Dillard Star Trek IX: Der Aufstand
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11727-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11727-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Inmitten von Gaswolken und den Resten einer Nova liegt der Planet Ba'ku. Er ist direkt im Zentrum einer Metaphasenstrahlung, die ewige Jugend und Gesundheit verspricht. Entgegen der Maßgaben der Ersten Direktive, die verbietet, sich in die Entwicklung fremder Völker einzumischen, beschließt der Föderationsrat, die einzigartige Strahlung einzufangen und sie allen Lebenwesen in der Galaxis zur Verfügung zu stellen. Das würde jedoch auf Ba'ku selbst jedes Leben vernichten. Captain Picard und die Crew der Enterprise sind entschlossen, die Ba'ku vor dem Untergang zu bewahren. Doch das bedeutet, dass die sich der geballten Macht der Föderation in den Weg stellen müssen.
Die Autorin schrieb mehrere sehr erfolgreiche STAR TREK-Romane, darunter "Die verlorenen Jahre" und die Romanfassungen der beiden Kinofilme "Star Trek V - Am Rande des Universums" und "Star Trek VI - Das unentdeckte Land", sowie die Romanfassung des Pilotfilms "Der Botschafter" von DEEP SPACE NINE. Sie lebt mit ihrem Mann in einer kalifornischen Kleinstadt.
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Kapitel 1
Der Morgen jenes Tages, der zum ›Tag des Blitzes‹ werden sollte, begann wie alle Tage im Frühling: Er war zuerst recht kühl, bis die Sonne Wärme brachte. Anij blieb stehen und sah zu den Bergen, die sich klar und deutlich vor dem wolkenlosen Himmel abzeichneten. Zeitlos waren sie, ebenso zeitlos wie der Sonnenschein auf ihren Schultern, die handgesponnener Stoff bedeckte. So zeitlos wie der Morgen, die kühle Luft, die sie atmete, und auch ihr Bewusstsein. Seit wann wanderte sie an jedem Morgen über diesen Weg zum Ort? Seit einer Ewigkeit, dachte sie, denn sie wagte es nicht, sich an die Zeit vor dieser zu erinnern. Seit einer Ewigkeit lebten die Ba'ku hier – so schien es jedenfalls. Seit einer Ewigkeit erfreuten sie sich am Reichtum dieses fruchtbaren Tals. Und immer bot sich Anij der vertraute Anblick, ganz gleich, zu welcher Jahreszeit. Wenn sie morgens aufbrach, sah sie ein grünes Tal mit üppiger Vegetation, nahm dabei den Duft wilder Blumen und Kräuter wahr. Ihr Blick strich über Kornfelder hinweg, die sich auf einem immer fruchtbaren Boden erstreckten, glitt dann weiter zu den Bergen, die sich manchmal maulwurfgrau präsentierten, aber auch rosarot, blau oder malvenfarben, je nachdem wie das Licht einfiel. Selbst der Regen fiel immer sanft und hinderte Anij nie daran, ihre morgendliche Wanderung zu beginnen.
Jedes Mal von neuem staunte sie über die Schönheit der Welt und erfreute sich daran.
Anij drehte den Kopf, als sie ein Blöken vernahm. An den unteren grünen Hängen grasten zottige Packtiere, und einige von ihnen sahen auf, als die Stimmen spielender Kinder erklangen. Anij folgte den neugierigen Blicken der Tiere und sah mehrere Jungen, die offenbar etwas oder jemanden suchten. Zwei von ihnen gingen zwischen den mit Heu gefüllten Trögen, die unweit einiger junger Pflanzen standen – sie achteten natürlich darauf, dem so wichtigen Korn keinen Schaden zuzufügen. Eine gemischte Gruppe lief lachend durch den nahen Obstgarten.
Anij lächelte geistesabwesend – natürlich kannte sie die Namen der Kinder, wie auch die der Eltern. Als sie den Weg fortsetzte, kam plötzlich ein blonder Schopf aus einem Heuhaufen und hielt nach den Verfolgern Ausschau.
