Drake / Weinmann | Ein Kinderarzt zum Küssen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Drake / Weinmann Ein Kinderarzt zum Küssen


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7457-5352-3
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-7457-5352-3
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Keera kann es kaum erwarten, Dr. Reid Adams wiederzutreffen. Natürlich nur, weil sich der Kinderarzt so liebevoll um die kranke Megan in ihrer Obhut kümmert - nicht weil sie ihn unwiderstehlich findet. Denn ein Single-Vater wie er passt nicht zu ihr als Karrierefrau!

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1. KAPITEL

„Ich komme ja schon!“ Keeras Stimme klang verschlafen und war viel zu leise, als dass man sie draußen vor der Tür hätte hören können. Doch das war ihr egal. Sie hatte schließlich frei. Endlich.

Wer mochte das mitten in der Nacht sein? Sie hatte keinen Rufdienst. Im Gegenteil. Noch einen letzten Termin morgen Vormittag, dann hatte sie die ganze nächste Woche Urlaub. Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr. Essen, schlafen, lesen – das waren ihre Programmpunkte für diese kostbare Zeit. Sie war fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass niemand sie störte.

Leider brachte der Job als Chefärztin der Herzchirurgie es mit sich, dass ihre Pläne nicht selten durchkreuzt wurden. Ein Paradebeispiel dafür war die Person, die in diesem Augenblick immer energischer an ihre Tür klopfte.

„Ist ja schon gut! Geben Sie mir eine Minute“, murrte sie und seufzte, als sie einen Blick auf die grüne Leuchtanzeige ihres Weckers warf. Zehn nach zwei Uhr morgens. Sie hatte also gerade erst eine knappe Stunde geschlafen.

Übernächtigt stand sie auf. Was mochte passiert sein? Als man sie das letzte Mal nachts aus dem Bett geholt hatte, war ein Jahrhundertsturm mit schweren Verwüstungen und vielen Verletzten der Grund gewesen.

„Das Krankenhaus hat die Alarmstufe drei ausgerufen, Dr. Murphy“, hatte man ihr damals am Telefon erklärt. „Wir wollten nicht, dass Sie bei diesem Wetter selbst mit ihrem Auto herkommen, deshalb holen wir Sie ab.“

Ja, das war eine denkwürdige Nacht gewesen.

Doch heute war alles ruhig. Kein Sturm in Sicht und auch sonst keine Katastrophen. Je wacher sie wurde, desto klarer konnte Keera denken. Im Stillen ging sie die Ursachen für den nächtlichen Besuch durch. Schlimmstenfalls hatte es einen Massenunfall gegeben, bestenfalls war es eine Notoperation. Aber warum hatte man sie nicht einfach angerufen?

„Ich sagte doch, dass ich komme!“, rief sie unwirsch und zog sich schnell ihren Morgenmantel über, bevor sie zur Tür ging. „Wer sind Sie?“, fragte sie vorsichtshalber, obwohl sie durch den Spion sah, dass ihr Besucher eine Uniform trug. „Zeigen Sie mir bitte Ihren Dienstausweis!“

„Ist gut, Miss Murphy“, antwortete der Mann von draußen.

Miss Murphy. Es war gleichgültig, dass sie mehrere Klassen übersprungen und ihr Studium in Rekordzeit absolviert hatte. Oder dass sie eine der besten Herzchirurginnen des Landes war. Sie wurde auf ihren Familienstand reduziert. Unverheiratet. Miss Murphy. Beruflich erfolgreich, doch im Privatleben gescheitert.

Trotzig warf Keera ihr langes rotes Haar zurück und sah wieder durch den Spion.

„Ich bin Officer Carla James“, stellte sich eine kleine rundliche Frau vor und streckte ihr den Dienstaufweis entgegen.

