Dross | Der Tod trinkt Rot | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 382 Seiten

Reihe: Der Tod trinkt Rot

Dross Der Tod trinkt Rot

...am Gardasee
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-9752-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

...am Gardasee

E-Book, Deutsch, Band 1, 382 Seiten

Reihe: Der Tod trinkt Rot

ISBN: 978-3-7597-9752-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auf einer Reise in die Vergangenheit wird das Leben von Erika und Roland Milser auf den Kopf gestellt und für immer verändert. Ein verdrängtes Trauma, ein Mord im Wohnmobil nebenan und eine Kette von schockierenden Enthüllungen führen die beiden an die Grenzen ihrer emotionalen Belastbarkeit. Die Geheimnisse und Lügen, die die Milsers seit 25 Jahren mit sich herumschleppen, führen sogar bei Hauptkommissar Salvatore Wagner zu schweren Konflikten mit Vorgesetzten und Kollegen, vor allem aber mit seiner Familie.

Anna Dross wohnte in Kiel, im Schwarzwald und dazwischen, bevor sie 1996 nach Mallorca zog. Zeitlebens pendelte die ausgebildete Arzthelferin zwischen Schreiben und Malen. Sie erhielt für ihr literarisches Schreiben den Förderpreis der Stadt Bremen und arbeitete auf Mallorca fast 15 Jahre erfolgreich als freiberufliche Malerin. Seit ihrer Verrentung ist wieder das Schreiben an der Reihe. 2019 veröffentlichte der Goldmann-Verlag ihr erstes Buch 'Abenteuerreise Wohnmobil'. Auf ihrer Webseite www.womo-kladde.net nimmt Anna Dross ihre Leser mit auf ihre Reisen durch die Länder Europas.

