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E-Book, Deutsch, 182 Seiten

Donkor Keep it kraus!

Das Basisbuch für Krauselocken
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7504-4851-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das Basisbuch für Krauselocken

E-Book, Deutsch, 182 Seiten

ISBN: 978-3-7504-4851-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Alltag mit krauselockigen Haaren ist nicht immer einfach. Die Suche nach dem passenden Frisör erweist sich oft als schwierig und viele Krauselocken greifen auf Perücken, Weaves oder chemische Glättungscremes zurück, um sich falschen Schönheitsidealen anzugleichen. Selbstzweifel und Unsicherheiten sind die Folgen. Das sorgt dafür, dass sich Menschen mit krausen Haaren nicht wohlfühlen. Mit "Keep it kraus! Das Basisbuch für Krauselocken" wollen die Schwestern Diana und Esther Donkor Abhilfe schaffen. In ihrem Ratgeber teilen sie ihre persönlichen Erfahrungen und bringen Menschen mit krausen Locken nicht nur die Grundlagen der Haarpflege näher - sondern auch eine Extra-Portion Selbstvertrauen. Getreu dem Motto: Keep calm & keep it kraus!

Diana Donkor absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Erzieherin. Anschließend schloss sie ein Studium in frühkindlicher Pädagogik ab und arbeitete mehrere Jahre in diesem Beruf bis sie sich für einen beruflichen Neustart entschied. Es folgte eine Ausbildung zum Make-up Artist und als Hairstylistin. Heute arbeitet sie erfolgreich in diesen Bereichen und betreibt gemeinsam mit ihrer Schwester Esther die Marke KrauseLocke®.
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UNSERE HAARE – LEBENDIGER ALS WIR DENKEN!


Was sind Haare?

In diesem Buch legen wir das Hauptaugenmerk auf die Pflege unserer krausen Haarpracht. Dabei stellt sich die Frage danach, was Haare überhaupt sind. Die Antwort klingt erstmal ziemlich leblos. In erster Linie sind Haare nämlich abgestorbene Zellen, die aus den sogenannten Haarfollikeln unserer Haut wachsen. Follikel sind kleine Vertiefungen in der obersten Hautschicht, die auch dafür verantwortlich sind, ob das Haar lockig oder glatt ist. Lockiges oder krauses Haar wächst aus ovalen Follikeln. Die Follikel glatter Haare sind rund.

Unsere Haare gehören zu den sogenannten Hautanhangsgebilden und bestehen zu neunzig Prozent aus Keratin - egal ob Krauselocken, Wellen oder glatte Haare. Keratin ist eine Eiweißverbindung, die auch die Hornsubstanz unserer Haut und in den Nägeln bildet und für Elastizität und Festigkeit sorgt. Der Rest des Haars besteht aus Wasser, Pigmenten und natürlichen Fetten. Die Haarwurzel (Bulbus) befindet sich unter der Kopfhaut und versorgt das Haar mit Nährstoffen. Der sichtbare Teil des Haars wird Haarschaft genannt. Ein Haar hat drei verschiedene Hornschichten: die Medulla bildet dabei das Mark des Haares. Der darüber liegende Cortex gibt dem Haar seine Stärke und die Cuticula schützt das Haar als oberste Schuppenschicht.

Auf dem Kopf trägt der Mensch durchschnittlich zwischen 100.000 und 150.000 Haare. Entgegen vieler Erwartungen sind es allerdings nicht die Schwarzhaarigen oder Brünetten, denen hier die meisten Haare aus dem Kopf wachsen. Blonde oder rothaarige Menschen haben meist feineres, dafür aber mehr Haupthaar. Das Haar von Dunkelhaarigen hingegen ist dicker, dafür haben sie weniger davon.

