Douglass | Im Brautkleid zurück zu dir ... | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Bianca

Douglass Im Brautkleid zurück zu dir ...


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-3624-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Bianca

ISBN: 978-3-7515-3624-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Rick Tyler wird ihr neuer Nachbar? Charlotte ist entsetzt. Natürlich wird sie den Arzt wie Luft behandeln - schließlich hat er sie einst im Brautkleid stehen lassen! Doch als sein süßer Sohn sie ebenso umschwärmt wie Rick, schmilzt ihre kühle Fassade. Aber kann sie ihm verzeihen?



Als Tochter lesebegeisterter Eltern ist Kathy Douglass mit Büchern aufgewachsen und hat schon früh eins nach dem anderen verschlungen. Dann studierte sie Jura und tauschte Liebesgeschichten gegen Gesetzestexte ein. Nach der Geburt ihrer zwei Kinder wurde aus der Liebe zum Lesen eine Liebe zum Schreiben. Jetzt schreibt Kathy die Kleinstadt-Romances, die sie selbst immer gern gelesen hat.
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1. KAPITEL


Als Charlotte Shields am Pausenraum der Sekretärinnen vorbeikam, drang ein vielstimmig gesungenes Happy Birthday auf den Flur. Sie blieb stehen.

„Mach mein Geschenk als Erstes auf!“, rief eine Stimme.

„Warte doch noch bis nach dem Kuchen“, sagte jemand, und mehrere Frauen lachten fröhlich.

Charlotte hätte sich gern dazugesellt, aber sie wusste, dass sie nicht willkommen gewesen wäre – nicht mehr. Als sie hier anfing, hatten mehrere Kolleginnen sie eingeladen, mit ihnen auszugehen. Sie hätte zwar gern zugesagt, aber dennoch abgelehnt. Gleich an ihrem ersten Tag hatte ihr Vater sie nämlich in sein Büro bestellt und ihr eine Liste mit extra für sie aufgestellten Regeln überreicht. Ganz oben stand, dass sie keinen privaten Umgang mit den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern pflegen durfte. Seiner Erfahrung nach wäre es nämlich zu kompliziert, einen befreundeten Menschen abzumahnen oder gar zu entlassen. Sie hatte sich anstandslos gefügt.

Nach einer Weile erhielt sie keine Einladungen mehr. Die anderen Frauen empfanden sie als eingebildet und ablehnend, und vom Verhalten her wurde sie ihrem Ruf nur zu gerecht. Inzwischen bereute sie es sehr, damals alles getan zu haben, um ihrem Vater zu gefallen.

Charlotte ging weiter und blieb am Schreibtisch ihrer eigenen Sekretärin stehen. „Hat jemand angerufen, während ich weg war?“

„Ja, Mrs. Shields.“ Anita reichte ihr einen Stapel Zettel. „Ihr Vater hat für heute Nachmittag um drei Uhr eine Besprechung angesetzt.“

„Danke.“

Obwohl Anita mit dreiunddreißig nur ein Jahr jünger als sie war, sprach sie Charlotte nie mit dem Vornamen an. Bisher hatte es Charlotte nie gestört, aber heute schmerzte sie diese distanzierte Haltung.

Sie öffnete den Mund, um Anita nach deren Schwangerschaft zu fragen, fand aber nicht die richtigen Worte.

„Ist noch etwas, Mrs. Shields?“

„Nein.“

Charlotte blätterte die Informationen durch. Nichts Dringendes. Sie dachte an die Besprechung, die ihr Vater für den Nachmittag vereinbart hatte. Dass er so plötzlich eine Konferenz einberief, beunruhigte sie. Aber es wäre sinnlos, ihn nach der Tagesordnung zu fragen, denn er würde sie ihr nicht verraten. Sie war zwar seine Tochter, aber er behandelte sie nicht besser als alle anderen. Im Gegenteil, zu ihr war er strenger.

Trotz ihrer Masterabschlüsse in Betriebswirtschaft und Marketing hatte sie ganz unten anfangen und sich ihre jetzige Position als Leiterin der Marketingabteilung hart erarbeiten müssen.

