Dorn | Trigger - Das Böse kehrt zurück | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 496 Seiten

Reihe: Die Trigger-Reihe

Dorn Trigger - Das Böse kehrt zurück

Thriller
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-641-19682-0
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 2, 496 Seiten

Reihe: Die Trigger-Reihe

ISBN: 978-3-641-19682-0
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Böse kehrt zurück

Nach der rätselhaften Ermordung seiner Lebensgefährtin ist der Ex-Psychiater Mark Behrendt am Ende. Nur seiner besten Freundin Doreen verdankt er, dass er noch am Leben ist. Doch gerade, als Mark den Albtraum überwunden glaubt, kehrt der mysteriöse Mörder zurück und entführt Doreen. Er stellt Mark ein Ultimatum: Ihm bleiben knapp vier Tage Zeit, ein entsetzliches Verbrechen zu begehen. Wenn er sich weigert oder scheitert, wird Doreen sterben. Mark steht vor einer grausamen Entscheidung, und die Uhr tickt …
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EIN BILD AUS DER HÖLLE (I)


Das war sein erster Gedanke, der auf den Schock folgte. Und ja, es musste so sein, eine andere Erklärung konnte es nicht geben. Was er da vor sich sah, musste reine Einbildung sein. Eine böse Halluzination.

, flüsterte etwas in ihm.

Ja, das war die offensichtliche Erklärung.

Er war übergeschnappt.

Einfach so. Als hätte jemand einen Hebel in seinem Kopf umgelegt.

Die ersten siebzehn Jahre seines Lebens war er ein intelligenter und aufgeweckter Junge gewesen, und heute – ausgerechnet am ersten Weihnachtsfeiertag – war er von einem Moment zum nächsten reif für die Klapsmühle geworden.

Aber konnte das wirklich sein? Konnte man ohne jegliche Vorzeichen plötzlich verrückt werden?

Oder war das alles vielleicht nur ein schlimmer Traum?

, überlegte er. Hatte nicht Albert Einstein gesagt, dass die Realität nur eine beharrliche Illusion ist? Jedenfalls behauptete das einer der vielen Aufkleber auf seiner Laptoptasche, deren Tragegurt er nun krampfhaft umklammert hielt.

Demnach könnte alles, was er in diesem Moment wahrzunehmen glaubte, nur eine gewaltige Täuschung sein. Eine von der Art, die sich verteufelt echt anfühlten.

Denn tatsächlich spürte er die Kälte des Winterabends, als würde er jetzt hier vor seinem Haus stehen. Er sah die Atemwölkchen, die stoßweise aus seinem Mund drangen – hektisch, weil er vor Entsetzen keuchte –, und er roch den Rauch, den der frostige Wind vom Schornstein herabwehte. Diesen unverkennbar würzigen Duft nach verbrannten Buchenholzscheiten, den er mit Winter und Weihnachtszeit verband.

Zudem glaubte er, die blinkenden Deko-Figuren im verschneiten Vorgarten zu sehen. Ihr bläuliches LED-Licht ließ den überfrorenen Schnee wie ein Meer aus winzigen Diamanten funkeln.

Er hatte das Rentier, den Engel mit den ausgebreiteten Flügeln, und den Weihnachtsmann, der sich mit einer »Ho Ho Ho«-Geste den dicken Bauch hielt, zusammen mit seinem Vater eine Woche vor Heilig Abend aufgestellt. Sie hatten erst die Metallgestelle zusammengeschraubt und die Figuren dann an den Steckdosen angeschlossen, die in einer Steinattrappe neben dem Hauseingang verborgen waren.

Das war jetzt acht Tage her. Er konnte sich noch deutlich daran erinnern. Das Kabel an dem blinkenden Weihnachtsmann war defekt gewesen, weshalb er im Baumarkt ein neues gekauft hatte. Bei der Verkäuferin mit der schwarzen Stoppelfrisur, auf die er heimlich stand, auch wenn sie schon über zwanzig sein musste.

Ja, bis zu diesem Punkt schien das Bild vor ihm bis ins Detail stimmig und real zu sein.

Dennoch war etwas anders. Etwas war mit diesem Bild ganz und gar nicht in Ordnung.

Er fühlte sich wie in einem bösen Fiebertraum. Santas starres Lachen kam ihm jetzt keineswegs fröhlich vor, sondern irgendwie boshaft und spöttisch. Ebenso wie das Pfeifen von Bing Crosby, dessen aus der weit offen stehenden Haustür trällerte. Das war das liebste Weihnachtslied seiner Mutter, und dieser Tage gehörte es natürlich zu den Stammgästen auf der Playlist in ihrem Küchenradio.

Sein Blick wanderte weiter zu dem Tannenkranz, der über dem Briefkasten neben der Tür hing, verziert mit einer goldenen Schleife und vier roten Glaskugeln.

Auch dieser Kranz gehörte zum üblichen Weihnachtsritual, auf das seine Mutter bestand. Ihrer Meinung nach konnte das Haus sowohl innen als außen gar nicht genug dekoriert sein. Weil Weihnachten doch das schönste Fest von allen ist, sagte sie oft. Ein Fest für die Familie. Deshalb hing auch für jeden von ihnen eine Kugel an dem Kranz.

Aber nun waren drei dieser Kugeln zerborsten. Ihre feinen Scherben waren über den Fußabstreifer und die Stufen zum Vorgarten verstreut. Als wären sie geplatzt oder zerschlagen worden.

