Duane Star Trek: Die Befehle des Doktors
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11513-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11513-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf dem Planeten Fliegendreck leben mehrere seltsame Wesen, wie ihnen die Enterprise-Crew nie zuvor begegnet ist: sprechende Wanderbäume, plastikbeutelähnliche Formwandler und Felsen, die in der Zeit reisen. Captain Kirk muss versuchen, eine Verständigung herbeizuführen und diesen Wesen die Mitgliedschaft in der Föderation schmackhaft zu machen. Währenddessen hat Dr. McCoy das Kommando über die Enterprise.
Auch die Klingonen interessieren sich für Fliegendreck. Als ihr Forschungsteam auf dem Planeten spurlos verschwindet, machen sie die Enterprise dafür verantwortlich. Das alles wäre kein Problem, wenn da nicht plötzlich ein Superraumschiff der Orion-Piraten auftauchen würde.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
»Weißt du noch«, sagte Leonard McCoy, »wie ich deine Leiche gemopst habe?«
Der hochgewachsene grauhaarige Mann auf der anderen Liege lachte leise. »Herrjemineh«, sagte er. »Au weia! Schreck in der Abendstunde! Potz Blitz! Da war die Kacke am Dampfen. Mein lieber Scholli! Donnerkeil!«
McCoy nahm an, dass Dieter damit sagen wollte, er sei damals ziemlich erschreckt gewesen. Es war immer reine Mutmaßung zu kapieren, was er eigentlich meinte. Mit Dieter Clissmans Englischkenntnissen war es zwar nie weit her gewesen, aber manchmal schien er es darauf anzulegen, einen zur Verzweiflung zu treiben.
McCoy beugte sich vor und gab dem Kellner, der auf die Hotelterrasse hinausblickte, einen Wink. »Na ja, macht nichts«, sagte er. »Du hast es trotzdem überlebt. – Du und deine Milchgetränke. Soll ich dir noch eins bestellen?«
Der Kellner schaute McCoy an, nickte und verschwand. McCoy lehnte sich wieder zurück und musterte durch die Gitterstäbe des Terrassengeländers die Landschaft. Das alte Hotel lag auf dem höchsten Ausläufer des kleinen Plateaus, das den Ort Wengen vor der Jungfrau schützte, der Königin der Berner Alpen. Der Himmel in diesem alpinen Spätsommer war perfekt hellblau; Ende Juli, kurz vor Herbsteinbruch, hatte er diese Farbe immer. Unter ihnen, zwischen den verstreuten dunkelgrünen Tannen, gingen hinter den Fenstern unter den braungedeckten Dächern allmählich die ersten Lampen an. Der Tag neigte sich dem Ende zu, die am weitesten westlich liegenden Häuser der Ortschaft tauchten im höher werdenden Schatten des am anderen Talausgang liegenden Schilthorn unter. Drunten im Lauterbrunnental kündigten zwei Lichter den sich über die alte Zahnradbahnstrecke nähernden Zug an. Er war voller Touristen und Tagespendler aus Interlaken, Thun und Bern. In den Straßen des Ortes bewegten sich nur Spaziergänger und elektrisch betriebene oder von Pferden gezogene Karren. Größere Bodenfahrzeuge und Flieger durften sich dem Berg nur bis Lauterbrunnen nähern. McCoy konnte mit dieser Einschränkung leben, denn das Ergebnis war eine perfekte Ruhe, die nur von den gestimmten Glöckchen am Zaumzeug der Pferde und denen der Ziegen und Kühe auf der ein Stück bergauf liegenden grünen Alm gestört wurde. Hoch über allem ragte der rasiermesserscharfe, halb in büscheligen Wolkenschleiern versteckte Gipfel der Jungfrau auf. Und dagegen hatte McCoy wahrlich nichts einzuwenden. In Wengen bedeuteten Wolken am Ende eines Tages einen atemberaubenden Sonnenuntergang. Und der Sonnenuntergang war ein Grund für McCoys Hiersein. Ein anderer war der, Dieter zu besuchen.
