E-Book, Deutsch, Band 0542, 256 Seiten
Reihe: Historical MyLady
Dickson Verführer oder Gentleman?
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86494-638-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0542, 256 Seiten
Reihe: Historical MyLady
ISBN: 978-3-86494-638-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Nimm dich in Acht vor ihm!' Die mahnenden Worte ihres Bruders im Ohr, betritt Juliet den Herrensitz ihres neuen Arbeitgebers. Dominic Lansdowne, Duke of Hawksfield, steht in einem üblen Ruf: Es heißt, er sei ein Verführer unschuldiger Mädchen und kenne keine Gefühle. Doch er zeigt sich so charmant, dass Juliet schnell alle Warnungen vergisst. Schon träumt sie von einem Leben an Dominics Seite, da macht er ihr ein verletzendes Angebot: Er möchte sie als Geliebte in seinem Schlafgemach, doch vor den Traualtar will er sie nicht führen. Tief enttäuscht flieht Juliet nach London ...
Helen Dickson lebt seit ihrer Geburt in South Yorkshire, England, und ist seit über 30 Jahren glücklich verheiratet. Ihre Krankenschwesterausbildung unterbrach sie, um eine Familie zu gründen. Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes begann Helen Liebesromane zu schreiben und hatte auch sehr schnell ihren ersten Erfolg. Sie bevorzugt zwar persönlich sehr die Zeit des Bürgerkrieges in England doch um ihren Lesern viel Abwechslung zu bieten, wählt sie auch andere geschichtliche Epochen für ihre Roman. Um für ihre historischen Liebesromane zu recherchieren, verbringt die Autorin viele Stunden in der Bibliothek. So lässt sie mit viel Fantasie und historischer Genauigkeit wunderschöne historische Liebesromane entstehen.
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1. KAPITEL
London – Sommer 1817
Das Fleet-Gefängnis ragte beängstigend empor. Unwillkürlich zog Juliet ihren Umhang enger um die Schultern und erschauerte, als sie das wuchtige Tor erreichte und eingelassen wurde. Wie sie dieses Gebäude hasste … Der Wachtposten kannte sie von ihren wöchentlichen Besuchen her und führte sie durch die Eingangshalle, am Büro der Wärter vorbei, zur Zelle ihres Bruders. Nachdem sie ihm die erforderliche Münze gegeben hatte, die er hastig einsteckte, drehte er den Schlüssel im Schloss herum.
Offenbar im Tiefschlaf, lag Robby auf der schmalen Pritsche. Verärgert über die Trägheit ihres Bruders, rüttelte Juliet unsanft an seinem Arm.
„Wach auf, Robby!“
Mit achtundzwanzig war ihr Halbbruder fünf Jahre älter als sie. Doch die Gefangenschaft zehrte an seinen Kräften, und nun musste sie stark sein, ihm beistehen, ihn trösten, sein Leid lindern. Denn trotz seines demonstrativen Gleichmuts spürte sie seine Verzweiflung, den Zorn gegen sich selbst, nachdem er so tief gesunken war.
Zu ihrer Erleichterung bewegte er sich wenigstens. Die Lider in seinem hageren Gesicht flatterten. Verwirrt schaute er sich um, als würde ihn sein Aufenthalt im Gefängnis überraschen. Dann entdeckte er sie, und seine Augen leuchteten voller Freude auf.
„Juliet! Ich muss eingenickt sein.“ Hastig schwang er die Beine über den Bettrand, richtete sich auf und strich sich durchs blonde Haar.
Weil er über seine Verhältnisse gelebt und eine fragwürdige Chance hatte nutzen wollen, saß er jetzt im Fleet. Der Vater hatte ihm alle Möglichkeiten geboten. Nach dem Abschluss seines Studiums bekundete Robby eine heftige Abneigung gegen die Geisteswissenschaften und gab die Stellung eines Geschichtslehrers an einer renommierten Knabenschule in Surrey auf. An seinem einundzwanzigsten Geburtstag trat er ein kleines Erbe mütterlicherseits an und reiste mit einigen Freunden durch Europa. Nachdem er sein Geld ausgegeben hatte, kehrte er nach Hause zurück.
