Dittrich | Laute und Gitarre in der deutschsprachigen Lyrik | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 345 Seiten

Dittrich Laute und Gitarre in der deutschsprachigen Lyrik

Gedichte aus sechs Jahrhunderten. Eine Anthologie
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95744-653-4
Verlag: Engelsdorfer Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Gedichte aus sechs Jahrhunderten. Eine Anthologie

E-Book, Deutsch, 345 Seiten

ISBN: 978-3-95744-653-4
Verlag: Engelsdorfer Verlag
Format: EPUB
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Die Anthologie stellt knapp 150 Gedichte vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart vor, die dem Thema Laute und Gitarre gewidmet sind. >Literarische Kompositionen< bezeugen die ungebrochene Beliebtheit der beiden Instrumente über die Jahrhunderte hinweg. Je nach den Vorlieben der jeweiligen Zeit und der Autoren begegnet der Leser den unterschiedlichsten literarischen Gattungen und Stilen. Nicht weniger als die Musik gehören die Gedichte zur Kultur- und Sozialgeschichte von Laute und Gitarre. Neben namhaften Dichtern wird der literarisch und musikalisch Interessierte weitgehend unbekannte oder vergessene Autoren und Texte entdecken. Ein Nachwort führt in die Thematik ein.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Johann Friedrich Lauson (1727–1783)

Die Laute


Iam tende chelyn
HORATIVS

Empfah dein ewiges Lob, du liebenswürdige Laute,

O wärs in deinem durchdringenden Ton!

Mercur! durchglühe die Brust mit sanftem

[steigendem Feuer;

Die Laute sing ich, die du dort erfandst.

Ihr Nympfen! höret mein Lied, scherzt um mich

[frische Najaden!

Tritonen! sprützet mir Fröhlichkeit zu.

Verlaßt, ihr Faunen! den Wald, herbey, gehörnte Satyren,

Itzt spiel, mein Hamann!1 nun bin ich entzückt.

Komm! Orpheus! spiele du mit, hohl uns den

[fliehenden Schatten,

Der dir vertrauten Euridice her.

Ihr Steine rollt euch heran, und baut die Mauren von

[Thebe.2

Seyd zahm ihr Tieger, denn Orpheus spielt mit.

Zurück ihr Hasser des Lichts! zurück, ihr Stöhrer der

Freuden,

Ihr melancholischen Geister zurück;

Auch ihr3 entfernt euch bestraft, die ihr ein innres

[Vergnügen

Mit wildem lermenden Jauchzen verbraust.

Komm, Dichtkunst! setze dich her, dein Hamann4

[spielet, dein Liebling.

Er liebt die Schwester5, ich liebe dich selbst.

So neidisch bist du wohl nicht, daß du dies seltene

[Glücke,

Mit eifersüchtigen Blicken beschielst.

O nein, das thust du nicht = = St' = er dreht die

[Wirbel der Laute,

Und prüft die Töne mit lauschendem Ohr.

Horcht, Vögel, zwitchert nicht drein, ergeuß dich

[stiller, du Pregel.

Ihr Blätter küßt euch gelinder, er spielt.

Er spielt, wie rührend, wie schlau, wie stark, wie hell

[und geschwinde

Hebt sich die prächtige Laute hervor?

Es tanzt die laufende Hand auf munter laufenden

[Saiten,

Wie in der Schaukel ein Mädchen6 sich wiegt.

Ein starker Vorschlag fängt an, die Saiten folgen

[den Fingern,

Und warten muthiger auf den Accord.7

Dem ein Arpeggio7 folgt, dies stammlet Töne wie Silben,

Bis daß ein Triller8 die Ohren durchbebt.

So wie die Nachtigall singet, wenn sie den Brockes9

[verewigt,

Der ihre Lieder in Noten gesetzt.

Der ihre Stimme gemahlt, von ihrer Tonkunst

[begeistert,

So reitzt die Laute mein horchendes Ohr.

Wie, wenn die steigende Kunst10 herabgeleitete

[Wasser,

Durch Bilderförmige Röhren versprützt,

Der Stral zur Höhe gedrengt in hole kupferne

[Muscheln,

Die vor Erstaunen erbeben, sich stürzt:

So prallt der sinkende Ton von dem elastischen11

[Boden,

Und fällt im Singen, und klaget12 im Fall,

Als wenn ein flatterhaft Kind13 im Klettern fällt

[und im Fallen,

Mit bangem Lächlen14 die Mutter versöhnt!

Hier singt ein Triller allein, erzeugt15 vom bebenden

[Finger,

Und seine Nachbarn16 bewundern ihn still.

Drauf statten Chöre vereint, durch edlen Ehrgeitz

[erreget,

Den Glückwunsch schallend der Sängerin17 ab.

Du Dichtern critisches Thier18 o Schildkröt! reichtest

[die Schale,

Zuerst der tönenden Laute zum Bau:19

Dich trug ein Adler20 hinauf, und warf den

[nackenden21 Scheitel

Des alten22 Aeschylus23 dröhnend24 entzwey.25

Ihr Grübler!26 tretet herzu, die ihr das Alterthum

[plündert,

Die ihr die staubigten27 Schriften durchwühlt!

