E-Book, Deutsch, 304 Seiten
D'Orazio Verliebt auf dem Land
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95520-774-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Romantik und Landliebe: Ein Lesevergnügen für die Fans von Jana Lukas und Kristina Günak
E-Book, Deutsch, 304 Seiten
ISBN: 978-3-95520-774-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Brigitte D'Orazio ist ein Pseudonym der erfolgreichen Autorin Brigitte Kanitz, unter dem sie ihre romantischen Unterhaltungsromane veröffentlicht. Sie arbeitete viele Jahre als Redakteurin für Zeitungen und Zeitschriften in Hamburg und in der Lüneburger Heide. Heute lebt sie gemeinsam mit ihren Zwillingstöchtern an der Adria. Brigitte D'Orazio veröffentlichte bei dotbooks die Romane »Die Sterne über Florenz«, »Villa Monteverde« und »Verliebt auf dem Land« sowie die Kurzromane »Das Haus in Portofino«, »Geliebte Träumerin«, »Der Fünf-Sterne-Kuss«, »Sing mir das Lied von der Liebe« - diese vier Titel auch erhältlich im Sammelband »Zum Verlieben schön« -, »Fundstücke des Glücks«, »Kapitäne küsst man nicht« und »Ti amo heißt Ich liebe dich« - diese drei Titel auch erhältlich im Sammelband »Sommer Love - Für immer wir«.
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Kapitel 1
Sandra hob den Kopf, sog tief die Luft ein und lächelte verzückt. Diese Duftmischung aus frischem Heu und warmen Pferdeleibern, die Dämpfe aus der Mistkarre in einer Ecke der Stallgasse, dazu der schneidende Geruch nach verbranntem Horn, während der Hufschmied ein neues Eisen anpasste – das alles roch wie ... Sandra zögerte, dann wusste sie: Es roch wie Heimat.
»Pfui Teufel, stinkt das hier!« Jan fischte ein blütenweißes Taschentuch aus seinem Jackett und hielt es sich vor die Nase. »Lass uns hier bitte ganz schnell wieder rausgehen. Ich glaube, mir wird schlecht.« Damit machte er auf dem Absatz seiner handgenähten Wildlederschuhe kehrt und strebte der Stalltür zu, sorgfältig darauf bedacht, in keinen Pferdeapfel zu treten.
Sandra sah ihm nach und stieß einen tiefen Seufzer aus. Es war ein Fehler gewesen, mit Jan hierher zu kommen, aber er hatte ja darauf bestanden.
»Selbstverständlich fahre ich dich«, hatte er gesagt. »Ich lasse meine Freundin doch nicht mutterseelenallein ins Allgäu verschwinden.« Wobei »Allgäu« aus seinem Mund klang, als wär's eine wilde Provinz in Patagonien und nicht einer der schönsten Winkel Deutschlands.
Während der fünfstündigen Fahrt über die Autobahn hatte er dann nichts anderes getan, als auf sie einzureden, um sie in letzter Minute doch noch von ihrem verrückten Plan, wie er es nannte, abzubringen. Von ihrer gesicherten Existenz war die Rede, von seinen beruflichen Plänen und von ihrer gemeinsamen Zukunft.
Sandra hätte schreien können. Genau das war es doch, was sie forttrieb. Dieses durchdachte Leben, geplant bis in alle Einzelheiten, das sich bis zum Horizont ihres Alters erstreckte wie eine endlose öde Wüste.
Ziemlich gemeine Gedanken, fand sie selbst, aber Jan war selbst schuld. Warum konnte er ihre Entscheidung nicht akzeptieren? Warum gab er ihr nicht wenigstens die Chance, sich zu beweisen? Vielleicht hatte er mit seiner Meinung ja Recht, und sie würde in kürzester Zeit zurück in Köln sein.
Aber sie musste es wenigstens ausprobieren. Also tat sie, was sie schon seit Wochen tat, ließ ihn reden und schwieg.
Selbst als sie die A96 bei Mindelheim verließen und immer tiefer ins zauberhafte Voralpenland eintauchten, fuhr Jan in seiner Predigt fort.