Es war lange her, seit sie zusammen Medizin studiert hatten. Sie waren nach dem Examen getrennte Wege gegangen. Dieter leitete nun die Xeno-Fakultät an der Universität Bern. Er war unter den Xenomedizinern der Föderation fast zu einer Legende geworden. Und McCoy … Weiß der Himmel, was aus mir geworden ist, dachte er.
»Wann geht's los?«, erkundigte er sich bei Dieter.
»Ich nehme an, in etwa einer Stunde«, sagte Dieter und warf einen Blick ins Tal hinunter. Nach einem sehr langen Schluck aus seinem Glas fügte er hinzu: »Warum hast du mir eigentlich damals die Leiche geklaut?«
Die Frage ließ McCoy leise lachen, dann nahm er einen weiteren Schluck von seinem Minzeisgetränk. »Hätte ich es nicht getan«, sagte er, »hätte es ein anderer getan. Ich hielt es für besser, wenn es ein Freund tut.«
»Hmmm«, machte Dieter. »Unter uns waren wirklich ein paar Rabauken, was?«
McCoy nickte. In ihrem Jahrgang hatten sich ein paar Leute befunden, bei denen sich erwiesen hatte, dass sie für die Xenomedizin kaum geeignet waren. Tja, dachte er, es ist besser, man merkt es während der Ausbildung und nicht erst bei der Behandlung eines Patienten. Einige der Leute waren nicht gerade nett zu den schwer arbeitenden, fleißigen Studenten gewesen, die bessere Noten als sie bekommen und neben denen sie im Labor und in der Praxis weniger kompetent gewirkt hatten. Viele dieser Leute hatten ihr Bestes getan, um Dieter nach allen Regeln der Kunst das Leben zu vermiesen. Es hatte McCoy geärgert. Es ärgerte ihn sogar noch heute, obwohl es schon lange her war. Manche Erinnerungen ließen einen eben nie in Ruhe.
»Das kann man wohl sagen«, erwiderte er. »Aber ich schätze, sie sind nun alle in anderen Branchen tätig.«
»Ich hab nie kapiert, warum du die Leiche ins Büro des Dekans gelegt hast«, sagte Dieter. Er lehnte sich zurück und warf einen Blick auf die das Schilthorn umgebenden Wolken, das Morgenburghorn und den im Westen liegenden Niesen, wo der Himmel allmählich scharlachrot wurde.
»Mir kam es damals sehr witzig vor«, sagte McCoy. Er schaute sich auf der Terrasse um. Sie füllte sich allmählich mit Touristen – Menschen mit Fotoapparaten und Kameras. Sie trugen meist Pullover. Keine schlechte Idee, denn es kühlte sich ab. McCoy wünschte sich, er hätte seine Jacke mitgenommen. »Außerdem glaubte ich«, fuhr er fort, »der Dekan sei nach einer solchen Geste gezwungen, sich etwas mehr für das zu interessieren, was bei uns vor sich ging. Und das schien mir ein guter Grund zu sein.«
»Aber in Anatomie hast du geschummelt«, sagte Dieter.
McCoy errötete. Auch dies war eine Erinnerung, bei der ihm in schlaflosen Nächten der Schweiß ausbrach. »Das hat ihn dazu gebracht, sich auf dich zu konzentrieren«, sagte Dieter, ohne McCoys Verlegenheit zur Kenntnis zu nehmen. »Und das war weniger gut.«
»Ist doch alles relativ«, murmelte McCoy. »Schließlich ist es gut ausgegangen.« Tja, wirklich, wenn es auch so ausgegangen war, dass der medizinische Oberhäuptling ihn in den nächsten drei Monaten permanent in die Mangel genommen hatte. McCoy hatte die Anatomieprüfung mit einer recht ansehnlichen Note bestanden. Der Dekan hatte ihm die Hand geschüttelt und ihm mitgeteilt, dass er ihn nie wieder sehen wolle. »Wird 'n bisschen voll hier oben, was?«, meinte McCoy. Er musterte die sie umringenden Touristen, die sich nun erwartungsvoll am Geländer versammelten.
