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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 100 Seiten

Reihe: Gaslicht und Irrlicht

- Die Geistermühle

Gaslicht und Irrlicht 2 - Mystikroman
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98986-872-4
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Gaslicht und Irrlicht 2 - Mystikroman

E-Book, Deutsch, Band 2, 100 Seiten

Reihe: Gaslicht und Irrlicht

ISBN: 978-3-98986-872-4
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In diesem spannenden Doppelband 'Gaslicht & Irrlicht' werden die Leser in eine Welt voller Geheimnisse und unheimlicher Legenden entführt. Gaslicht: Die Protagonistin wird in einen mysteriösen Fall verwickelt, der sie in die dunklen Schatten der Vergangenheit einer Stadt führt. Intrigen und unerwartete Wendungen zeichnen diese packende Erzählung aus, in der das Gaslicht mehr ist als nur eine Beleuchtung - es birgt auch gefährliche Geheimnisse. Irrlicht: Parallel dazu folgt die Geschichte von unheimlichen Lichtern, die Wanderer in die Irre führen. Ein unerklärliches Licht zieht die Protagonisten in ein Abenteuer, das sie an die Grenzen ihrer Vorstellungskraft bringt. Der Roman verwebt Mythos und Realität und hält die Leser bis zur letzten Seite in Atem. Gemeinsam bieten diese Erzählungen ein fesselndes Leseerlebnis, das die Themen von Schatten, Geheimnissen und übernatürlichen Phänomenen meisterhaft miteinander verknüpft. E-Book 1: Die Geistermühle E-Book 2: Das Cottagedes Verderbens

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Silvia machte einen Hechtsprung, um den Akku aufzuheben, damit er sich nicht noch einmal selbstständig machen konnte. Sie hatte diese Spielchen langsam satt, sie machten ihr Angst, weil alles so völlig unberechenbar für sie geschah. Leider erreichte sie den Akku nicht, sondern prallte gegen ein unsichtbares Hindernis. Ein raues Lachen ertönte, das ihr eine Gänsehaut den Rücken hinunterlaufen ließ. Mit Tränen in den Augen, teils aus Angst, teils aus Wut, versuchte sie es noch einmal. Sie wurde zurückgeschubst und landete unsanft auf dem Po. »Lassen Sie mich endlich in Ruhe!« Ihre Stimme war so leise, dass sie selbst Mühe hatte, sie wahrzunehmen. Da segelte auch schon ein Kissen durch die Luft und presste sich auf ihr Gesicht. Keuchend, mit den Armen rudernd, um sich zu befreien, rang Silvia nach Luft. Jetzt war es also so weit ... So war es, wenn man starb ... Old Henry wollte sein Werk vollenden. Sie musste sterben wie seine Tochter ...

Silvia schaute zum wiederholten Male auf die Uhr. Wo blieb Thomas nur? Es lohnte sich nicht, dass sie ins Atelier zurückging, wie sie das kleine Zimmer ihrer Wohnung großspurig nannte. Es krachte bereits aus allen Nähten, denn ihr Material war ziemlich umfangreich geworden. Zum Malen kam sie kaum noch, weil sie immer erst Platz schaffen musste, um sich zu rühren.

Jedenfalls müsste sie sich umziehen, um ein bisschen weiterzumachen. Falls Thomas mit ihr zum Essen ausgehen wollte, bedeutete es, Zeit zu verlieren. Dabei war es bereits Abend.

Natürlich respektierte Silvia, dass ihr Freund viel Arbeit hatte. Er nahm seinen Beruf als Ingenieur in einer großen Elektronik-Firma sehr ernst. Manchmal fragte sie sich allerdings, wie sie sich ausgerechnet in einen solchen Vernunftmenschen hatte verlieben können. Sie als Malerin sah die Welt mit ganz anderen Augen als Thomas. Doch vielleicht machte das gerade den Reiz aus …

In letzter Zeit erschien er ihr in der Tat etwas gereizt. Immer wenn Silvia ihn nach den Gründen fragte, wich er aus. Er hatte sie doch nicht etwa schon satt? Wenn sie darüber nachdachte, hatte er von gemeinsamer Zukunft schon lange nicht mehr gesprochen. Interessierte er sich vielleicht inzwischen für eine andere und traute sich nur nicht, ihr das zu sagen? Silvia beschloss, ihn heute Abend noch einmal darauf anzusprechen. Es hatte keinen Sinn, solche Dinge auf die lange Bank zu schieben. Allerdings wurde ihr bei den verschiedenen Möglichkeiten einer Antwort ganz schwach in den Knien.

