E-Book, Deutsch, Band 1, 320 Seiten
Reihe: Braingame-Trilogie
Driel Pala. Das Spiel beginnt
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86418-035-4
Verlag: Oetinger Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 320 Seiten
Reihe: Braingame-Trilogie
ISBN: 978-3-86418-035-4
Verlag: Oetinger Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Regeln des Spiels sind gnadenlos: Überall auf der Welt spielen Jugendliche ein Online-Game, bei dem man Abenteuer auf der virtuellen Insel Pala bestehen muss. Auch Iris ist von dem Spiel begeistert, bis es plötzlich Realität wird. Denn die Insel gibt es wirklich. Und die besten Spieler werden nach Pala entführt und dort von Mr Oz, dem Erfinder des Spiels, zu Geheimagenten ausgebildet. Doch welches Ziel verfolgt Mr Oz, und wie kann man von der Insel entkommen? Fest steht nur eins: Auf Iris warten große Gefahren, und bald weiß sie nicht mehr, wem sie vertrauen kann.
Der Start der Braingame-Trilogie von Marcel van Driel.
Marcel van Driel ist ein niederländischer Autor, der bereits mehr als fünfzig Kinderbücher geschrieben hat. Er ist für seine temporeichen, spannenden Geschichten bekannt, die oft mit Online-Computerspielen verknüpft sind. Mit der Trilogie 'Pala' landete er in den Niederlanden auf Anhieb einen Bestseller-Erfolg. Marcel van Driel lebt in Utrecht, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Wenn er nicht gerade ein neues Buch schreibt, spielt er mit seinen Söhnen Computerspiele.
Weitere Infos & Material
Ripley, Maine, USA
Zu dieser Uhrzeit war außer Alex niemand auf der Straße unterwegs. Wenn man dem Kennzeichen seines Transporters glaubte, kam er aus dem amerikanischen Staat Maine. Doch hinten im Wagen hatte Alex noch sieben andere Nummernschilder liegen, auf denen jeweils eine andere Stadt stand. Er steuerte den Transporter sicher durch die Nacht. Dabei achtete er peinlich genau darauf, die Geschwindigkeitsbegrenzung einzuhalten. In Amerika wurde viel strenger kontrolliert als in England, seiner eigentlichen Heimat. Zu gerne hätte er das Gaspedal ganz durchgetreten und wäre wie sein Held Michael Schumacher um die Kurven gefegt. Er vermisste die Geschwindigkeit und das Adrenalin. Aber heute Abend zügelte er sich, er wollte die Mission unter keinen Umständen in Gefahr bringen. Die Mission saß neben ihm. Sie hieß Olina, war dreizehn Jahre alt und kam von Hawaii. Wenn Olina den Test bestand, würde sie direkt von Level 3 in Level 4 kommen. Damit wäre sie fast schon ein Superheld, genau wie er. Sollte sie es nicht schaffen … Daran wollte er lieber nicht denken. Alex war sechzehn Jahre alt, nach amerikanischem Gesetz durfte er daher in den USA Auto fahren. Nicht, dass er sich sonst darum scherte, was legal war und was nicht. Sein erstes Auto hatte er am helllichten Tage aus einem Autohaus in London geklaut, vor den Augen des Inhabers. Er war damals gerade elf, das Auto war ein Porsche gewesen. Das waren noch Zeiten. Inzwischen war er ein großer, schlanker junger Mann mit glattem, blondem Haar, das ihm in die Augen fiel. Sein Blick war durchdringend, er sah Leute direkt an. Jetzt waren seine Augen jedoch einzig und allein auf die Straße vor ihm gerichtet. In Maine verschwendete man ganz offensichtlich keine Steuergelder für Laternen. Die Straße wurde nur von den Scheinwerfern seines Transporters und vom matten Mondlicht erleuchtet. Alex warf einen Blick auf das Mädchen neben ihm. Kerzengerade saß sie auf dem Beifahrersitz und sah starr vor sich hin. Die ganze Reise über hatte sie lediglich ein paar Worte gesagt. Das Mädchen hatte dunkelbraune, fast pechschwarze Haut. Ihre strahlend blauen Augen standen in starkem Kontrast dazu. Genau wie Alex trug auch sie Jeans und darüber eine Weste. Im Gegensatz zu ihm hatte sie allerdings keine All Stars an, sondern Doc Martens – selbstverständlich schwarz wie seine. Es fühlte sich gut an, mal keine Uniform zu tragen. Alex ließ sein Fenster runter, um die Nachtluft hereinzulassen. »Stört es dich, wenn ich das Radio anmache?