E-Book, Deutsch, Band 8
Reihe: Die Hand Gottes
Die Totenhand. Band 3
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96130-577-3
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Fortsetzung von "Der Graf von Monte Christo"
E-Book, Deutsch, Band 8
Reihe: Die Hand Gottes
ISBN: 978-3-96130-577-3
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Geschichte um den jungen Edmond Dantès, der durch ein Komplott von missgünstigen Neidern aus dem höchsten Glück in den tiefsten Abrgund geschleudert wird und schließlich, nach vierzehn Jahren unverschuldeter Kerkerhaft zurückkehrt, um als mysteriöser Graf von Monte Christo Rache zu üben an seinen Peinigern, ist den meisten bekannt. Doch kaum jemand weiß, dass es eine Fortsetzung dieser Geschichte mit gleichsam umgekehrten Vorzeichen gibt. Hier nun wird der ehemalige Rächer zum Ziel der Vergeltung, denn seine erbarmungslosen Handlungen haben ihrerseits die Schicksale Unschuldiger beeinflusst. Und so setzt sich die Geschichte der Rache fort... Dieses ist der dritte von drei Bänden.
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I. Die Grotte Monte Christos.
Während der Gondolier, den Kopf so niedergebeugt, daß man sein Gesicht nicht sehen konnte, sich, wie wir erwähnten, mit unverkennbarer Ungeschicklichkeit der Arbeit des Ruderns hingab, wendete sich Max gegen Valentine und deutete mit der Hand auf das kleine Handelsfahrzeug. »Was ist das für ein Schiff, das dort in geringer Entfernung von uns liegt und dem unsere Gondel zuzusteuern scheint?« fragte er sie. »Ei, ei,« sagte Valentine lachend, »es scheint, als besäße ich mehr Kenntnisse vom Seewesen als Du! – Das ist die Yacht, die Bonace.« »Es scheint aber, als führe die Gondel gerade darauf zu! – Schon ist das Land weit zurück.« »Oh, wenn der Gondolier fortfährt, sich die Stirn so zu trocknen wie eben jetzt, so haben wir alle Ursache, zu glauben, daß wir heute abend nicht zu der kleinen Yacht gelangen,« sagte Valentine. »Solltest Du vielleicht den Gedanken verwirklichen wollen, zu dessen Anerkennung Du mich bestimmt hast?« »Nun, laß hören! – Was würdest Du sagen, Max, wenn die Nacht uns aus dem Adriatischen Meere hinausbrächte?« »Ei, ich begreife sehr gut! – Ich sehe, daß ich Dein Gefangener bin,« murmelte Max, indem er ihre Hand ergriff und aufstand, denn schon erreichte der Kiel der Gondel die kleine Yacht. Der Gondolier schien in diesem Augenblicks sehr in Verlegenheit darüber zu sein, was er zu tun hätte, um auf schickliche Weise anzulegen; aber seine Verwirrung steigerte sich noch, als Max ihm auf die Schulter klopfte, und nachdem Valentine bereits zu der Yacht hinaufgestiegen war, ihn anreden zu wollen schien. Der Mond, der bisher durch einige Wolken verdunkelt gewesen war, funkelte plötzlich an einem durchsichtigen blauen Himmel und beleuchtete mit seinem melancholischen Lichte alle Gegenstände der Schöpfung. Max brach in ein lautes Gelächter aus, als er das Gesicht des Gondoliers erkannte. »Signor Giovanni Gradenigo!« rief er halblaut. »Was soll das heißen, mein Herr? Sie scheinen sehr sonderbare Launen zu haben. Welchem Umstande verdanke ich die unerhörte Ehre, so durch Sie bis hierher gefahren worden zu sein? – Oh, ich will nicht, daß eine solche Gefälligkeit in den Schatten der Nacht begraben bleibe; – ich werde meine Frau bitten, Ihnen ihre Danksagungen darzubringen.