E-Book, Deutsch, Band 2, 304 Seiten
Reihe: Braingame-Trilogie
Driel Pala. Das Geheimnis der Insel
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86418-037-8
Verlag: Oetinger Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 304 Seiten
Reihe: Braingame-Trilogie
ISBN: 978-3-86418-037-8
Verlag: Oetinger Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seit Iris weiß, dass ihr verschollen geglaubter Bruder Justin auf Pala war und ihm als bisher Einzigem die Flucht gelungen ist, schöpft sie neue Hoffnung: Es scheint nicht
mehr unmöglich, von der Insel zu entkommen. Justin nimmt unbemerkt Kontakt zu Iris auf. Gemeinsam wollen sie herausfinden, welche Pläne Mr Oz verfolgt und wie man ihn stoppen kann. Doch als Mr Oz erfährt, dass Iris heimlich Nachforschungen anstellt, wird es richtig gefährlich.
'Das Geheimnis der Insel' ist der zweite Band der 'Pala'-Trilogie von Marcel van Driel, wieder mit einer rasanten Kombination aus Abenteuer, Freundschaft und Liebe.
Marcel van Driel ist ein niederländischer Autor, der bereits mehr als fünfzig Kinderbücher geschrieben hat. Er ist für seine temporeichen, spannenden Geschichten bekannt, die oft mit Online-Computerspielen verknüpft sind. Mit der Trilogie 'Pala' landete er in den Niederlanden auf Anhieb einen Bestseller-Erfolg. Marcel van Driel lebt in Utrecht, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Wenn er nicht gerade ein neues Buch schreibt, spielt er mit seinen Söhnen Computerspiele.
Weitere Infos & Material
Colorado Springs, Colorado, USA
Justin wollte den Lieferwagen lieber nicht noch näher an der Schriever Air Force Base abstellen. Nun hoffte er, dass die Geräte stark genug waren, um das Satellitensignal zu empfangen. Wenn nicht, müsste er den Wagen direkt neben der militärischen Flugbasis parken, und das wäre viel zu riskant. Vor drei Tagen war er in Texas gewesen. Dort hatte er seine Schwester Iris zum ersten Mal seit über einem Jahr wiedergesehen. Und nur wenige Stunden später hatte er sie, gegen ihren Willen, zu Mr Oz nach Pala zurückgeschickt. Jetzt war sie wieder in Gefangenschaft. War das die richtige Entscheidung gewesen? Justin sah sich die Landschaft an. Colorado hatte ein bisschen Ähnlichkeit mit den Niederlanden, zumindest, wenn man in eine bestimmte Richtung schaute: Rechts und links der zweispurigen Straße gab es endlose Weiden, und ab und zu sah man einen Bauernhof. Wenn man jedoch einen Blick in die andere Richtung warf, erkannte man sofort, dass das hier Amerika war. Am Horizont türmten sich Berge, die wie mythische Gottheiten aus einer grauen Vorzeit aufragten. Nicht ohne Grund hieß der angrenzende Naturpark Gardens of the Gods: Garten der Götter. Justin selbst fühlte sich ganz und gar nicht wie ein Gott. Er war müde und beunruhigt. Was hatte Mr Oz nur mit der Welt vor? Justin wollte, dass seine Schwester genau das herausfand, aber ob sie mitarbeiten würde, wusste er nicht. Vertraute sie ihm überhaupt noch? Justin stellte den Motor ab und wartete, bis kein Auto mehr auf der Straße zu sehen war. Das war der Vorteil an diesem platten Land: Man konnte bis zum Horizont gucken. Der Nachteil hingegen war, dass auch sein Wagen so schon von Weitem sichtbar war. Er öffnete die Tür und stieg aus. Die Seiten des schwarzen Fahrzeugs waren mit bunten Blumenbildern beklebt, daneben prangte die Aufschrift PIZZA POLICE. Der Wagen war einer von vielen, die Mr Oz auf der ganzen Welt verteilt hatte. Sie konnten von seinen Superhelden auf Missionen genutzt werden. Genauso gut konnten sie aber auch von einem