E-Book, Deutsch, 352 Seiten
Reihe: Lübbe
Dubois Gefährliche Aussicht
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8392-7
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Périgord-Krimi. Ein mysteriöser Todesfall in einer Traumvilla in Frankreichs Feinschmeckerparadies - mitreißend und atmosphärisch
E-Book, Deutsch, 352 Seiten
Reihe: Lübbe
ISBN: 978-3-7517-8392-7
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die zauberhafte Atmosphäre des Périgord, köstliche Kulinarik und ein neuer raffinierter Kriminalfall mit Kommissarin Marie Mercier
Ein vermögendes Paar aus Paris hat ein altes Anwesen oberhalb von Saint-André-du-Périgord gekauft. Nun wird fleißig restauriert, und die Vorfreude auf ein Leben inmitten idyllischer Natur ist groß. Doch dann erreicht Kommissarin Marie Mercier die Nachricht, dass die Eigentümerin des frisch erworbenen Domizils dort vom Dach in die Tiefe gestürzt sei. Wirklich nur ein Unfall? Anscheinend gibt es im Dorf teils heftige Ressentiments gegen »die reichen Neuen aus Paris«, und Marie sieht sich mit widersprüchlichen Zeugenaussagen konfrontiert. Und das, wo ihre Großtante Léonie gerade dringend ihre Hilfe benötigt - bei einem Festtagsmenü voller Geheimnisse ...
Im malerischen Périgord, dem Feinschmeckerparadies Frankreichs, löst die charmante deutsch-französische Kommissarin Marie Mercier ihren fünften Fall.
Julie Dubois ist eine deutsche Autorin mit französischen Wurzeln, die viele Jahre in Berlin zuhause war. Heute lebt sie zwischen Deutschland und dem Périgord, das sie zu dem stimmungsvollen Romansetting Saint-André inspiriert hat. GEFÄHRLICHE AUSSICHT ist der fünfte Band ihrer erfolgreichen Krimiserie um die deutsch-französische Kommissarin Marie Mercier.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Die Sonne stand schon hoch, obwohl es erst kurz vor acht Uhr in der Früh war, und das Thermometer zeigte angenehme zweiundzwanzig Grad an. Kommissarin Marie Mercier verließ zusammen mit ihrem Mischlingshund César das Haus und wurde sogleich vom Duft der zartrosa Kletterrosen begrüßt, die ihre Haustür umrankten. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen und genoss die samtige Wärme dieses Sommermorgens, dann ordnete sie die Blumen in der runden Vase auf dem massiven Holztisch vor dem Haus. Flüchtig streichelte sie den Kater Gaston, der tief schlafend zusammengerollt auf der Holzbank lag, bevor sie mit federnden Schritten über den gepflasterten Hof des Familienanwesens lief. Sie teilte ihn sich mit ihrer Großtante Léonie und dem ehemaligen Knecht Georges, die in den anderen beiden Häusern lebten. Als sie mit César das Hoftor erreichte, warf sie noch einen letzten Blick auf die großen Tontöpfe, die sie im März mit Orangenblumen bepflanzt hatte. Jetzt standen die Sträucher in voller Blüte und verströmten einen orangenähnlichen Duft, wie sie zufrieden feststellte.
Marie verließ den Hof durch die kleine, in dem schweren Holztor eingefasste Tür, schloss sie hinter sich zu und ging die Gasse hinunter zur Hauptstraße von Saint-André. Die meisten Fensterläden an den ockerfarbenen Fassaden der benachbarten Häuser waren geschlossen. Offensichtlich lagen die meisten Bewohner des Dreihundertseelendorfs noch in den Federn. Das galt auch für Michel. Als sie vorhin aufgestanden war, hatte er ihr zärtlich über den Rücken gestrichen, sich dann genüsslich umgedreht und weitergeschlafen.
Doch Marie war ein Morgenmensch. Sobald sie die Augen aufschlug, war sie wach und voller Energie. Heute war sie nach dem Duschen in ein leichtes hellblaues Leinenkleid geschlüpft und trug dazu passende blau-weiß gestreifte Espadrilles. Sie hatte ihre dunklen Locken nur rasch durchgebürstet und war dann mit wehendem Haar losgezogen.