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Freitag, 11. Oktober
Andere haben ihre Leiche im Keller, dachte Erika, wir fahren unsere im Wohnmobil spazieren. Sie hatten Bardolino hinter sich gelassen, nur noch wenige Kilometer trennten sie und Roland von Garda. Von dem Ort, wo vor einem Vierteljahrhundert das Siechtum ihrer Ehe begann. Von ihrem hohen Beifahrersitz schweifte Erikas Blick durch den lichten Vormittagsnebel über das herbstliche Venetien und blieb an den Weinstöcken hängen. Die Zeit der Weinernte war vorbei, viele Blätter an den Reben schon vergilbt oder abgestorben, und nur noch wenige Trauben hingen an den Zweigen. Noch vor Mittag würde sich die Sonne durchsetzen, daran glaubte Erika ganz fest. Seit ihrem zehnten Hochzeitstag am 15. Oktober 1994, ihrer Rosenhochzeit, hatte Erika oft versucht, Roland zu einer Wiederkehr an den Gardasee zu bewegen. Vergeblich. Nie passte es ihm, nie war es ihm recht. Erst jetzt, im Jahr 2019, zu ihrem 35. Hochzeitstag, hatte er zugestimmt. Wenn auch nicht ganz aus freien Stücken. Garda als Ziel ihrer ersten Reise mit dem Monsterauto, wie Erika das Wohnmobil im Stillen nannte, war ihre unumstößliche Bedingung gewesen für die Zustimmung zu dessen Kauf. Dabei wusste sie selbst nicht, was genau sie sich davon erhoffte. Etwa, dass die Farben und der Duft des Herbstes, das köstliche Essen und der ungetrübte Blick über den See das schwarze Loch in ihrem Kopf ausfüllten? Dieses Nichts, diesen Hohlraum, in dem die Nacht im Hochzeitszimmer des Hotels ebenso versunken war wie der schlimme Verkehrsunfall auf der Rückfahrt. Danach hatte sie für einige Wochen im Koma gelegen. Seit diesem unseligen Herbst war es mit ihrer Ehe schleichend bergab gegangen. Ein lautloses Begräbnis, das sich von Jahr zu Jahr in die Länge zog. Kaum hatten sie das Ortsschild erreicht, besiegte die Sonne den Nebel. Erika lächelte bei diesem Wink des Schicksals in sich hinein und öffnete einen Spalt das Seitenfenster, weidete ihre Augen an üppig wuchernden Blumenkästen vor Fenstern und Hauseingängen. Selbst jetzt, Mitte Oktober und trotz des schlechten Wetters der vergangenen Woche, machten die Fleißigen Lieschen ihrem Namen alle Ehre und schmückten den grauen Asphalt mit bunten Tupfern. Roland Milser folgte den Anweisungen des Navigationsgerätes, bog von der Strada Provinciale 8 in die Via C. Preite und ließ sich zum parcheggio gleichen Namens leiten. Ein Parkplatz für Autos, Busse und vor allem der Wohnmobilstellplatz von Garda. Roland ließ das Fahrzeug ausrollen und stellte vor der geschlossenen Schranke den Motor ab. Nervös und ratlos studierte Erika die Schilder zu ihrer Rechten. Gleich vier davon waren an einer einzigen Stange angebracht mit komplizierten Hinweisen für die Zahlung und den Aufenthalt. Auf Italienisch, Deutsch und Englisch. „Es ist verboten die markise zu öffnen und picknick zu machen“, las sie ab und sagte: „Naja, in Italien wird ja so ziemlich alles klein geschrieben. Egal, ich muss erstmal aufs Klo.“ Erika wies auf das langgestreckte, cremefarben getünchte Gebäude linker Hand, zu Fuß konnte sie auf dem Weg dorthin die Schranke umgehen. Ein Erdgeschoss mit niedrigem Giebeldach, das auf allen Seiten weit über die Fassade reichte und damit einen schattigen Gang entlang der Außenwände schuf. Entschlossen klickte sie den Sicherheitsgurt auf und fasste an den Türgriff. Roland zeigte mit seiner schmalen Hand auf einen jungen Mann in himmelblauem Overall, der aus einer der Holztüren getreten war. „Warte einen Augenblick, das scheint der Platzwart zu sein. Bestimmt will er uns einweisen.“ „Die können hier doch fast alle Deutsch, da brauchst du mich nicht. Ich bin auch gleich wieder da“, antwortete Erika, und schon schwang sie das rechte Bein nach draußen. Der offene Blick des schlanken Burschen, der sich ohne Eile ihrem Wohnmobil näherte, ermunterte sie noch zu sagen: „Der sieht doch nett aus.“ Erikas Hüften knirschten um Hilfe, als sie den hohen Sitz hinabkletterte und die ersten Schritte machte. Sie nickte dem jungen Mann zu und konzentrierte sich darauf, sich ihren Schmerz nicht anmerken zu lassen. „Parli tedesco?