E-Book, Deutsch, Band 14, 107 Seiten
Reihe: Romantic-Kiss
D'Orazio Kapitäne küsst man nicht
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95520-853-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein Romantic-Kiss-Roman - Band 14
E-Book, Deutsch, Band 14, 107 Seiten
Reihe: Romantic-Kiss
ISBN: 978-3-95520-853-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Brigitte D'Orazio ist ein Pseudonym der erfolgreichen Autorin Brigitte Kanitz, unter dem sie ihre romantischen Unterhaltungsromane veröffentlicht. Sie arbeitete viele Jahre als Redakteurin für Zeitungen und Zeitschriften in Hamburg und in der Lüneburger Heide. Heute lebt sie gemeinsam mit ihren Zwillingstöchtern an der Adria. Brigitte D'Orazio veröffentlichte bei dotbooks die Romane »Die Sterne über Florenz«, »Villa Monteverde« und »Verliebt auf dem Land« sowie die Kurzromane »Das Haus in Portofino«, »Geliebte Träumerin«, »Der Fünf-Sterne-Kuss«, »Sing mir das Lied von der Liebe« - diese vier Titel auch erhältlich im Sammelband »Zum Verlieben schön« -, »Fundstücke des Glücks«, »Kapitäne küsst man nicht« und »Ti amo heißt Ich liebe dich« - diese drei Titel auch erhältlich im Sammelband »Sommer Love - Für immer wir«.
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Kapitel 3
Ein Vaporetto brachte Zoe und Arno zu ihrem kleinen, aber eleganten Hotel direkt am Canal Grande, nicht weit vom Fischmarkt. Während Arno seine Digitalkamera kaum sinken ließ, betrachtete Zoe die vielen wunderschönen Palazzi, die trotz ihrer teilweise bröckelnden Fassaden nichts von ihrer Pracht eingebüßt hatten. Hier und da zweigten kleine Kanäle ab, sie wurden von Bogenbrücken überspannt und wirkten geheimnisvoll, beinahe beängstigend. Doch was Zoe am meisten beeindruckte, das waren die vielen Menschen. Schon jetzt im Mai brodelte ein endloser Strom von Touristen durch die Gassen, bevölkerte Boote und Gondeln, drängte sich über die Brücken und an den Kanälen entlang. Zoe selbst fühlte sich wie das unscheinbarste Sandkorn an einem riesigen Strand, und wieder fragte sie sich, warum sie am Ende doch nachgegeben hatte.
Ganz einfach, gab sie sich selbst die Antwort. Weil alle auf mich eingeredet haben, als wäre ich nicht mehr bei Sinnen, ein solches Angebot auszuschlagen. Elisabeth hatte sie glattweg für verrückt erklärt, als Zoe von ihren Zweifeln sprach. »Was heißt hier Ahnung von Unheil? Seit wann bist du mit hellseherischen Fähigkeiten gesegnet? Du hast Angst, diese Reise könnte deine Beziehung zu Arno gefährden? So wie ich das sehe, ist es höchste Zeit, dass du dir über einiges klarwirst.« Dabei hatte sie eine handliche Bibel in Zoes Koffer gelegt. »Gehe in dich, mein Kind, und vertraue auf Gott.«
Arno hatte sie sogar zwei Tage mit beleidigtem Schweigen gestraft, aber den Ausschlag gab schließlich Helga Michaelis. »Wir dachten, wir machen euch eine Freude, Kind«, hatte sie gesagt. Ganz ohne Vorwurf, und doch schämte sich Zoe plötzlich für ihr Verhalten. Ohne länger auf die stummen Warnrufe in ihrem Kopf zu hören, sagte sie: »Es tut mir leid, ich wollte nicht undankbar sein. Natürlich freue ich mich auf die Reise. Es wird bestimmt wunderschön.«
Wird es nicht! Wird es nicht!, wisperte es in ihr, aber Zoe hörte nicht mehr hin.
Das kleine Motorschiff hielt an einer Mole, und Zoe sah sich um. Sie erkannte die schmale Fassade eines kleinen Hotels, das sie sich im Internet angeschaut hatte.
»Arno, wir müssen aussteigen. Da drüben ist es.«
»Ich komme schon.« Ungeschickt kletterte er vom Schiff. Es hätte nicht viel gefehlt, und er wäre in den Kanal geplumpst. Zoe verkniff sich ein Lachen. Sie war fest entschlossen, alles an Arno wunderbar zu finden. Dann würde es ein wunderbarer Urlaub werden.