Vor rund 50.000 Jahren war der Körper unseres Vorfahren, dem Homo erectus, fast gänzlich mit dichtem Haar bewachsen. Erst durch die Entdeckung des Feuers, die Erfindung von Kleidung und durch weitläufige Völkerwanderungen passte sich der Körper genetisch an und verlor nach und nach den alten Pelz. Aus dem Homo erectus wurde der Homo sapiens, der Haarverlust verbesserte die Lebensqualität erheblich.5

Heute schützt unser Haupthaar, biologisch betrachtet unsere Kopfhaut vor dem Sonnenlicht. Jedoch sind unsere Haare weit mehr, als tote Zellen, die uns aus dem Kopf wachsen. In Wahrheit haben sie für uns Menschen nämlich eine ziemlich lebendige Bedeutung.

Das Haar als Symbol

„Darstellungskraft, Freiheit, Vitalität, Unbekümmertheit“6 sind nur einige starke Eigenschaften mit denen unser Haupthaar symbolisch in Verbindung gebracht werden kann. Schon die Hippies aus den 1960er und 70er Jahren der westlichen Gesellschaft verstanden diese tiefere Bedeutung und ließen sich die Haare gerne lang und natürlich wachsen – auch als rebellischen Protest gegen die vorherrschenden gesellschaftlichen Zwänge. Parallel dazu etablierte sich in der afroamerikanischen Gesellschaft der sogenannte „Afro“ oder „Afro-Look“. Auch er galt als starkes Statement vor allem in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Slogans wie „Black is beautiful“ wurden durch den Afro unterstrichen, da er sich auch gegen ein vorherrschendes Schönheitsideal richtete. Ähnlich wie es auch heute noch der Fall ist, basierte dieses allgemeingültige Schönheitsideal in Bezug auf die Haarpracht auf glattem und langem Haar.

Typische Frisuren wie Braids oder Cornrows haben bereits eine jahrtausendealte Geschichte hinter sich. In alten afrikanischen Kulturen (zum Beispiel bei den Fula in der Sahel-Region) dienten die geflochtenen Zöpfe nicht nur praktischen oder modischen Zwecken. Je nachdem wie die Zöpfe geflochten und mit Schmuck verziert waren, sagten sie auch etwas über den gesellschaftlichen Status oder die Stammeszugehörigkeit aus. Bestimmte Frisurtypen wurden von Generation zu Generation weitergegeben.

Die Zeit der Sklaverei hatte erheblichen Einfluss auf die Frisuren vieler afrikanischer Frauen. Bevor man sie als Gefangene auf Sklavenschiffe verschleppte, rasierten die Schlepper ihnen die Haare ab. Die Härte der Sklaverei in Amerika sorgte dafür, dass aus den kunstvollen und bedeutsamen Braids eine schnelle und praktische Frisur werden musste. Zumeist gab es nur an den Sonntagen ein wenig Zeit, um sich von der qualvollen Arbeit zu erholen und sich für die neue Woche zu wappnen. Frisuren mussten daher einfach zu handhaben sein und eine ganze Woche lang halten.

Im 20. Jahrhundert verschlug es eine Vielzahl Schwarzer Frauen im Zuge der großen Migration in die amerikanischen Großstädte. Dort nahmen sie oft Jobs als Hausangestellte an. Braids verkamen allmählich zum Symbol der Rückständigkeit. Man wollte die grausamen Zeiten der Sklaverei hinter sich lassen und die krausen Haare wurden chemisch geglättet oder als Zeichen der Anpassung an die weiße Gesellschaft unter Perücken versteckt. Die Bürgerrechtsbewegungen halfen dabei, dies wieder aufzubrechen.7

Andernorts in Jamaika waren es die Rastafari, die in den 30er Jahren damit begannen, sich sogenannte Dreadlocks (auch Locs oder Dreads genannt) wachsen zu lassen. Diese Frisur entsteht dadurch, dass die Haare nicht mehr künstlich behandelt werden. Gewaschen werden die Dreads möglichst ohne Shampoo oder Seife, sondern nur mit rein natürlichen Produkten. Wichtig für die Rastafari ist es, die Haare in ihrer natürlichen Form zu belassen. Sie werden weder geschnitten noch gekämmt, sodass sie mit der Zeit mehr und mehr verfilzen.

