E-Book, Deutsch, 300 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
Dirks Die Piratin und der Viscount
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7325-2741-0
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 300 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
ISBN: 978-3-7325-2741-0
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
London, 18. Jahrhundert: Die taffe Catherine arbeitet in der Taverne ihres Vaters, der einst ein berüchtigter Pirat war. Auch in ihr glüht das Herz einer waschechten Piratin.
Eines Tages klaut ein Dieb ihr in der Bar ihre Handtasche. Catherine nimmt sofort die Verfolgung auf und läuft dabei geradewegs vor eine herrschaftliche Kutsche. Durch den Unfall verliert sie ihr Gedächtnis. Als sie wieder zu sich kommt, findet sie sich in einer atemberaubenden Villa wieder. Ihr Gastgeber Viscount Ethan Barnsworth kümmert sich rührend um sie. Beide fühlen sich stark zueinander hingezogen. Doch nach und nach kommen Catherines Erinnerungen zurück. Schweren Herzens muss sie erkennen, dass Ethan und sie niemals zusammen sein können, denn sie hegt ein dunkles Geheimnis. Werden sie dennoch einen Weg zueinander finden?
'Die Piratin und der Viscount' ist ein gefühlvoll erzählter historischer Liebesroman der Erfolgsautorin Kerstin Dirks. Erlebe jetzt die romantische Liebesgeschichte der heißblütigen Piratin.
Autoren/Hrsg.
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Prolog
»Es ist die ›Poseidon‹!«
Ethan blickte erschrocken zu dem jungen Mann im Krähennest hinauf, dessen kräftige Stimme wie ein Orkan übers Deck fegte.
»Keine Sorge, Junge. Die ›Poseidon‹ ist ein Handelsschiff der East India Company«, erklärte der Kapitän und legte ihm seine schwere Hand mit einem gutmütigen Lächeln auf die Schulter.
Durch den kräftigen Druck ging Ethan leicht in die Knie. Angestrengt versuchte er, das Schiff in der Ferne zu erkennen. Aber die Mittagssonne blendete ihn, und es war nur ein winziger Punkt am Ende des Horizonts. Die hochpeitschenden Wassermassen verschluckten es immer wieder.
Woher wusste der Ausguck, dass es sich bei dem Schiff um die »Poseidon« handelte? Ethan konnte nichts sehen außer einem verschwommenen Fleck. Er wollte den Kapitän fragen, aber der hatte Wichtigeres zu tun und vertröstete ihn auf später.
Ethan aber wollte sich nicht vertrösten lassen. Das Meer war voller Gefahren. Man musste rechtzeitig wissen, ob ein fremdes Schiff freundlich oder feindlich gesinnt war. Er blickte erneut zum Ausguck hoch. Der junge Mann dort oben hielt ein schweres Fernrohr in den Händen. Das war des Rätsels Lösung. Ethan atmete auf. Zu Hause, in Portsmouth, hatte er viele schreckliche Geschichten über die See gehört. Dort sollten Ungeheuer hausen und Piraten ihr Unwesen treiben. Er wollte keinem von beiden gern begegnen.
Nach der Entwarnung ging auch die restliche Mannschaft wieder ihrem Tagewerk nach. Segel mussten geflickt und die Steuerung ausgerichtet werden. Ethan aber blieb an der Reling stehen und beobachtete das fremde Schiff voller Neugier.
Es war das erste Mal seit ihrem Aufbruch vor vierzehn Tagen, dass sie einem anderen Schiff begegneten. Die Wellen peitschten hoch. Immer nur Wasser. Überall. Der blasse Junge hatte eine Weile gebraucht, ehe er sich an das stete Schwanken gewöhnt hatte.
In den ersten Tagen hatte er kaum etwas gegessen. Und wenn doch, war er es schnell wieder losgeworden. Nun war die Seekrankheit zum Glück überwunden.
Etwas Feuchtes berührte seine Stiefel. Ethan wich erschrocken zurück. Ein Schiffsjunge kniete vor ihm und blickte zu ihm auf. Etwa vierzehn Jahre war er alt und somit im selben Alter wie Ethan. Die dunklen Augen funkelten. War es Neid, den Ethan in ihnen aufblitzen sah? Oder sogar Hass? Bevor Ethan auch nur ein Wort sagen konnte, widmete sich der Schiffsjunge wieder seiner Aufgabe und schrubbte geflissentlich das Deck, ignorierte ihn sogar, als stünde Ethan gar nicht hier.
