E-Book, Deutsch, Band 072022, 144 Seiten
Reihe: Julia
Douglas Zwischen Vernunft und verbotenem Verlangen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7515-0961-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 072022, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-0961-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sie ist nur das Kindermädchen! Das darf Monique nie vergessen! Zwölf Monate lang soll sie den kleinen Sohn des milliardenschweren italienischen Geschäftsmanns Luca Vieri betreuen, nachdem die Mutter des Kindes gestorben ist. Dann wird sie nach Australien zurückkehren. Und Luca nie wiedersehen. Aber in Rom erliegt sie nicht nur dem Zauber der ewigen Stadt, sondern auch Lucas heißen Küssen. Monique erlebt einen Sturm leidenschaftlicher Gefühle! Doch sie weiß: Sie und Luca kommen aus verschiedenen Welten ...
Das Erfinden von Geschichten war schon immer eine Leidenschaft von Michelle Douglas. Obwohl sie in ihrer Heimat Australien bereits mit acht Jahren das erste Mal die Enttäuschung eines abgelehnten Manuskripts verkraften musste, hörte sie nie auf, daran zu arbeiten, Schriftstellerin zu werden. Ihr Literaturstudium war der erste Schritt dahin, der zweite, ihr Entschluss, ein eigenes Abenteuer zu wagen und gemeinsam mit ihrem zukünftigen Ehemann nach England zu gehen. Damit ein weiterer Kleinmädchentraum wahr werden konnte, ernährten sich die Verlobten zwei Wochen nur von Dosensuppen, um sich für ihre Hochzeitsnacht eine Suite in einem Luxushotel leisten zu können. Seine Flitterwochen verbrachte das junge Paar in der Stadt der Liebe: Paris! Dieses Erlebnis weckte in Michelle den Wunsch, auch andere ein solches Glück erleben zu lassen. So war ihr eigenes romantisches Abenteuer für sie der Auslöser, romantische Geschichten auf Papier zu bannen und ihre Leser für eine kurze Zeit in eine rosarote Welt zu entführen. Heute ist sie am glücklichsten, wenn sie sich in ihre Fantasie vertiefen und mit einem Stift in der Hand ihre modernen Heldinnen und humorvollen Helden zum Leben erwecken und ihnen Happy Ends schenken kann.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Das Baby hörte nicht auf zu schreien. Luca Vieri lief verzweifelt in seinem Motelzimmer hin und her. Der Kleine war gefüttert, frisch gewickelt und hatte kein Fieber. Trotzdem schrie er wie am Spieß.
Luca drehte eine Runde durchs Zimmer, wofür er dank seiner Beinlänge und der fehlenden Größe des Raumes nicht lange brauchte. Er war geräumigere und luxuriösere Unterkünfte gewöhnt. Allerdings vermutete er, dass die atemberaubende Aussicht auf den Strand die meisten Motelgäste hinreichend entschädigte.
Ihm waren Zimmerkomfort und Aussicht egal. Er wünschte sich einfach nur, seinen Sohn beruhigen zu können.
„Luca, bist du noch da?“
Die Stimme am anderen Ende der Leitung riss ihn aus seinen Gedanken. Er hielt sich das andere Ohr zu und versuchte sich darauf zu konzentrieren, was sein Assistent ihm berichtete.
„Sì.“
Das Baby schrie weiter. Offenbar hatte sein Sohn eine kräftige Lunge.
Sein Sohn.
Er schloss die Augen, zwang sich aber, sie rasch wieder zu öffnen. Sobald er das Telefongespräch beendet hätte, würde er seine ganze Aufmerksamkeit wieder dem Baby widmen. Vielleicht hätte er einfach ins andere Zimmer gehen, die Tür schließen und sein Telefonat bei etwas niedrigerem Lärmpegel führen sollen. Aber er brachte es nicht über sich, den sieben Monate alten Benito auch nur ein paar Minuten allein zu lassen. Er wollte, dass sein Sohn ihm vertraute. Der Junge sollte begreifen, dass sein Vater immer für ihn da sein würde.
„Das ist alles kein Problem“, sagte er zu seinem Assistenten.
Der Anblick von Benitos rot geweintem Gesicht schnitt ihm ins Herz. Bald würde der Kleine erschöpft einschlafen.
„Verschieb alles auf nächste Woche“, ordnete er an.