Ex-Superhelden aufgespürt werden, der herausgefunden hatte, auf welcher Homepage die Standorte der Lieferwagen aufgeführt waren. Für einen talentierten Jungen wie Justin war es ein Kinderspiel gewesen, den Wagen zu knacken. Sollte Mr Oz irgendwann auffallen, dass der Lieferwagen fehlte, würden Olina und er längst über alle Berge sein. Justin ging ans Ende des Wagens und klopfte an die Tür, zweimal leise, einmal laut. Zwei Sekunden später wurde ihm von innen geöffnet. Ein schlankes, dunkelhäutiges Mädchen trat einen Schritt zur Seite und ließ Justin einsteigen. »Würde es dir etwas ausmachen, vorne im Fahrerhaus zu sitzen, Olina?«, fragte Justin. »Nur für den Fall, dass jemand kommt.« Sie schüttelte den Kopf. »Nervös?«, fragte sie. »Irgendetwas geht immer schief«, antwortete er. »Man weiß vorher nur noch nicht, was.« Olina sprang aus dem Lieferwagen, Justin schaute ihr hinterher. Auf den ersten Blick sah sie noch aus wie das Mädchen, das er vor einem Jahr halb tot in Maine gefunden hatte. Aber der Schein trog. Olinas Augen hatten viel gesehen – viel zu viel für ein vierzehnjähriges Mädchen, das auf Hawaii recht unbeschwert aufgewachsen war. Die Narbe an ihrem Hals sprach Bände. Mit einem Messer hatte sie sich den Chip aus dem Hals herausgeschnitten. Allmählich wuchs Olina zu einer wahren Schönheit heran. Der Kontrast zwischen ihren hellblauen Augen und der schokoladenbraunen Haut verlieh ihr etwas Einzigartiges, auch wenn sie ein wenig zu klein für eine Laufstegkarriere war. Doch sie waren nicht für America’s Next Top Model in Colorado, rief Justin sich in Erinnerung. Er schloss die Tür hinter Olina zu und setzte sich in den Sessel, der auf dem Metallboden des Lieferwagens montiert war. Hier drinnen sah es aus wie im Kontrollraum der NASA. In diesem Fahrzeug stapelten sich keine Pizzakartons, dafür gab es aber zahlreiche Bildschirme und Computer. Einer von ihnen war eingeschaltet. Justin nahm die Maus, zog eine Tastatur zu sich heran und fing an zu tippen. Er loggte sich auf dem internen Netzwerk der Air Base mit einer Reihe von Passwörtern (die er eigentlich gar nicht kennen durfte) ein. Danach stellte er Kontakt zum KH-14 GAMBIT her. Der GAMBIT war ein Spionagesatellit und der KH-14 ein Prototyp, den es offiziell noch gar nicht gab. Er wurde von der Schriever Air Force Base aus gesteuert. Diese amerikanische Flugbasis lag ein paar Kilometer weit entfernt. Mit der Apparatur im Lieferwagen konnten Justin und Olina den Satelliten kurzzeitig kapern, ohne dass die Amerikaner etwas davon mitbekamen. Mr Oz sei Dank. Jetzt hofften die beiden, dass sie Iris – oder besser gesagt, ihren Chip – lokalisieren konnten. Justin richtete den Sender-Empfänger des Satelliten auf den Teil der Erde, auf dem sich eine tropische Insel mit dem Namen Pala befand. Pala existierte für die Außenwelt nicht, doch Justin kannte es nur zu gut. Er selbst war dort fast ein ganzes Jahr eingesperrt gewesen, bevor er auf spektakuläre Weise den Fängen von Mr Oz entfliehen konnte. Die Insel war ein Gemisch aus Gefängnis und Trainingszentrum. Hier waren Hunderte von Kindern und Jugendliche untergebracht, die alle das Computerspiel Superhelden bis zum Ende gespielt hatten. Jeder von ihnen war in irgendetwas besonders gut. Bis auf eine Ausnahme war keiner freiwillig nach Pala gekommen. Es gab Kinder, die bereits seit über vier Jahren dort waren, einige wollten inzwischen gar nicht mehr weg. Justin schaltete die Kamera ein, die die Amerikaner in den Satelliten montiert hatten. Dieses hochmoderne Gerät konnte