Vater hatte ihn gewarnt. An Bord eines Schiffes befand sich oft Gesindel, von dem sich Ethan besser fernhalten sollte. Eine Ausnahme bildeten die Offiziere an Bord. Diese stammten zumeist aus gutem Haus, wie er selbst. Außerdem sollte er stets einen Blick auf seinen Geldbeutel haben. Ethans Hand glitt zu seinem Gürtel. Der feine Lederbeutel war noch da. Erleichtert atmete er auf.
Ethan war Ehrengast an Bord, ein Passagier. Man redete ihn mit »Sir« an. Aber immer hörte er auch die Verachtung in den Stimmen der Crewmitglieder. Sie behandelten ihn, als wäre er noch ein Kind!
Ethan hatte schnell gemerkt, dass er an Bord nicht sonderlich beliebt war. Und auch, dass er die See nicht besonders mochte. Sie langweilte ihn. Viel lieber hätte er sich mit seinem Fechtlehrer duelliert. Oder zumindest den Worten seines Hauslehrers gelauscht. Der wusste vieles über die Welt! Dinge, von denen dieser Schiffsjunge sicherlich noch nie gehört hatte.
»Na, du Landratte, zählst du die Wolken? Das Mittagessen wartet.« Ethan zuckte zusammen. Der Erste Offizier war wie aus dem Nichts neben ihm aufgetaucht. In seiner feinen britischen Uniform mit den glänzenden Knöpfen und Schulterschmuck wirkte er fast wie ein Adeliger. Ethan nickte nur und folgte ihm unter Deck zur Offiziersmesse, wo der Kapitän und seine Offiziere zu speisen pflegten. Als Gast wurde ihm dieselbe Ehre zuteil.
Der Tisch, das hatte Ethan gleich am ersten Tag bemerkt, sah eigenartig aus. Ganz anders als die Tische zu Hause in der Villa seines Vaters. Ein seltsamer hochgestellter Rahmen umrankte die Holzplatte, gleich einem Miniaturzaun. Schnell hatte Ethan jedoch herausgefunden, welchen Zweck die Konstruktion erfüllte: Wenn es draußen hoch herging, ein Sturm tobte oder die Wellen das Schiff ins Wanken brachten, schlitterten die Teller nur so über den Tisch. Ohne den Rahmen würden sie einfach herunterfallen. Heute aber war der Seegang eher schwach, das Essen blieb auf dem Tisch. Wie die letzten Tage zuvor, gab es Eintopf, Weißbrot und für jeden ein Stück Schinken. Ethan hatte das allmählich über und vermisste die gute Küche in Portsmouth.
Nachdem er gespeist hatte, mit Messer und Gabel, wie es sich gehörte, tupfte er sich den Mund mit einer Serviette ab und begab sich an Deck zurück, um das fremde Schiff zu beobachten. Es war der bisherige Höhepunkt seiner Reise, und er wollte nicht, dass ihm der Moment ihres Aufeinandertreffens entging.
Tatsächlich war die »Poseidon« nun schon viel näher gekommen. Der Junge konnte die Umrisse des Schiffs gut erkennen. Gewaltig ragte der Hauptmast in den Himmel hinauf, fast schien es, als würde er die Wolken berühren. Und die Segel blähten sich, weil der Wind sich gedreht hatte, jetzt war das andere Schiff schneller als die »Spartakus«, auf der er sich befand.
Gleich einem Wettrennen steuerten die beiden Segelschiffe aufeinander zu. Er stellte sich zwischen den schäumenden Wellen eine Ziellinie vor, und war gespannt darauf, welches der beiden Schiffe sie – wenn auch aus unterschiedlichen Richtungen – zuerst erreichen würde.
Ethan freute sich darauf, die andere Mannschaft zu sehen, ihr zuzuwinken. Und er versuchte, die Flagge der East India Company zu erspähen. Aber dafür war das Schiff noch zu weit entfernt.
