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E-Book, Deutsch, 500 Seiten
Donovan / Warren Thriller Quartett 4028 - Vier Krimis in einem Band
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7452-2714-7
Verlag: Alfredbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 500 Seiten
ISBN: 978-3-7452-2714-7
Verlag: Alfredbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Dieser Band enthält folgende Krimis (499) Franklin Donovan: Trevellian und der Marathon des Todes Earl Warren: Bount Reiniger und das fünfte Opfer Earl Warren: Bount Reiniger und die Cockpit-Piraten Earl Warren: Bount Reiniger und der Rosenmörder Der junge Mann lenkte den offenen Jensen Interceptor durch das Automatik-Tor der Villa am Santa Monica Boulevard. Der Kies knirschte in der Auffahrt des weitläufigen Parkgrundstücks, ehe der Mann den englischen Sportwagen vor der breiten Freitreppe stoppte. Der Butler des Filmstars June Armando empfing den Gast eher ungnädig. »Sie haben sich verspätet, Sir. Miss Armando erwartet Sie bereits.« »Ist June allein?« Der junge Mann ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. »Ja, Sir.« Der Butler blieb steif - und riss jäh die Augen auf, als der Lauf des Revolvers in der Hand des Besuchers hochschwang. Er streckte noch abwehrend die Hände vor, da blitzte und krachte es schon. Das Geschoss drang in die Stirn des Butlers und tötete ihn auf der Stelle. Der Killer glättete die Bügelfalten und richtete das Armani-Jackett. Dann versenkte er den Revolver in der Tasche, nahm eine einzelne Rose vom Rücksitz des Sportwagens und stieg die Treppe hoch.
Autoren/Hrsg.
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1.
Nach ihrem Herrenabend, den sie sich gelegentlich leisteten, landeten Bount Reiniger und Captain Rogers am Ende in Bounts Detektei. Bount Reiniger hatte Schwierigkeiten, den Schlüssel ins Schloss zu bringen.
»Toby«, sagte er, »halt mal die Tür fest. Das verdammte Sicherheitsschloss wackelt.«
»Du wackelst.«
»Kann gar nicht sein.«
Endlich klappte es doch. Der dreizehnte Whisky war zu viel gewesen, dachte Bount. Das ist eine Unglückszahl. Normalerweise trank er nicht so viel, er rauchte auch weniger. Doch mal konnte auch Bount Reiniger über die Stränge schlagen. Der Anruf erfolgte, kaum dass die Männer in der Detektei waren. Der Anrufbeantworter war eingeschaltet.
Bount hörte mit: »Hier spricht der Skalpierer. Entschuldigen Sie den späten oder vielmehr frühen Anruf, Bount Reiniger. Ich weiß, dass Sie da sind und mich hören. Bitte melden Sie sich.«
Bount hatte den Anruf auf Band nehmen lassen wollen. Doch als er das hörte, wurde er schlagartig um etliche Grade nüchterner. Er schaltete das Aufzeichnungsgerät ein, hob ab und meldete sich. »Hier ist Reiniger. Soll das ein Witz sein?«
Toby Rogers hörte mit. Sein Gesicht sah aus wie gefroren.
»Nein«, sagte der Anrufer. »Ich bin wirklich der Skalpierer. Viermal habe ich zugeschlagen. Bei Shirley Harris, Claire Winslow, Donna Arden und Catherine Kittredge.«
»Und was ist mit Ann Downey, dem fünften Opfer?«
»Das geht nicht auf mein Konto.« Bount hörte erregten Atem am anderen Ende der Leitung. »Da ist einer stümperhaft auf meine Masche eingestiegen, um ungestraft einen Mord zu begehen und ihn mir anzulasten. Das ist auch der Grund meines Anrufs. Ich will, dass Sie den Halunken finden und der Polizei übergeben. Die Art und Weise, wie er den Mord beging, war primitiv und barbarisch. Ich verurteile sie auf das schärfste. So habe ich nie gemordet.«
Echte Empörung klang aus der Stimme des Anrufers. Salvador Dali hätte ähnlich reagiert, hätte jemand seinen Stil kopiert und dabei grobe Schnitzer begangen.