Pünktlich um fünf Minuten vor drei betrat sie den Konferenzraum. Mehrere Manager unterhielten sich leise. Nervös starrte sie auf die gerahmten Zeitungsartikel an den Wänden, die den Weg von Shields Manufacturing zu einem der führenden Möbelhersteller der Welt nachzeichneten.

Fünf Minuten später kam ihr Vater herein, gefolgt von einem Mann, den sie noch nie zuvor gesehen hatte.

„Nehmen Sie Platz“, sagte Charles Shields. Sein Begleiter setzte sich rechts von ihrem Vater – auf ihren Stuhl. Charlotte nahm auf dem Stuhl daneben Platz.

Eine Sekunde lang wirkte ihr Vater nachdenklich, was äußerst ungewöhnlich war.

Ging es ihm nicht gut? Nach dem Tod ihrer Mutter Rachel vor zwei Jahren hatte er Gewicht verloren, aber sie hatte es auf Appetitmangel in der Trauerzeit zurückgeführt. Sie musterte ihn – er sah aus wie immer.

„Bestimmt fragen Sie sich, warum ich diese Sitzung anberaumt habe.“ Charles lächelte, und er lächelte sonst nie. Charlottes Herz schlug schneller.

„Wir haben einen langen Weg hinter uns. Ich möchte sicherstellen, dass wir auch in Zukunft so erfolgreich sind wie bisher. Deshalb lege ich die Leitung des Unternehmens nieder, um Platz für jemand anderen zu machen.“

Alle redeten durcheinander, nur Charlotte nicht. Ihr Herz klopfte heftig. Endlich belohnte ihr Vater sie mit der Position, die sie verdiente – die harte Arbeit, die langen Tage und einsamen Nächte hatten sich ausgezahlt.

Charles räusperte sich, und im Raum wurde es still. „Dies ist Gabriel Jenkins, mein Nachfolger.“

Ihr Vater sprach weiter, aber Charlotte hörte nicht mehr hin. Das konnte er ihr nicht antun. Sie hatte so viel für ihn geopfert, für die Firma. Und er übergab die Leitung einem Fremden!? Jemandem, der keine Träne und keinen Blutstropfen vergossen hatte, um Shields Manufacturing zu dem erfolgreichen Unternehmen zu machen, das es jetzt war. Ihr Vater hatte sie verraten.

Sie wehrte sich gegen das Gefühl der Übelkeit und das schwarze Loch, das sie zu verschlucken drohte. Ihr Vater sah sie nicht einmal an, sondern widmete seine ganze Aufmerksamkeit dem neuen Chef, der jetzt mit seinem Studium in Harvard prahlte.

Charlotte warf einen Blick in die Runde. Die meisten Spitzenmanager wirkten betroffen oder wenigstens peinlich berührt.

Zornig stand sie auf und schob den Stuhl so heftig zurück, dass er gegen die Wand knallte. Alle starrten sie an, und der neue Firmenchef verstummte. Ihr Vater zog eine Augenbraue hoch. Früher hätte sie den Blick gesenkt und sich wieder hingesetzt, aber nicht heute. Sie hatte ab sofort nichts mehr zu verlieren.

„Charlotte.“ Ihr Vater klang kalt.

„Ich kündige.“ Sie schaute auf ihre Uhr. „Um drei Minuten nach drei und mit sofortiger Wirkung.“

Ihr Vater verzog keine Miene. Sein Nachfolger öffnete den Mund, als wollte er etwas sagen, aber sie drängte sich an ihm vorbei und eilte in ihr Büro. Dort bewahrte sie nur wenige persönliche Dinge auf, nur eine Wolldecke für ihre Füße an kalten Tagen und einen alten Schnappschuss von sich mit ihrer Mutter und den Schwestern Charmaine und Carmen. Sie steckte das Foto in die Handtasche, schnappte sich die Decke und schaltete das Licht aus.

„Mr. Adams von der First Bank of America wartet in Leitung vier“, sagte Anita.