»Da ist er!«, rief ein Mädchen, und Anijs Lächeln wuchs in die Breite, als schmale Schultern, Ellenbogen, Knie und schließlich der Rest des Körpers aus dem Heu kamen. Dies war ihr jüngster Freund, der zwölfjährige Artim. Auch seine Mutter Barel hatte zu Anijs Freunden gezählt, und nach ihrem tragischen Tod bei der Geburt des Jungen wurde sie selbst zu einer Art Pflegetante. Artim war sehr klug für sein Alter und zeichnete sich durch die natürliche Fröhlichkeit seiner Mutter aus. Der Umgang mit ihm bereitete Anij viel Freude, und deshalb hielt sie sich selbst für den eigentlichen Nutznießer ihrer Beziehung.
Artim lachte so hingebungsvoll, dass er fast in Atemnot geriet, als er den Verfolgern auswich und über den Weg eilte, der in die felsigen Vorberge führte. Kleine Steine stoben davon. Anij beobachtete, wie ihm die anderen Kinder folgten. Sie gaben sich empört und verärgert, aber in Wirklichkeit freuten sie sich darüber, dass Artim entkommen war – dadurch ging die Jagd weiter. Anij folgte dem Verlauf des Pfades, der in weiten Schleifen nach oben zum Dorf führte. Die Kinder nahmen den direkten, steileren Weg.
Anij wusste, dass im Ort Artims Vater Sojef auf sie wartete. Der ehrliche, aufrechte Sojef, seit Jahren mit einer Frage in den Augen.
Und Anij mit einer Antwort in den ihren: Noch nicht, noch nicht …
Sie hatte immer angenommen, dass diese Antwort auf vernünftigen Überlegungen basierte: Sie war noch jung, ebenso Sojef; es gab Zeit genug, um eine feste Bindung einzugehen und Kinder zu haben. Zweifellos war er ein guter Mann. Er leitete die ganze Ba'ku-Gemeinschaft, die jetzt aus sechshundert Personen bestand und langsam wuchs, nachdem so viele der Zeit des Leids zum Opfer gefallen waren. Außerdem wusste Anij von der verstorbenen Barel, dass ihr Sojef ein verantwortungsbewusster Ehemann und zärtlicher Liebhaber gewesen war.
Ein Jahr nach Barels Tod, am ersten Geburtstag des Sohnes, hatte ihr Sojef seine Liebe erklärt und eine Lebenspartnerschaft angeboten. Für immer. So lauteten seine Worte.
Für immer – eine sehr, sehr lange Zeit, wusste Anij. Trotzdem lehnte sie nicht ab. Aber sie willigte auch nicht ein. Ich weiß nicht. Gib mir Zeit, Sojef. Gib mir Zeit …
Zeit, um sich der Tatsache zu stellen, dass sie nicht aus Liebe heiratete, sondern aus Freundschaft.
Sojef hatte ihr natürlich Zeit gegeben. Er war ein Ba'ku, zu reif und intelligent, um so dumm zu sein, seine Rationalität von Emotionen beeinträchtigen zu lassen. Und so blieben Artim und er Freunde von Anij – Freunde, die sie täglich besuchte. Die anderen Bewohner des Dorfes wussten, dass sie eines Tages vielleicht ihre Heirat ankündigten.
Anij brachte eine scharfe Kurve des Pfads hinter sich und atmete die kühle Morgenluft in tiefen Zügen. Bisher hatte ihr der Berg die Sicht versperrt, doch jetzt konnte sie den Dorfplatz sehen, umgeben von Frühlingsblumen, die das Auge mit gelben, roten und blauen Tönungen erfreuten. Zahllose Male hatte sich ihr dieser Anblick dargeboten, aber Anij genoss ihn immer wieder.
Wie viele Frühlinge hatte sie erlebt? Viele, sehr viele. Die besondere Ästhetik dieser Jahreszeit blieb nie ohne Wirkung auf sie, aber schon seit einer ganzen Weile verstand sie es, mit weiser Zurückhaltung darauf zu reagieren. Nur die jüngsten und verwöhntesten Kinder leisteten es sich, ihre Gefühle ganz offen auszuleben.
Dieser Frühling war anders. Oder vielleicht lag es an ihr selbst. Möglicherweise hatte sie sich irgendwie verändert und es nun satt, ihre Gefühle zu leugnen, sich allein auf die Verantwortung zu besinnen. Sie erinnerte sich an einen seltsamen Traum in der vergangenen Nacht: In jenen Visionen war sie frei von allen Verpflichtungen gewesen und flog wie ein Vogel fort vom Dorf, um ihr Herz an einen Auswärtigen zu verlieren, an jemanden, dessen Gesicht sie nicht klar erkennen konnte. Mit starken Armen hielt er sie fest, und sein Flüstern weckte ein intensives Verlangen in ihr, das sie noch nie zuvor auf diese Weise gespürt hatte.