Nach den Informationen, die ich aus der Sensationsmache der Medien herausfiltern konnte, wären Ann Downeys Haare für meine Zwecke sowieso nicht geeignet gewesen«, fuhr der Anrufer fort.
»Und warum nicht?«, wollte Bount wissen.
»Sie entsprachen nicht meinen Qualitätsansprüchen.«
»Meinen Sie, dass Ihre Mordmethoden besonders human sind?«, fragte Bount, der den Anrufer hinhalten wollte, um Zeit zu gewinnen. »Maßen Sie sich Urheberrechte für Ihre Morde an?«
»Ich bin kein Schlächter und quäle niemand unnötig. Ich folge einem genau festgelegten Ritual. Mister Reiniger, ich weiß, dass Sie nicht allein sind. Captain Rogers, der mit seiner Sonderkommission hinter mir her ist, ist bei Ihnen. Er versucht todsicher bereits, den Anruf zurückverfolgen zu lassen. Deshalb fasse ich mich kurz. Sie werden heute zehntausend Dollar von mir erhalten, Mister Reiniger. Als Bezahlung für die Erledigung des Auftrags, den ich Ihnen gerade erteilte. Ich erwarte gute und schnelle Arbeit.«
Der Anrufer legte auf. Bount Reiniger und Captain Rogers schauten sich an.
»Was hältst du davon, Toby?«, fragte Bount seinen Freund.
Der Captain zuckte die Achseln. Bount hatte gesehen, wie er über den Zweitanschluss telefonierte und von seinen Lippen abgelesen. Toby Rogers hatte sich ans Police Headquarters und die SoKo Skalpierer gewandt.
»Ein Spinner«, sagte er. »Jemand, der dich auf den Arm nehmen will. Welcher Mörder würde denn zehntausend Dollar bezahlen, um jemand zu überführen, der seine Mordmethode kopiert?«
»Einer, der reich genug, exzentrisch und ein Psychopath ist zum Beispiel. Und der zu seinen Morden ein ganz eigenartiges Verhältnis hat. Der Morden als eine besondere Art und Weise ansieht, sich zu verwirklichen, und der seine Taten als Kunstwerke betrachtet.«
»Mit Copyright?«, fragte Toby Rogers.
Bount nickte.
»Der Skalpierer ist nicht mit normalen Maßstäben zu messen«, sagte er. »Seine Taten haben im ganzen Land Abscheu und Entsetzen erregt, wie einst die Morde von Jack the Ripper im viktorianischen London. – Ihr tappt bisher im Dunkeln mit seiner Verfolgung.«
»Augenblick mal«, sagte Toby Rogers. »Wenn du diesen Anruf ernst nimmst ...«
»Ich schließe das nicht von vornherein aus, Toby.«
»... würde das bedeuten, dass der Skalpierer irgendwo in der Nähe lauert. Praktisch in unserer Reichweite.«
Das Jagdfieber packte den Captain. Bount bremste ihn.
»Toby, wir sind hier in Manhattan Midtown. Hunderttausend Menschen sind in der Nähe. Der Skalpierer, wenn er hier anrief, kann meinen Wagen kennen und auf der Straße gewartet und beobachtet haben, wie ich in die Tiefgarage fuhr. Dann brauchte er nur abzuwarten, bis im vierzehnten Stock das Licht ausging, um zu wissen, dass wir in meiner Detektei eingetroffen sind. Oder er steckt in einem Bürohaus in der Nähe. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten. Rein theoretisch könnte eine Wanze in meiner Detektei sein.«
Bount suchte regelmäßig mit dem Detektor nach Mini-Spionen. Doch seit dem letzten Mal waren wieder Wochen vergangen. In der Zwischenzeit hätte eine Wanze eingeschmuggelt worden sein können.
»Warte nur ab«, antwortete Rogers. »Der Anruf wird zurückverfolgt.« Er schaute auf seine Armbanduhr. »Der Rückruf müsste jetzt eintreffen.«
Der Apparat des Zweitanschlusses schlug an. Toby Rogers grabschte den Hörer wie ein armenischer Portier Trinkgeld.