Kurz darauf hatten sie eingecheckt, und Arno musterte in ihrem kleinen, aber geschmackvoll eingerichteten Zimmer zweifelnd das italienische Bett.
»Ziemlich kurz«, murmelte er. Dann schenkte er Zoe einen eindeutig einladenden Blick und klopfte mit der Hand auf die Matratze.
»Sei mir nicht böse«, sagte sie schnell. »Aber ich möchte mir gern die Beine vertreten. Kommst du mit? Wir haben doch nur zwei Tage in Venedig. Lass uns die Stadt erkunden.«
Arnos Schultern sackten noch ein wenig tiefer als sonst. »Wie du willst«, murmelte er.
Fast bedauerte sie ihn. Er war es nicht gewohnt, von ihr eine Abfuhr erteilt zu bekommen. Aber wunderbarer Urlaub hin oder her. Im Moment stand ihr einfach nicht der Sinn nach Arnos Zärtlichkeiten.
Eine halbe Stunde später verlor Zoe ihren Verlobten im Gewühl auf dem Markusplatz aus den Augen, und wieder spürte sie die Vorahnungen in sich aufsteigen, die sie seit dem Abend bei Mamma Lucia quälten. Es schien ihr, als wäre Arno für immer aus ihrem Leben verschwunden. Und mit ihm ihre heimelige Zukunft.
Unsinn! Zoe drückte unwillkürlich den Rücken durch und versuchte, diese dumme, kindische Angst abzuschütteln. Sie lief allein durch die Gassen, genoss es, in den Menschenstrom einzutauchen, verlor jegliches Zeitgefühl. Augenblicke später hatte sie das prächtige, reichverzierte und aufpolierte Venedig hinter sich gelassen und tauchte in eine Welt ein, die gegensätzlicher kaum sein konnte. Hier ahnte man nichts mehr von der meisterhaften Schönheit des Dogenpalastes oder der geschwungenen Grazie der Rialtobrücke. Nur eine schmucklose kleine Brücke führte über einen der unzähligen schmalen Kanäle. Ein offenes Boot brachte den Müll der angrenzenden Häuser fort. Der Verfall war so offensichtlich, dass Zoe sich wunderte, wieso die feuchten, rissigen Mauern noch nicht zusammengestürzt waren. Zwei Venezianerinnen unterhielten sich, aus ihren Fenstern gelehnt, über die modrige Wasserstraße hinweg, und Zoe fragte sich, wie das hier wohl im Sommer riechen mochte. Ein paar Schulkinder versuchten, auf minimalem Platz maximal viel Fußball zu spielen, und ein alter, müder Mann trippelte an ihr vorbei und zeigte mit seinem Stock in die Richtung, aus der sie gekommen war. Sie verstand nicht, was er sagte, doch sie ahnte es: »Sie sind hier falsch, Signorina.«
Sie nickte ihm zu, sehnte sich plötzlich wieder nach der Menschenmenge und der Fröhlichkeit. Als sie sich umwandte und gehen wollte, war der Alte schon verschwunden.
»Da bist du ja!« Arno kam ihr in der kleinen Lobby entgegengelaufen, als sie Stunden später zum Hotel zurückkehrte. »Ich habe mir schon Sorgen gemacht!«
Ganz aufgelöst wirkte er, und Zoe wünschte sich, in seine Arme zu fliegen, glücklich wie ein Kind, das seine verlorenen Eltern wiederhatte.
Doch sie blieb in der Eingangstür stehen, lächelte matt und spürte nichts. Keine Aufregung, keine Freude, keine Liebe.
Oh mein Gott!, dachte sie und wandte sich schnell ab, damit Arno nicht in ihrem Gesicht lesen konnte. Er deutete ihr Schweigen, ihr Wegdrehen falsch und schlang seine langen, knochigen Arme um ihre Schultern.
»Komm, Liebes. Auf den Schreck brauchen wir etwas in den Magen. Ich habe mir die Trattoria gleich um die Ecke empfehlen lassen. Für venezianische Verhältnisse gar nicht so teuer.«
Zoe atmete auf. Nichts hatte sich geändert, gar nichts. Arno war immer noch derselbe Sparfuchs, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen würde. Manchmal halfen Kleinigkeiten, um in die Normalität zurückzufinden.
