E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
Douglass Die Tür zu seinem Herzen
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-3623-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-7515-3623-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Was willst du hier?' Jericho klingt furchtbar feindlich, aber seine Ranch ist der einzige Ort, wo Camille untertauchen kann! Doch bald droht dem schönen City Girl auch hier Gefahr - diesmal für ihr Herz. Denn aus Feindschaft wird Sicherheit, aus Sicherheit wird Verlangen ...
Als Tochter lesebegeisterter Eltern ist Kathy Douglass mit Büchern aufgewachsen und hat schon früh eins nach dem anderen verschlungen. Dann studierte sie Jura und tauschte Liebesgeschichten gegen Gesetzestexte ein. Nach der Geburt ihrer zwei Kinder wurde aus der Liebe zum Lesen eine Liebe zum Schreiben. Jetzt schreibt Kathy die Kleinstadt-Romances, die sie selbst immer gern gelesen hat.
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1. KAPITEL
Geh irgendwohin, wo niemand dich sucht. Diese warnenden Worte gingen Camille Parker einfach nicht aus dem Kopf, während sie über die dunkle Landstraße raste. In einer Kurve verlor sie fast die Kontrolle über den Wagen. Leise fluchend nahm sie den Fuß vom Gaspedal und lenkte das rechte Vorderrad wieder auf den Asphalt zurück. Wenn sie sich selbst umbrachte, würde man sie nicht ermorden müssen.
Camille fuhr noch langsamer und hielt nach einem Briefkasten Ausschau. Sie müsste bald da sein. Endlich entdeckte sie die von zwei hohen Bäumen flankierte Einfahrt und hielt neben dem Briefkasten an. Hoffentlich stand ein Name darauf und nicht nur eine Hausnummer. Doch dann fiel ihr Blick auf die roten Worte „Jericho und Jeanette Jones“, und sie atmete erleichtert auf. Trotz ihrer Angst wurde ihr warm ums Herz, als sie den Namen ihrer einstigen Freundin las. Sie vermisste Jeanette so sehr und würde es auch immer tun.
Camille war sich sicher, dass ihr niemand von New York aus gefolgt war, trotzdem schaute sie in den Rückspiegel, um sicherzugehen, dass sie allein war. Dann bog sie auf die lange Einfahrt ein und gab auf dem Splitt vorsichtig Gas. Jetzt, wo sie so kurz vor dem Ziel war, wollte sie nichts mehr riskieren.
Was, wenn Jericho sie nicht ins Haus ließ? Er hasste sie schließlich und sie hasste ihn. Der Ausdruck eingeschworene Feinde war ihr fremd, aber er beschrieb ihre Beziehung besser als jeder andere.
Nicht genug damit, dass er Jeanette dazu gebracht hatte, die Verlobung mit ihrem Bruder zu lösen und stattdessen ihn zu heiraten. Nein, er hatte Jeanette auch noch mitten in diese Einöde verfrachtet und sie hier sterben lassen. Camilles Augen füllten sich automatisch mit Tränen, als sie daran dachte, wie sie von Jeanettes Tod erfahren hatte – zufällig, durch den Nachruf im Rundbrief der Ehemaligen ihrer Highschool. Noch ein Grund mehr, Jericho abgrundtief zu hassen.
Das Haus tauchte nun hinter einer Kurve auf. Sie hielt davor an, öffnete die Fahrertür und seufzte schwer, als ihr einmal mehr Zweifel kamen.
Was, wenn er sie nicht aufnehmen würde?
Sie wehrte sich gegen die Angst, die sie hierhergeführt hatte. Ohne es zu wollen, hatte sie ihren Chef Donald Wilcox dabei belauscht, wie er jemanden angewiesen hatte, sie zu beseitigen und es wie einen Unfall aussehen zu lassen. Panisch hatte sie versucht, Rafael Delgado, ihren Kontaktmann beim FBI, zu erreichen, und daraufhin erfahren, dass dieser nach einem Verkehrsunfall im Koma lag. Jetzt wusste sie nicht mehr, wem sie noch vertrauen konnte. Deshalb musste sie für eine Weile untertauchen.