Mit geistreichem Witz und jungenhaftem Charme begabt, zudem arrogant und eigensinnig, führte er auch weiterhin das Leben eines reichen, weltgewandten Gentleman, verbrachte seine Nächte mit Zechgelagen und lud seine Freunde viel zu großzügig ein. Er sah sehr gut aus. Zumindest schienen die Damen das zu finden, denn sie umschwirrten ihn wie Motten das Licht. Und er hatte sie mühelos umgarnt. Bis er schließlich wegen seiner enormen Schulden hinter Gittern gelandet war.
„Also wirklich, Robby, du solltest arbeiten, statt an diesem grässlichen Ort dem Müßiggang zu frönen.“ Angewidert rümpfte Juliet die Nase, entsetzt über den Gestank, der aus allen Ecken der Zelle drang.
„Natürlich will ich hinaus in die Freiheit“, murmelte er. „Aber was soll ich tun?“
Juliet legte ein Bündel auf den Tisch. „Da, ich habe dir was zu essen gebracht. Brot und Käse. Und ein paar Bücher, damit du dir die Zeit vertreibst.“
Liebevoll lächelte er sie an. „Ach, du und deine Bücher, Juliet … Was würdest du nur ohne sie machen?“
„Keine Ahnung. Was würden wir beide machen? Wegen meiner Liebe zur Literatur und dank des Unterrichts, den ich unserem Vater verdanke, kann ich Geld verdienen. Selbst wenn du darüber spottest – meine Fähigkeiten ermöglichen mir, die Wärter zu bezahlen, die dir gewisse Vergünstigungen bieten. Und weil ich dich aus diesem schrecklichen Gefängnis holen möchte, muss ich noch fleißiger arbeiten.“
Zerknirscht senkte Robby den Kopf. „Tut mir leid, Schwesterchen, ich weiß, wie du dich abrackerst, um die kleinen Annehmlichkeiten zu finanzieren, die ich hier genieße. Dafür bin ich dir dankbar – und stolz auf dich. Das wäre auch Vater, würde er noch leben. Du bist so klug und tüchtig … Wie geht es Sir John?“
„Deshalb kam ich hierher, um dir das zu erzählen. Ich habe meine Stellung bei ihm gekündigt und eine neue außerhalb von London gefunden.“
„Dann wirst du beschäftigt sein und mich nicht mehr besuchen.“
In seiner Stimme schwang bittere Enttäuschung mit, die ihr Herz rührte. „Nicht zu beschäftigt. Und das Haus liegt nicht allzu weit entfernt. Ich werde für den Duke of Hawksfield in Essex arbeiten. In der ersten Zeit kann ich dich nicht besuchen. Aber ich schreibe dir.“
Robbys Verblüffung wurde sehr schnell von Sorge verdrängt. „Meinst du Dominic Lansdowne?“
„Ja, ich glaube, so heißt er.“
„Ausgerechnet Dominic Lansdowne!“
„Kennst du ihn?“
„Nicht persönlich. Ich habe von ihm gehört. Während des Krieges hat er in Spanien gekämpft.“ Voller Angst um seine Schwester runzelte Robby die Stirn. „Ein attraktiver Lebemann. Anmaßend und arrogant, ein Verführer unschuldiger junger Damen. Ständig wird über ihn getratscht. Aber er lässt sich nur selten blicken. Falls die Klatschgeschichten stimmen, suchen der Duke of Hawksfield und seine Freunde unentwegt amouröse Abenteuer, wenn sie ihre Zeit in der Hauptstadt verbringen. Und wenn er sich nicht in den Londoner Spielsalons herumtreibt, hält er auf dem Land nach willfährigen Mädchen Ausschau, um seinen Appetit zu stillen.“
Erschrocken über diese wenig schmeichelhafte Beschreibung des Dukes, errötete Juliet. „O Gott, du rückst meinen künftigen Arbeitgeber in ein sehr schlechtes Licht.“
„Mit gutem Grund. Bist du ihm schon begegnet?“
„Nein, Sir Johns Empfehlung und mein Bewerbungsschreiben bewogen ihn, mich zu engagieren, ohne vorher mit mir zu sprechen. So ruchlos, wie du ihn darstellst, kann er nicht sein.“
„Tut mir leid, Juliet, genau so ist er. Du bedeutest mir sehr viel. Natürlich sorge ich mich um dich. Ich weiß, du kannst auf dich selber aufpassen. Aber einem Mann wie Dominic Lansdowne bist du nicht gewachsen. Zahllose Damen vergöttern ihn und finden ihn unwiderstehlich. Sei vorsichtig. Ganz sicher wird er dich nicht zu seiner Duchess machen.“
„Ich will auch gar keine Duchess sein, Robby, und ich möchte nur genug Geld verdienen, um dein Leben in diesem Gefängnis etwas angenehmer zu gestalten. Ein paar Monate musst du noch durchhalten.“
Dann verabschiedete sie sich von ihrem Halbbruder und überließ ihn seinen düsteren Gedanken.