« Bei diesen Worten wollte er Valentine rufen, aber er ließ sich durch die bittenden Bewegungen Giovanni Gradenigos zurückhalten. »Herr Morrel,« sagte Giovanni ebenfalls mit leiser Stimme, »ich finde mein Vergnügen an allen überspannten Dingen, und wenn ich Sie bis hierher ruderte, so geschah das ganz einfach, um mich in dem Geschäfte des Gondoliers zu üben.« »Des Gondoliers! – Sie sind also zu Grunde gerichtet, da Sie ein solches Geschäft übernehmen wollen?« sagte Max mit dem Tone des beißendsten Spottes. »Sie tun sehr wohl, mein Lieber, in diesem Falle Ihrem aristokratischen far niente Lebewohl zu sagen. – Ich hatte schon einmal die Ehre, Ihnen zu erklären, wie ein Franzose jeden zu züchtigen wissen würde, der ihn beleidigt; jetzt muß ich Ihnen auch noch zeigen, wie großmütig das Herz eines Franzosen dem fremden Unglück gegenüber ist. – Hier haben Sie meine Börse!« Damit warf er zu den Füßen Giovannis eine goldgefüllte Börse nieder. Der stolze junge Mensch erbebte vor Unwillen und weinte vor Wut, als hätte er eine Maulschelle bekommen. Max sagte hierauf mit lauter Stimme: »Gute Nacht, Signor Gradenigo! St. Antonius möge Sie beschützen!« * Nach Verlauf von zwei Tagen der Fahrt hatte die Yacht Bonace die Insel Elba umsegelt und befand sich einigen steilen Felsen gegenüber, deren ausgezackte Gipfel gegen den Himmel, welchen die ersten Strahlen der Sonne röteten, auf eine ziemlich phantastische Weise abstachen. Es war die Insel Monte Christo. Valentine stützte sich auf den Arm ihres Max und betrachtete voll Ruhe diese einsamen Felsen, welche allmählich, indem die Nacht ihnen näher kam, riesige Verhältnisse annahmen. Was jetzt in dem Herzen Valentines vorging, war sicher sehr verschieden von dem, was Max empfand, Ihre Gefühle hatten nichts gemein miteinander. Max war aufgeregt im Angesicht dieser Felsen, der stummen und regungslosen Hüter eines ungeheuren Schatzes! Valentine schien sich in dem Gedanken zu gefallen, daß diese Felsen unter ihrer riesigen Leiche schon nichts mehr verbargen als einen Aschenhaufen!« Als die Yacht den Anker in der kleinen Bucht auswarf, welche eine sichere Zufluchtsstätte für jedes Fahrzeug bot, das die öde Insel besuchte, sprach Max den Wunsch aus, sogleich zu landen. Valentine machte ihn darauf aufmerksam, daß die Dunkelheit bald anbrechen würde, daß der Weg, der zu dem unterirdischen Palast führt, sehr schlecht sei, und daß es deshalb besser wäre, erst am nächsten Morgen an das Land zu gehen. Max willigte ein, und man brachte die Nacht an Bord zu. Werfen wir inzwischen einen Blick auf das, was im Innern der Insel vorging. Am Fuße eines der Felsen im Mittelpunkte des Eilandes war ein Portal angebracht, welches durch zwei prachtvolle Marmorsäulen von jonischer Ordnung getragen wurde. Zu beiden Seiten bildeten die ungeheuren Granitmassen, an die noch kein Meißel gelegt worden war, einen sonderbaren Kontrast zu dem Reichtum und der Eleganz dieses Portales. Dann folgte eine Treppe, ebenfalls von Marmor, die zu einem unterirdischen Saale führte, in welchem mehrere Verbindungstüren sich zeigten. Dieser Saal empfing sein Licht durch vier in den Felsen gebrochene Öffnungen, die zugleich auch der freien Luft den Zutritt gewährten. Betrachtete man mit einiger Aufmerksamkeit diesen Raum, so konnte man leicht erkennen, daß ganz kürzlich eine zerstörende Hand hier alles vernichtet hatte, was die Kunst, unterstützt durch den Geschmack und den Reichtum, Schönes und Wunderbares hervorzubringen vermag. Noch standen auf ihren prachtvollen Sockeln die herrlichen Bildsäulen, die wir kennen, rings an den Wänden umher, an denen sich die