„Und ich bin Officer Brian Hutchinson“, fügte der Mann hinzu, den Keera zuerst gesehen hatte. „Würden Sie uns jetzt bitte reinlassen?“

„Geht es um einen medizinischen Notfall?“, fragte Keera, während sie zuerst die Sicherheitskette löste und dann das Bolzenschloss der Tür öffnete. Man konnte schließlich gar nicht vorsichtig genug sein, wenn man allein lebte.

„Nein, Ma’am. Darum geht es nicht“, erklärte Officer Hutchinson und trat ein. Wortlos hielt er Keera seinen Ausweis hin, und erst als sie zustimmend nickte, steckte er ihn wieder in seine Jackentasche. „Es tut mir sehr leid, aber wir sind in einer persönlichen Angelegenheit hier.“

Erleichtert atmete Keera auf. Sie hatte keine Familie und auch keine engen Freunde. Es musste sich um ein Missverständnis handeln. „Worum geht es denn?“

In diesem Augenblick bemerkte Keera, dass Officer James ein Kind auf dem Arm trug. „Entschuldigen Sie, aber ich verstehe nicht …“ Brachten sie ihr einen Patienten? Aber das da war ein Kind. Vielleicht hatten sie sich in der Adresse geirrt. Ja, das musste es sein.

„Wir müssen Ihnen eine traurige Nachricht überbringen“, sagte Officer Hutchinson. „Ihr Mann und eine weitere, bislang nicht identifizierte Person sind heute Abend bei einem Verkehrsunfall auf der Mountain Canyon Road ums Leben gekommen. Ihre Tochter wurde beim Aufprall aus dem Fahrzeug geschleudert und ist unverletzt. Sie wurde im nächstgelegenen Krankenhaus untersucht. Außer einigen Kratzern hat sie nichts abbekommen. Natürlich hat sie einen Schock. Das vermute ich zumindest, denn sie spricht nicht. Aber der behandelnde Arzt sagte, sonst sei alles in Ordnung.“

„Das freut mich für die Kleine, aber hier liegt eine Fehlinformation vor. Ich bin nicht verheiratet.“ Keera trat einen Schritt zurück und lehnte sich an die Wand. „Geschieden. Keine Kinder.“

„Kevin Murphy“, fuhr Hutchinson unbeirrt fort. „Kevin Joseph Murphy. Laut den Papieren, die wir im Auto fanden, ist er Ihr Ehemann. Auch die Adresse stimmt …“

„Aber wir sind nicht mehr … Wir haben keine …“ Keera schloss die Augen und versuchte, sich zu konzentrieren. Kevin war tot? Ihre Ehe war alles andere als glücklich gewesen, und die Scheidung hatte sich zu einem wahren Rosenkrieg entwickelt, doch so ein Ende hatte sie ihm nicht gewünscht. „Sind Sie ganz sicher?“, fragte sie benommen.

„Ja, Ma’am. Er hatte seinen Pass dabei. Was seine Mitfahrerin betrifft, tappen wir allerdings noch im Dunkeln. Wir hatten gehofft …“

Keera musterte das kleine Mädchen, überlegte, weshalb sie es zu ihr gebracht hatten. War das etwa …? Ja, so musste es sein. Die Kleine war das Kind, das Kevin mit einer anderen Frau bekommen hatte, während er noch mit ihr verheiratet gewesen war.

„Vermutlich ist die Beifahrerin seine neue Ehefrau. Melanie, Melodie, irgendwie so etwas.“ Oder schon seine nächste oder übernächste Freundin. „Jetzt fällt es mir wieder ein. Melania. Das ist ihr Name.“ Keera war völlig durcheinander. Erst ganz allmählich begriff sie, was die Polizisten ihr gerade gesagt hatten. Kevin war tot. Genau wie seine Frau. Und ihr gemeinsames Kind …

„Ich bin nicht die Mutter!“

„Aber Sie sind in Mr. Murphys Unterlagen als seine Ehefrau und nächste Angehörige eingetragen. Deshalb dachten wir …“

