E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Die BOUNTY war sein Schicksal
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-86312-078-8
Verlag: Primus-Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Das abenteuerliche Leben des William Bligh
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
ISBN: 978-3-86312-078-8
Verlag: Primus-Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Der 28. April 1789 war ohne Frage der schwärzeste Tag im Leben von William Bligh. Eine Gruppe von Meuterern unter Führung von Fletcher Christian riss das Kommando über Seiner Majestät Transportschiff BOUNTY an sich und setzte den Kapitän zusammen mit 18 Getreuen mitten im Pazifischen Ozean aus. Es gab in der Geschichte der Seefahrt zahlreiche andere, blutigere Meutereien, dennoch hat keine andere Rebellion an Bord eines Schiffes die Gemüter der Menschen so fasziniert wie die Ereignisse auf der BOUNTY. Jann Markus Witt erzählt in diesem Buch nicht nur die Geschichte der Meuterei auf der Bounty, sondern beleuchtet das abenteuerliche Leben des William Bligh. 225 Jahre nach der Meuterei auf der BOUNTY ist es an der Zeit, mit der vorliegenden biographischen Skizze eine nuancierte Darstellung zu präsentieren, um William Bligh und seine unbestrittenen Leistungen mit der Achtung, aber auch der Kritik zu würdigen, die er verdient.
Dr. Jann M. Witt ist Historiker des Deutschen Marinebunds am Marine-Ehrenmal in Laboe und Fregattenkapitän der Reserve.
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„Ein Gentleman zur See“
Offiziersanwärter in der Royal Navy
William Bligh wurde am 9. September 1754 vermutlich in der südwestenglischen Hafenstadt Plymouth als Sohn des Zolloffiziers Francis Bligh geboren. Im Alter von 32 Jahren hatte dieser im Oktober 1753 die acht Jahre ältere Witwe Jane Pearce geheiratet. William war offenbar das einzige Kind aus dieser Ehe. Er verlor seine Mutter, als er 15 Jahre alt war. Sein Vater heiratete noch zwei Mal, bevor er 1780 im Alter von 59 Jahren verstarb. Die Familie stammte aus Cornwall. Im 16. Jahrhundert hatten die Blighs dort in der kleinen Stadt Bodmin gelebt, wo mehrere von ihnen das Amt des Bürgermeisters innegehabt hatten. Im Jahre 1680 war die Familie nach St. Tudy übergesiedelt. Unter William Blighs Vorfahren und Verwandten waren Adelige, Beamte und Seeoffiziere, darunter Admiral Sir Richard Rodney Bligh (1737–1821). Kindheit und Jugend
Über William Blighs Kindheit und Jugend ist nicht viel bekannt, doch hat es den Anschein, dass er eine gute und umfassende Schulbildung genoss. Er besaß eine natürliche Begabung für Mathematik und zeigte zudem als Erwachsener ein weitgefächertes wissenschaftliches Interesse. Schon früh zeichnete sich ab, dass William Bligh die Laufbahn des Marineoffiziers einschlagen würde. Ob dies sein eigener Wunsch war, ist unbekannt. Allerdings war ihm der Anblick von Kriegsschiffen seit seinen frühesten Kindheitstagen vertraut. Damals wie heute war Plymouth einer der wichtigsten Stützpunkte der Royal Navy, die hier seit 1691 eine eigene Werft für die Reparatur und Wartung von Kriegsschiffen unterhielt. Da sein Vater als Zolloffizier zu den Gentlemen zählte, besaß William Bligh überdies den richtigen gesellschaftlichen Hintergrund für eine erfolgreiche Offizierskarriere in der Royal Navy. Denn der Dienst als Seeoffizier galt für Söhne aus der Mittelschicht und aus verarmten Adelsfamilien damals als standesgemäße und gesellschaftlich angesehene Profession. Während Bligh in Plymouth aufwuchs, tobte von 1756 bis 1763 der Siebenjährige Krieg. Es