»Du kannst mich aber trotzdem nicht ablenken«, sagte Dieter. »Du hattest meinetwegen ziemlichen Ärger. Das hab ich dir nie vergessen.«
»Na ja. Weißt du, damals …« McCoy hielt inne. Dann dachte er: Wieso soll es falsch sein, ein Dankeschön anzunehmen? »War doch nichts Besonderes«, sagte er ein paar Sekunden später. »Ich hab dir gern geholfen.«
»Und ich hab deine Hilfe gern angenommen. Das ist auch der Grund, warum ich dich treffen wollte, bevor du wieder abhaust. In deinen letzten Briefen … hast du dich sehr oft über die Starfleet-Bürokratie beschwert.«
McCoy lachte leise. »Willst du mich abwerben, Dieter?«
»Mach keine Witze. Du brauchst dich schließlich nicht mit meinen Etatkürzungen herumzuschlagen. Ich wollte nur wissen, dass es dir gutgeht.«
McCoy warf seufzend einen Blick in das dunkler werdende Tal. »Na ja, in der Regel gelingt es dem Guten immer, die Bürokratie zu besiegen – wenigstens in letzter Zeit. Doch muss das Gute dabei immer und ewig auf der Hut sein. Und das kann einen ganz schön schlauchen.«
Dieter sagte nichts dazu. Er trank etwas. »Eure Mission«, sagte er, »die daran schuld ist, dass du nicht zum Abendessen bleiben kannst … Wird sie dich diesmal lange beschäftigen? Ich würde dich gern für Vorlesungen anheuern, falls du im Urlaub noch die Kraft dazu hast. Nach deinen letzten Artikeln lechzen die Chefs der anderen Fakultäten nach deinem Blut. Besonders hat es ihnen der Aufsatz über Gastroenteritis denebiis angetan. Der alte Kreuznauer hat angedroht, er würde dich den Artikel ohne Senf fressen lassen.«
McCoy lachte leise. »Ich weiß nicht«, sagte er und musterte den Sonnenuntergang. Er wurde immer großartiger; das reflektierte scharlachrote Licht der schon untergegangenen Sonne verharrte nun so auf den höchsten schneebedeckten Gipfeln, dass sie rosarot vor dem dunkler werdenden Blau flammten, wie von einem inneren Feuer erhellt. »Offiziell handelt es sich um eine Nachexpedition. Die Erstkontaktler, die auf dem fraglichen Planeten waren, haben die Spezies gezählt. Allem Anschein nach wissen sie schon einiges über Raumfahrt. Die Forschungsgruppe hat erste Sprachanalysen und dergleichen vorgenommen. Jetzt müssen wir hin, um die Feinabstimmung für die Universaltranslatoren vorzunehmen … und sie einstufen, um herauszukriegen, ob sie Material für die Föderation sind. Und ob sie überhaupt wollen.« Er zuckte die Achseln. »So was ist für uns nichts Neues. Ich werde eine Menge Arbeit haben … Wie du dir vorstellen kannst, ist auch eine Menge Xenopsychologie im Spiel. Aber es geht auch um andere Dinge: die biologische Untersuchung der Flora und Fauna – besonders der Bakterien – und die anatomische und medizinische Analyse der einheimischen Spezies …«
»Moment mal«, sagte Dieter. »Spezies plural?« Er klang überrascht. »Gibt's da mehr als eine?«
McCoy nickte. »Es ist ungewöhnlich«, sagte er. »Sie sind nicht angesiedelt worden … Das heißt, sie wurden nicht irgendwann von einer raumfahrenden Rasse dort abgesetzt. Auf dem Planeten existieren drei Spezies, die sich konvergierend entwickelt haben. Starfleet ist ganz versessen zu erfahren, was dort vor sich geht … Schließlich hat man einen solchen Planeten nie zuvor gefunden. Eigentlich sollte die Enterprise ganz woanders hin, aber diese Mission hat unser ursprüngliches Ziel ziemlich nach unten auf die Liste geschoben. – Deswegen starten wir schon heute Abend statt in einer Woche, wie ich geglaubt habe. Wäre es nicht so, würde ich mit Freuden eine Vorlesung bei euch halten....




