Liebe Besucherinnen und Besucher,

aufgrund unseres Sommerfestes sind wir am 03. September 2026 bis 14 Uhr erreichbar. Am 04. September 2026 sind wir wieder wie gewohnt für Sie da. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Ihr Team von Sack Fachmedien

Dobrovolny-Mühlenbach / Hetzschold / Axel | Nie wieder Martini | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 444 Seiten

Dobrovolny-Mühlenbach / Hetzschold / Axel Nie wieder Martini

Erzählungen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7543-1990-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erzählungen

E-Book, Deutsch, 444 Seiten

ISBN: 978-3-7543-1990-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Reiseabenteuer in die Tschechoslowakei bei winterlicher Wetterlage sind zu bestehen. Die Schwächen einer Denunziantin kommen ans Tageslicht. Hessische Ringelstöcke haben sich als ganz alte Relikte noch bei Deutschen in Russland erhalten. An der Küste Floridas wird flaniert, aber auch dort gibt es Regentage. Eine Liebesgeschichte beginnt in einem Wettbüro mit allerlei misslichen Hindernissen. Im Dialog mit einer Gästeführerin kommen die Lebenserfahrungen und Weltbilder der älteren Generation zur Sprache. Von den Corona-Geschehnissen aus dem Blickwinkel der Schweiz berichtet ausführlich ein Tagebuch. Schabernack aus studentischen Zeiten wird erinnert.

Dobrovolny-Mühlenbach / Hetzschold / Axel Nie wieder Martini jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Petra Dobrovolny-Mühlenbach

Meine Reisen in die Tschechoslowakei
von 1972 bis 1990


Eine Zeitzeugin erzählt

Auf einer Reise nach Venedig im Frühjahr 1971 lernte ich meinen zukünftigen Ehepartner Georg aus der Tschechoslowakei kennen. Seine Kultur und Sprache faszinierten mich, so dass ich im Herbst begann, am Institut für Slawistik der Universität Zürich Tschechisch zu lernen. Dies war meine erste Bekanntschaft mit einer slawischen Sprache. Die Worte und teilweise auch die Aussprache musste ich von Grund auf neu lernen, denn ich konnte nichts von meinen bisherigen Sprachkenntnissen ableiten. Kaum hatte ich ein paar Sätze gelernt, reiste ich Ostern 1972 mit einer Studentengruppe nach Prag. Die hunderttürmige Stadt an der Moldau beeindruckte mich mit ihrer Geschichte. Kaum ein Komponist hat wohl jemals die Landschaft seiner Heimat treffender in Klänge übersetzt als Bedrich Smetana. Die Moldau klingt wirklich so, auch heute noch. Viele historiche Gebäude erinnerten mich an Luxemburg, wo ich aufgewachsen bin. Na ja, Kaiser Karl, der Vierte ... Er entstammte dem Geschlecht der Luxemburger, war ab 1347 König von Böhmen und ab 1355 römisch-deutscher Kaiser. Er sprach fünf Sprachen und gründete die berühmte Karls-Universität, in welcher mehrsprachig gelehrt wurde. Damals waren „der Osten“ und „der Westen“ noch nicht voneinander getrennt. Die lateinische Sprache machte einen regen Austausch unter den Gelehrten möglich.

Ein erstes Treffen mit meiner zukünftigen Schwiegermutter und Schwägerin war organisiert worden. Beide waren in einer fünfstündigen Busfahrt aus Nordmähren angereist. Die Sympathie war gleich beidseitig, auch wenn meine wenigen Sprachbrocken und der mährische Dialekt von Georgs Mutter die Verständigung nicht gerade vereinfachten. Dies war für mich jedoch ein Ansporn, auch weiterhin Tschechisch zu lernen. Ich wollte mehr über Land und Leute, auch über das für mich eigenartige Leben „unter dem Kommunismus“ erfahren. Auch konnte ich kaum abwarten, die Lieder von Hana Hegerová und Karel Kryl sowie die Werke von Karel Capek zu verstehen. Bücher von Milan Kundera, die auf Französisch erschienen waren, hatte ich bereits gelesen, die neusten Filme von Miloš Forman, die er nun in den USA drehte, begeisterten uns. Den Überfall auf die Tschechoslowakei durch die Warschauer Paktstaaten unter sowjetischer Führung hatte ich während einer Ferienreise mit meinen Eltern in Rumänien im August 1968 als fast 16-jährige erlebt. Seither bewunderte ich die Menschen in dem unterdrückten Land für ihren Mut und ihre Kreativität im waffenlosen Widerstand.

