E-Book, Deutsch, Band 426, 256 Seiten
Reihe: Historical
Dickson Lord Lancasters skandalöses Begehren
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7515-3162-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 426, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-7515-3162-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Welch ungeahnter Liebreiz! Dass die Schwester seines verstorbenen Freundes derart betörend ist, hat Lord William Lancaster nicht erwartet. Als er die eigensinnige junge Anna auf einer gefährlichen Schiffsreise von Indien nach England begleiten muss, verführt er sie gegen jede Vernunft zu stürmischen Küssen - auch wenn er damit einen Skandal riskiert. Denn als künftiger Marquess ist er dazu bestimmt, schon bald eine standesgemäße Braut zu heiraten. Anna hingegen ist die Tochter einer Kurtisane und eigentlich absolut tabu für ihn! Trotzdem begehrt er sie mit jedem heimlichen Kuss nur noch mehr ...
Helen Dickson lebt seit ihrer Geburt in South Yorkshire, England, und ist seit über 30 Jahren glücklich verheiratet. Ihre Krankenschwesterausbildung unterbrach sie, um eine Familie zu gründen. Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes begann Helen Liebesromane zu schreiben und hatte auch sehr schnell ihren ersten Erfolg. Sie bevorzugt zwar persönlich sehr die Zeit des Bürgerkrieges in England doch um ihren Lesern viel Abwechslung zu bieten, wählt sie auch andere geschichtliche Epochen für ihre Roman. Um für ihre historischen Liebesromane zu recherchieren, verbringt die Autorin viele Stunden in der Bibliothek. So lässt sie mit viel Fantasie und historischer Genauigkeit wunderschöne historische Liebesromane entstehen.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
1810
Die Sonne stand hoch, und ein sanfter Wind schob die Wolken langsam über den Himmel, als William, Lord Lancaster und der zukünftige Marquess of Elvington, den Stadtrand von Bombay erreichte. Seine Reise aus Agra im Norden Indiens hatte viele Tage gedauert, und er hatte an bewährten Rastplätzen entlang der Strecke angehalten.
Er zügelte sein Pferd zu einem gemächlichen Schritt und erfreute sich an den Gerüchen und Geräuschen auf der belebten Straße. Eselskarren waren hoch bepackt mit Waren aller Art, Wagenräder und Hufe wirbelten Staubwolken hinter sich auf. In ganz Indien herrschte Trockenheit, und alle warteten auf den langersehnten Monsun.
Erstaunt und neugierig zügelte William sein Reittier, als ein Pferd und eine Reiterin seine Aufmerksamkeit erregten. Die Reiterin war eine junge Frau, und er hielt inne, um sie zu beobachten, als sie über das weite Land ritt, genauso erfrischend wie ein kühler Wind. Es war ihre pure Energie und Leuchtkraft, die ihn anzog. Sie saß rittlings auf einer munteren grauen Stute, die sie vorzüglich im Griff hatte. Er bemerkte, wie locker ihre Hände die Zügel hielten, zarte Hände, aber gleichwohl kräftig, und er zweifelte nicht daran, dass sie selbst das temperamentvollste Pferd zu bändigen wüsste.
Sie bot ein entzückendes Bild in ihrem blau geblümten Kleid, das über den Flanken ihres Reittiers lag und schlanke Beine unter dem Rock erahnen ließ. Ergänzt wurde die Perfektion durch ihre schmale Hüfte und zwei feste Brüste. Ein breitkrempiger Hut bedeckte ihren Kopf, und ein Umhang in der Farbe von reifem Mais fiel ihr über den Rücken. Mit einem sanften Stoß ihrer Hacken lenkte sie ihr Pferd gekonnt und anmutig, fiel in einen leichten Galopp und scheuchte damit ein paar Vögel und grasende Kühe auf. Sie ritt wie der Wind und setzte mühelos über ein paar niedrige Zäune. Pferd und Reiterin wirkten wie eine Einheit.
Es war höchst unüblich für eine junge europäische Dame, wie ein Mann zu reiten – normalerweise ritten sie im Damensattel, zumindest in der Öffentlichkeit, und mit mehr Anstand. Doch William vermutete, dass das hier keine gewöhnliche junge Dame war, sondern eine, die sich nur wenig um die Konventionen scherte. Offenkundig achtete sie auch nicht auf ihre Sicherheit. Warum hatte sie keinen Bediensteten dabei, der sie vor Gefahren beschützen könnte? Erst als sie aus seinem Blickfeld verschwunden war, setzte William seine Reise fort.