Sie verbrachten zwei Nächte in Venedig und dazwischen einen langen, hektischen Tag voller Besichtigungen. Dann, an einem sonnigen Maimorgen, fuhren sie zum Hafen.
Als Zoe das Kreuzfahrtschiff zum ersten Mal sah, machte ihr Herz einen winzigen Sprung. So strahlend, so blitzend lag die MS Annabella am Kai, als würde sie darauf warten, ihre Gäste in einen Traum von Glück und Schönheit zu entführen. Zaghaft setzte Zoe ihren Fuß auf die Gangway und spürte ganz deutlich, wie ihr Leben mit diesem ersten Schritt eine dramatische Wendung nahm.
»Willkommen an Bord.« Die junge Frau, schlank, groß und blond wie Heidi Klum, aber ohne deren herzliche Ausstrahlung, reichte Zoe die Hand. Constanze Funke, Chefhostess, stand auf dem Plastikschildchen, das wie ein Orden an ihrer dezent hellblauen Uniformjacke steckte. Ihr Händedruck war so fest, dass Zoe einen Schmerzenslaut unterdrücken musste. Sie schätzte die Frau auf Mitte bis Ende dreißig und stellte sich unwillkürlich auf die Zehenspitzen, um neben ihr nicht ganz so klein und unscheinbar zu wirken. Sämtliche neuen Passagiere, es mochten an die sechshundert sein, wurden auf dem blankpolierten Promenadendeck von einigen Offizieren und Crew-Mitgliedern begrüßt. Der Kapitän allerdings fehlte, was Zoe mit einer Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung zur Kenntnis nahm.
»Drüben an der Bar wartet ein Fruchtcocktail auf Sie«, sagte die Hostess routiniert und wandte sich Arno zu.
»Hallo.« Er verzog schmerzhaft das Gesicht und wedelte mit seiner gequetschten Hand in der Luft herum. »Ich bin Arno Michaelis, der – ähm – Neffe Ihres Kapitäns.«
»Ach, Sie sind das, wie nett.«
Die Hostess schüttelte lächelnd ihre blonden Ponyfransen aus der Stirn, aber Zoe empfand die Freundlichkeit als aufgesetzt.
»Wenn du so viele Leute auf einmal begrüßen müsstest, würdest du auch nicht jeden anstrahlen«, meinte Arno, als sie ihm ein paar Minuten später ihre Gedanken verriet. Beide hatten sich einen Cocktail geholt und spazierten jetzt müßig über das Deck, während ihr Gepäck in die Kabine gebracht wurde.
Zoe lehnte sich an die Reling und hielt ihr Gesicht in die Sonne. »Auf jeden Fall würde ich meinen Gästen nicht die Hand zermalmen.«
Arno grinste. »Ziemlich handfest, die Dame.« Dann sah er sich um. »Komm, lass uns das Schiff anschauen.«
Er legte ihr einen Arm um die Schultern und zog sie mit. Einen Moment lang hatte Zoe das Gefühl, beobachtet zu werden. Instinktiv schaute sie hinauf zur verglasten Brücke, konnte aber niemanden erkennen. Nur ein paar gleißende Sonnenstrahlen spiegelten sich in der Scheibe und warfen Lichtblitze zurück in den Himmel.
Alles nur Einbildung, überlegte sie. Dann folgte sie Arno zur gemeinsamen Entdeckungsreise auf der MS Annabella.
***
Oben auf der Brücke schüttelte Niklas Michaelis ungläubig den Kopf und ließ das Fernglas sinken. Es war normalerweise nicht seine Art, die neu ankommenden Passagiere zu beobachten. Aber er war neugierig gewesen, endlich die Verlobte seines Neffen zu sehen. Es musste ein ganz besonderes Mädchen sein, das bereit war, einen Trockenfisch wie Arno zu heiraten. Ganz sicher unscheinbar mit einer Menge innerer Qualitäten – wenn man bedachte, wie seine liebe Schwägerin Helga von ihr geschwärmt hatte. Doch da war noch mehr. Diese wenigen Sätze, die er mit Zoe gewechselt hatte, gingen ihm nicht mehr aus dem Sinn. Nicht der Inhalt der Worte beschäftigte ihn, sondern die tiefe Wärme ihrer Stimme. Für einen Mann wie ihn, der in zwanzig Jahren auf See nur Rastlosigkeit gekannt hatte, klang eine solche Stimme wie Heimat.
Nun hatte...




