder aber er wartete einfach darauf, dass Sophie endlich das kleine Gartentor öffnete, vor dem sie seit einer ganzen Weile standen. Dahinter befand sich die Immobilie, die es zu besichtigen galt, denn Justus Maximilian Wertheim war ja aus beruflichen Gründen hier. Der junge Mann war Teil einer Erbengemeinschaft, die dieses Fleckchen Erde vermacht bekommen, aber absolut kein Interesse daran hatte. Genauer: die nur an einem Aspekt Interesse hatte – seiner Wertigkeit.
Ein weiteres Indiz dafür, dass Justus Maximilian Wertheim nicht betrübt über die Tatsache, keinen Kümmelschnaps mit Sophie zu trinken, sondern schlichtweg in Eile war, konnte das ungeduldige Tippen seiner Segelschuhe sein. Oder das gepresste »Frau Uhlmann, Sie mögen ja vielleicht Zeit im Überfluss haben, meine aber ist kostbar. Wenn wir nun also endlich reingehen könnten?«, das sie nun hörte.
Natürlich. Du liebe Güte, man konnte nicht mal in Ruhe für ein paar Sekunden gedanklich abschweifen … Mit einem weiteren beherzten falschen Lächeln schaute sie Justus Maximilian Wertheim ins Gesicht und drückte die Klinke des Gartentors nach unten.
Sophies neuester Auftrag war eben diese Erbengemeinschaft: Da sich die sieben Parteien nicht einigen konnten, wie sie das Gebäude künftig nutzen wollten, musste ein kleinster gemeinsamer Nenner gefunden werden: Profit. Ein Entschluss, der sie zu Berglund & Söhne führte, dem Familyoffice, für das Sophie arbeitete, und sie und Justus Maximilian Wertheim an diesem sonnigen Freitagvormittag schlussendlich in den Hamburger Stadtteil Ottensen.
Ottensen, bekannt für seinen lebendigen Charakter, die vielen kleinen Läden, Restaurants und seine schmalen Gassen mit bunten Häusern, gehört mittlerweile zu den extrem begehrten Vierteln der Metropole. In einer der charakteristisch krummen Straßen lag auch das zu beurteilende Objekt: Hinter dem Gartentor führte ein schmaler Pfad, durch unzählige Schritte ganz kahl getrampelt, über eine kleine Wiese direkt bis zur Haustür. Das Gebäude war ein zweistöckiger Bau. Auf den ersten Blick konnte man meinen, es sei in Cremeweiß gestrichen. Auf den zweiten war es einfach alt und heruntergekommen.
»Wir könnten den Wert der Immobilie und damit die Angebotshöhe noch steigern, wenn Sie zuerst ein paar Schönheitsarbeiten vornehmen«, sagte Sophie, während sie das Erdgeschoss betraten.
»Lassen«, antwortete Justus Maximilian Wertheim.
»Bitte?«
»Lassen. Vornehmen lassen.«
»Natürlich«, murmelte Sophie und war froh, dass der junge Erbe ihr den Vortritt gelassen hatte. So sah er nur ihren Rücken und nicht, wie sie ihre grünen Augen verdrehte, die eigentlich einen freundlichen Ausdruck in sich trugen, aber dazu neigten, ein regelrechter Spiegel ihrer Stimmung zu sein. Wir haben es verstanden, du rührst nicht einen Finger. Hornhaut holt der sich sicher nur beim Segeln.
Das Erdgeschoss der Immobilie bestand nur aus einem Vorraum, einer Tür, die aber zugesperrt war, und einer Treppe, die in ein weiteres Stockwerk führte. Oben angekommen, empfing sie eine offene Galerie. Links gingen Türen zu den Toiletten ab. Rechts von ihnen stand eine Tür offen. Und dahinter ein großer – nein, eher riesiger Raum. Durch die ausladenden Dachfenster strahlte die Frühlingssonne direkt hinein, die Holzbalken in der Mitte des Raumes warfen lange Schatten auf den Parkettboden.
»Wissen Sie, für was diese Immobilie genutzt wurde?«, fragte Sophie ihren Mandanten.
»Nein«, antwortete er völlig desinteressiert.