William Lancaster war ein vielschichtiger und vielseitiger Mann, der ausgesprochen unbarmherzig sein konnte, falls es nottat. Er legte eine hochmütige Reserviertheit an den Tag, die nicht besonders einladend war und ihn von den anderen Mitgliedern der feinen Gesellschaft abhob. Er war mehr als 1,90 Meter groß, sein Kinn hatte einen harten Zug, und sein breiter, wohlgeformter Mund bildete oft eine schmale Linie. Seine Gesichtszüge strahlten ein streitbares Selbstbewusstsein und eiserne Entschlusskraft aus. Sein hübsches Gesicht wirkte arrogant, und die dunklen Brauen beherrschten seine Stirn. Sein dichtes Haar war schwarz wie Ebenholz. Inmitten von so viel Dunklem wirkten seine strahlend blauen Augen noch markanter und stechender. Nur selten verrieten sie etwas von seinem tief verborgenen Zynismus, mit dem er alles spöttisch zu beobachten schien.
Schließlich erreichte er das Haus, nach dem er gesucht hatte. Britische Zivilisten hatten ein paar Meilen außerhalb des Stadtzentrums eine Siedlung errichtet. Sie bestand aus gepflegten Häusern im europäischen Stil, allerdings mit zusätzlichen Veranden, um die Räume vor der heißen Sonne zu schützen. William band sein Pferd an einen Torpfosten vor dem Haus und ging den kurzen Kiesweg hoch. Das einstöckige Gebäude war weiß und hatte blaue Fensterläden. Zwei ordentlich gemähte Rasenflächen wurden von Beeten mit Edelwicken und Rosen eingefasst, deren Duft sich mit dem Geruch der warmen Erde vermengte.
Die Tür wurde von einer Dame geöffnet, bei der es sich um Mrs. Andrews handeln musste. Ihr Gatte, ein Beamter der East India Company, war zurzeit in Lucknow stationiert. Sie erwartete William und wusste, dass er ihr Mündel nach England begleiten würde. Mrs. Andrews war Ende fünfzig, hatte hellbraunes Haar und sanfte graue Augen. Freundlich hieß sie William in ihrem Haus willkommen. Ein Diener brachte ihnen kühle Getränke. Eine Weile blieb ihre Unterhaltung recht förmlich, während sie ihn über seine Reise befragte. Sie selbst freue sich sehr darauf, ihren Gatten schon bald in Lucknow wiederzusehen.
„Freut sich Miss Harris darauf, nach England zurückzukehren?“, fragte William.
„Leider nicht. Sie war überaus bestürzt, als sie von dem Tod ihres Bruders erfuhr – und noch mehr, als sie hörte, dass Sie nach Bombay kommen würden, um sie nach England zurückzubringen. Sie weiß, dass nichts sie hier in Indien hält, aber sie hat sich in dieses lebhafte Land verliebt – wie die meisten Menschen, die hierherkommen und nicht ins graue London zurückkehren wollen. Sie müssen verstehen, wie sie empfindet und warum sie Indien nur ungern verlassen möchte.“
„Sie hatte einen ganzen Monat Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen.“ Er zuckte ungeduldig die Achseln. „Aber es ist nicht meine Absicht, das Mädchen zu verärgern.“
„Nein, natürlich nicht. Sie werden sie zu ihrem Onkel bringen, nehme ich an?“
„Das war Jonathans Wunsch. Als er wusste, dass er sterben würde, hat er einen Brief an seinen Onkel geschrieben, um ihm die Ankunft seiner Nichte anzukündigen.“
„Konnte man denn gar nichts tun, als er verwundet wurde?“
„Leider nicht. Nach dem Überfall lebte er gerade noch lange genug, um Vorkehrungen für seine Schwester zu treffen.“
„Wurde der Übeltäter gefasst?“
Er schüttelte den Kopf und wandte den Blick ab. Die Erinnerung an den grausamen Tod seines Freundes waren zu schmerzhaft, um auch nur daran zu denken. „Nein. In die Auseinandersetzung waren mehrere Männer verwickelt, es hätte jeder von ihnen gewesen sein können.“ William war sich sicher, dass er wusste, wer seinen guten Freund Jonathan Harris getötet hatte, aber das zu beweisen war etwas anderes. Jonathan hatte gewusst, dass William nach England zurückkehren würde, und hatte ihm die Aufgabe übertragen, seine Schwester mitzunehmen und zu seinem Onkel Robert in London zu bringen. William konnte dem Mann, der ihm zwei Mal das Leben gerettet hatte, diese Bitte nicht abschlagen. Zumal er das Leben dieses Mannes hätte retten können, wenn er vorausschauender gewesen wäre. Schuldgefühle hatten an William genagt, und er wollte dem Freund seine letzten Stunden erleichtern, also hatte er Jonathan sein Wort gegeben.