Ab 1973 fuhr ich jedes Jahr für mindestens zwei Wochen alleine in die Tschechoskowakei. Georg konnte bis zur Wende im Jahre 1989 nicht mitfahren. Er wäre an der Grenze sofort verhaftet worden, weil er die Republik „gesetzeswidrig“ im Herbst 1968 verlassen hatte und deswegen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Den Entschluss zu diesen Reisen fasste ich selbst. Georg hätte niemals gewollt, dass ich mich seinetwegen in Gefahr begebe. Meine Eltern waren dagegen, denn sie fanden die Reisen ihrer gerade mal 21-jährigen Tochter hinter den Eisernen Vorhang für zu gefährlich. So erzählte ich ihnen davon erst, wenn ich wieder wohlbehalten „im Westen“ war. Ich finanzierte diese Reisen durch meine Teilzeitarbeit neben dem Psychologie-Studium.

Meistens flog ich von Zürich nach Prag, zweimal fuhr ich mit dem Zug über Wien. Doch dort war das Umsteigen zum entfernt gelegenen Ostbahnhof sehr umständlich. Auch war es viel besser, den Eisernen Vorhang zu überfliegen als durch ihn hindurchzufahren. Auf der Rückreise „in den Westen“ hielt der Zug jeweils für etwa eine Stunde auf einem abseits gelegenen Gleis des Grenzbahnhofs Breclav an. Jeder Waggon wurde genau durchsucht, während draussen mit Kalaschnikows bewaffnete Soldaten mit Schäferhunden patroullierten. Die Toiletten in den Zügen waren in einem bedenklichen Zustand und kaum benutzbar, Toilettenpapier fehlte immer. Der Flug nach Prag dauerte nur eine gute Stunde, und die Kontrollen bei der Einreise waren erträglich. Ich suchte mir immer einen Zollbeamten und keine Zollbeamtin aus, da diese Genossinnen sehr unangenehm werden konnten. Bei den männlichen Kontrolleuren musste ich meinen Koffer meistens erst gar nicht öffnen. Bei der Rückreise sowieso nicht, denn was konnte man ausser Sliwowitz, sauren Gurken und hausgemachtem Gebäck aus der Tschechoslowakei schon mitnehmen?

Während ich dies schreibe, fällt mir eine Nummer des tschechischen Kabarettisten Jirí Suchý ein: „Wissen Sie, wenn man am Theater arbeitet, bekommt man oft dumme Fragen gestellt, wie zum Beispiel: Wieviel kostet der Eiserne Vorhang?“ Darüber könnte man im ersten Moment lachen, doch wenn man beginnt zu überlegen ... Wieviele Menschenleben hat dieser Vorhang gekostet? Wieviele Familien getrennt? Wieviel Leid hat er verursacht?

Angst hatte ich bei meinen Reisen nie. Ich hatte nur Bedenken, ob ich mit meinen Besuchen jemandem schaden könnte. Natürlich half es mir, dass ich mich in der tschechischen Sprache verständigen konnte. Ungewohnt war für mich, dass ich für die Einheimischen wegen meiner Kleider und meines Koffers auf den ersten Blick als westliche Touristin erkennbar war. Wenn ich jemanden um Auskunft bitten wollte, wandten sich manche Leute ohne Antwort ab. Sie fürchteten sich davor, in der Öffentlichkeit in einem Gespräch mit „Einer aus dem Westen“ beobachtet zu werden. Andere wiederum halfen mir sehr zuvorkommend, sogar mit dem Tragen meines immer sehr schweren Koffers. Bei einer längeren Fahrt stellte ein Buschauffeur sogar extra meinen grossen roten Koffer neben seinen Fahrersitz und passte auf, dass meinem Gepäck nichts passierte.

