E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
Douglass Weil es nur eine große Liebe gibt
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7515-3629-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-7515-3629-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Donovan ist zurück! Als Ravens große Liebe nach zehn Jahren plötzlich wieder auftaucht, steht ihre Welt Kopf. Trotz ihrer Wut, dass er einst spurlos verschwand, fühlt sie sich insgeheim sofort zu ihm hingezogen. Doch gerade erst hat sie den Heiratsantrag eines anderen angenommen ...
Als Tochter lesebegeisterter Eltern ist Kathy Douglass mit Büchern aufgewachsen und hat schon früh eins nach dem anderen verschlungen. Dann studierte sie Jura und tauschte Liebesgeschichten gegen Gesetzestexte ein. Nach der Geburt ihrer zwei Kinder wurde aus der Liebe zum Lesen eine Liebe zum Schreiben. Jetzt schreibt Kathy die Kleinstadt-Romances, die sie selbst immer gern gelesen hat.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Alles sieht tatsächlich aus wie früher.
Nach zehn Jahren in der Fremde, in denen er sich gefragt hatte, ob er die Ranch, auf der er geboren und aufgewachsen war – die Cordero-Ranch –, jemals wiedersehen würde, kehrte Donovan Cordero nach Hause zurück.
Es überraschte ihn schon, dass sich nichts verändert zu haben schien. Das große Haus war noch immer im Weißton gestrichen, den seine Mutter so schätzte. Die Fensterläden waren noch immer schwarz. Beides zusammen bildete den perfekten Hintergrund für den prächtigen Blumengarten, in dem seine Mutter jeden Tag mehrere Stunden verbracht hatte. Zu seinen ersten Erinnerungen gehörte es, mit ihr zusammen Unkraut in den Blumenbeeten zu jäten und alles über Pflanzen zu erfahren.
Später war er seinem Vater über die Ranch gefolgt und hatte ein schlechtes Gewissen bekommen, weil er seine Mutter auf diese Weise vernachlässigte, doch wenn er sich dafür entschuldigte, lachte diese nur und schickte ihn zum Vater zurück. Nachdem er den Tag über viel über Pferde und Kühe gelernt hatte, rannte er ins Haus und zu seiner Mutter, die ihn jedes Mal umarmte und küsste. Als er älter geworden war, verbrachte er die meiste Zeit mit seinen drei besten Freunden – auf der Double J Ranch mit Jericho Jones sowie Tony Wilson und Billy Campbell. Egal, wie spät er heimkehrte – seine Mutter wartete jeden Abend mit offenen Armen auf ihren Jungen, um ihn daheim willkommen zu heißen.
Würde sie das auch jetzt tun? Heute? Sie hatte die vergangenen zehn Jahre geglaubt, dass er tot sei.
Aus Furcht um ihr Leben und das der anderen, die ihm nahestanden, hatte er seine eigene Mutter in diesem Irrglauben gelassen. Damals war er jung und vollkommen verängstigt gewesen und hatte keinen anderen Ausweg gesehen, als unterzutauchen. Was wäre ihm anderes übrig geblieben, nachdem er miterlebt hatte, wie Karl Rivers kaltblütig einen anderen Mann getötet hatte? An wen hätte er sich wenden können? An den Sheriff? Wohl kaum, denn der Sheriff hatte neben Rivers gestanden und bei der Tat zugesehen. Zweifellos hatte der Sheriff mitgeholfen, die Sache zu vertuschen.
Bis heute erinnerte Donovan sich an das Entsetzen, das ihn packte, als die beiden ihn bemerkt hatten. Er flehte um sein Leben und schwor, keiner Menschenseele zu erzählen, was er gerade gesehen hatte. Er war fest davon überzeugt, dass sie ihn umbringen würden. Dann ließ Rivers seine Waffe allerdings sinken und erklärte ihm, ihn am Leben zu lassen, weil sich Donovan in der Schule immer für seinen Sohn Carson Rivers eingesetzt hatte. Allerdings stellte Rivers die Bedingung, dass Donovan sofort die Stadt verließ und niemals zurückkehrte. Wenn er jemandem erzählte, was er gesehen hatte, würde Rivers nicht nur ihn und seine Eltern töten, sondern auch seine Freundin Raven Reynolds – die Leiche, die in einer Blutlache auf der Erde lag, bewies, dass Rivers seine Drohung ernst meinte.
