Drews | Killer Blog - Folge 4 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 100 Seiten

Reihe: beTHRILLED

Drews Killer Blog - Folge 4

Auf der Flucht
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1013-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Auf der Flucht

E-Book, Deutsch, 100 Seiten

Reihe: beTHRILLED

ISBN: 978-3-7325-1013-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Rockall. Ein Fels im Atlantik. Ein Hochsicherheitsgefängnis. Hierher kommen nur die schlimmsten aller Verbrecher: Frauenschlächter, Kindermörder, Serienvergewaltiger und - John Cain, Großbritanniens gefährlichster Serienkiller. Doch John ist nicht wie die anderen Verbrecher. Er ist kein Psychopath. Er mordet nicht, weil er Spaß daran hat. John hat eine Geschichte. Und er hat Fans, für die er seinen Blog schreibt.

FOLGE 4 - AUF DER FLUCHT: John Caine beendet seine blutige Jagd. Und seine einflussreichen Fans bereiten seine Flucht von Rockall vor. Doch für ihre Hilfe muss John ihnen eine blutige Trophäe bringen ...

'Es ist nicht so gelaufen wie geplant. Ich kann nicht genau sagen, was schiefgelaufen ist. Aber es ist was schiefgelaufen, soviel steht fest.'

KILLER BLOG ist die E-Book-Serie zu Christine Drews Thriller-Roman 'Killerjagd'. Im 'Killer Blog' erfährt der Leser, wie John Caine zur Killermaschine wurde, wie er seine Morde begangen hat und wie er sich an Rachel Hyatt rächen wird. E-Book-Serie und Roman bieten jeweils eine in sich abgeschlossene Handlung und können auch unabhängig voneinander gelesen werden.

Drews Killer Blog - Folge 4 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Rockall, 15. November, 9:15 p.m.


Vorgestern war ich das letzte Mal online. Davies teilte mir mit, dass es jetzt jederzeit losgehen kann. Vielleicht schon in fünf Tagen, wenn der Tanker das nächste Mal an Rockall vorbeifährt, vielleicht dauert es aber auch noch etwas länger. Das Wetter muss mitspielen, genauso wie der Schiffsverkehr an diesem Tag. Schließlich soll uns kein anderer Kahn so nahe kommen, dass er auf einen möglichen Hilferuf von dieser verfickten Gefängnisinsel reagieren kann. Es gilt also verschiedene Dinge zu berücksichtigen, damit bei meiner Flucht alles glattläuft.

Ich muss zugeben, dass ich deshalb so etwas Ähnliches wie Nervosität verspüre. Nicht wegen der Flucht an sich – wenn es schiefläuft, sterbe ich, und den Tod fürchte ich nicht –, sondern weil ich zur Untätigkeit verdammt bin. Ich bin es nicht gewohnt, von anderen abhängig zu sein. Das gefällt mir nicht. Ich will mich nicht auf andere verlassen müssen. Denn eines steht fest: Vertrauen kann ich niemandem. Auch Davies nicht, dem Hauptorganisator meiner Flucht. Das weiß ich spätestens seit damals. Seitdem er es gewagt hat, mich zu verarschen.

Nachdem ich Davies im Auftrag des Kartells die Kniescheiben zerstochen hatte, ging seine Genesung zügig voran. Psychisch steckte er die ganze Sache erstaunlich gut weg, er schien es akzeptiert zu haben, dass er hatte bestraft werden müssen.

Zwei Monate nach der Tortur konnte er aber immer noch nicht ohne Gehhilfen laufen. Unter normalen Umständen hätte er längst eine Reha aufsuchen oder sich wenigstens in die Hände eines Physiotherapeuten begeben müssen, aber wir wussten beide, dass das unmöglich war. Seine Verletzungen waren mit keiner glaubhaften Lügengeschichte zu erklären, jeder Mediziner hätte sofort Verdacht geschöpft.

Also besorgte ich Davies einen Rollstuhl, damit er sich in der Wohnung frei bewegen konnte und seine Knie weiter schonte. Er nahm das Ding mit einer erstaunlichen Gelassenheit hin.

»Sieht bequem aus. Cool.«

Mein Gesichtsausdruck schien ihn zu weiteren Erklärungen zu nötigen.