Als sie erwachte, ging Enttäuschung mit der Erkenntnis einher, allein im Bett zu liegen. Selbst jetzt, als Anij zum Dorf blickte, das sich an den Berghang schmiegte, direkt neben dem silbernen Band eines Flusses, fühlte sie Sehnsucht tief in ihrem Innern.
Dieses Empfinden begleitete Anij, als sie über die Wiese mit den vielen wilden Blumen schritt, vorbei am Teich, und kurz darauf den Dorfplatz erreichte. Sie versuchte, dem sonderbaren Gefühl mit Vernunft zu begegnen:
Sei keine Närrin. Du weißt doch, wie feige und unmoralisch die Auswärtigen sind. Wie kannst du davon träumen, einen von ihnen zu lieben? Wie kannst du in Erwägung ziehen, dies hier aufzugeben?
Die ruhige Schönheit des Tals spendete ihr wie immer Trost. Als Anij den ersten Dorfbewohner begrüßte, kam ihr Lächeln wieder von Herzen. Sie gehörte hierher – sie hatte immer hierhergehört –, und die Freude darüber, hier zu sein, ging weit über das naive Verlangen nach wahrer Leidenschaft hinaus.
Weitere Personen betraten den Dorfplatz. Einige der ersten Händler hatten bereits ihre Stände aufgebaut, und zwar im Schatten einer hohen Felswand, dort, wo das Dorf an den Berghang stieß. Waren lagen dort bereit: in Handarbeit entstandene Stoffe, Honig, Heilkräuter.
»Guten Morgen, Gen'a!«, rief Anij einer Frau zu, die Eimer mit frischer Milch zum Markt trug. »Wie geht es dir, Jat'ko?«, fragte sie Gen'as dunkelhaarigen Mann, den Ältesten der Ursprünglichen Gruppe.
Und da, neben einer Marktbude, stand Sojef, wie immer schlicht gekleidet. Anij verdrängte alle Gedanken an den heißblütigen Auswärtigen und richtete einen bewundernden Blick auf Sojef: Was die Kleidung betraf, unterschied er sich nicht von den anderen, aber trotzdem war er sofort als Oberhaupt der Gemeinschaft zu erkennen. Nicht etwa aufgrund von Arroganz oder Herablassung anderen gegenüber – Sojef ließ es nie an Freundlichkeit mangeln –, sondern wegen seiner Aura aus Kraft. Diese Kraft hatte Anij oft gesehen, insbesondere während der Zeit des Leids, als Sojef die schwerste aller Entscheidungen treffen musste.
Sie begrüßte ihn so wie jeden Tag während der elf Jahre, die sein Antrag nun schon zurücklag: mit einem angedeuteten verschwörerischen Lächeln, so als wüssten nur sie beide davon, dass sie vielleicht eines Tages ein Paar wurden. Und Sojef antwortete wie immer: mit dem gleichen Lächeln und einer vagen Ungewissheit in den Augen. Wann erwiderst du meine Liebe?
Und ihre unausgesprochene Antwort lautete: Gib mir Zeit …
Er nickte, beendete dadurch die stumme Kommunikation und wandte sich den anderen Marktbesuchern zu. Er hielt es für seine Aufgabe, über die Probleme, Hoffnungen, Bedürfnisse und … Träume aller Dorfbewohner Bescheid zu wissen. Insbesondere über die Träume.
Anij näherte sich einem Stand, der landwirtschaftliche Produkte anbot. Der Verkäufer legte gerade die Maj'ra-Früchte der ersten Ernte bereit. Als er die junge Frau bemerkte, hielt er inne, holte ein Schälmesser hervor, bohrte es geschickt in die rechteckige Frucht und entfernte einen Teil der Schale. Zum Vorschein kam saftiges violettes Fruchtfleisch.
Der Verkäufer schnitt ein Stück heraus und reichte es Anij, die dankbar hineinbiss und voller Wonne das Gesicht verzog, als sie den herrlich sauren Geschmack wahrnahm.
Dann schauderte...