Bei ihren Eltern oder ihrem Bruder in Chicago konnte sie sich nicht verstecken, denn dort würden die Killer sie garantiert zuerst suchen. Ihre Verfolger konnten außerdem mühelos herausfinden, wer ihre Freunde waren. Das galt für die, die sie in Chicago zurückgelassen hatte, und auch für die in New York, mit denen sie an der Wall Street zusammengearbeitet hatte. Zu denen konnte sie also auch nicht fliehen. Sie wollte ihre Familie und ihre Freunde nicht in Gefahr bringen, deshalb brauchte sie einen Zufluchtsort, von dem niemand etwas wusste oder an dem niemand sie vermuten würde.
Die Double J Ranch war genau der richtige Ort. Sie und Jericho hatten seit fünf Jahren kein freundliches Wort mehr miteinander gewechselt, und was noch wichtiger war, sie hatte ihn keinem Kollegen gegenüber je erwähnt. Niemand in den Banker-Kreisen von New York würde sie jemals mit einem Pferdezüchter aus North Carolina in Verbindung bringen. Sweet Briar, die nächste Stadt, lag fast eine Stunde entfernt von hier am Atlantik.
Ein mulmiges Gefühl stieg in ihr auf, als sie sich vorstellte, wie er ihr die Tür vor der Nase zuschlug. Das durfte einfach nicht passieren, denn er war ihre letzte – ihre einzige – Hoffnung.
Sie konnte weder ihre Kreditkarten benutzen noch etwas von ihren Konten abheben, denn sie wusste genau, dass sie damit eine verräterische Spur hinterlassen würde. Erst als sie fast in North Carolina gewesen war, hatte sie daran gedacht, an einem Geldautomaten zu halten. Doch da war es schon zu spät gewesen. Also hatte sie das Hotelzimmer gestern bar bezahlt und besaß jetzt nur noch die dreihundert Dollar, die sie immer bei sich hatte – nicht für echte Notfälle, sondern um spontan shoppen gehen zu können. Sie fragte sich, wie lange das Geld wohl reichen würde.
Nun stieg sie aus, eilte die Stufen hinauf und klingelte mehrmals. Ein Hund begann daraufhin zu bellen, kratzte an der Tür und verstummte wieder. Sie lauschte, aber nichts geschah. Sie war versucht, gegen die Tür zu hämmern, doch nach einem Moment klingelte sie einfach sekundenlang weiter. Der Hund bellte erneut.
Sie hatte keine Ahnung vom Leben auf einer Ranch. War Jericho gerade im Haus oder in der Scheune? Wo war die Scheune? Was sollte sie tun, wenn er gar nicht hier war?
Sie hatte schließlich nicht angerufen, um sich anzukündigen. Wie auch? Sie kannte seine Telefonnummer gar nicht. Außerdem hatte sie sicherheitshalber ihr Handy zerstört und die Einzelteile in den Straßen von New York verstreut, damit sie nicht geortet werden konnte. In ihrer Situation konnte sie nicht vorsichtig genug sein. Sie war zwar noch nie von Killern verfolgt worden, hatte aber das getan, was sie aus Kinofilmen kannte.
Als sie die Faust hob, um an die Tür zu klopfen, wurde sie plötzlich aufgerissen. Sie verlor daraufhin das Gleichgewicht und fiel auf den Mann vor ihr. Er fing sie auf, und sie nahm einen Hauch seines äußerst männlichen Dufts wahr. Pinie, Leder und Seife. Vor allem aber roch er nach Sicherheit und Geborgenheit. Nach einem Zuhause.
Etwas unsanft schob er sie von sich. Sie hob den Kopf und schaute in seine dunkelbraunen Augen, in denen ein schockierter Ausdruck aufblitzte und kurz darauf von Zorn und Hass verdrängt wurde.
„Was willst du hier?“ Jerichos Stimme war noch kälter als sein Blick. „Ich habe gefragt, was du hier willst.“
„Ich … brauche eine Unterkunft“, stammelte sie.