»Na, mein Junge. Du kannst den Blick gar nicht von der ›Poseidon‹ wenden, was?« Der Kapitän stellte sich wieder neben ihn und lachte. Dann reichte er Ethan sein Fernrohr. Es war filigraner als das Fernrohr, das der Ausguck benutzt hatte. Doch es würde gewiss seinen Dienst tun. Im Überschwang riss Ethan dem Kapitän das wertvolle Fernrohr fast aus der Hand. Der Kapitän lachte erneut und zeigte Ethan, wie man es richtig hielt.
»Und? Was siehst du?«
»Den Union Jack auf der Fahne der East India Company.«
»Ich bin beeindruckt, dass du weißt, wie die Flagge aussieht.«
»Ich habe sie schon einmal in einem Buch gesehen. Außerdem hat mein Vater früher auf einem Schiff gearbeitet. Als Offizier.«
»Das weiß ich, Ethan. Wir waren sogar einige Male gemeinsam unterwegs. Er ist ein guter Mann, du kannst stolz auf ihn sein.«
Ethan senkte für einen Augenblick das Fernrohr. Er wünschte oft, er wäre seinem Vater ähnlicher. Aber die See hatte ihn nie interessiert. Selbst nachdem er einige Tage auf der »Spartakus« verbracht hatte, war ihm das Meer immerzu langweilig erschienen. Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute war gleich. Bis auf diesen Moment, der Ethan für alles entschädigte.
Wieder hob er das Fernrohr.
»Was machen die denn?«
»Was ist los, Junge?«
»Sie holen die Flagge ein. Aber warum?«
»Du musst dich irren.«
Aber Ethan irrte sich nicht. Stattdessen hissten sie eine andere. Ethan gefror bei dem Anblick der Flagge das Blut in den Adern.
»Ethan?«
Diese andere Flagge kannte Ethan ebenfalls aus seinem Buch. Sie war schwarz. Bis auf die sich kreuzenden Knochen und den Totenschädel in der Mitte. Die Jolly Roger! Ethan ließ vor Schreck das Fernrohr fallen. Es rollte über das Deck. Ein Schiffsjunge hielt es auf und brachte es dem Kapitän zurück.
»Junge, was ist denn in dich gefahren?« Der Kapitän sah nun selbst durch das Rohr. Aber da schallte auch schon die Stimme des Ausgucks über das ganze Schiff. »Piraten! Es sind Piraten!«
Jegliche Farbe wich aus dem Gesicht des Kapitäns. »Was für Bastarde, die haben die ›Poseidon‹ gekapert und uns ausgetrickst. Schnell, Ethan. Unter Deck mit dir. Versteck dich in der Offiziersmesse!«
Ethan zögerte. Sollte er sich wie ein Feigling davonstehlen? Er war doch auch ein Mann!
»Worauf wartest du, runter mit dir!«, drängte ihn der Kapitän.
Er hatte ja recht. Was konnte Ethan schon ausrichten? Er hatte ja nicht einmal einen Säbel. Nur einen kleinen Dolch, der an seinem Gürtel hing.
Damit konnte er nichts anfangen. Die Lage war so schon ernst genug, war doch die »Spartakus« viel kleiner als das andere Schiff. Sie hatten weniger Kanonen an Bord. Und vermutlich auch weniger Männer. Davon nur einige mit Kampferfahrung. Dies war nur ein Expeditionsschiff. Umso wertvoller waren Ethans Fechtkenntnisse.
»Geben Sie mir ein Florett oder einen Degen!«, rief Ethan. Aber der Kapitän hörte ihm nicht zu und packte ihn stattdessen am Arm.
»Keine Zeit für Spielereien. Los, Ethan, beeil dich. Das wird gleich sehr ungemütlich werden«, prophezeite er.
Ethan ließ nicht locker, hatte aber keine Chance gegen den Kapitän. Dessen Griff um seinen Arm war so stark, dass der Junge glaubte, ihm würde das Blut abgeschnürt. Der Kapitän schleifte ihn die Treppe zur Offiziersmesse hinunter und Ethan verlor fast das Gleichgewicht.
»Hier, in die Truhe mit dir«, befahl der Kapitän und hob den Deckel einer alten Kiste, die sonst als Abstellfläche verwendet wurde. Darin befanden sich einige wertvolle Gläser. Aber es war genügend Platz darin für ihn. Ethans Herz raste. Alles in ihm sträubte sich dagegen, sich feige zu verstecken. Aber ohne Waffe war er den anderen Männern nicht von...