«, fragte er. Olina schüttelte den Kopf. Alex drückte so lange auf den Knöpfen herum, bis er Hip-Hop hörte – in Amerika gab es für jeden Musikgeschmack einen eigenen Sender. Kurz darauf dröhnten Beats und Raps durch den Wagen. »Ich glaube, ich habe noch nie ein dunkelhäutiges Mädchen mit blauen Augen gesehen«, sagte Alex. Er musste ziemlich laut sprechen, um die Musik und das Motorengeräusch zu übertönen. »Europäische Vorfahren mütterlicherseits«, antwortete Olina, »mit blauen Augen.« Ihr Englisch war ein Singsang und hörte sich ganz anders an als sein eigener britischer Akzent. »Aber du hast doch schon mal dunkelhäutige Menschen gesehen, oder etwa nicht?«, fragte sie halb ernsthaft, halb im Spaß. Alex fing an zu lachen. »Als Weißer war ich in Soho eher in der Minderheit«, sagte er. »Soho, New York? Du klingst gar nicht wie ein Amerikaner.« Alex schüttelte den Kopf. »London. Dort bin ich geboren und aufgewachsen. Und du kommst von Hawaii.« Das war nicht als Frage gemeint, er wusste alles über sie: Wo sie wohnte, dass sie eine kleine Schwester hatte und was ihr besonderes Talent war. Er hatte Olina während ihres Trainings regelrecht studiert – natürlich heimlich. Superhelden und Kandidaten hatten selten Kontakt. »Honolulu«, antwortete sie. »Olina ist ein hawaiianischer Name. Er bedeutet stürmisch.« Alex nahm den Fuß vom Gas. Stürmisch. Davon hatte er heute Abend nicht gerade viel mitbekommen. »Ich bin der Beschützer der Menschen«, sagte er. »Zumindest ist das die Bedeutung von Alex. Mein Vater hat mich nach Alexander dem Großen benannt.« »Und, bist du das wirklich?«, fragte das Mädchen. »Was?« »Der Beschützer der Menschen?« Den Blick auf die Straße gerichtet, antwortete Alex: »Heute Abend bin ich der Beschützer von Olina.« Das erste Mal an diesem Abend erschien ein Lächeln auf ihrem Gesicht. »I like that.« Mit ihren dreizehn Jahren war Olina ganz schön jung für eine Superheldin. Aber einzigartig war sie nicht. Kinder jeglichen Alters spielten und gewannen dieses Spiel, auf der ganzen Welt. Mr Oz hatte ein Mindestalter von zwölf Jahren festgelegt, sonst hätte es auf Pala noch mehr Kandidaten gegeben. »Bist du nervös?«, fragte Alex. Olina schüttelte den Kopf. Natürlich bist du das, dachte Alex. Du bist völlig am Ende mit den Nerven. »Es ist ein ganz einfacher Auftrag, mach dir mal keine Gedanken«, beruhigte er sie. »Wir sorgen dafür, dass sie herauskommt. Du musst nur mit ihr reden. Das ist doch dein besonderes Talent, nicht wahr? Menschen zu überzeugen?« Sie nickte. »Ja, wenn ich etwas sage, glaubt es mir jeder aufs Wort. Wenn ich will, kann ich die Sonne dazu bringen, sich langsamer zu drehen.« Dann bin ich wahrscheinlich dagegen immun, dachte Alex. Ich glaube dir nämlich kein Wort. Im Radio fing D-Luzion an, über Superhelden zu rappen. »Das sind wir«, sagte Alex. Er machte eine Kopfbewegung in Richtung Radio. »Wir können vielleicht nicht fliegen oder Autos mit bloßen Händen in die Luft heben, aber wir sind die neuen Superhelden. Jeder ist in einer Sache der Beste.« »Okay.« Olina nickte. Sie zögerte einen kurzen Moment, dann fragte sie: »Gefällt dir … diese Musik eigentlich … echt?