E-Book, Deutsch, Band 3, 270 Seiten
Reihe: Terra (Science Fiction)
Dubina Terra - Science Fiction 03: Die Wächter des Alls
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-693-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 3, 270 Seiten
Reihe: Terra (Science Fiction)
ISBN: 978-3-95719-693-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Peter Dubina (geboren am 1. Juli 1940 in Iglau, Protektorat Böhmen und Mähren; gestorben am 7. März 1990 in Illertissen, Allgäu) war ein deutscher Autor tschechischer Herkunft. Er schrieb in den Genres Western, Science-Fiction, Krimis und Horror unter zahlreichen Pseudonymen ca. 150 Romane, die hauptsächlich in Leihbuchreihen und Heftromanserien erschienen. Am bekanntesten ist er durch seine unter dem Pseudonym R. F. Garner verfassten Western-Romane. Laut Verlagsangaben beträgt die Gesamtauflage seiner Romane über 20 Millionen. Sein Science-Fiction-Roman Entscheidung im Weltraum (1973) wurde unter dem Titel Decision in Space 1976 ins Englische übersetzt. Ab 2010 wurden seine unter R. F. Garner erschienenen Western in einer eigenen Autorenreihe im Kelter Verlag neu aufgelegt. Mitte der 2010er Jahre erfolgte eine Veröffentlichung seiner Romane als E-Book. Seine Horrorgeschichten erschienen zudem als Hörbuch.
Autoren/Hrsg.
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Entscheidung im Weltraum
Wie eine drohend geballte, ungeheure Faust stand der schwarze Rauchpilz der Atombomben-Testexplosion über dem Bikini-Atoll der Ralik-Inseln. Vor dem rot glühenden Hintergrund des Sonnenuntergangs wirkte er wie ein Zeichen der endgültigen Vernichtung. Gewaltig und scheinbar reglos ragte er über der Koralleninsel auf.
Rod Ellis von der Nationalen Atomenergiebehörde der USA konnte sich von dem unheimlichen Anblick nicht losreißen. Er stand auf dem Achterdeck des amerikanischen Flugzeugträgers USS Centaur und stemmte sich gegen den scharfen Seewind, der seinen blauen Marine-Overall flattern ließ.
Ellis war ein hochgewachsener, dunkelhaariger Mann mit scharf geschnittenem Gesicht und kühl blickenden Augen. Er trug den bei Piloten an Bord eines Flugzeugträgers üblichen Overall, gummibesohlte Leinenschuhe und eine Leinenschildmütze mit dem Zeichen der US-Marine.
Die USS Centaur, das Flaggschiff des Flottenverbandes, der aus dem Flugzeugträger, einem Kreuzer, drei Zerstörern und einem Versorgungsschiff bestand, und die Testexplosion der Zwanzig-Megatonnen-Bombe aus sicherer Entfernung beobachtet hatte, besaß 67.000 Bruttoregistertonnen und trug fünfzig Skyhawk-Jagdbomber. Der Kontrollturm mit seinem Wald von Funk- und Radarantennen überragte haushoch das Flugdeck des Trägers, auf dem gerade eine Skyhawk startbereit gemacht wurde.
„Nachdenklich, was??, sagte eine Stimme neben Ellis, und er wandte sich zur Seite. Ein Mann, der den gleichen Overall trug wie er, war zu ihm an die Reling getreten. Er hatte blondes, zu einer Bürstenfrisur geschnittenes Haar und blaue Augen. Sonne und Seewind hatten sein energisches Gesicht mit dem starken Kinn und den scharfen Falten neben den Mundwinkeln gebräunt.
„Wenn einen das nicht nachdenklich stimmt ...?, erwiderte Rod, auf den düsteren Rauchpilz über der Koralleninsel deutend. „Ich habe mich gerade gefragt, was wohl geschehen würde, wenn solche Bomben jemals im Kriegsfall von westlicher oder östlicher Seite eingesetzt würden, Jim.?
„Wenn sie jemals zum Einsatz gebracht werden sollten, brauchtest du dir wenigstens keine Sorgen mehr darüber zu machen, ob du deine letzte Lebensversicherungsprämie rechtzeitig bezahlt hast?, erwiderte Jim Wheeler, der wie Ellis bei der Nationalen Atomenergiebehörde der USA arbeitete, „weil dann nämlich die gesamte Erdoberfläche in eine einzige, radioaktive Wüste verwandelt würde und wir alle innerhalb kürzester Frist nicht mehr am Leben wären.?