war der wohl folgenreichste Konflikt des 18. Jahrhunderts und zugleich der erste weltumspannend ausgetragene Krieg europäischer Mächte. Während Preußen und Österreich in Europa um den Besitz Schlesiens kämpften, rangen Großbritannien und Frankreich um die Vorherrschaft in Indien, Nordamerika und der Karibik. Von Anfang an wurde der Siebenjährige Krieg auch auf See ausgefochten. Großbritanniens Stärke beruhte vor allem auf der Schlagkraft seiner Marine. Die Schiffe der Royal Navy segelten und kämpften im 18. Jahrhundert weltweit auf allen Meeren – in den europäischen Gewässern ebenso wie in Indien, Nordamerika und in der Karibik. Durch den Niedergang des spanischen Kolonialreichs war ein Machtvakuum entstanden, in das nun England und Frankreich drängten, die weltweit um die koloniale Vorherrschaft rangen. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts hatten die Briten ihre klassische Seekriegsstrategie entwickelt, nach der die Royal Navy die Aufgabe hatte, die britischen Inseln vor einer Invasion zu schützen und die Kontrolle über die Seewege zu erringen. Daher versuchten die britischen Kriegsschiffe, den Feind in seinen eigenen Häfen zu blockieren. Sollte der gegnerischen Flotte dennoch das Auslaufen gelingen, war es das Ziel der Royal Navy, diese so schnell wie möglich zur Schlacht zu stellen und zu vernichten. Demgegenüber war Frankreich in erster Linie eine Kontinentalmacht, weshalb die Franzosen ihre Marine als eine im Vergleich zu ihren Landstreitkräften zweitrangige Waffe betrachteten und folglich versuchten, ihre Kriege mit ihrem Heer an Land und nicht mit ihrer Flotte auf See zu gewinnen. Im Siebenjährigen Krieg stieg Großbritannien zur weltweit bedeutendsten See- und Kolonialmacht auf. In dem am 10. Februar 1763 geschlossenen Frieden von Paris verlor Frankreich Kanada, seine indischen Besitzungen mit Ausnahme von fünf Hafenplätzen, dazu die westindischen Inseln St. Vincent, Dominica und Tobago, während Spanien, das erst kurz vor Kriegsende auf der Seite Frankreichs in den Konflikt eingetreten war, ihre Kolonie Florida an die siegreichen Briten abtreten musste. Wenige Monate vor Ende des Siebenjährigen Kriegs, am 1. Juli 1762, wurde der damals siebenjährige William Bligh in die Musterrolle des mit 64 Kanonen bewaffneten Linienschiffs MONMOUTH eingetragen. Damit gehörte er offiziell zur Besatzung des Zweideckers, auch wenn er vermutlich nie einen Fuß an Bord setzte. Williams ältere Halbschwester Mary, Jane Blighs Tochter aus erster Ehe, war mit John Bond, dem Schiffsarzt der MONMOUTH, verheiratet. Er war es offenbar gewesen, der dafür gesorgt hatte, dass Bligh auf die Mannschaftsliste des Schiffes gesetzt wurde. Dies war damals eine illegale, aber allgemein übliche Praxis, angehenden Marineoffizieren auf dem Papier zusätzliche Seefahrtszeit zu verschaffen, um eine spätere Beförderung zum Leutnant zur See zu beschleunigen. Seit dem 17. Jahrhundert war im Krieg zur See an die Stelle eines reinen Handelskriegs mehr und mehr der Kampf großer Flotten aus speziell erbauten, mit Kanonen bewaffneten Kriegsschiffen getreten. Im Laufe der Zeit hatten sich verschiedene Kriegsschiffstypen entwickelt, die für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt wurden. Große Kriegsschiffe wie die MONMOUTH mit zwei oder drei Kanonendecks wurden als „Linienschiffe“ bezeichnet, da sie groß genug waren, um in der Schlachtlinie zu kämpfen. Indem sie im Gefecht hintereinander in Kiellinie segelten, konnten die Linienschiffe ihre Geschütze optimal einsetzen, ohne sich gegenseitig zu