„Sie haben falsch gedacht“, unterbrach Keera ihn. „Diese Information ist nicht mehr aktuell. Mein Exmann und ich wurden vor einigen Monaten geschieden. Er hat mich vor ein paar Tagen angerufen und mir gesagt, dass noch einige Papiere unterschrieben werden müssen. Vermutlich hatte er deshalb die alten Dokumente dabei. Und dieses Kind …“ Sie schüttelte abwehrend den Kopf. „Es ist aus seiner zweiten … Beziehung.“ Eine Beziehung, die er genau wie seine Tochter lange geheim gehalten hatte.

„Dann haben wir jetzt ein Problem“, bemerkte Officer James. „Wir haben nämlich keine Unterkunft für die Kleine.“

Obwohl Keera letztlich von Kevins Vaterschaft erfahren hatte, war sie seiner Tochter nie begegnet. Und sie hatte auch nicht das Bedürfnis gehabt, sie zu sehen. Genauso wenig, wie sie sie im Augenblick in ihrem Haus haben wollte.

„Es wird ja wohl Pflegefamilien für solche Notfälle geben.“

Beide Polizisten schüttelten den Kopf.

„Was ist mit dem Jugendamt?“

„Das wäre dann wohl ich“, erklang eine muntere Stimme von draußen. „Ich bin Consuela Martinez, und ich bin vorübergehend für Megan zuständig.“ Eine kleine kräftige Frau drängte sich energisch in Keeras Flur. „Im Augenblick haben wir keine Unterbringungsmöglichkeit. Wir dachten ja, wir würden Megan hier bei ihrer Mutter abliefern.“

„Aber ich bin nicht ihre Mutter!“, stellte Keera erneut fest.

Consuela trat noch einen Schritt näher und stand nun direkt unter der Flurlampe, was ihren Teint ungesund gelb aussehen ließ. Ohne es zu wollen, wechselte Keera in den Arztmodus und ging in Gedanken die möglichen Ursachen für diese Gelbfärbung durch. Am Ende ihrer Ehe hatte Kevin behauptet, er habe sich immer vernachlässigt gefühlt, weil Keeras Hauptaufmerksamkeit stets der Medizin gegolten hatte. Sie hatte ihm nicht widersprochen, denn sie liebte ihren Beruf wirklich mehr, als sie Kevin geliebt hatte.

„Hören Sie, es muss doch Notfallpläne für solche Situationen geben“, beharrte Keera. „Wenn Kinder im Spiel sind, gibt es immer Vorschriften und Verfahrensanweisungen.“ Zumindest hoffte sie das.

„Sie haben natürlich recht. Normalerweise sind wir darauf vorbereitet. Aber im Augenblick leider nicht. Alle Pflegefamilien sind belegt“, bedauerte Consuela. „Vor morgen früh kann ich nicht bei den Nachbarbezirken anfragen, ob dort etwas frei ist. Vielleicht …“

„Nehmen Sie Flucloxacillin, Consuela?“, unterbrach Keera die Sozialarbeiterin abrupt, denn sie wollte nichts darüber hören, dass es für Megan keinen Ort zum Übernachten gab.

Consuela sah sie verwirrt an. Genau wie die beiden Polizeibeamten. „Ähm, ja, das mache ich. Ich hatte einen schweren Atemwegsinfekt. Warum fragen Sie?“

„Sie sollten gleich morgen früh Ihren Arzt anrufen und ihm sagen, dass bei Ihnen eine unerwünschte Nebenwirkung aufgetreten ist. Nichts Schlimmes, machen Sie sich keine Sorgen.“ Damit war das Problem von Megans Unterbringung allerdings nicht gelöst. „Tut mir leid, das ist eine Art Berufskrankheit. In meinem Job ist es sehr wichtig, auf alle Details zu achten. Manchmal schieße ich allerdings etwas über das Ziel...



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