»Captain Rogers. – Ja. – Hmhm. Schade. Vielleicht ist er ja noch unten.« Rogers drückte die Stummtaste und sagte zu Bount: »Der Anruf ist über ein Autotelefon erfolgt. Mehr lässt sich nicht feststellen. Ob ich's mit einer Ringfahndung und mit Straßensperren versuche?«
»Aussichtslos«, sagte Bount. »Wie willst du bei einem x-beliebigen Autofahrer mit Telefon im Auto nachweisen, dass er hier angerufen hat? Die Einheiten, die er mit seinem Mobil-Telefon vertelefonierte, werden festgehalten. Mehr nicht. Es gibt keinen Sinn, wenn du Straßensperren errichten lässt und ganz Manhattan rebellisch machst, Außerdem hast du vor wenigen Minuten den Anrufer noch als Spinner bezeichnet und sahst den Anruf als üblen Scherz an.«
»Schon. Du hast das Gespräch aufgezeichnet, Bount. Immerhin haben wir die Stimme des Anrufers auf Band. Jeder Spur muss nachgegangen werden, bis sie entweder zur Aufklärung des Falls geführt hat oder als unergiebig abgehakt werden kann. Das ist eine kriminalistische Regel.«
»Die Stimme kann verstellt gewesen sein, was die Experten nachprüfen müssen.« Es gab spezielle phonetische Prüfgeräte, mit denen sich das in 99 Prozent aller Fälle nachweisen ließ. »Der Anrufer ist sicher schon eine Strecke weg«, fuhr Bount fort. »Vielleicht fährt er jetzt gerade über den East River rüber nach Queens. Oder er lässt das Auto stehen und geht zu Fuß weg, um es später zu holen. Ich halte es für sinnlos, wenn du Cops durch die Gegend scheuchst und einen Riesenwirbel entfachst.«
»Lassen wir's«, sagte Rogers.
Er sprach ins Phone und legte dann mit einer endgültigen Geste auf.
»Morgen oder vielmehr heute wird sich herausstellen, ob der Anruf ein übler Scherz war oder nicht«, sagte Bount. »Dann nämlich, wenn ich zehntausend Dollar zugeschickt erhalte – oder auch nicht.«
»Und was würdest du tun, wenn du sie tatsächlich erhieltest?«, fragte der Detective-Captain. »Würdest du im Auftrag eines Mörders arbeiten?«
Der Privatdetektiv lächelte gefährlich.
»Warten wir doch erst einmal ab, ob die zehn Riesen bei mir eintreffen oder nicht, Toby. Frag mich dann noch einmal.«
Toby Rogers war Leiter der Mordkommission Manhattan South. Außerdem leitete er die Sonderkommission, die auf den Skalpierer angesetzt war und die im Police Headquarters ihren Sitz hatte. Toby Rogers hatte gerade in der letzten Zeit seinen ohnehin aufreibenden Dienst als noch belastender erlebt und zahlreiche Überstunden geleistet. Bei der Herrentour mit Bount Reiniger hatte er sich mal entspannen und auf andere Gedanken verfallen wollen.
Das war jetzt gründlich verdorben. Die unbeschwerte Stimmung der beiden Freunde war verflogen. Sie gingen in Bounts Junggesellenwohnung hinauf, wo der Privatdetektiv schwarzen Kaffee und Vitaminsäfte auftischte. Alkohol gab's keinen mehr. Schließlich waren die beiden Männer keine Trunkenbolde.
Sie fachsimpelten über den Mörder, der vor einem Jahr zum ersten Mal zugeschlagen hatte. Damals war eine achtzehnjährige Anhalterin, Shirley Harris, bei einer Raststätte oben in Yonkers ermordet und fachmännisch skalpiert aufgefunden worden. Die gerichtsmedizinischen Untersuchungen ergaben, dass an Shirley Harris kein Sexualverbrechen verübt worden...