»Ich war in meinem ganzen Leben noch nie joggen und habe es in der Zukunft auch nicht vor. Ich sitze doch eh den ganzen Tag auf meinem Hintern. Ist doch scheißegal, wie gut ich laufen kann.«

Damit hatte er natürlich recht. Als professioneller Hacker hockte er ohnehin Tag und Nacht vor seinem Rechner.

Dennoch kam mir seine Gleichgültigkeit merkwürdig vor. Kein Mensch nimmt die Verstümmelung seines Körpers mit einem Achselzucken hin. Ich beschloss, Davies nicht weiter über den Weg zu trauen als unbedingt nötig.

In den nächsten Tagen war ich zu beschäftigt, um mir weitere Gedanken über ihn und seine Beine zu machen. Ich musste mich um den nächsten Namen auf meiner Liste kümmern, Steve Turpin, eine der Schlüsselfiguren bei der Ermordung meiner Familie.

Genau wie Sir Ian war Turpin ein Schreibtischtäter. Er hatte dafür gesorgt, dass meine Eltern vom afghanischen Geheimdienst »verhört« worden waren und dass hinterher alles fein säuberlich vertuscht wurde. Er hatte ihren Tod billigend in Kauf genommen, oder besser gesagt: Es war ihm einfach am Arsch vorbeigegangen, was aus meinen Eltern wurde. Hauptsache, die krummen Machenschaften seiner eigenen Leute fielen niemandem auf.

Sein Plan war aufgegangen. Jedes Mitglied meiner Familie war als Verräter denunziert und bestialisch ermordet worden, während er und seine Abteilung eine saubere Weste behalten hatten. Die war sogar so sauber, dass der feine Mr. Turpin danach noch richtig Karriere machte. Bis ins Abgeordnetenhaus von Nordirland hatte es das Schwein geschafft.

Das hatte den Vorteil, dass ich ihn wenigstens nicht suchen musste. Der Mann tauchte regelmäßig in der Presse auf und stellte sich als Hardliner dar. Zu der Zeit, als Guantanamo und die Foltermethoden der Amis in aller Munde waren, äußerte er sich offen über die Notwendigkeit solcher »Verhörmethoden«, wie er sie nannte. Bei meinen Recherchen fand ich ein Interview, das seinen ganzen verfaulten Charakter offenbarte: »Wenn verdächtige Gefangene während solcher erweiterter Verhöre versterben und sich die Vorwürfe gegen sie hinterher als falsch herausstellen sollten, dann bedeutet das doch noch lange nicht, dass hier ein Unschuldiger zu Tode gefoltert wurde. Solche Vorstellungen sind naiv, fast lächerlich. Oder glauben Sie ernsthaft, dass auch nur ein Unschuldiger in Guantanamo sitzt? Auf eine gewissen Weise sind die alle schuldig.«

Das war seine Einstellung. Wer in die Fänge der Bullen geriet, der hatte auch Dreck am Stecken. Ordentlichen Bürgern würde so etwas nie passieren. Turpin war der reaktionärste Konservative, den man sich vorstellen konnte.

Er genoss das Image, ein harter Hund zu sein. Sein ganzes Auftreten hatte er darauf abgestimmt. Er trug immer perfekt sitzende, farblich unauffällige Anzüge, hatte die Haare streng nach hinten gegelt und lächelte nie. Ich sah mir einige Fernsehinterviews von ihm an, und mir fiel auf, dass er immer die Backenzähne zusammenbiss, wenn er gerade nicht sprach. Dadurch wirkte sein Gesicht sofort kantiger. Ich war mir sicher, dass er genau das damit beabsichtigte.

Dieser Lackaffe ging über Leichen, das war mir klar. Es war an der Zeit, dass ich dem Wichser eine Lektion erteilte.

Doch zunächst musste ich etwas für meinen Lebensunterhalt tun, denn auch ich konnte ohne Geld nicht überleben. Es war ein ungewöhnlicher Auftrag, der mir aber hoffentlich keine Schwierigkeiten bereiten würde: Ich sollte die ehemalige Grande Dame des Salvotti-Clans ausschalten.