Um klassischen Wohnraum handelte es sich offensichtlich nicht, aber nach einem richtigen Gewerbe sah es auch nicht aus. Sophie hatte leider keine Informationen diesbezüglich von ihren neuen Mandanten erhalten. Wobei es im Grunde auch egal war. Wichtig war nur, die Immobilie so schnell wie möglich wieder auf den Markt zu bringen. Und das sollte ja ein Kinderspiel werden. Denn auch wenn das Häuschen etwas marode war und seine besten Jahre wohl hinter sich hatte: Es war ein Häuschen mitten in Ottensen. Es hatte einen Garten, ja, es gab sogar ein kleines Gartentor!
»Also, Herr Wertheim, wenn Sie ein paar Arbeiten vornehmen lassen, könnten wir die angesetzte Miete sicher um einige Prozent weiter oben ansetzen«, griff Sophie das ursprüngliche Thema wieder auf, als sie das Haus schließlich wieder verließen. »Dafür müssten wir natürlich die Fassade erneuern. Für einen ersten Eindruck, der sitzt. Ein neuer Zaun und ein Gartentor, das nicht krumm ist und quietscht, wären natürlich auch von Vorteil. Und wenn wir im oberen Geschoss noch …«
»Nein.«
»Ja, genau, also wenn wir oben noch die Sanitäranlagen …«
»Frau Uhlmann, ich sagte doch schon Nein«, unterbrach Justus Maximilian sie erneut. »Wir werden hier gar nichts tun und niemanden mit irgendwas beauftragen. Wir werden diesen Kasten einfach so schnell wie möglich verkaufen. Ich habe weder die Zeit noch die Nerven, mich weiter damit auseinanderzusetzen. Oder mit Ihnen.«
»Aber, Herr Wertheim, denken Sie doch einen Moment darüber nach. Natürlich bringt Ihnen ein Verkauf auf einen Schlag einen stattlichen Ertrag. Aber ich muss Sie darauf hinweisen, dass eine Kapitalanlage langfristig die klügere Strategie ist. Und auch die gewinnbringendere. Denn unattraktiv wird diese Lage in den nächsten hundert Jahren sicher nicht«, versuchte Sophie zu protestieren. Ein langfristig angesetztes Projekt würde natürlich auch für sie langfristige Provision bedeuten. Ein Umstand, der Justus Maximilian Wertheim aber nicht zu interessieren brauchte.
»Frau Uhlmann, jetzt mal ehrlich: Sehe ich aus, als würden mich ein paar Mieteinnahmen interessieren?«
»Wenn ich Ihnen eine Strategie ausarbeite, wie Sie diese Einnahmen direkt wieder investieren können, um einen noch größeren Profit zu erwirtschaften, vielleicht schon«, sagte Sophie kokett.
Doch ihr Mandant ließ nur ein weiteres Schnauben vernehmen. Er drehte sich zu ihr um und blickte ihr ins Gesicht. »Frau Uhlmann, meine Familie und ich, wir wollen dieses Haus nicht. Wir brauchen es nicht, ebenso wenig wie dieses Grundstück. Für Sie mag das nach einer großen Sache klingen, eine Immobilie in Ottensen. Für uns – und ich möchte jetzt auf keinen Fall arrogant klingen – ist es das nicht.«
Bei seinem letzten Satz unterdrückte Sophie ein weiteres Augenrollen und lächelte stattdessen weiter stoisch vor sich hin. Sie strich sich eine Strähne ihres blonden Haars hinters Ohr, das sie heute offen trug. Minimale Kompensation, eine Strategie, die sie von Jochen gelernt hat: Konnte sie in dem Augenblick ihrem Frust keine Luft machen, nutzte sie eine Art Methadon, eine bewusste Geste, die für einen kleinen Moment ihren Ärger katalysierte. In ihrem Fall war es das Zurückstreichen ihrer Haare.
Justus Maximilian Wertheim sprach weiter: »Sicher könnten wir eine solche Strategie erarbeiten, wie von Ihnen vorgeschlagen. Aber, offen gesprochen, sind das Peanuts für uns. Der Aufwand, dieses Anwesen zu vermieten, wäre erheblich höher, und eine so simple Kosten-Nutzen-Abwägung leuchtet sicherlich auch Ihnen ein. Ich wollte mir mit der heutigen Begehung lediglich ein grobes Bild verschaffen. Und es ist genau das, was ich erwartet habe: etwas, das sich nicht rechnet. Wir werden verkaufen. So wie es ist – der Kasten wird in jedem Fall abgerissen. Ich habe auch schon einen Interessenten an der Hand, seine Kontaktdaten leite ich Ihnen weiter. Sie kümmern sich dann bitte um alles Weitere. So, damit sind wir dann auch durch – ich muss jetzt einen Flug nach...