„Schon erledigt.“
„Gut.“
Als er sich dem Laufgitter näherte, schrie Benito nur umso lauter, sodass Luca sich verzweifelt zurückzog. Er wollte seinen Sohn so gern trösten, aber sie kannten sich erst seit zwei Tagen. Für das Kind war er ein Fremder. Der Kleine vertraute ihm nicht, hatte immer noch Angst vor ihm. Er gestattete Luca nur, ihn zu füttern, wenn er es vor Hunger nicht mehr aushielt, und er schlief nur auf seinem Arm ein, wenn er völlig erschöpft war. Benito war vor einer Weile aufgewacht und hatte zugelassen, dass Luca ihm sein Mittagessen gab. Aber jetzt schlug er jedes Mal die Wasserflasche weg, wenn Luca sie ihm reichte. Er drehte den Kopf weg, wenn sein Vater ihm den Schnuller geben wollte, und wenn er ihn hochhob, strampelte er wild, um sich zu befreien.
Luca wollte seinem Sohn so gern helfen, aber gegen Trauer gab es kein sofort wirksames Heilmittel. Benito vermisste seine Mutter. Er trauerte um die Frau, an die er sich irgendwann nicht mehr erinnern würde.
Luca schluckte. Auch er haderte mit seinem Schicksal.
„Luca?“
Die Stimme seines Assistenten holte ihn in die Gegenwart zurück.
„Sorry, Piero. Was meine Mutter betrifft … sag ihr, dass ich sie anrufe, sobald ich wieder in Rom bin.“
„Alles klar.“
Luca machte sich im Geiste eine Notiz, seinem Assistenten ein großzügiges Weihnachtsgeld auszuzahlen. „Ich weiß, es ist viel verlangt. Ich werde ihr selbst auch eine Nachricht schicken, aber ich fürchte, sie wird dich trotzdem weiter nerven.“
„Macht nichts. Ich komme mit Signora Conti schon klar.“
Das konnten nur wenige Leute von sich behaupten, aber Piero war einer von ihnen.
„Grazie, Piero.“
„Du brauchst Zeit für deinen Sohn.“
Er verzog den Mund. „Bloß wartet ein Großunternehmen wie unseres in der Zwischenzeit nicht geduldig auf mich.“ Das galt umso mehr, da er erst seit zwei Jahren der Firmenchef war.
„Deine Cousine, Signorina Rosetta Vieri, ist eingesprungen und tut, was sie kann. Sie macht das sehr gut.“ Rosetta war die einzige Verwandte, der Luca voll und ganz vertraute. Sie hatten vor Kurzem herausgefunden, dass es einen Verräter in der Firma gab, und es gefiel ihm gar nicht, sie damit allein zu lassen. „Hast du weitere finanzielle Unregelmäßigkeiten festgestellt?“
„Ja. Zwar nicht so gravierende, es ist aber trotzdem alarmierend.“
Die Quelle dieser Unregelmäßigkeiten zu finden würde höchste Priorität haben, wenn Luca nach Rom zurückkehrte.
Benitos unablässiges Schreien machte es Luca unmöglich, sich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren. Er nahm den Teddybär, den er für den Kleinen gekauft hatte, und ließ ihn auf dem Geländer des Laufgitters herumtanzen, aber Benito schmiss sich einfach auf die andere Seite. Er beeilte sich so sehr, seinem Vater zu entkommen, dass er beinahe gegen die Holzstangen gefallen wäre.
Luca wurde es schwer ums Herz. Er liebte seinen Sohn. In dem Moment, als er Benito zum ersten Mal gesehen hatte, war sein Beschützerinstinkt geweckt worden. Er würde eine starke, unverwüstliche Beziehung zu seinem Sohn aufbauen und alles tun, damit Benito sich geliebt und geborgen fühlte.
Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Es war unrealistisch zu erwarten, dass ihm das so schnell gelang. Die erste Zeit war schwierig. Er hatte nicht geahnt, dass es ihn so auslaugen würde. Er war daran gewöhnt, Probleme rasch zu lösen, nicht daran, sich so … ohnmächtig zu fühlen.
„Da ist noch was“, meinte sein Assistent. „Signor Romano hat angerufen. Er möchte, dass du so bald wie möglich persönlich mit ihm sprichst.“
Dio! Wie hatte er so schnell Wind davon bekommen?
Das Baby schrie weiter aus Leibeskräften.