Sie warf César, der an ihrer Seite trottete, einen Blick zu. Die Enttäuschung darüber, dass sie nicht gleich zu einem langen Spaziergang durch die Felder aufbrachen, war ihm förmlich anzusehen. Marie staunte immer wieder, wie ausdrucksstark diese Hundeaugen sein konnten.
»Tut mir leid, César, aber es ist Wochenende, und Michel ist da, deshalb besorge ich jetzt erst mal was fürs Frühstück«, erklärte sie ihm.
Die beiden führten eine Wochenendbeziehung. Wenn Michel Leblanc konnte, was bei ihm als Leiter des Drogendezernats in Bordeaux selten genug vorkam, schlief er gern aus – daher war sie die Frühstücksbotin.
César und sie liefen am Bürgermeisteramt und an der Grundschule vorbei und erreichten die Epicerie. Der Tante-Emma-Laden war täglich ab sieben Uhr morgens geöffnet, und dort gab es vorzügliche Croissants, Pains au chocolat und Pains aux raisins. Besonders die Rosinenschnecken schmeckten himmlisch, wie Marie fand, die bei einem flüchtigen Blick auf die Schaufensterauslage einen wahren Heißhunger verspürte.
Bevor sie eintrat, sagte sie , und César legte sich brav hin.
Im Laden stellte sie überrascht fest, dass sich dort am frühen Sonntagmorgen schon viel Kundschaft eingefunden hatte.
, rief sie fröhlich in die Runde.
Offenbar waren es ausschließlich Dorfbewohner, was Marie nicht verwunderte, denn die Touristen im Ort ließen für gewöhnlich den Tag gemütlich angehen.
», Marie«, antworteten mehrere Kundinnen, die gerade noch angeregt miteinander gesprochen hatten.
Den niedergedrückt klingenden Stimmen zufolge musste etwas Schlimmes passiert sein. Marie blickte zu Odile, der Ladenbesitzerin, die mit betroffener Miene hinter ihrer Theke stand.
Marie wusste, dass derzeit viel über Odile getratscht wurde. Sie hatte sich vor Kurzem nach zwanzig Jahren Ehe von ihrem Mann getrennt und ihre Liebesbeziehung zum Bäcker aus dem Nachbarort öffentlich gemacht. Mit ebenjenem, der ihr die köstlichen Backwaren lieferte. Und sicherlich hatte sie deswegen auch einige despektierliche Bemerkungen von Dorfbewohnern zu hören bekommen. Aber konnte das der Grund für ihre Betroffenheit und die traurigen Gesichter der Kunden sein?
»Was ist passiert?«, fragte Marie geradeheraus.
»Ein Unfall!«, antwortete eine Stimme, die Marie sofort wiedererkannte.
Es war Rose, ihre Nachbarin und zugleich Léonies beste Freundin. Sogleich zwängte sich die alte Dame an ein paar Kundinnen vorbei, um an Maries Seite zu treten.
Seltsam. Normalerweise verließ Rose nicht so früh das Haus. Um diese Zeit wuselte sie lieber im Morgenmantel und mit Gießkanne und Gartenschere bewehrt zwischen ihren prächtigen Blumenbeeten herum.
Marie beschlich ein ungutes Gefühl. Wenn Rose bereits so früh ein Ausgehkleid in dem für sie obligatorischen Rosaton angezogen hatte und sich hier unter die Leute mischte, musste es einen triftigen Grund geben, der ihre legendäre Neugier geweckt hatte.
»Die Pariserin – du kennst sie, Patricia Batteau – die hatte einen Unfall! Sie liegt im Krankenhaus von Sarlat, die Arme.« Bekümmert, aber auch ein wenig erwartungsvoll schaute Rose sie an. Sie ließ sich gern Fragen stellen, um dann mit ihrem Wissen glänzen zu können.
Marie runzelte die Stirn.
»Ist sie schwer verletzt?«
»Das wissen wir nicht. Aber sie musste ins Krankenhaus. So viel steht fest.«
»Hoffentlich ist es nichts Ernstes«, überlegte Marie laut, denn die Verunglückte war im siebten Monat schwanger.