„Das ist nicht der richtige Augenblick für Scherze, glaube ich?, sagte Rod Ellis ernst.
„Es sollte auch gar kein Scherz sein?, meinte Wheeler. „Ein Atomkrieg würde das Ende für die Menschheit bedeuten. Das wurde mir klar, als diese verdammte Bombe auf ihrem Stahlgerüst auf der Insel detonierte. Die Flutwelle, die sie auslöste, ließ selbst die Centaur erzittern.?
Er wurde vom Aufheulen des Düsentriebwerks einer Skyhawk unterbrochen, die am Beginn der Startbahn auf dem Flugdeck des Trägers stand. Das Kreischen des Aggregats war so laut und durchdringend, dass es jede Unterhaltung unmöglich machte.
Die Maschine war mit vier Bordkanonen, Kaliber 20 mm, bewaffnet und trug vierundzwanzig FFAR-Raketen1 unter den Tragflächen. Rod Ellis konnte Kopf und Schultern des Piloten in der Kanzel der Skyhawk erkennen. Fliegerhelm, Sauerstoffmaske, Mikrofon und Schutzbrille ließen sein Gesicht nahezu unmenschlich erscheinen.
Der Pilot hob die rechte Faust und spreizte den Daumen nach oben, zum Zeichen, dass er startbereit war. Im ersten Augenblick schoss eine gelbe Stichflamme aus dem Raketenkatapult, auf dem der Düsenjäger stand. Die Maschine raste über das Flugdeck, hob ab und jagte auf dem glühenden Auspuffstrahl ihres Düsenaggregates steil in den weiten Himmel hinauf. Der Rauch des Raketenkatapults, das den Flugzeugen half, die beim Start nötige Geschwindigkeit zu entwickeln, vernebelte das Deck der USS Centaur und wurde dann vom Wind davongetrieben.
„Hast du das gesehen??, fragte Rod Ellis Jim Wheeler. „Hat die Marine vor, einen Krieg zu entfesseln? Warum lässt sie sonst einen gefechtsbereiten, mit Ultraschallkanonen und Raketen bestückten Jagdbomber aufsteigen??
„Derjenige, der den Befehl dazu gegeben hat, wird sich schon etwas dabei gedacht haben?, erwiderte Wheeler. Er nahm Rod beim Arm. „Es wird Zeit, dass wir uns zum Einsatz fertigmachen. Unsere Maschine steht schon bereit.?
Er deutete auf eine tonnenschwere, hydraulische Plattform, mit der die Skyhawk-Maschinen, die auf dem Unterdeck standen, zum Flugdeck hinaufgeschafft wurden. Eben brachte sie eine Bell 47, einen leichten dreisitzigen Hubschrauber, nach oben.
Rod Ellis und Jim Wheeler hatten schon mehrere Probeflüge mit der Maschine gemacht. Sie war mit einem luftgekühlten Sechs-Zylinder-Boxermotor, Wyoming VO-435 CZ ausgerüstet, der den Rotor antrieb, 260 PS Startleistung entwickelte, ein Abfluggewicht von 1.067 Kilogramm schaffte und der nur 12,58 Meter langen Maschine eine Höchstgeschwindigkeit von 145 Stundenkilometern verlieh. Sein geringes Gewicht machte den Hubschrauber schnell und wendig.
„Ellis und Wheeler, in der Radarabteilung melden!?, dröhnte der Bordlautsprecher.
„Also los, gehen wir und holen uns die Starterlaubnis?, sagte Wheeler. Er zog sich die Mütze tiefer in die Stirn. „Wir sind schließlich hier, um zu arbeiten.?
Es war ihre Aufgabe, im Auftrag der US-Atomenergiebehörde zu einer, dem Bikini-Atoll weit vorgelagerten Koralleninsel, eigentlich nur einem Riff, zu fliegen, um dort Messungen durchzuführen.
„Nun reiß dich schon von dem Anblick los?, fuhr Wheeler fort, da Ellis noch immer zu dem drohenden Atompilz hinüberstarrte. Er kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen, sodass sich Faltenfächer in seinen Augenwinkeln bildeten. „Mir gefällt es ebenso wenig wie dir. Aber es ist nun einmal unsere Aufgabe, uns damit zu beschäftigen. Also bringen wir es hinter uns!?