Ein Auge auf seinen Sohn gerichtet, öffnete Luca die Glasschiebetür zur Veranda, trat hinaus und genoss die frische Brise im Gesicht. „Meinst du, ich muss ihn anrufen, bevor ich wieder in Rom bin?“
„Sì.“
Cavolo! Er würde sehr aufpassen und all sein Taktgefühl sowie diplomatisches Geschick einbringen müssen. Doch selbst das würde vielleicht nicht reichen.
„Gut, ich kümmere mich darum.“
Er hatte Bella versprochen, dass er einen Weg finden würde, ihre Verlobung zu lösen. Die Entdeckung, dass er einen Sohn hatte, bot ihm eine gute Entschuldigung. Luca konnte vorgeben, dass er Zeit brauchte, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Und Bella konnte behaupten, dass sie nicht so schnell Stiefmutter werden wolle.
Doch Signor Romano würde vermutlich einwenden, dass Benito kein Problem darstelle. Er würde zwar verlangen, dass die Kinder, die Bella und Luca nach ihrer Heirat bekämen, die legitimen Vieri-Erben würden, aber wenn das geklärt wäre, könne Bella sich bestimmt mit der Idee anfreunden, Benito großzuziehen.
Was der alte Herr nicht wusste, war, dass Bella in einen anderen Mann verliebt war. Und Luca hatte keine Lust, eine Frau zu heiraten, die gar nicht mit ihm zusammen sein wollte. Zwar wünschte er sich unbedingt ein Bündnis der beiden Familien, dennoch würde er Benito nicht anders behandeln als die weiteren Kinder, die er vielleicht eines Tages haben würde.
Mit der Zeit würde Bella ihren Vater vielleicht mit ihrem Auserwählten versöhnen können, allerdings war Signor Romano ein Hitzkopf und eine Vereinigung der beiden Familien sein größter Wunsch. Luca musste also nach einem Weg suchen, wie er den alten Mann nicht verprellte, auch wenn Bella und Luca nicht heirateten.
Bei dem Gedanken, welche Herkulesaufgabe Bella ihm aufgehalst hatte, wurde ihm flau im Magen. Es würde ihm nicht gelingen, das Problem mit einem einzigen Telefonat zu lösen, aber er könnte zumindest schon mal den Weg ebnen.
Wenn Benito nur mit dem Schreien aufhören würde! Wenn Luca in den letzten drei Tagen nur ein wenig geschlafen hätte! Wenn er nur schon vor sieben Monaten von der Existenz seines Sohnes erfahren hätte!
„Okay, Piero …“ Er unterdrückte einen Seufzer. „Wie schätzt du die Lage ein?“
Er zwang sich, sich auf die Stimme seines Assistenten zu konzentrieren, aber eine Bewegung im Motelzimmer erregte seine Aufmerksamkeit. Der schwarze Rock, die weiße Bluse und die flachen Schuhe wiesen darauf hin, dass es sich um eine Hotelangestellte handelte, die soeben eingetreten war. Über Benitos Brüllen hinweg hatte er gar nicht gehört, dass sie angeklopft hatte.
Luca wollte sie bitten, später wiederzukommen, doch ihr strahlendes Lächeln beim Anblick seines Sohnes hielt ihn zurück.
Sie beugte sich zu dem weinenden Kind hinunter. „Hallo, Benny, mein Kleiner! Was ist denn los?“
Benito hörte sofort auf zu weinen, wandte sich dem Zimmermädchen zu, blickte es an – und dann streckte er ihr, aufgeregt zappelnd, seine Ärmchen entgegen. Als sie ihn hochgehoben hatte, schlang er die Arme um ihren Hals und schniefte in ihren Nacken, während sie ihn schaukelte und leise beruhigte. Luca schnappte „Armes kleines Baby!“ und „Dir fehlt sie auch!“ auf. Hatte diese Frau Anita etwa gekannt?
Aber natürlich, dieser Ort war schließlich winzig. Hier kannte jeder jeden.
Während er die beiden wehmütig beobachtete, richtete sie plötzlich den Blick auf ihn. Ihre Augen waren klar und bernsteinfarben. Dabei hatte er geglaubt, dass sie ihn nicht bemerkt hätte …
Ihr Gesicht nahm einen fragenden Ausdruck an, und sie wies aufs Sofa. Luca nickte zustimmend.
Nachdem sie sich mit Benito hingesetzt und eine Strähne ihrer karamellbraunen Haare aus dessen Fingern befreit hatte, stimmte sie ein Kinderlied an, das Luca von früher kannte. Benito blickte sie mit verheulten Augen an, als wäre...




