Drake Jägerin der Nacht - Firestarter
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8025-8899-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 464 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-8025-8899-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Während die Vampirin Mira noch mit den Geistern aus ihrer Vergangenheit kämpft, fordern einige tragische Ereignisse in der Gegenwart ihre Aufmerksamkeit. Zudem haben sich die Naturi endgültig aus ihrem Gefängnis befreit und drohen nun über die Welt der Menschen herzufallen. Mira und der Vampirjäger Danaus müssen eine Katastrophe verhindern. Doch Mira, auf deren besonderen Fähigkeiten alle Hoffnungen ruhen, scheint langsam den Verstand zu verlieren.
Jocelynn Drake ist in Cincinnati aufgewachsen, wo sie noch heute mit ihrer Familie lebt. Bereits in ihrer Kindheit begann sie zu schreiben. Zu ihren Einflüssen zählt sie Raymond Feist, die Batman-Comics der 90er Jahre, Oscar Wilde und Ernest Hemingway.
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Ich kniete vor dem Brunnen und wusch die blutverschmierten Hände im eisigen Wasser, bis meine Finger steif und taub wurden. Im Dunkeln wirkte das Wasser schwarz, aber morgen früh würde es hellrosa aussehen. Die vier Leichen hatte ich bereits in ein in der Nähe geparktes Auto verfrachtet, musste aber noch die Sprengladung am Benzintank anbringen. Alle Hinweise auf die Existenz von Nachtwandlern und Naturi mussten eliminiert werden – ihre Welt musste im Verborgenen bleiben, wenn die Ordnung der Menschenwelt aufrechterhalten werden sollte.
Kniend ließ ich meine Kräfte aus dem Körper strömen, bevor ich endlich erleichtert aufseufzte. In meiner Nähe gab es keine Spur von irgendetwas Übernatürlichem: keine Nachtwandler, Naturi oder Bori, nicht einmal einen Lykanthropen. Ich schloss die Augen und senkte den Kopf, doch die Worte wollten nicht kommen. Es war über zwei Jahrhunderte her, dass ich mich an Gott gewandt hatte. Und selbst nach der Begegnung heute Nacht, bei der ich felsenfest geglaubt hatte, dass meine Seele verwirkt sei, brachte ich es nicht über mich, das endlose Schweigen zu brechen.
Anfangs, nachdem ich meinen Abschied von der römischen Legion genommen hatte, hatte ich Vampire gejagt, um den Tod eines Kindes zu rächen, dessen Vater mein Freund war. Ich bekämpfte sie, um die merkwürdigen Empfindungen loszuwerden, die sich bei mir einstellten, sobald sie in meiner Nähe waren. Erst nachdem ich fast fünfhundert Jahre die Welt durchstreift hatte, fand ich beim Aufenthalt in einem Kloster endlich Frieden und eine Bestimmung. Die Mönche sagten mir, dass ich meine Seele nur wiedererlangen könnte, indem ich gegen die Dunkelheit zu Felde zog, die die Menschheit bedrohte. Sie sprachen von Erlösung und Ordnung im Chaos, das mir ständig den Kopf zu vernebeln schien. Sie schienen mir sogar zu vergeben, dass ich überhaupt geboren worden war.
Aber bei den Mönchen konnte ich nicht bleiben, sosehr ich es mir auch wünschte. Ich musste Vampire töten, und ich hatte mehr Fragen als Antworten. Also durchstreifte ich die Welt auf der Suche nach Antworten, die zu dem Gott passten, für den ich kämpfte, und zu der Seele, die ich so verzweifelt zurückgewinnen wollte. Doch nach über tausend Jahren des Kampfes wurde mir klar, dass es keine Antworten gab. Ich hatte den größten Teil von Europa und ein wenig von Afrika und Asien in Blut getaucht, doch ich wartete immer noch vergeblich auf einen göttlichen Fingerzeig, dass ich wenigstens auf dem rechten Weg war; dass ich nur noch einen seelenlosen Nachtwandler davon entfernt war, meine eigene Seele zu gewinnen. Die Antwort war nichts als Schweigen.
Erst als ich zu müde war, um alleine weiterzumachen, fand ich eine neue Bestimmung. Themis hatte kaum dreißig Mitglieder, die sich in einem Abbruchhaus in Paris drängten, aber der Bund war wild entschlossen, die finstere, übernatürliche Welt zu begreifen, die sie umgab. Aus der Ferne beobachteten sie Nachtwandler, die ihre Beute in dunkle Gassen lockten. Sie wagten sich bei Vollmond in die Wälder und hörten den Werwölfen zu, die zur Einstimmung auf die Jagd den Mond anheulten. Sie überlebten nie lange, aber davon ließen sie sich nicht abschrecken. Sorgfältig hielten sie alles, was sie herausfanden, in dicken Büchern fest, damit andere es lesen und verstehen konnten. Für kurze Zeit hoffte ich, dass ich bei ihnen Antworten auf meine Fragen finden würde.