Ellis war einverstanden und löste fast widerstrebend seinen Blick von dem ungeheuren Gebilde aus Rauch, Staub und radioaktiver Asche. Während er neben Wheeler über das Flugdeck auf den Kontrollturm zuschritt, sagte er: „Jedes Mal, wenn ich solch einen Atompilz sehe, und ich habe, weiß Gott, schon mehr als einen gesehen, überläuft es mich stets von Neuem eiskalt. Sie sind so verdammt groß und geben einem das niederträchtige Gefühl, dass wir die Gewalten, die wir selbst entfesselten, nicht mehr unter Kontrolle haben. Hundert oder zweihundert solcher Bomben könnten die Menschheit vollständig vernichten, und was übrig bliebe, würde an den radioaktiven Niederschlägen zugrunde gehen.?
„Man kann immerhin hoffen, dass die Angst der Menschen vor der atomaren Vernichtung größer ist, als ihr Hass gegeneinander?, gab Jim Wheeler zur Antwort. „Das würde der Menschheit millionenfaches Elend ersparen.?
Sie stiegen hintereinander eine schmale, unter ihren Schritten klirrende Metalltreppe hinauf, betraten einen kurzen, von kaltem Neonlicht erfüllten Korridor im Kontrollturm der USS Centaur und erreichten eine Tür mit der Aufschrift Radarraum. Rod Ellis öffnete sie, betrat die Radarstation und blieb unwillkürlich einen Augenblick stehen, um sich an das hier herrschende Halbdunkel zu gewöhnen. Die Radarschirme glühten fahl und ließen die Gesichter der Männer, die sich darüber neigten, grün erscheinen.
„Commander Lockwood wartet bereits auf Sie, Sir!?, sagte ein Deckoffizier zu Rod Ellis, wobei er zu einem Radargerät hinüberdeutete, um das mehrere Männer einen Halbkreis gebildet hatten.
Er führte sie durch den überfüllten Raum und meldete: „Mister Ellis und Mister Wheeler, Sir!?
Ein grauhaariger Marineoffizier mit schmalem, energischem Gesicht und den vier Silberstreifen und dem Stern eines Commanders auf den Ärmeln seiner Uniformjacke, blickte flüchtig auf.
„Sind Sie bereit??, fragte er Rod Ellis.
„Ja, Commander. Wir warten nur auf Starterlaubnis.?
Commander Keith Lockwood senkte seinen Blick wieder auf den Radarschirm, der den leeren Himmel zeigte.
„Wir haben bisher mit der Startfreigabe gezögert, weil wir ein nicht bestimmbares Flugobjekt auf dem Schirm hatten. Niemand konnte ausmachen, worum es sich handelte.?
Rod Ellis fasste den leeren Radarschirm genauer ins Auge.
„Ich kann nichts erkennen, Sir.?
„Es ist vor wenigen Minuten mit ungeheurer Geschwindigkeit am linken Rand des Radarschirms verschwunden?, antwortete der Commander. „Schwer zu sagen, was es war. Ein sehr hoch fliegendes Flugzeug könnte nicht eine derartige Geschwindigkeit entwickeln. Möglicherweise war es nur ein gleitender Reflex an der Grenze zwischen zwei Luftschichten mit verschiedenen Temperaturen, den wir auf dem Radarschirm gesehen haben. Es könnte auch eine durch die Detonation der Atombombe auf dem Atoll hervorgerufene Erscheinung sein. Aber ich bin mir nicht sicher. Für alle Fälle habe ich Befehl gegeben, einen Jagdbomber aufsteigen zu lassen, um das unbekannte Flugobjekt, wenn es sich bei dem Bläschen auf dem Radarschirm um ein solches handelt, abzufangen oder zu vertreiben. Trotzdem muss ich Ihnen sagen, Mister Ellis, dass es mir lieber wäre, wenn Sie auf Ihren Flug verzichten würden. Zumindest so lange, bis wir uns Gewissheit darüber verschafft haben, worum es sich bei der Erscheinung handelt.?
„Commander?, erwiderte Rod Ellis, „unser Auftrag lautet, innerhalb einer gewissen Frist nach der Detonation des nuklearen Sprengsatzes...