Elisa Salvotti hatte über Jahrzehnte die Geschicke ihres Clans geleitet und galt als knallharte Patin, die sogar zwei ihrer Schwiegersöhne hatte ausschalten lassen. Doch nun war sie uralt und ziemlich dement. Dummerweise hatte eine ihrer Töchter, die von der Mutter selbst zur Witwe gemacht worden war, die alte Frau in ein Seniorenheim abgeschoben. Verwirrt, wie die Signora war, plauderte sie dort munter die intimsten Familiengeheimnisse aus – leider auch die des Botti-Clans, der früher einige Kooperationen mit den Salvottis eingegangen war und für den ich heute überwiegend arbeitete. Deshalb musste die verrückte Plaudertasche schnellstens ruhiggestellt werden. Allzu lange hätte die Siebenundneunzigjährige vermutlich eh nicht mehr gehabt, doch womöglich hatte sie noch genug Zeit, um wichtige Clan-Interna in die Welt zu posaunen.

Also wurde ich darum gebeten, ein wenig Sterbehilfe zu leisten. Was ein guter Junge, wie ich es bin, natürlich unmöglich ablehnen konnte.

Mrs. Salvotti lebte im Lucy-Brown-House, einem hübschen Anwesen an der Park Street. Wer hier seinen Lebensabend verbringen wollte, musste dafür einiges auf den Tisch legen. Dank der solventen Kundschaft war die private Seniorenresidenz natürlich gut gesichert, in erster Linie allerdings so, dass die verwirrten Bewohner nicht rauskonnten. Überall wimmelte es von meist polnischem Personal, das sich sehr um die Bewohner zu bemühen schien.

Ich zog schwarze Hose und schwarzes Hemd an, steckte mir den weißen Kragen eines Priesters in den Kragen und machte mich mit Haarteil, falschem Bart und Brille unkenntlich. Ein Priester in einem Altenheim war eine unauffällige Sache. So einen sieht man dort schließlich öfter.

»Ich möchte zu Elisa Salvotti«, meldete ich mich beim Empfang.

In der Hand hielt ich eine Bibel, in der ich eine Spritze mit einer tödlichen Dosis Morphin versteckte. Solche Injektionen sind nur bei alten und hilflosen Zielpersonen sinnvoll, die sich nicht wehren können, wenn man ihnen die Spritze setzt. Der Tod kommt danach ziemlich schnell, da das Morphium die Atmung lahmlegt. Nach spätestens zehn Minuten ist die Sache erledigt. Gerade bei alten Leuten wird ein solcher Mord in den meisten Fällen gar nicht entdeckt. Der Leichenbeschauer müsste schon den ganzen Körper mit einer Lupe nach der Einstichstelle absuchen – erfahrungsgemäß macht das bei einer fast Hundertjährigen kein Mensch. Ich bin mir sicher, dass unzählige alte Leute auf diese Art und Weise ins Jenseits befördert werden, ohne dass es jemals jemand bemerkt.

»Sind Sie ein Angehöriger?«, fragte mich die freundliche Schwester am Empfang.

»Ich bin ihr Enkel, Mario Salvotti. Ich befinde mich kurz vor meiner Abreise ins Priesterseminar und würde mich gern von meiner Großmutter verabschieden.«

»Natürlich. Zimmer 134. Es wird gleich jemand kommen, der Sie hinaufbegleitet.«

»Das ist wirklich nicht nötig. Ich war schon mal hier, ich kenne den Weg.«

Sie zögerte einen Moment, war dann aber einverstanden. Mein priesterliches Aussehen war offensichtlich sehr vertrauenerweckend.

»Falls Sie sich doch verlaufen sollten, wenden Sie sich einfach an das Pflegepersonal.«

Ich nickte ihr freundlich zu, ging Richtung Fahrstuhl, fuhr in den ersten Stock, in dem ich Zimmer 134 vermutete, und sah mich dort um. Zum Glück war der Flur menschenleer, die meisten Patienten waren mit den Pflegern im Garten und genossen das warme Wetter.

Gab es hier Überwachungskameras? Auf den ersten Blick konnte ich keine entdecken. Gut.

Am Ende des Korridors fand ich das Zimmer von Elisa Salvotti. Ohne anzuklopfen trat ich ein.

Eine weißhaarige Greisin saß in einem Ohrensessel am Fenster und starrte hinaus. Sie bemerkte mich erst, als ich direkt neben ihr stand. Ich hatte ein Foto von ihr gesehen und wusste, dass ich richtig war.

Mit überraschend klaren Augen sah sie mich an. »Ein Priester? Ist es schon so weit?« Sie lachte leise.

»Ja, Mrs. Salvotti. Es ist so weit.«

Ihr Lachen erstarb sofort. Die alte Dame war lange genug im Geschäft gewesen. Bei aller Verwirrtheit erkannte sie doch den scharfen...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.