gestochen scharfe Fotoaufnahmen von der Erdoberfläche machen. Er klickte ein paarmal mit der Maus und zoomte Pala heran. Auf den Fotos vom KH-14 GAMBIT war keines der Kinder zu sehen. Unter den Wolkenfetzen, die das Land stellenweise verdeckten, ragten Berge empor, die mit dunkelgrünen Bäumen bewachsen waren. Auf anderen Teilen der Insel sah man Wasser – Flüsse und Seen – und dichten Dschungel. Man hätte meinen können, dass die Insel unbewohnt war. Und genau das war es, was Mr Oz wollte. Alle Kandidaten und Superhelden wohnten in einem futuristischen Gebäudekomplex unter der Erde. Hier gab es Hunderte von Zimmern verschiedenster Art. Als Justin noch auf Pala gewesen war, durfte er nur ein einziges Mal an die Erdoberfläche kommen. Das war beim letzten Test gewesen, bei dem die Kandidaten entweder Superhelden wurden oder für immer von der Bildfläche verschwanden. Diesen Test würde auch seine jüngere Schwester Iris bald machen. Er musste Iris irgendwie erreichen, um sie davon zu überzeugen, dass sie etwas für ihn herausfand – und zwar, noch bevor sie zu diesem letzten Test antrat. Die Stunde der Wahrheit war gekommen. Ob er Iris wohl mithilfe des Satelliten finden würde? Justin legte einen Schalter um und tippte einen Code ein. Auf dem Bildschirm erschien jetzt ein rot blinkendes Licht. Yes! Justin seufzte erleichtert auf und suchte nach dem Ansibel, dem kleinen Apparat, mit dem er per Satellitenverbindung mit seiner Schwester sprechen konnte. Verdammt, er hatte ihn vorne im Fahrerhaus liegen lassen. Er rief Olina mit seinem Handy an. »Ja?« »Ich habe den Ansibel vergessen«, sagte er auf Englisch. »Siehst du ihn da irgendwo?« Er hörte ein Knistern in der Leitung, und dann: »Ja, soll ich ihn dir bringen?« »Yes, please.« »Ich hab’s geschafft«, verkündete Justin, als Olina zu ihm in den Wagen kletterte. Justin hielt seine Hand auf, und Olina legte einen dunklen Gegenstand hinein. Er sah aus wie eine schwarze Kugel, die man in der Mitte durchgeschnitten hatte. An der glatten Außenseite befand sich ein roter Knopf. Justin drückte den Knopf und beobachtete auf dem Bildschirm, wie der Ansibel versuchte, Kontakt zu dem Chip in Iris’ Hals herzustellen. Er zählte runter: drei, zwei, eins. »Justin, du bist ein Idiot«, schallte die Stimme seiner Schwester aus den Lautsprechern. Justin grinste und hielt sich den Ansibel vor den Mund. »Das finde ich jetzt aber nicht so nett von dir«, sprach er in den Apparat. Ein paar Sekunden herrschte Stille. Dann fragte seine Schwester: »Wo bist du?« »Ich bin noch immer in Texas«, log er. Es konnte schließlich sein, dass jemand ihr Gespräch abhörte. Seinen Standort durfte natürlich niemand erfahren. »Und du bist auf Pala, stimmt’s?« Blöde Frage. Wo sollte sie denn wohl sonst sein? Justin war nervös. Vor ein paar Tagen hatte er seine Schwester mit einem Betäubungsmittel außer Gefecht gesetzt und sie dazu gezwungen, wieder zurück nach Pala zu fahren. Würde sie überhaupt noch mit ihm reden wollen? »Du bist im Chip?«, fragte sie erstaunt. »Ich habe den Chip angepasst. Keine Sorge, außer dir kann mich niemand hören. Vielleicht ist es aber trotzdem besser, wenn du flüsterst. Sonst denken sie noch, du bist schizophren.« Olina setzte sich neben ihn und hörte zu. »Justin, du Arschloch! Warum hast du mich im Motel zurückgelassen?« Iris flüsterte, aber er hörte die Wut in ihrer Stimme. »Warum hast du mich zurück nach Pala geschickt? Warum durfte ich nicht mit dir kommen?!« »Weil irgendjemand Mr Oz stoppen muss, Iris. Und du kannst das. Wir beide können das....