Auch die Dreadlocks stellen eine ganz bewusste Entscheidung gegen das in Jamaika vorherrschende Schönheitsideal dar. Glattes Haar wird als „good hair“ bezeichnet. Lockiges Haar gilt als „bad“, „knotty“ oder „nappy hair“. Verfilzte Haare wurden in Jamaika zu jener Zeit des Aufkommens der Rastafari als Frisur von Obdachlosen und Wahnsinnigen betrachtet. Da eine solche Frisur Mitgliedern der übrigen Gesellschaft Furcht (engl: dread) einflößen konnte, nannten die Rastas ihre verfilzten Haare Dreadlocks.8

Die spirituelle Bedeutung der Haare

Ziel der Rastafari-Kultur ist die Befreiung aller körperlichen und geistigen Zwänge der Gesellschaft. Sie wollen sich von dieser abheben und sich nicht nach allgemeiner Meinung richten. Die Gesellschaft wird von den Rastafari auch als Babylon bezeichnet. Die in der Rastafari-Kultur vielverwendete Aussage „Dreadlock in a Babylon“ spielt unter anderem darauf an, dass Rastas oft Opfer brutaler Polizeiattacken wurden, bei denen man ihre Dreadlocks abschnitt – ein großer Identitätsverlust für einen Rastafari. Tief religiöse Rastafari schneiden sich ihre Dreadlocks nämlich niemals. Sie identifizieren sich mit den biblischen Nasiräern, welche unter anderem den Eid schworen, weder Bart noch Haare zu schneiden. Je länger die Dreadlocks, umso größer die spirituelle Reinheit, Hingabe und Intensität der biblischen Lebensweise. Sogenannte Tams (Strickmützen, oft in den Farben rot, grün und gelb) und Turbane (häufig von den sogenannten Bobo-Dreads getragen) sollen unter anderem dazu dienen, die Dreadlocks in der Öffentlichkeit vor verunreinigenden Blicken zu schützen.

Lange Locs und Afrohaare stehen für spirituelle Vollkommenheit, was sie mit vielen weiteren Völkern und Glaubensrichtung gemeinsam haben. Die Rastafari bezeichnen ihre Dreadlocks auch als Löwenmähne, da sie sich mit dem gleichnamigen Tier identifizieren. Der Löwe steht unter anderem für afrikanisches Selbstbewusstseins, Kraft und Unbesiegbarkeit.

Auf dem afrikanischen Kontinent selbst werden der menschlichen Haarpracht die unterschiedlichsten Bedeutungen beigemessen. Wo sich in modernen, afrikanischen Gesellschaften die Frisuren heute eher an der Mode orientieren, so steht die Haarpracht und die Art wie diese frisiert ist bei vielen traditionellen Naturvölkern symbolisch für den Familienstand, das Alter, die Fruchtbarkeit oder den Rang in der sozialen Hierarchie des Menschen, der sie trägt. Sehr alte Völker glaubten gar, dass die Haare bei der göttlichen Kommunikation helfen. Diese Ansicht wird auch in spirituellen Kreisen auf der ganzen Welt angenommen. Hier werden die Haare gerne mit Antennen verglichen, die in der Lage sind, Signale und Energien zu empfangen. Dabei stehen vor allem Locken und krause Haare für Vitalität, Leidenschaft, Schönheit, spirituelle Verbindung, Kreativität, Emotionen und dafür, eigene Wege zu gehen.9

Unsere Haare psychosomatisch betrachtet

Die Redewendung „alte Zöpfe abschneiden“ rührt daher, dass Haare spirituell betrachtet auch für unsere Vergangenheit stehen können. Wer mit dieser in Einklang ist, kann sein Haupthaar demnach als Kraftquelle betrachten. Bei den Rastafari und anderen Gruppierungen geht es sogar soweit, dass das Schneiden der Haare aufgrund des Bezugs zur Vergangenheit und Identität verpönt ist. Andere hingegen befreien sich von alten Lastern der Vergangenheit oder beginnen einen neuen Lebensabschnitt, wenn sie sich ihre Haare abschneiden. Buddhistische Mönche beispielsweise verzichten komplett auf das Tragen einer Haarpracht,...



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