»Guck dich doch an, Mäuschen. Du bist gerade mal einssechzig groß und bringst keine fünfzig Kilo auf die Waage. Erklär mir bitte, wie du zum Beispiel einen wilden Hengst zähmen willst.«
»Jan«, brach sie nun doch ihr Schweigen, »es gibt im Allgäu seit ewigen Zeiten keine Wildpferde mehr. Und nenn mich nicht Mäuschen.«
»Du weißt schon, was ich meine.«
»Klar. Du traust es mir nicht zu, eine neue Aufgabe anzupacken. Für dich ist es völlig in Ordnung, wenn ich für den Rest meines Lebens übergewichtigen Dackeln eine Diät verschreibe oder asthmakranke Perserkatzen zur Kur schicke.«
»Bisher warst du damit doch ganz zufrieden. Verdammt!« Letzteres galt der Straße, die sich in zunehmend engen Kurven durch die Landschaft schlängelte. Sie hatten Marktoberdorf hinter sich gelassen und würden in weniger als einer halben Stunde in Detting ankommen. Der Ort lag zwanzig Kilometer vor Füssen und sollte, so hoffte Sandra, ihre neue Heimat werden.
Jan nahm den Fuß vom Gas und zuckelte kurz darauf hinter einem Traktor her, wobei er nervös mit den Fingern auf das Lenkrad klopfte. Als endlich eine kurze gerade Strecke kam, ließ er den Motor seines silbergrauen Alfa Romeos 159 aufheulen und zog vorbei. Sandra war froh, dass es wirklich keine Wildpferde mehr im Allgäu gab, fürchtete aber um das Leben von Rehen und Hirschen.
Nicht zum ersten Mal fragte sie sich, welchen Eindruck sie auf die Einwohner von Detting machen würde, wenn sie mit einem protzigen Auto und einem in Armani gekleideten Mann dort auftauchte. Sympathiepunkte sammle ich auf diese Weise bestimmt nicht, dachte sie müde. Eher werde ich von vornherein als arrogant abgestempelt.
»Ich glaube kaum«, nahm sie den Faden wieder auf, »dass du auch nur im Geringsten eine Ahnung hast, wovon ich träume. Ich bin Tierärztin, Jan, und ich will endlich meinem Beruf einen Sinn geben.«
»Sandra, bitte! Das haben wir doch schon tausendmal durchgekaut.«
»Ja, das haben wir.« Plötzlich überfiel sie tiefe Traurigkeit. Er wird es nie verstehen, dachte sie. Für ihn ist das alles hier bloß eine verrückte Marotte von mir. Unauffällig betrachtete sie sein Profil, das abgesehen von der vorspringenden Nase glatt, weich, beinahe unscheinbar wirkte. Er war zehn Jahre älter als sie, und vor einigen Monaten hatte er damit begonnen, sein grau werdendes Haar braun färben zu lassen. Sandra hatte ihn deswegen ausgelacht, jedoch nur einen verständnislosen Blick geerntet.
»Für einen Geschäftsmann ist es wichtig, gut und jung auszusehen«, hatte er ihr erklärt und dabei eingehend seine Augenfältchen im Spiegel geprüft. O Gott, hatte Sandra gedacht, demnächst wird er sich auch noch liften lassen. Das war einer dieser Augenblicke gewesen, in dem sie sich fragte, was sie beide bloß gemeinsam hatten.
Seit zwei Jahren waren sie ein Paar, aber Sandra spürte schon lange eine sonderbare Form der Erschöpfung, wenn sie mit Jan zusammen war. Es schien ihr, als wären sie einander nie wirklich nahe gekommen, als gäbe es eine Art Niemandsland zwischen ihnen, das sie nicht zu überqueren wagte. Es kam ihr so vor, als hätte sie vergessen, wie man liebte, oder – Sandra schauderte – als hätte sie es nie gelernt.
Sie blickte aus dem Fenster auf die sanften Hügel, die jetzt im Mai ihr helles Grün gegen das leuchtende Gelb von abertausenden Butterblumen eingetauscht hatten. Hier und da erhoben sich dunkle, Schatten spendende Tannenwälder über die Farbenpracht, und ein leichter Wind schickte wie gewaschen wirkende Schäfchenwolken über den tiefblauen Frühlingshimmel. In der Ferne erhob sich die Alpenkette, schneebedeckt und massiv, als würde die Welt hier enden.