Karl Rivers war in North Carolina ein mächtiger Mann gewesen, der sowohl Demokraten als auch Republikanern Geld spendete und mit dem Gouverneur und einem US-Senator verwandt war. Als Sohn eines einfachen Ranchers war Donovan ihm sowieso nicht gewachsen. Also war er geflüchtet und hatte seine Eltern und Raven zurückgelassen, um sie und sich selbst vor einem gewaltsamen Tod zu bewahren.
Vor drei Tagen hatten die großen Fernsehsender berichtet, dass Rivers einem Herzinfarkt erlegen war. In ohnmächtigem Zorn hatte Donovan hören müssen, wie Politiker und Politikerinnen aus dem ganzen Land dem Verstorbenen Respekt zollten und sein Lebenswerk lobten. Niemand würde jemals erfahren, was für ein Ungeheuer der Verstorbene gewesen war. Dann kam die Erleichterung, denn jetzt konnte Donovan endlich nach Hause zurückkehren, ohne das Leben seiner Angehörigen zu riskieren.
Also hatte er den Job auf der Ranch aufgegeben, auf der er seit sieben Jahren unter falschem Namen arbeitete. Obwohl er Della und Gabe Turner sehr mochte, wollte er so schnell wie möglich nach Hause. Er hatte sich von den Männern und Frauen verabschiedet, die seine Freunde geworden waren, seinen Pick-up beladen und war nach Osten gefahren.
Jetzt sah er auf die Uhr: zwei Minuten vor sechs. Er saß seit drei Minuten in seinem Pick-up und fühlte, wie heftig sein Herz klopfte. Auf der Interstate 20 quer durch mehrere Bundesstaaten hatte er sich noch gut gefühlt, aber als er die Grenze zu North Carolina passierte, war er immer nervöser geworden. Je näher er seinem alten Zuhause kam, desto unsicherer hatte er sich gefühlt.
Abendessen gab es bei den Corderos immer um sechs, und Donovans Vater kam niemals zu spät, selbst wenn die Arbeit noch nicht erledigt war. Daher wusste Donovan, dass er gleich beiden Elternteilen begegnen würde.
Er atmete tief durch, stieg aus dem Wagen und rannte die Stufen zur Veranda hinauf. In seinen neunzehn Jahren in diesem Haus hatte er kein einziges Mal an der Tür geläutet, und es jetzt zu tun, fühlte sich eigenartig an. Aber nachdem er so lange fort gewesen war, hätte er es als falsch empfunden, einfach einzutreten und zu fragen, was es zum Abendessen gab. Sein Herz schlug schneller, als er Schritte hörte. Als sie näher kamen, hielt er unwillkürlich die Luft an.
„Ja?“
Es war die Stimme seiner Mutter. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Er schaute durch die Fliegennetztür. „Ma?“
Sie schrie leise auf. Eine Sekunde lang glaubte er, sie würde in Ohnmacht fallen, aber dann hielt sie sich an der Tür fest. Tränen rannen über ihre glatten Wangen. „Donovan! Du bist wieder da. Mein kleiner Junge ist zu Hause.“
Er riss die Tür auf und zog seine schluchzende Mutter an sich. „Ich bin zu Hause, Ma. Ich bin zu Hause.“
„Lena, wer ist es?“ Donovans Vater kam nach vorn.
Donovan hob den Kopf. „Ich bin es, Dad.“
Sein Vater stieß einen Freudenschrei aus und legte die Arme um Donovan und seine Ehefrau. „Mein Sohn! Du bist zu Hause. Darauf habe ich zehn Jahre gewartet.“
Sie hielten sich lange fest, gingen Arm in Arm ins Wohnzimmer und ließen sich auf das Sofa fallen, in das seine Mutter sich im Möbelgeschäft auf Anhieb verliebt hatte.