Endlich klingelte es. Sie stürzte zur Tür und öffnete.

»Hallo, Silvia. Hast du schon lange gewartet?«

Die Frage verschlug ihr fast den Atem. Er wusste doch, dass sie auf ihn gewartet hatte! Immerhin hatte er ihr mitgeteilt, dass er vielleicht schon gegen halb sieben bei ihr sein würde!

»Nein, gar nicht. Wie du siehst, komme ich gerade aus dem Atelier.«

Jetzt sah er überrascht aus. Sie trug eine Seidenhose und eine ärmellose Bluse. Ihre Antwort war also genauso unsinnig wie seine Frage.

»Bist du sauer?«

»Nein, nur verwundert über deine Frage. Gehen wir essen?«

»Oh, ja, eine gute Idee.«

Bisher hatte er sie weder in den Arm genommen noch geküsst. Jetzt stand er schon wieder im Treppenhaus, als könne er es gar nicht erwarten wegzukommen. Silvia nahm wortlos ihre Jacke von der Garderobe und folgte ihm.

Er führte sie in ein elegantes Restaurant, das sie noch nie gemeinsam besucht hatten. Sie wunderte sich über seine Großzügigkeit, denn normalerweise war Thomas eher sparsam und achtete streng darauf, für sein gutes Geld auch einen entsprechenden Gegenwert zu bekommen.

Er erzählte sehr lebhaft von einem Roman, den er gerade las, von einem neuen Kollegen, von der Expansion seiner Firma, und als er dann noch begann, begeistert vom Wetter zu sprechen, unterbrach ihn Silvia abrupt.

»Sag mal, was ist hier eigentlich los?«

Er sah sie mit einem irritierten Blick an und spießte dann einen Scampi auf seine Gabel.

»Thomas, du weichst mir aus.«

»Ich weiche dir nicht aus! Ich verstehe nur nicht, was du überhaupt meinst.«

»Seit wann drücke ich mich denn so unklar aus?«

»Nun werd nicht gleich aggressiv, Silvia. Ich meine ja nur, dass du mir schon seit einigen Tagen etwas nervös vorkommst.«

»Jetzt dreh den Spieß aber nicht um, Thomas! Du bist es doch, der mir ständig ausweicht. Und über das Wetter hast du mich noch nie so begeistert unterrichtet wie eben. Ich sehe schließlich selbst, dass es ein schöner Abend ist.«

»Bitte, dann sage ich gar nichts mehr. Schmeckt dir das Essen denn wenigstens?«

»Ja, danke. Es ist ausgezeichnet.«

Wenn er Konversation betreiben wollte, bitte, das konnte er haben. Wahrscheinlich würde sie heute Nacht Magendrücken bekommen, weil sie das wirklich delikate Essen natürlich nicht genießen konnte. Aber essen wollte sie es bis zum letzten Krümel. Möglicherweise war es ja das Letzte, was sie gemeinsam mit Thomas zu sich nahm.

Schon wieder packte sie dieser trübe Gedanke mit aller Macht. Sie beobachtete ihn, wie er jetzt einen Schluck Wein trank und dabei die Augen für Sekunden genießerisch schloss. Thomas sah wirklich gut aus mit den dunklen Haaren, dem schmalen Gesicht und der geraden Nase. Immer war er tipptopp gekleidet, auf solche Dinge legte er großen Wert. Sein grauer Anzug saß hervorragend, das Hemd war blütenweiß, die Krawatte, handgenäht und aus Seide, passte dazu und verlieh dem Ganzen noch den gewissen Chic, denn sie war sehr farbig.

»Was siehst du mich so an? Habe ich vielleicht einen Fleck auf der Krawatte?«

»Nein. Ich dachte nur, dass sie gut aussieht.«

»Ja, danke. Das finde ich auch. Ich habe sie mir gestern erst gekauft.«

»So spendabel? Hast du eine Gehaltserhöhung bekommen?«

»Nein …«

Jetzt machte er ein so undurchdringliches Gesicht, als sei sie ihm mit dieser Frage zu nahegetreten. Silvia schluckte eine Bemerkung herunter und aß hastig weiter. Heute würde es noch einen beispiellosen Krach geben, oder aber alles löste sich in Wohlgefallen auf, indem er bei ihr blieb. Jedenfalls war das ein anderer Abend als gewöhnlich.