Während Juliet die Stadt Brentwood in Essex hinter sich ließ, die sie vor ein paar Stunden mit der Postkutsche erreicht hatte, frischte der Wind auf und peitschte ihr Regentropfen ins Gesicht. Weil ihre Barschaft nur einen ungeschützten, leichten Wagen und keine geschlossene Kutsche gestattete, waren nach wenigen Minuten ihr Hut, ihr Umhang und das Kleid darunter durchnässt, und feuchte Haarsträhnen hingen ihr ins Gesicht.
Mr Carter, auf dessen Einspänner sie saß, hielt ihr eine Decke hin. „Tut mir leid wegen des Wetters, Miss. Aber keine Bange, bald sind Sie in Lansdowne House.“
„Das hoffe ich inständig, Mr Carter. Sonst wage ich mir gar nicht vorzustellen, wie ich bei meiner Ankunft aussehen werde. Oh, ich wünschte, ich wäre noch vor dem Einbruch der Dunkelheit an meinem Ziel.“
Dankbar nahm sie die Decke entgegen, legte sie um ihre Schultern und zog im strömenden Regen den Kopf ein. So gut es ging, versuchte sie, das Wasser in ihrem Kragen zu ignorieren, und konzentrierte sich auf ihre Umgebung.
Endlich erblickte sie ein hoch aufragendes Gebäude und seufzte erleichtert. Nachdem sie ein schmiedeeisernes Tor passiert hatten, folgten sie einer gewundenen Zufahrt zu einem Haus, das so stattlich und imposant wirkte, wie man sich die Residenz eines Herzogs vorstellte. Vor der dreistöckigen Fassade mit den bleiverglasten Fenstern prangte ein Säulenvorbau aus weißem Marmor.
Mr Carter hielt vor dem Eingang, sprang auf den Boden und half seinem Fahrgast, vom Wagensitz hinabzusteigen.
Ihr Umhang blieb an einem Nagel an der Seite des Einspänners hängen. Ärgerlich zerrte Juliet an dem Stoff und stieß einen leisen Schreckensschrei aus, als sie hörte, wie er zerriss. Vorerst konnte sie nichts gegen dieses Missgeschick unternehmen.
Resignierend ließ sie sich zur Haustür führen und dankte Mr Carter, der ihren Koffer unter dem Säulendach abstellte. „Am besten kehren Sie sofort um“, riet sie ihm. „Bald wird es dunkel. Und Sie haben eine lange Heimfahrt vor sich. Jetzt finde ich mich allein zurecht.“ Mr Carter nickte und wandte sich zum Gehen.
Bevor Juliet sich zur Tür wandte, schaute sie dem Einspänner nach. Diesem Moment hatte sie tagelang entgegengefiebert, und nun empfand sie ein seltsames Widerstreben, die Schwelle von Lansdowne House zu überqueren. Teils nervös, teils erwartungsvoll betätigte sie den Türklopfer aus Messing, der eine Löwenpfote darstellte.
In der Eingangshalle rührte sich nichts. Erstaunlich für ein so grandioses Herrschaftshaus, dachte Juliet. Sie ließ den Türklopfer ein zweites Mal gegen das Holz fallen. Noch immer erhielt sie keine Antwort.
Schließlich drückte sie auf die Klinke. Die Tür schwang lautlos auf. Nach einem tiefen Atemzug bezwang sie ihre Angst, trat ein und sah sich um. Nirgendwo tauchte ein Dienstbote auf.
Was für ein großartiges Domizil, dachte sie und blieb inmitten der prachtvollen Halle stehen. Fast ein Palast, in dem sie sich ziemlich deplatziert fühlte, als das Regenwasser von ihrer Kleidung auf den Marmorboden tropfte …
Eine geschwungene Treppe führte nach oben, mit blank polierten Geländern, die im...