Bereichert euren Vergil28, beraubt durchfreßne

[Membranen29

Umsonst, hört an, wie die Laute sich schuff.30

Dort Lange!31 sang dein Horatz32 der feurig

[lesbische33 Dichter;

Die Götter34 höreten neidisch35 ihm zu,

Daß nicht sein lüsterner Geist36 der Weisen Seelen

[verführte,37

So ward er in eine Laute verbannt.38

Ihr Zweifler!39 glaubt ihr mir nicht, so seht die

[Gleichheit der Laute

Hört ihren schwanigten gurglenden Hals!40

Kan der euch nicht den Hortz, der Weine

[Kenner!41 entschatten?

Seht ihr nicht den epicurischen Bauch?

Du stimmest, Phrynis42, umsonst zur Laute von

[Lacedemon.43

Zwo44 neue45 Saiten, du stimmest umsonst.

Es gilt Lycurgus46, Gesetz, der keinen Wechsel47

[erlaubte.

O Phrynis fliehe nach Frankreich48, dort gilts.

Terpandern49 glaubet man ehr, der Sieben Saiten50

[bestimmet,

Nach der Planeten geheiligten Zahl.

O Aberglaube du siegst, du siegst bey Griechen und

[Römern51

Du siegst bey Deutschen52, der Unglaube lacht.53

Nun prangt der längliche Hals der hochgebrüsteten

[Laute,

Mit dreyzehn Chören54 zur stärkeren Lust.

Sie ging vor Alter gebückt mit abgekrümmeten

[Nacken;

Jetzt hat sie sich triumphirend verjüngt.

Tritt auf, o feuriger Pietsch, die stolze55 Laute zu loben,

Jedoch dein Tauscher56 entzückt uns nicht mehr.

Vielleicht ergötzet dich dort sein dich begleitender

[Schatten,

Und spielt die Lieder ab, die du dort57 singst.

Er hört die Schüler mit an, hier seine Bertramm58

[und Heßin:59

Dort Bellegratzky60 am Rußischen Thron,

Wie ihn Elisabeth61 hebt mit unnachahmbarer Gnade,

Er höret Hoyern62 und auch meinen Freund.

Vermuthlich63 dichtet mit ihm für die Belisische64 Laute,

Brocks von Poeten des Himmels65 umringt;

Und David fället mit ein, mit seinem rauschenden

[Psalter,

Und singt mit Assaph im höhern Chor.66

Jetzt spielt der Drollichte67 Weiß68 auf seiner

[lockeren Laute,

Und schaft für Königsberg Dreßdensche69 Lust.

Er reitzt den silbernen Ton mit ausgestopfeten Fingern,

Und jedes Grübchen am Finger spielt mit.

Er lehrt die Schönen der Stadt die Kunst recht

[spielend zu leben.

Die Waga70, Hoffmannin71, Ganswindtin72 spielt.

Ihr Musen73 saget ihm Dank, seyd dankbar singende

[Schönen,

Und spielt ihm einstens mit Lauten zur Gruft.74

Dort in Kapustigall75 tönt des Reichards76

[zaubrende77 Laute,

Und drey Gräfinnen78 bewundern79 sein Spiel.

Es spielt der große von Truchs80 auf Gräflich

[schmeichlender Flöte,

Den raschen kämpfenden Bebungen vor.

Puschkaiten! Rautenburg!81 hör, die Gräfin

[Kayserlingk82 spielet.

Sie spielt mit Nachtigall ähnlichem Ton;

Und wenn des muntren Barons83 Viol de Gamba

[erschallet,

Dünkt mich, sie singt den Discant, er den Alt.

Der Laute Jauchzen durchläuft die muthig

[schwellenden Adern,

Und heller dämpft sie den winslenden Schmerz.

Ein Lebensathmender Muth durchquillet alle

[Gebeine,

So wie der Balsam die Kranke belebt.

Recht wie die Saiten im Griff bald kurz bald länger

[sich dehnen,

So wächst im Herzen die wallende Lust.

Es hört ein lauschendes Ohr bey der gebietrischen84

[Laute,

Den Pöbel85 erniedrigter86 Freuden nicht mehr.

Dort kocht das schäumende Gift der welschen

[beißigen Spinne,87

Im Blut der Rasenden, kräftig zum Tanz.88

Hier würkt dein göttlicher89 Stral, o Laute,

[nüchternen90 Sinnen.

Die Freude, die sie bescheidner durchschleicht.

Was übertäubt ihr das Herz ihr weithinsehende91

[Sorgen!

Ich hör die Laute, heut sorg ich92 für nichts.

Hier wird auf trockenem Holz der hellste Triller

[gebildet.

Ein Weiser93 schuf sich im Trauren die Lust.

Bisweilen senkt94 sich der Geist, vom Schall der

[Laute durchdrungen,

Ins Meer der süßen95 Betrübniß hinab,

Als wenn man Richardson96 ließt, Prevot97, die

[Schwedische Gräfin98,

Und lockre Thränen den Blättern hinweint.99

Im Hauch der lebenden100 Luft sind alle

[Töne gebohren,

So die verständige Laute zertheilt.

Ein leicht erkaltender Hauch verzehrt das Leben der

[Menschen,

Ein sterbend Lüftchen gebiert101 uns den Tod.

Im feinsten Triller zerplatzt sehr oft die zitternde Saite,

Die ganze Laute wird dadurch verstimmt.

Zerschellt ein Zufall nicht oft in dem

[leichtbrechenden Leben,

Im Sturz des Pfeilers102 das ganze Gebäu?

Wie spielend lässet es sich bey solchen Tönen studiren?

Man ließt im Buche, das Auge wird matt.103

Man hohlt die Laute hervor, und übt die

[hüpfenden104 Finger,

...



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