Doyle | The Refugees - Die Flüchtlinge | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 568 Seiten

Doyle The Refugees - Die Flüchtlinge

Eine Geschichte von zwei Kontinenten
Überarbeitete und illustrierte Fassung
ISBN: 978-3-96281-602-5
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Geschichte von zwei Kontinenten

E-Book, Deutsch, 568 Seiten

ISBN: 978-3-96281-602-5
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit zahlreichen Illustrationen Amory de Catinat ist Hugenotte und Wachmann Ludwigs XIV., er ist zufrieden mit seinem Leben, bis ihn die Ereignisse um die Aufhebung des Edikts von Nantes erreichen, das ihm und seiner Familie bisher Schutz vor religiöser Verfolgung bot. Eine Verschwörung um die Geliebten des Königs, gesponnen von einer eifersüchtigen Mätresse, bringt Catinat und seine Verlobte ihn größte Gefahr. Sie müssen fliehen. Als Fluchtziel bietet sich der neue Kontinent an: Amerika, das Gelobte Land. Eine spannende, unbekannte Abenteuergeschichte von A. C. Doyle. Null Papier Verlag

Womöglich wäre die Literatur heute um eine ihrer schillerndsten Detektivgestalten ärmer, würde der am 22. Mai 1859 in Edinburgh geborene Arthur Ignatius Conan Doyle nicht ausgerechnet an der medizinischen Fakultät der Universität seiner Heimatstadt studieren. Hier nämlich lehrt der später als Vorreiter der Forensik geltende Chirurg Joseph Bell. Die Methodik des Dozenten, seine Züge und seine hagere Gestalt wird der angehende Autor für den dereinst berühmtesten Detektiv der Kriminalliteratur übernehmen. Der erste Roman des seit 1883 in Southsea praktizierenden Arztes teilt das Schicksal zahlloser Erstlinge - er bleibt unvollendet in der Schublade. Erst 1887 betritt Sherlock Holmes die Bühne, als »Eine Studie in Scharlachrot« erscheint. Nachdem Conan Doyle im Magazin The Strand seine Holmes-Episoden veröffentlichen darf, ist er als erfolgreicher Autor zu bezeichnen. The Strand eröffnet die Reihe mit »Ein Skandal in Böhmen«. Im Jahr 1890 zieht der Schriftsteller nach London, wo er ein Jahr darauf, dank seines literarischen Schaffens, bereits seine Familie ernähren kann; seit 1885 ist er mit Louise Hawkins verheiratet, die ihm einen Sohn und eine Tochter schenkt.
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I. Der Mann aus Amerika.


Es war ein hohes gotisches Fenster, wie man es gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts in Paris allgemein fand. Über dem breiten Querbalken, der es durchschnitt, war ein zierliches Wappenschild – drei rote Disteln auf Silbergrund – in die rautenförmige Scheibe eingelassen. Darunter ragte eine starke Eisenstange hervor, von der das vergoldete Miniaturbild eines Wollballens herabhing, das sich bei jedem Windstoß knarrend hin und her bewegte. Gegenüber lagen hohe, schmale, stattliche Häuser, deren Fassaden mit kunstreichen Holzverzierungen geschmückt und von spitzem Giebelwerk und Ecktürmchen überragt wurden. Dazwischen lag das holprige Pflaster der Straße St. Martin, von dem das Geräusch zahlloser Fußtritte heraufschallte.

Innerhalb der Fenstervertiefung befand sich eine breite, mit braunem gepresstem Leder ausgeschlagene Bank, auf der die Hausgenossen es sich bequem machen und hinter den Vorhängen alles beobachten konnten, was in der geschäftigen Welt zu ihren Füßen vorging. Heute saßen zwei Personen in diesem lauschigen Winkel: ein Herr und eine Dame, aber sie hatten den Vorgängen draußen den Rücken und dem behaglich eingerichteten, großen Gemache das Antlitz zugewandt. Von Zeit zu Zeit sahen sie einander an, und ihre Augen zeigten klärlich, dass sie keines anderen Anblicks bedurften, um glücklich zu sein.

Das durfte auch nicht wunder nehmen, denn sie waren ein schönes Paar. Sie war sehr jung, höchstens zwanzig Jahr alt. Das schimmernde Weiß ihres schönen Gesichts machte den Eindruck einer Reinheit und Unschuld, die man auch nicht durch einen Hauch aufdringlicher Farbe hätte beeinträchtigt sehen mögen. Ihre Züge waren feingeschnitten und lieblich; ihr blauschwarzes Haar und ihre langen dunklen Wimpern bildeten einen anziehenden Kontrast mit den träumerischen grauen Augen und der elfenbeinartigen Haut. Die Ruhe und Zurückhaltung, die über ihrem ganzen Wesen lag, prägte sich auch in ihrer Tracht aus, einem einfachen schwarzen Taffetkleide, dessen einziger Schmuck in einer Brosche aus Jet und einem ebensolchen Armbande bestand. Das war , die einzige Tochter des großen hugenottischen Tuchhändlers.