„Der ist nicht mehr mein Problem!“, erwiderte Charlotte und ging an der Frau vorbei, die vielleicht eine echte Freundin geworden wäre, wenn sie nicht jeden Annäherungsversuch abgeblockt hätte – noch ein Fehler, den sie begangen hatte, um ihrem Vater zu gefallen. Sie ging zum Fahrstuhl und drückte ungeduldig auf den Knopf.

Endlich glitt die Tür auf. Blinzelnd wehrte sie sich gegen die Tränen. Sie kniff die Augen zusammen und atmete tief durch.

Sie warf ihre Sachen auf den Beifahrersitz und raste aus der Tiefgarage.

Als sie wenig später auf ihrem Sofa saß, hatte sich ihre Empörung gelegt, und ihr wurde bewusst, was sie gerade getan hatte.

Sie hatte ihren Job hingeschmissen.

Um Geld machte sie sich keine Sorgen. Sie hatte klug investiert und lebte nicht über ihre Verhältnisse, aber sie hatte die Verbindung zu ihrem Vater gekappt und damit zum letzten Familienmitglied, zu dem sie überhaupt noch eine Beziehung gehabt hatte.

Sie wehrte sich gegen die Übelkeit. Sie hatte Schlimmeres überlebt und war dadurch stärker geworden. Sie würde also auch diese Situation meistern.

„Fast da“, sagte Rick Tyler und versuchte, begeistert zu klingen. Er warf seinem zehnjährigen Stiefsohn einen Blick zu und schaute wieder nach vorn, um den Umzugstransporter um eine Kurve zu lenken.

„Hurra.“

Rick unterdrückte ein Seufzen. Zu sagen, dass Bobby sich nicht freute, von Milwaukee wegzuziehen, wäre die Untertreibung des Jahrtausends gewesen. Bobby hatte sich mit Händen und Füßen gegen alles gewehrt, seit seine Mutter sie vor anderthalb Jahren verlassen hatte. Seitdem war Funkstille gewesen, und ihnen war auch nicht klar, wie sie sie kontaktieren konnten.

„Sweet Briar ist ein toller Ort. Ich habe hier viel Zeit verbracht, als ich auf dem College war. Ich habe sogar ein paar Sommer hindurch in einer Möbelfabrik gearbeitet.“

„Du kannst Möbel bauen?!“, fragte Bobby, und in seinen Augen blitzte ein Anflug von Interesse auf.

„Nein. Ich habe im Büro gejobbt.“

Bobbys Blick wurde wieder ausdruckslos. Rick konnte es ihm nicht verdenken. Papiere zu wälzen war nicht halb so aufregend wie mit großen Werkzeugen zu hantieren. Und die Erfahrung hatte ihn erkennen lassen, dass Schreibtischarbeit nichts für ihn war. Er hatte sie gehasst, aber die Zeit mit der Tochter des Chefs hatte ihn dafür entschädigt.

Charlotte war süß und lustig gewesen, wenn auch etwas zu sehr darauf bedacht, ihrem Vater zu gefallen – ein Bedürfnis, das er allerdings nur zu gut aus eigener Erfahrung kannte. Sie beide waren einander sehr nahe gekommen, und ihre Väter hatten von ihnen erwartet, sich zu verloben.

Rick wusste, dass er dem Druck schon viel früher hätte widerstehen müssen, aber irgendwie waren die Dinge zu schnell außer Kontrolle geraten. Je näher die Hochzeit rückte, desto größer waren Ricks Zweifel geworden. Seine Eltern hatten das Sagen – und er war das Gefühl nicht losgeworden, in der Falle zu sitzen.

Sein Vater wollte, dass Rick ins Familienunternehmen seiner Zukünftigen eintrat. Schließlich würde er bestimmt bald selbst eine Familie ernähren müssen. Ricks Traum, Medizin zu studieren, löste sich vor seinen Augen in Luft auf. Er bat Charlotte schließlich, die Hochzeit abzusagen.

Sie weigerte sich. Und letztendlich war er nicht zur kirchlichen Trauung erschienen.

...



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