Als er sich vorbeugte, wurde ihr bewusst, wie zaghaft sie geklungen hatte. Sie räusperte sich und versuchte es erneut: „Ich brauche eine Unterkunft.“
Er kniff die Augen zusammen und wich zurück. Würde er sie hereinbitten oder ihr die Tür vor der Nase zuknallen? Hastig betrat sie deshalb das Haus. Ein paar Schritte entfernt hockte ein schwarzer Labrador.
„Warum?“ Jericho schüttelte den Kopf. „Schon gut. Ist mir auch egal. Mich wundert es nur, dass du glaubst, du könntest bei mir bleiben. Ich dachte, diese Ranch ist für dich nur ein staubiger Fleck Erde mitten im Nirgendwo, und ich nur ein Farmer, der sich von einer reichen Frau aushalten lassen will. Das waren doch deine Worte damals, oder nicht?“
Camille wich seinem wütenden Blick nicht aus. Genau das hatte sie fünf Jahre zuvor gesagt, als Jeanette ihr anvertraut hatte, dass sie die Verlobung mit Camilles Bruder lösen und mit Jericho nach Las Vegas durchbrennen würde.
Er griff nach dem Türknauf. Wenn sie sich nicht beeilte und ihm ihre Notlage erklärte, würde er sie garantiert hinauswerfen, und wohin sollte sie dann gehen? Mit dreihundert Dollar würde sie nicht sehr weit kommen.
Sie legte eine Hand auf seinen Arm. „Bitte. Du musst mich hierbleiben lassen.“ Sie hörte die Panik in ihrer Stimme selbst. Wenn sie jetzt den Kopf verlor, würde sie ihn nicht überzeugen können.
„Ich muss gar nichts.“
Er fing an den Knauf zu drehen.
„Bitte, Jericho. Schick mich nicht weg. Du bist der einzige Mensch, der mir noch helfen kann. Es gibt Leute, die mich umbringen wollen. Wenn sie mich finden, bin ich tot.“
Jemand wollte sie ermorden? Etwas Besseres fiel ihr nicht ein? Dies war die Frau, die sich in sein Hotelzimmer in Chicago geschlichen hatte – eine Stunde, bevor er nach Las Vegas fliegen wollte, um Jeanette zu heiraten. Er würde nie vergessen, wie er aus dem Bad gekommen war und Camille in einem sexy Nichts auf seinem Bett gelegen hatte. Er wusste noch immer nicht, was für ein Spiel sie damals gespielt hatte, aber er war nicht interessiert gewesen. Er hatte Jeanette nie etwas davon erzählt. Sie hatte bis zuletzt geglaubt, dass Camille Parker ihre Freundschaft wert gewesen war, doch er wusste es besser.
„Guter Versuch, Camille, aber das kaufe ich dir nicht ab. Ich bin deine Spielchen leid.“
„Aber es ist wahr“, rief sie. „Wenn du mich hinauswirfst, töten sie mich.“
Jericho musterte sie aufmerksam. Der herablassende Gesichtsausdruck, den sie sonst immer getragen hatte wie andere Frauen einen Lieblingslippenstift, war verschwunden. Jetzt rümpfte sie nicht mehr die Nase, sondern knabberte nervös an den Lippen.
Ungerührt ließ er den Blick an ihr hinabwandern. Sie war hochgewachsen und schlank, titelbildschön. Früher war sie immer perfekt frisiert und makellos gekleidet gewesen, doch jetzt war das schulterlange Haar zerzaust und ihre Kleidung war zerknittert, als hätte sie darin geschlafen. Sie wirkte tatsächlich verängstigt.
„Was ist passiert?“
Camille holte tief Luft. „Das ist eine lange Geschichte.“
„Komm einfach auf den Punkt, ich habe keine Zeit für unwichtige Details, und wenn du die Wahrheit sagst, hast du auch keine.“
„Das stimmt.“ Sie sah...