»Hörst du mir überhaupt zu?«
»Wie bitte? Entschuldige.«
»Ich habe dich gefragt, ob ich nicht doch über Nacht bleiben soll. Ich kann auch morgen in aller Frühe zu dem Meeting nach München fahren.« Jan besaß in Köln eine gut gehende Werbeagentur, und es hatte Sandra kein bisschen überrascht, als sie erfuhr, dass er die Fahrt mit einem Geschäftstermin verband. So war Jan. Der Job kam an erster Stelle, alles andere hatte sich einzufügen.
»Danke, nicht nötig«, erwiderte sie schroff. »Ich komme schon klar.«
»Hm.« Er warf ihr einen Seitenblick zu. »Aber wenigstens will ich noch sehen, wo du unterkommst. Außerdem interessiert es mich, diesen Dr. Pauly kennen zu lernen. Ein Kerl, der sich mit Händen und Füßen gegen dich gewehrt hat, um dir dann doch den Zuschlag zu geben, das muss schon ein besonderer Kauz sein.«
Sandra sagte nichts und schaute weiter aus dem Fenster, doch die liebliche Landschaft hatte auf einmal ihren Reiz verloren. Wieder stiegen die ahnungsvollen Sorgen in ihr auf, die sie seit Wochen so angestrengt zu verdrängen suchte.
Es stimmte ja. Dr. Leonhard Pauly, Landtierarzt im Kreis Detting, hatte ihr auf ihre Bewerbung hin umgehend eine klare Absage erteilt. Sein Partner habe sich zwar zur Ruhe gesetzt, aber er denke nicht daran, eine Frau an seiner statt in der Praxis aufzunehmen. Schon gar kein junges Mädchen, wie er sich ausgedrückt hatte. Gewiss würde sie eine Stelle finden, die besser zu ihren Fähigkeiten passe.
Empört schrieb ihm Sandra zurück, sie sei zweiunddreißig Jahre alt, falls er das überlesen habe. Außerdem wiederholte sie, dass sie über vier Jahre Berufserfahrung in einer Kölner Tierklinik verfügte. Doch es nutzte nichts. Dr. Pauly blieb stur und schmetterte zwei weitere Anfragen kurz angebunden ab.
Zu dem Zeitpunkt hatte Sandra bereits ihre Stellung gekündigt, und sie dachte gar nicht daran, wegen dieses Allgäuer Maulesels ihren Traum aufzugeben. Sie wollte raus aus der Stadt und auf dem Land endlich eine Tierärztin sein, die wirklich gebraucht wurde. Die Erbschaft von Onkel Dieter würde ihr dabei helfen. Irgendwo fand sich bestimmt eine andere Chance.
Zu ihrer größten Überraschung hatte sie dann vor zwei Wochen eine E-Mail aus Detting bekommen. Nicht von Dr. Pauly persönlich (das konnte der Mann offenbar nicht mit seinem Stolz vereinbaren), aber immerhin von seiner Tierarzthelferin. Angela Guggemos fragte an, ob Sandra noch immer an der Partnerschaft interessiert sei, und ließ durchblicken, dass sich kein anderer Kollege gefunden habe.
Den Ausschlag gab schließlich die stolze Summe, die Sandra für ihre Aufnahme in die Tierarztpraxis anbot. Man einigte sich auf eine Probezeit von drei Monaten, und Sandra machte sich keine Illusionen. An jedem einzelnen Tag, in jeder Stunde würde sie beweisen müssen, dass sie den Anforderungen gewachsen war.
Das Tier tauchte so plötzlich wie ein Blitzschlag am rechten Straßenrand auf.
»Pass auf!«, schrie Sandra.
Fluchend riss Jan das Lenkrad herum und stieg auf die Bremse. Der Alfa Romeo kam mit einem Ruck seitlich zum Stehen. Beide wurden schmerzhaft in ihre Gurte gedrückt.
»Was zum Teufel war das?«
Sandra starrte zu dem Waldstück hinüber, in dem das Tier mit weiten Sätzen verschwunden war.
»Das sah aus wie ein Wolf«, murmelte sie ungläubig.
»Du spinnst!«
»Wirklich. Die Größe, das graubraune Fell, ich möchte wetten ...«
»Quatsch.« Jan brachte den Wagen wieder in Fahrtrichtung und trat mit äußerster Vorsicht auf das Gaspedal.
»In dieser Gegend gibt es weder Wildpferde noch Wölfe noch sonst irgendein gefährliches Viehzeug. Oder willst du mir plötzlich etwas anderes erzählen?«
Sie waren...