Und nicht weit davon entfernt lag …

… dort lag …

Sein Verstand weigerte sich mit aller Kraft, das Bild als das anzuerkennen, was es so offensichtlich zu sein schien.

, dachte er und hätte fast hysterisch losgelacht.

Das stimmte definitiv. Ihre beste Freundin zog seine Mutter gern damit auf, dass sie während der Weihnachtszeit locker eine ganze Kompanie verköstigen könnte. Und da hätte ihr niemand aus der Familie widersprochen.

Also konnte die Frau da vor ihm nicht seine Mutter sein.

Niemals.

Weil sie ja in der Küche war.

Aber die Gestalt, die dort seltsam verrenkt auf dem Bauch lag, als wollte sie wie eine ungelenke Schwimmerin durch den knöcheltiefen Schnee kraulen, sah seiner Mutter täuschend ähnlich. Ihr Gesicht konnte er zwar nicht sehen, doch er erkannte den beigen Strickpullover mit dem Zopfmuster.

Also warum, zum Teufel, sollte jetzt eine Fremde den Pullover seiner Mutter tragen? Und ihre Jeans. Und die gefütterten Hausschuhe, die seine Mutter trotz Fußbodenheizung und dem Schwedenofen im Wohnzimmer immer trug, auch wenn sich alle anderen im Haus schon wie in einer Sauna fühlten. Wegen ihres niedrigen Blutdrucks klagte sie ständig über kalte Füße. Weshalb hätte sie ihre warmen Schuhe also einer anderen geben sollen?

Dieser Gedanke war so laut, dass er wie ein Schrei in seinem Kopf dröhnte. Dann schob sich ein weiterer Gedanke dazu – nicht mehr ganz so laut, aber nicht minder drängend:

.

Ja, das sah er. Oder vielmehr er, es zu sehen.

So oder so, er konnte und wollte weder die Leiche im Vorgarten akzeptieren noch die blutigen Handabdrücke an den Wänden im Flur, die er durch die offene Tür sehen konnte. Von dort aus musste sich diese Frau

()

mit letzter Kraft ins Freie geschleppt haben, ehe man sie mit einem vierten Schuss niedergestreckt hatte.

Ebenso wenig wollte er wahrhaben, dass drinnen im Haus, am Ende des Flurs, zwei Beine in einer Blutlache aus der Wohnzimmertür ragten.

Denn das hätten dann die Beine seines Vaters sein müssen, wie man an den Schuhen erkennen konnte. Dann wäre ja auch sein Vater tot, und auch das konnte unmöglich wahr sein.

Aber er sah die Beine, sah das frische Blut, auf dem das Licht der Flurlampe glitzerte wie Sonnenstrahlen auf einem tiefroten Teich.

Und diese Schuhe … es waren dieselben, die sein Vater immer trug, wenn er in den Wald ging. Dasselbe derbe Profil. Dieselben Schnürsenkel. Weiß-rot, weil das die einzigen reißfesten waren, die der Schuhladen in der Innenstadt führte.

Niemals würde er das glauben! Lieber zog er die Möglichkeit in Betracht, urplötzlich den Verstand verloren zu haben.

Sollten sie ihn doch in eine Zwangsjacke stecken und mit Medikamenten vollpumpen, das war ihm völlig egal. Irgendwann würde er schon wieder zu sich kommen, und wenn er dann nach Hause käme, wäre alles wie immer. Seine Familie wäre am Leben. Natürlich wäre sie das.

Aber dann dämmerte ihm trotz aller geistiger Gegenwehr, dass das Blinken um ihn herum nicht nur von den Figuren im Garten stammte. Die LED-Dekoration allein hätte diesen dunklen Abend nie so hell erleuchten können. Dazu brauchte es weit mehr als nur drei blinkende Figuren und eine Straßenlaterne.

Das eigentlich auffallende Blinken stammte von den Blaulichtern der Streifenwagen. Die hatte er schon von Weitem gesehen, als er vorhin nach Hause gekommen war. Immerhin bis zu diesem Punkt erklärte sich sein Verstand jetzt bereit, das Gesehene zu akzeptieren.

Und während damit die erste lähmende Welle seines Schocks nachließ, drang eine weitere Wahrnehmung in sein Bewusstsein vor: Jemand hielt ihn fest.

Ja, nun fiel es ihm wieder ein. Da waren diese beiden Polizisten. Sie waren vorhin sofort auf ihn zugelaufen, kaum dass er das Haus erreicht hatte.

Jetzt hielten sie ihn an den Armen gepackt und versuchten, ihn wegzuziehen. Weg von diesem furchtbaren Anblick.

»Komm schon, Junge«, sagte einer von ihnen. Welcher der beiden konnte er nicht sagen. Dafür reichte seine geistige Kapazität...


Dorn, Wulf
Wulf Dorn (*1969) war zwanzig Jahre in einer psychiatrischen Klinik tätig, ehe er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit seinem 2009 erschienenen Debütroman "Trigger" gelang ihm ein internationaler Bestseller, dem weitere folgten. Dorns Bücher werden in zahlreiche Sprachen übersetzt und begeistern eine weltweite Leserschaft. Für seine Storys und Romane wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem französischen Prix Polar, dem ELLE Readers Award und dem Glauser Preis.



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