« »Sure, soll ich sie lieber ausmachen?« »Ja, bitte. Hip-Hop ist so aggressiv. Mich macht das irgendwie nervös.« »Na klar, kein Problem«, sagte Alex. Eigentlich war er weniger mild, als er sich gab: Wenn sie das hier schon nervös machte, wie wollte sie dann wohl den Rest des Abends überstehen? Ganz zu schweigen von den wirklich gefährlichen Missionen, dachte er. Er brachte D-Luzion zum Schweigen. In der Stille hörte man lautes Grillenzirpen. »Danke«, seufzte Olina. Er sah, dass sie sich etwas entspannte. Alex nickte und bog scharf um die Kurve. Sie fuhren an einem Schild vorbei, auf dem stand: »RIPLEY, POPULATION: 452.« Er verringerte das Tempo und steuerte den Transporter gemächlich durchs Dorf. »Vierhundertzweiundfünfzig Einwohner?«, fragte Olina erstaunt. »Es ist eines der kleinsten Dörfer Amerikas«, erklärte Alex. »Aber sogar hier haben sie Internet und spielen Superhelden.« Superhelden. Das Spiel, mit dem alles angefangen hatte. Der Grund, warum er mitten in der Nacht mit einer dreizehnjährigen Kandidatin durch die Gegend fuhr, um einen weiteren neuen Spieler einzusammeln. »Bist du dir sicher, dass du das hier willst?«, fragte Alex. Er machte sich eher um seine Mission Sorgen als um das Mädchen. »Mir bleibt nicht viel anderes übrig, oder?«, antwortete Olina und berührte unbewusst den Chip in ihrem Hals. »Nein, nicht wirklich«, gab Alex zu. Er bog langsamer, als die Geschwindigkeitsbegrenzung es vorschrieb, in die Hauptstraße ein. Lieber auf Nummer sicher gehen, auch wenn kein Sheriff zu sehen war. Er wollte nicht, dass sie angehalten wurden oder – schlimmer noch – der Transporter aufgemacht werden würde. Ripley war ein typisches amerikanisches Kaff. Auf beiden Seiten der schäbigen Straße standen Häuser. Die meisten der Bewohner waren ganz offensichtlich schon im Bett, nur hinter wenigen Fenstern brannte noch Licht. Alex parkte gegenüber von Bill’s Diner (»Today’s Special: Fried Chicken«) und schlug mit der Faust auf die Trennwand hinter ihm. »Wir sind da!«, rief er. Olina rüttelte an ihrer Tür. »Kindersicherung, sorry«, sagte Alex und grinste dämlich. »Befehl von Mr Oz.« »Ich laufe schon nicht weg«, sagte Olina und sah etwas beleidigt aus. Alex zuckte mit den Achseln, dann stieg er aus und ging um den Bus herum, um ihr die Tür aufzumachen. An der Seite des Transporters befand sich ein Reklameaufdruck von einem Blumenladen. »Komm, ich weiß nicht, wie viel Zeit wir noch haben«, sagte er und ging nach hinten. Er öffnete die Klappe und sprang auf die Ladefläche. Er streckte Olina die Hand entgegen und half ihr elegant hinein. »Mach sofort die bekloppte Tür zu, oder willst du, dass die gesamte Nachbarschaft uns sieht?«, ertönte eine heisere Stimme aus dem Wageninneren. Ein Mädchen mit langen Haaren, in einem viel zu großen T-Shirt mit dem Aufdruck einer Rockband, richtete sich in ihrem Sessel auf. Sie schubste Alex scheinbar mühelos zur Seite und zog die Tür mit einem lauten Knall zu. »Und dieses charmante Wesen ist Marthe.« Alex schien ihr Verhalten nicht im Geringsten zu beeindrucken. »Alle nennen sie Fiber.« »Und ihn nennen wir Arschloch – aber nur, wenn er nicht dabei ist«, sagte Fiber. »Wenn er dabei ist, sagen wir Herr Arschloch.« Sie plumpste wieder auf ihren Sitz zurück. Olina starrte auf die unzähligen Apparate im Transporter. Er war bis auf die letzte Ecke ausgefüllt: an den Wänden hingen überall Bildschirme, und an der Rückwand stand eine ganze Reihe summender Computer. »Das System wird von einer externen Energiezelle betrieben«, erklärte Fiber. »Es läuft komplett...