„Es ist wirklich eine Schande, dass ihre Mutter sich nicht um sie kümmern wird. Wie ich hörte, ist sie eine Frau, die nur an ihr eigenes Vergnügen denkt und ihre Tochter ganz sich selbst überlässt. Für einen erwachsenen Sohn mag das nicht weiter verwerflich sein, aber bei einem verletzlichen jungen Mädchen, das der Gnade der harten Welt ausgeliefert ist, ist das etwas ganz anderes. Ich hörte, dass Mrs. Harris in London lebt – mit ihrem neuesten Gentleman.“
„Ich weiß nur wenig über sie. Jonathan hat nur selten von seiner Mutter gesprochen. Wie ist Miss Harris?“
„Es war nicht immer einfach mit ihr in den drei Jahren, seit sie bei uns ist. Wenigstens hat sie eine gute Erziehung genossen. Bisweilen kann sie eigensinnig und stur sein, doch dieser Charakterzug wird durch eine unglaubliche Freundlichkeit und Leidenschaft ausgeglichen. Sie neigt dazu, sich von ihrem Herzen anstelle ihres Verstandes leiten zu lassen. Ich habe versucht, ihren Eigensinn zu zügeln …“ Seufzend schüttelte sie den Kopf. „Ich fürchte, die Schuld liegt größtenteils bei mir. Ich habe ihr viel zu viel Freiheit gelassen. Mein Gatte und ich haben sie sehr lieb gewonnen und werden sie schrecklich vermissen, wenn sie Indien verlässt.“
„Ich gehe davon aus, dass Sie Ihrer Aufgabe aufs Vortrefflichste nachgekommen sind, Mrs. Harris. Es muss schwierig sein, für das Kind eines anderen verantwortlich zu sein.“
„Sie ist kein Kind mehr, sondern eine erwachsene junge Dame. Ich kann nur hoffen, dass sie hier etwas gelernt hat, das ihr in ihrem neuen Leben von Nutzen sein wird.“
„Ich bin sicher, dass Sie alles Notwendige getan haben, um sie für die Reise vorzubereiten.“
Verärgert, weil sein Schützling nicht hier war, um ihn zu empfangen, stand William auf und trat hinaus auf die Veranda. Er war wenig angetan von der Aussicht, eine leicht zu beeindruckende Neunzehnjährige zu begleiten, auf einer Reise, die je nach Wind und Wetter fünf bis sechs Monate währen konnte. Er blickte mit einer gewissen Voreingenommenheit auf diese Reise.
William war von beeindruckender Gestalt. Mit neunundzwanzig Jahren war er der Erbe eines Marquess, er war auf dem prachtvollen Anwesen Cranford Park in Berkshire geboren und aufgewachsen. Als er vor fast zehn Jahren nach Indien gekommen war, hatte er zunächst für die East India Company gearbeitet, ehe er entschieden hatte, auf eigene Faust Geschäfte zu machen. Jetzt kehrte er nach England zurück, um ein paar dringende Familienangelegenheiten zu klären.
Als Miss Harris endlich eintraf, betrat sie nicht einfach das Haus, sondern zelebrierte einen regelrechten Auftritt. Sie blieb einen Moment an der Tür stehen, bevor sie in die Mitte des Raumes schritt und ihren Hut auf den nächsten Stuhl warf. William stand mit...