Meine Reisen gefielen mir sehr, und vor allem muss ich meiner ältesten Schwägerin besonders danken: Sie zeigte mir die Schönheiten Mährens und der Slowakei, machte mich bei der ganzen Familie bekannt, bei welcher ich immer herzlich willkommen war. So konnte ich die mährische Küche kennenlernen, die Touristen-Salami, den tschechischen Streichkäse, Kümmelbrot, türkischen Kaffee, Tee mit kubanischem Rum, saure Gurken und natürlich Knödel in allen möglichen Varianten sowie hausgemachten Sliwowitz. Ich wunderte mich mich sehr darüber, dass die zahlreichen Restaurants der staatlichen Restaurantkette „RAJ“ hiessen, was übersetzt „Paradies“ bedeutet. Die Bedienung war dort äusserst unhöflich und das Essen samt der Hygiene eher unparadiesisch. Paradiesisch waren wohl nur die Preise für die westlichen Touristen. Auch wunderte ich mich über die grossen Plakate oder die in der Landschaft auf grossen hässlichen Metallbuchstaben installierten kommunistischen Propagandasprüche, wie „Mit der Sowjetunion auf ewige Zeiten!“ Zum Glück stellten sich diese Zeiten nicht als ewig heraus. Die Ewigkeit gibt es zwar noch, doch die Sowjetunion und die Tschechoslowakei nicht mehr. Solche Quantensprünge der Geschichte hatte damals niemand für möglich gehalten.

Vielleicht ahnte doch jemand, dass ich durch meine Reisen etwas zu diesem Quantensprung beitragen könnte: Der staatliche Geheimdienst, abgekürzt StB, beobachtete mich und hielt schriftlich fest, wen diese junge „Agentin aus dem Westen“ besuchte und was sie so trieb. Besonders verdächtig war, dass ich bald fliessend Tschechisch sprechen und schreiben konnte. Während meiner Reisen nahm ich nichts von diesem Beobach-tetwerden wahr. Als jedoch eine meiner Schwägerinnen nach der Wende Zugang zu den Archiven erhielt, fand sie unter anderem die Berichte über mich und welche Kontakte ich während meiner Reisen als harmlose Touristin und Studentin getarnt, geknüpft hatte. Georgs Schwester fand noch bei weitem wichtigere Dokumente: Das Urteil über den Vater aus dem Jahre 1951, als er unschuldigerweise zu 13 Jahren Zwangsarbeit in den Urangruben von Jáchymov verurteilt worden war. Auf dem Dokument stand schwarz auf vergilbtem Weiss der Grund: Hochverrat an der Republik. Erst 1990 erfuhr somit die Familie, warum der Vater verurteilt worden war.

hatte ich die Gelegenheit mit Georgs Freund Martin nach Nordmähren zu fahren. Für ihn als Schweizer war dies die erste Reise in die Tschechoslowakei. Er hatte einen Fiat 730 und ein geräumiges Zelt, war ein guter Autofahrer und erfahrener Pfadfinder. Also hatte ich einen idealen Reisepartner! Wir fuhren von seinem Heimatort am Bodensee nach Südböhmen, über Pilsen, Prag und Olmütz in den Norden zu Georgs Familie. Unterwegs übernachteten wir in Autocampings, die eine gute Infrastruktur hatten und sehr gepflegt waren. Hier verbrachten die meisten einheimischen Familien samt ihren kleinen PKWs der Marke „Trabant“ ihre Sommerferien. Die Atmosphäre war auch dank der vielen spielenden Kinder sehr gut und entspannend. Ansonsten machten mir die Menschen einen eher...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.