Überreste einer reichen Tapete von Damast und Brokat zeigten. Ein schöner persischer Teppich lag zusammengerollt in einer Ecke; weiche Kissen, prachtvolle Ottomanen waren hier und dort umhergeworfen und vollendeten das eigentümliche Bild der Unordnung und des Reichtums, welches das Innere der Grotte Monte Christos zeigte. Benedetto war der einzige Bewohner dieses Ortes. Er ging von einem Ende des Saales zum andern auf und nieder, als ein Mensch, der rasch die Treppe herabkam, ihn in seinen Betrachtungen störte. »Meister,« sagte der Ankommende, »man hat soeben eine kleine Yacht in der Bucht gegen Morgen vor Anker erblickt.« »Ist das alles, Peppino?« fragte Benedetto. »Der Name des Fahrzeugs ist bekannt,« entgegnete Peppino. »Pietro, den wir von dem Lido mitbrachten, gab mir die Versicherung, er erkenne in der Yacht Bonace.« »Und ich kann Dir die Versicherung geben, daß es nicht die Yacht Sindbads, des Seemanns, ist. Also geht alles gut, sind die sämtlichen Ballen eingeschifft?« »Alle! Unser Fahrzeug liegt, wie Sie wissen, in der Bucht gegen Abend vor Anker; die neuen Ankömmlinge haben daher unser Gehen und Kommen nicht bemerken können, indes wäre es doch wohl klug, wenn Sie sich einschifften, vorausgesetzt, daß Sie hier durch nichts mehr zurückgehalten werden. Die Grotte ist ausgeräumt; was sie Wertvolles enthielt, ist in unseren Händen; was haben wir also noch weiter hier zu tun?« »Rocca Priori,« sagte Benedetto, nachdem er einige Augenblicke überlegt hatte, »sagtest Du mir nicht, daß der Weg, welcher von hier zu der Bucht gegen Abend führt, viel kürzer ist als der nach der Bucht gegen Morgen?« »Ohne Zweifel!« »Nun gut, so bilde aus dem, was hier noch übrig bleibt, in dem anstoßenden Saale einen Scheiterhaufen.« Peppino, der daran gewöhnt war, zu gehorchen, erfüllte den Befehl Benedettos, während dieser mit eigener Hand zu dem Scheiterhaufen die Bildsäulen trug, welche die Mauern verzierten. Nach wenigen Minuten war das Geschäft beendigt. »Jetzt,« sagte Benedetto, »tue dieses Pulver hinzu und hilf mir, davon eine Linie zu ziehen.« Diese Arbeit wurde ebenso schnell verrichtet wie die erste. »Das Fest ist bereitet, um den Eigentümer dieses wunderbaren Palastes zu empfangen,« rief Benedetto feierlich. »Er komme, wann er will – um bei dem Schein der Flammen die Worte zu lesen, die ich hier in die Mauer schreibe.« Indem er so sprach, ergriff er ein Stück Holzkohle und schrieb mit großen Buchstaben an die Hauptmauer einige Worte, welche Peppino wegen der Dunkelheit, die schon in dem Innern der Grotte sich verbreitete, nicht zu lesen vermochte. Am nächsten Morgen gingen Valentine und Max von der kleinen Yacht an das Land und dem Eingang der Grotte zu. Während sie Arm in Arm vorwärts schritten, schien ein Mann sie zu beobachten, der mit großer Leichtigkeit von Fels zu Fels sprang und sich hinter dem Gesträuch verbarg, während er der Richtung des Weges folgte, den sie einschlugen. Dieser Mann, dessen Augen funkelten wie die des Tigers, wenn er die Bewegungen seiner Beute belauert, ließ sie, ohne ihnen weiter zu folgen, gehen, sobald er die Überzeugung gewonnen hatte, daß sie der Grotte zuschritten; und als er sie in einer gewissen Entfernung von sich erblickte, machte er einen Bogen, ließ sich an dem Felsen hinabgleiten und eilte auf einem Wege vorwärts, der an einem der fürchterlichsten Abgründe der Insel hinführte. Hier senkte er seinen glühenden Blick in die Tiefen des Abgrunds und erblickte ein Schiff, das in...