Gegen den dunklen, schlichten Anzug des jungen Mädchens stach die Pracht ihres Gefährten seltsam ab. Er mochte etwa zehn Jahre älter sein, als sie. Sein Gesicht verriet den Soldaten: seine ausdrucksvolle Züge, ein sorgfältig gestutzter schwarzer Schnurrbart, und ein nussbraunes Auge, das mit gleichem Erfolge Männern gegenüber befehlend blitzen, Frauen gegenüber flehend schmelzen konnte. Sein himmelblauer Rock war mit Silberborte verbrämt und hatte breite silberne Achselschnüre. Eine Weste von weißem Wollatlas kam darunter zum Vorschein, und ebensolche Kniehosen verschwanden in den hohen blanken Reiterstiefeln mit goldenen Sporen. Ein Stoßdegen mit silbernem Gefäß und ein Federhut, die auf dem Sessel neben ihm lagen, vollendeten eine Uniform, welche den Träger ehrenvoll auszeichnete; denn jeder Franzose würde sie für die eines Offizieres in Ludwig des Vierzehnten berühmter »Blauer Garde« erkannt haben. Mit seinem lockigen schwarzen Haar auf dem hochgetragenen Haupt machte er den Eindruck eines strammen, kecken Soldaten. Als solcher hatte er sich auch bereits auf manchem Schlachtfelde bewährt, sodass der Name unter den tausend Tapfern des niederen Adels, die sich zu dem Dienst des Königs drängten, hell hervorleuchtete.


»Sag mir, Adèle, warum du so bekümmert aussiehst.«

Die beiden waren Vetter und Base. Der ähnliche Schnitt ihrer offnen Gesichtszüge ließ diese Verwandtschaft erraten. Catinat war einer adeligen Hugenottenfamilie entsprossen. Da er seine Eltern früh verloren hatte, war er ins Heer eingetreten, und hatte sich ohne irgend welche Protektion, allen Widerwärtigkeiten zum Trotz, zu seiner hohen Stellung emporgeschwungen. Ein jüngerer Bruder seines Vaters hatte dagegen das »von« fallen lassen, da er einsah, dass ihm durch die Verfolgung, der schon damals seine Glaubensgenossen ausgesetzt waren, jeder Weg zum Emporsteigen verschlossen sein würde. Nach solchem Verzicht hatte er sich in Paris auf den Handel gelegt, und sein Geschäft war so gut gegangen, dass er jetzt einer der reichsten und angesehensten Bürger der Stadt war. Es war sein Haus, in welchem der Gardeoffizier sich befand, und es war seine einzige Tochter, deren weiße Hand er in der seinigen hielt.

»Sag mir, Adèle«, sagte er, »warum du so bekümmert aussiehst.«

»Ich bin aber nicht bekümmert, Amory.«

»Lass sehen! Hier ist ein ganz kleines Fältchen zwischen den gewölbten Augenbrauen, O, ich kann dein Gesicht lesen, wie der Schäfer den Himmel.«

»Es ist nichts, Amory, nur –«

»Nur was?«

»Du verlässt mich heute Abend.«

»Aber morgen komme ich wieder.«

»Musst du denn wirklich heute Abend fort?«

»Es würde mich mein Patent kosten, wollte ich wegbleiben. Ich habe ja morgen früh die Wache vor des Königs Schlafzimmer! Nach der Frühmesse wird mich der Major von Brissac ablösen, und dann bin ich wieder frei.«

»Ach, Amory, wenn du von dem König und dem Hof und den vornehmen Damen sprichst, kann ich mich gar nicht genug wundern.«

»Und warum wundern?«

»Wenn ich denke, dass du, der du inmitten solcher Pracht lebst, dich zu dem einfachen Hause eines Krämers herablassen kannst.«

»Was enthält dieses Haus aber auch?«

»Das ist nun gerade das allerwunderbarste! Dass du, der du unter solchen Menschen lebst, die so schön, so geistreich sind, mich deiner Liebe wert halten kannst, mich, ein so stilles Mäuschen, die in der Einsamkeit unsres großen Hauses so schüchtern und scheu geworden ist. Es ist zu wunderbar!«

»Der Geschmack ist verschieden«, entgegnete ihr Vetter, indem er die kleine zierliche Hand streichelte. »Es ist mit Frauen wie mit Blumen. Manche mögen ja die große, strahlende Sonnenblume vorziehen, oder die Rose, die so glühend und herrlich ist, dass sie ins Auge fallen muss. Mir aber gefällt das kleine Veilchen, das sich im Moose verbirgt und doch so holdselig anzuschauen ist und so süß duftet. Nun – noch immer das Fältchen auf deiner Stirn, Liebchen?«

»Ich wollte, der Vater wäre erst zurück.«

»Warum denn? Ist dir so einsam zu Mute?«

Über ihr blasses Gesicht flog ein helles Lächeln. »Einsam werde ich erst heute Abend sein! Aber ich bin doch...



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