behindern. Die schnellen Fregatten besaßen dagegen nur ein Kanonendeck und wurden hauptsächlich für Aufklärungszwecke oder die Jagd auf feindliche Handelsschiffe eingesetzt. Kleiner als Fregatten waren die Korvetten, in der Royal Navy gewöhnlich als Sloops bezeichnet. Sie waren als Vollschiff oder Brigg getakelt und wurden ähnlich wie die Fregatten zur Aufklärung und im Handelskrieg eingesetzt. Darüber hinaus gab es noch eine Vielzahl kleinerer Kriegsschiffe, wie Kanonenbriggs, Schoner, Kutter sowie bewaffnete Transportschiffe. Eine große Flotte wie die Royal Navy benötigte eine effektive Verwaltung. Die oberste Verwaltungs- und Kommandobehörde der Royal Navy war die Admiralität. Keine andere Marine, auch nicht die französische, verfügte über eine vergleichbare Institution. Im Admiralty Office in Whitehall, dem Herz und Hirn der britischen Marine, liefen alle Fäden zusammen. An der Spitze der Admiralität stand der Erste Lord oder Marineminister. Seine Position war sowohl administrativ als auch politisch. Er wurde vom Premierminister ernannt und war Mitglied des Kabinetts. Dennoch wurde der Posten des Ersten Lords oft mit einem Admiral besetzt, denn es war damals nicht ungewöhnlich, dass Marineoffiziere im Parlament saßen oder politische Ämter übernahmen. Neben der Admiralität existierten noch weitere Marinebehörden, darunter das Navy Board, in dessen Verantwortung alle technischen und finanziellen Angelegenheiten der Royal Navy fielen, das für die Versorgung mit Lebensmitteln zuständige Victualling Board, das für das Gesundheitswesen maßgebliche Sick and Hurt Board sowie das für die Bewaffnung verantwortliche Ordnance Board, das jedoch nicht der Admiralität unterstand, sondern eine eigenständige Behörde bildete. Eintritt in die Royal Navy
Erst nach dem Tod seiner Mutter begann der 15-jährige William Bligh am 27. Juli 1770 an Bord der kleinen, mit zehn Kanonen bewaffneten Sloop HUNTER tatsächlich seinen Dienst in der Royal Navy. Weil es dort keine freie Stelle als Fähnrich zur See oder Midshipman gab, wurde er als Vollmatrose in die Musterrolle eingetragen. Da in der Royal Navy im 18. Jahrhundert noch keine formalisierte Offiziersausbildung existierte, besaßen die britischen Kriegsschiffskommandanten das Recht, selbst Offiziersanwärter an Bord zu nehmen. Die amtlich festgelegte Anzahl der Midshipmen an Bord eines Kriegsschiffs reichte von zwei an Bord einer kleinen Sloop bis zu 24 auf einem Linienschiff Erster Klasse. Allerdings war es nicht ungewöhnlich, dass Kommandanten über die offizielle Zahl von Midshipmen hinaus die Söhne von Freunden und Verwandten an Bord nahmen. Diese taten, wie im Falle Blighs, zwar Dienst als Offiziersanwärter, wurden aber in den Mannschaftslisten offiziell als Able Seaman oder „Vollmatrose“ geführt, bis sie offiziell auf die Position eines Midshipman aufrücken konnten. Wie die meisten Matrosen gingen auch die Midshipmen in der Regel im Alter von zehn bis 15 Jahren auf ihre erste Reise. Für die seemännische Ausbildung war es sicherlich von Vorteil, dass die Offiziersanwärter bereits als Jungen an Bord kamen, doch fehlte es ihnen aufgrund ihrer begrenzten Schulbildung häufig an den nötigen mathematischen Kenntnissen für die komplizierten navigatorischen Berechnungen. Wie die einfachen Seeleute erwarben auch die angehenden Marineoffiziere ihre beruflichen Kenntnisse in erster Linie durch praktische Erfahrung auf See. Sie wurden als Unteroffiziere eingesetzt und mussten bei den Segelmanövern nicht nur die Aufsicht führen, sondern auch an der Seite der Mannschaft...