Donovan sah sich um. Alles war herrlich vertraut. Die Möbel standen exakt so wie früher, und das Familienfoto hing noch immer über dem Kamin.
„Ich wusste, dass du nach Hause kommst!“, sagte seine Mutter und tupfte sich die Augenwinkel mit dem Saum ihrer Bluse ab. „Alle haben gesagt, dass du tot bist und dass wir nach vorne schauen müssen, aber ich wusste, dass du lebst. Ein Mutterherz weiß so etwas.“
„Ein Vaterherz auch.“
Donovan lachte.
„Du kommst gerade rechtzeitig zum Abendessen.“ Donovans Mutter stand auf, nahm seine Hand und zog ihn in die Küche.
Er wusch sich die Hände und setzte sich auf seinen alten Stuhl. Seine Mutter hatte einen Braten mit Gemüse zubereitet, eins seiner Lieblingsgerichte. Aber egal, was es gegeben hätte, er wäre begeistert gewesen. In all den Jahren hatte er an vielen Tischen gegessen, aber nichts war mit seinem Platz an der vernarbten Eichenholzplatte zu vergleichen.
Beim Essen sprachen sie über alles und nichts. Sie waren viel zu gerührt, um ein ernstzunehmendes Gespräch zu führen, und wischten sich immer wieder die Freudentränen ab. Danach tranken sie Kaffee mit jeder Menge Zucker, bis sie zur Frage kamen, die noch niemand gestellt hatte.
„Warum bist du damals verschwunden, mein Junge?“, fragte Lena leise.
Donovan hatte gewusst, dass dieser Moment eintreten würde. Er hatte sich überlegt, wie er antworten konnte, ohne die schreckliche Vergangenheit zur Sprache zu bringen. Aber jetzt, da er die Liebe in den Augen seiner Eltern sah, konnte er die beiden nicht anlügen. Er schätzte sie zu sehr, und nach all den Jahren der Sorge verdienten sie nichts als die Wahrheit. „Ich habe etwas gesehen, was ich nicht hätte sehen sollen – einen Mord. Der Täter hat gedroht, uns und Raven etwas anzutun, wenn ich nicht sofort die Stadt verlasse und niemals wieder zurückkehre. Also bin ich gegangen.“
„Oh mein Gott“, flüsterte Lena.
„Bist du jetzt in Sicherheit?“, fragte Mario und stand auf. Zweifellos wollte er eine der Waffen holen, die er im Safe in seinem Arbeitszimmer aufbewahrte.
„Ich glaube schon. Der Mörder ist zumindest tot.“
„Ich habe damals überhaupt nichts von einem Mord gehört.“ Mario setzte sich wieder. „Warum bist du nicht zu mir gekommen? Wir hätten zusammen zum Sheriff gehen können.“
Donovan schüttelte den Kopf. „Nein, das hätten wir nicht.“
Es dauerte nur eine Sekunde, bis sein Vater begriff, was Donovan andeutete.
„Oh, ich wusste immer, dass der Typ eine Schlange ist!“, sagte Mario zornig. „Kein Wunder, dass er vor drei Jahren unter verdächtigen Umständen gestorben ist. Wer weiß, wie viele Verbrechen er vertuscht hat?!“
„Das spielt jetzt keine Rolle mehr.“ Lena streichelte Donovans Wange. „Du bist zu Hause, nur darauf kommt es an.“ Sie sprang auf. „Und du musst müde sein, oder? Dein Zimmer wartet auf dich.“
Donovan war erschöpft, aber viel zu aufgedreht, um schlafen zu können. Dennoch folgte er den beiden. Die Zimmertür war geschlossen, aber als er sie öffnete, kam es ihm wie eine Reise in die Vergangenheit vor. Sein Zimmer sah genauso aus, wie er es...