Leider stieß ich bei Themis nur auf neue offene Fragen. Aber sie brauchten einen Jäger, einen dunklen Jäger, der es mit den Vampiren und Lykanthropen aufnehmen konnte. Diese Rolle füllte ich aus und war gern bereit, andere auszubilden, die in meine Fußstapfen treten und mein gesammeltes Wissen über die Jahrhunderte tragen sollten.
Ryan gab dem ursprünglich als Forschergemeinschaft geplanten Bund anscheinend eine neue Richtung. Der weißhaarige Zauberer stieg, als seine überwältigende Macht und sein überlegenes Wissen offenbar wurden, schnell zum Anführer auf. Themis hatte fest daran geglaubt, dass er sie tiefer als je zuvor in die Welt des Übernatürlichen führen könnte. Stattdessen schienen die Nachtwandler immer schneller zu sterben, und uraltes Wissen wurde neu entdeckt. Immer weniger Forscher wurden (zu ihrer eigenen Sicherheit) in die Welt hinausgeschickt, und die Anzahl der Jäger, die ich ausbildete, wuchs beständig. In all den Jahrhunderten hatte ich seine Motive nie hinterfragt. Ich sah nur, dass er mir behilflich war, eine Armee aufzubauen, die die Welt vor den Nachtwandlern beschützen würde. Aber als ich jetzt am Brunnen kniete, fragte ich mich nicht zum ersten Mal in den letzten Monaten, ob er nicht einfach bloß eine Armee aufstellte.
Der nervige Klingelton meines Handys zerriss die Stille der Nacht und ließ mich zusammenfahren, während ich hastig in die Innentasche meiner Jacke langte. Der leuchtende kleine LCD-Bildschirm verriet mir, dass es mein Assistent James war. Perfektes Timing.
»Ich bin beeindruckt«, sagte ich, nachdem ich das Handy aufgeklappt hatte.
»Wie bitte?«, stotterte James, offenbar überrascht durch das ungewohnte Kompliment von mir.
»Dein Timing. Ich bin schon fast auf dem Rückweg. Hier bin ich fertig«, antwortete ich und stand auf. Ich wischte mir die freie Hand am Hosenbein ab, um sie notdürftig abzutrocknen, bevor ich sie in die Tasche schob und nach der Fernzündung tastete. Ich musste mindestens ein paar Meter weit weg sein, bevor ich den Minisprengsatz hochgehen ließ. Das Auto und die Schaufensterscheibe dahinter würden mit draufgehen, aber bei der Detonation würde niemand zu Schaden kommen, und die sterblichen Überreste des Nachtwandlers und der drei Naturi würden restlos verbrennen. Es war nicht der eleganteste Weg, um ein paar Leichen loszuwerden, aber ich hatte weder Miras Hang zur großen Geste noch ihre magische Fähigkeit, die Leichen einfach so in Brand zu stecken und zugleich alles vor neugierigen Augen zu verschleiern.
»Nachtwandler?«, erkundigte sich James.
»Insgesamt sechs in der ganzen Gegend während der letzten paar Nächte. Anscheinend war das hier mal ein Teil von Sadiras Domäne. Seit sie weg ist, geht hier alles drunter und drüber. Aber jetzt müsste es eigentlich ruhig bleiben.« Ich bog um die Ecke und legte den Hebel um, der die Minibombe hochgehen ließ, während ich die Gasse hinunterging. Die Explosion ließ die Fensterscheiben klirren und löste Autoalarmanlagen aus.
»Was war das?«
»Spuren verwischen«, gab ich zurück.
»Oh!«
»Außerdem hatte ich es hier mit drei Naturi zu tun«, verkündete ich, behielt das Auftauchen des Bori jedoch für mich. Ich hatte Ryan nie verraten, woher meine Kräfte stammten, und ich wollte nicht, dass er die neusten Entwicklungen gegen mich verwenden konnte.
»Gab es irgendwelche Probleme?«, fragte James und riss mich aus meinen Gedanken.
»Nein, keine. Die Gegend müsste jetzt sauber sein. Bis wann kannst du mir einen Rückflug besorgen?«
James schwieg ein paar Sekunden. Ich blieb mitten in der dunklen Gasse stehen. In der Ferne gellte der Lärm eines Feuerwehrautos und von Polizeisirenen durch die Straßen. Ich runzelte die Stirn und lehnte mich mit der Schulter gegen die Ziegelmauer, während ich mir mit der freien Hand die Augen rieb. Das verhieß nichts Gutes.
»Du kannst noch nicht zurück«, sagte James behutsam.
»Was soll das heißen?«, knurrte ich. »Ich bin jetzt seit fast drei Monaten ohne Pause im Einsatz. Ich will jetzt zurück. Saubere Klamotten und ein weiches Bett. Ein paar Tage durchschlafen, bevor der Zirkus wieder losgeht.«
»Ich weiß.«
»Was will Ryan denn jetzt noch von mir?«
»Du musst für ihn nach Savannah.«
»Das ist Miras Domäne. Die wird schon selbst mit ihren Problemen fertig. Sie braucht mich nicht in ihrer Nähe«, wandte ich ein...