Nach dem Mokka verlangte Thomas die Rechnung, ohne sie zu fragen, ob sie noch ein wenig sitzen bleiben wolle. Hatte er noch weitere Überraschungen parat? Silvia wartete gespannt. Er zahlte – die Rechnung war diskret unter einer Serviette verborgen gewesen, in die er nun auch das Geld hineinschob – dann sah er sie fragend an.

»Können wir?«

»Ja, sicher.«

Im Auto schaltete er sofort den Motor an und fuhr los. Es war der Weg zu ihrer Wohnung.

»Kommst du noch mit hinauf?«

»Tut mir leid, aber ich muss morgen ganz früh hoch. Es ist immerhin schon nach elf.«

»Ach so. Ich wusste nicht, dass du neuerdings so viel Schlaf brauchst. Weißt du, Thomas, wenn du mir immer noch erzählen willst, dass alles in Ordnung ist, dann vergiss es. Ich glaube dir kein Wort mehr. Du benimmst dich ausgesprochen komisch.«

»Na gut, ich komme noch kurz mit hinauf.«

»Oh, danke, aber wenn es ein Opfer ist, lass es lieber.«

Jetzt war sie ernsthaft böse.

Thomas ließ es sich nicht nehmen, mit auszusteigen.

Schweigend stiegen sie die Treppen hinauf. Silvia schloss die Wohnungstür auf. Wie immer kam ihr der Geruch nach Farbe und Terpentin entgegen, den sie so liebte, und der sie willkommen hieß.

Heute schaltete sie im Wohnzimmer gleich die große Lampe an. Kein Kerzenlicht, keine Musik, bevor sie nicht wusste, was er plante.

Thomas schien das ganz recht zu sein. Er setzte sich in den Sessel statt auf das Sofa. Es war klar, dass er nicht schmusen wollte. Dann schaute er auf seine Hände hinunter.

»Möchtest du noch etwas trinken?«, fragte Silvia jetzt, ganz höfliche Gastgeberin.

»Nein, danke. Ich … muss dir etwas sagen.«

Na also, sie hatte es doch gewusst. Ihr Herz machte einen Satz und schien im Hals stecken bleiben zu wollen. Auf jeden Fall schlug es heftiger und nahm ihr den Atem.

»Silvia, ich …, wir können uns für einige Zeit nicht sehen.«

Für einige Zeit. Er wollte also nicht endgültig Schluss mit ihr machen, was ja schon eine gewisse Beruhigung für sie war.

»Für wie lange und warum?«, fragte sie mit hohler Stimme. Aber wenigstens zitterte sie nicht.

»Für ungefähr … ein Jahr. Vielleicht auch etwas länger.«

»Für ein Jahr?«, fragte sie zurück.

Es erschien ihr ungeheuerlich, wie er dabei so ruhig bleiben konnte.

»Ja, ich gehe für ein Jahr in die Staaten. Meine Firma hat es mir angeboten. Ich muss das machen, um beruflich weiterzukommen.«

»Seit wann weißt du das?«

Eine dumpfe Ahnung ließ sie die Luft anhalten. Und da kam auch schon die gefürchtete Antwort.

»Schon seit einiger Zeit. Ich wusste nur nicht, wie ich es dir sagen sollte.«

»Wann gehst du?«

»Übernächste Woche.«

Silvia hatte das Gefühl, als würde jemand sie unter Wasser tauchen. Sie rang nach Luft. Er hatte also schon lange gewusst, dass er übernächste Woche nach Amerika gehen würde. Er hatte es nicht für nötig gehalten, mit ihr darüber zu sprechen. Dabei bezeichnete er sich doch als ihr Freund und hatte sogar gemeinsame Pläne für sie entwickelt. Sie wollten zusammenleben, in einer großen Eigentumswohnung oder in einem Haus. Und jetzt fragte er sie nicht einmal, wie sie darüber denke, wenn er für ein Jahr wegging …

»Ich wusste, dass du es nicht verstehen würdest. Deshalb habe ich auch so lange gewartet, bis alles klar war.«

»Auf die Idee, dass du mit mir darüber hättest sprechen müssen, ob du es überhaupt machst,...



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