“, fragte Erika und hörte seine deutsche Antwort nicht mehr, so schnell war sie in dem Toilettenhäuschen verschwunden. Nachdem sie sich erleichtert hatte und gründlich die Hände gewaschen, inspizierte sie die Dusche und beschloss, die winzige Zelle im Wohnmobil, die der Verkäufer allen Ernstes Raumbad genannt hatte, wann immer möglich zu meiden. Auch wenn hier fünf Minuten Duschen einen Euro kostete. Das war es ihr allemal wert. Aus den Augenwinkeln sah Erika, wie der Platzwart vor dem Fahrzeug herging und Roland beim Einparken half. Mit Schwung kreuzte er die Arme über dem Kopf und rief laut „Stopp!“, worauf Roland sofort sein Parkmanöver im Rückwärtsgang beendete. Erika merkte ihm seine Erleichterung an. Der Platzwart kam ihr entgegen und tippte auf das Namensschild an seinem Overall: Andrea de Luca. „Signora, ich bin Andrea. Willkommen in Garda.“ Ein direkter Blick, aber keine Hand und auch kein Lächeln zur Begrüßung. Trotzdem blieb Erika der warme Glanz in seinen dunklen Augen nicht verborgen, und sie konnte nicht anders, als dem zerzausten Blondschopf ihre Rechte entgegenzustrecken. Ein fester Händedruck war das. „Vielen Dank. Wie ich sehe, haben Sie meinen Mann schon eingewiesen. Aber warum so dicht an einem anderen Wohnmobil? Auf dem Platz ist doch noch so viel frei.“ Vom Anfang November bis Mitte April wurde der Stellplatz geschlossen, schon jetzt verloren sich nur wenige Fahrzeuge auf den dreißig Parzellen. Erika konnte sich gut die Enge vorstellen, wenn alles voll war. De Luca drehte den Kopf zu Roland, der immer noch hinter dem Steuer saß, und fuhr sich mit knochigen Fingern durchs Haar. „Ich habe nur getan, was Ihr Mann mir gesagt hat.“ „Ach so. Na, dann wird es schon seine Richtigkeit haben.“ "Wie lange wollen Sie bleiben?“, fragte De Luca. „Ein paar Tage, vielleicht eine Woche, das wissen wir noch nicht so genau“, antwortete Erika. Sie zeigte auf den Bezahlautomaten in dem überdachten Durchgang, der das Betriebsgebäude teilte. „Das Bezahlen scheint mir ziemlich kompliziert zu sein.“ Wieder fasste sich Andrea an den Kopf. „Sie können auch bar zahlen, das macht dann zwanzig Euro pro Tag mit Strom.“ Erika zog ihre Handtasche von der Sitzfläche und tauschte einen Hundert-Euro-Schein gegen eine formlose, handschriftliche Quittung ein. Andrea de Luca deutete auf einen Wohnwagen am Ende der Grünfläche hinter der Ver- und Entsorgungsstation für Wasser und Toilettenkassette. „Da hinten wohne ich, das ist im Moment auch mein Büro. Das Büro im Haus wird gerade renoviert, sollte eigentlich erst im Winter passieren. Wenn Sie etwas brauchen, einfach anklopfen. Von 10:00 bis 12:00 und von 16:00 bis 18:00 Uhr bin ich da.“ Erika lachte. „Na, hoffentlich langweilen Sie sich nicht bei den wenigen Gästen.“ De Luca kratzte sich am Hinterkopf. „Nein, so wie es aussieht, ich glaube eher nicht.“ Erika schien es, als ob er bei diesen Worten in sich hinein grinste. „Das war ja ein netter Empfang“, sagte Erika, „und der junge Mann kann sich gut auf Deutsch ausdrücken, sehr gut sogar. Wo er das wohl gelernt hat?“ Sie schaute aus dem Küchenfenster. „Warum wolltest du eigentlich so dicht neben diesem Koloss stehen? Der ist ja sogar noch größer als unserer.“ Rolands Antwort war ein Achselzucken, und sie fragte nicht weiter nach. Wahrscheinlich fühlte er sich in der Nähe eines anderen Wohnmobils sicherer und konnte das nur nicht zugeben. Geschätzte vier Meter trennten sie von diesem Fahrzeug mit den Ausmaßen eines Linienbusses. Auf der Parkfläche zwischen ihnen prangte ein Motorrad mit viel glänzendem Rot. Vom Lenker baumelten geflochtene Lederfransen, unten protzte es mit einem unanständig großen Auspuff. Roland sicherte Fahrer- und Beifahrertür und gesellte sich zu Erika, als die Tür des Busses geräuschlos aufschwang. Ein Mann in den Fünfzigern, in überlanger Lederhose und offener Weste, beides schwarz und mit silbernen Nieten beschlagen, füllte mit seinem Körper fast die gesamte Öffnung aus. Er nahm einen kräftigen Schluck aus einer Bierflasche, weißer Schaum rann über seine gebräunte Hand. „Willkommen Herr und Frau Nachbar!“, rief er und schwang die Flasche in ihre Richtung. Erika klappte das Küchenfenster nach außen auf und nickte dem Mann zu. „Guten Tag.“ „Konrad mein Name, Konrad Schubert, aber die Nachnamen tun ja nichts zur Sache. Wir sind hier ja unter uns. Habe euch gerade kommen hören. Wir sind schon eine ganze Weile hier, also ich und meine Tochter. War dieses Bürschchen von Platzwart zu Ihnen auch so frech? Werde nachher im Rathaus anrufen und mich über den Kerl beschweren, kann euch die Nummer geben.“ Erika reckte ihre 174 Zentimeter Körpergröße über die...



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