Eigentlich hieß Patricia mit Nachnamen Paré. Sie war vor einem knappen Jahr mit ihrem Lebensgefährten Christian Batteau von Paris nach Saint-André gezogen, und obwohl die beiden nicht verheiratet waren, nannte man sie im Dorf der Einfachheit halber »die Batteaus« oder »die aus Paris«. Ihre Sehnsucht nach einem Neuanfang fernab der Großstadt hatte sie nach langer Suche schließlich in die sanften Täler des Périgord geführt. In Saint-André hatten sie ein prächtiges Anwesen auf einem der Hügel oberhalb des Dorfes gekauft. Das Wohngebäude selbst lag versteckt hinter Bäumen, sodass es von der Hauptstraße aus nur im Herbst und Winter zu sehen war. Es war ein frei stehender, abgelegener Landsitz – eine Chartreuse, wie so etwas im Südwesten Frankreichs genannt wurde, was eine Verweltlichung des ursprünglichen Begriffs für eine Niederlassung des Kartäuserordens darstellte.
Das lang gestreckte, imposante Bauwerk oberhalb von Saint-André stammte aus dem 18.Jahrhundert und war mehr als nur renovierungsbedürftig, denn vor dem Erwerb durch das Paar hatte es viele Jahre lang leer gestanden und war zusehends verfallen. Die Sanierungskosten durften wohl ins Uferlose gehen. Doch »die aus Paris« hatten sich augenscheinlich in das Anwesen verliebt und sich mit unbändiger Energie und großem Ehrgeiz ans Werk gemacht. Finanzielle Mittel waren offensichtlich vorhanden, und die Sanierung sowie Renovierung gingen bemerkenswert schnell voran, wie man regelmäßig auf Instagram verfolgen konnte.
Christian Batteau, ein erfolgreicher Fotograf und Besitzer einer Werbeagentur, postete regelmäßig eindrucksvolle Bilder von den Instandsetzungsarbeiten, die er mit informativen, teils auch emotionalen Kommentaren versah. Man erkannte daran, dass er ein echter Kommunikationsprofi war. So war eine informative und spannende Dokumentation der bisherigen Sanierungsfortschritte entstanden, die Marie in den letzten Wochen gern angeklickt hatte. Derzeit wurde die Bedachung vollkommen erneuert. Der Dachstuhl war im Laufe dieser Woche fertig geworden, wie Patricia Marie vor zwei Tagen berichtet hatte.
Die beiden Frauen waren sich zum ersten Mal vor ein paar Wochen zufällig an dem Ufer der Vézère begegnet, als ihre Hunde zusammen in den Fluss gesprungen waren. Patricia hatte einen jungen Golden Retriever, der es wie César liebte, in Gewässern umherzuspringen, egal, zu welcher Jahreszeit. Während die beiden Hunde herumtollten, waren die Frauen ins Gespräch gekommen und hatten sich danach noch zwei, drei Mal an derselben Stelle getroffen.
Patricia war, wie sie Marie gegenüber erwähnt hatte, als Dokumentarfilmerin durch die ganze Welt gereist. Sie war eine offene, spontane und warmherzige Frau Anfang vierzig. Marie hatte Patricia gleich gemocht, und die Nachricht von ihrem Unfall bedrückte sie sehr.
»Weiß jemand, was passiert ist?«, erkundigte sie sich.
»Die ist wohl ausgerutscht.« Erneut war es Rose, die etwas zu berichten wusste. »Irgendeine Abdeckplane muss sich gelöst haben. Jedenfalls hat das der Batteau einem von den Sanitätern gesagt. Und der ist ein Großneffe von mir und hat es mir erzählt.« Es war nicht zu überhören, wie stolz Rose war, hier vor Publikum mit konkreten Informationen zu dem traurigen Vorfall aufwarten zu können. Damit war dann auch geklärt, warum sie sich schon so früh auf den Weg zur Epicerie begeben hatte.
Allerdings halfen diese Informationen Marie kaum weiter. Sie konnte sich kein wirkliches Bild von dem Unfall machen, zumal sie noch nie oben in der Chartreuse gewesen war. Dafür kannte sie die Batteaus zu wenig.
»Und hat dein Großneffe etwas über das Baby gesagt?«, erkundigte sich eine Kundin besorgt bei Rose.
»Nein«, gab diese zu.
»Dazu ist er auch nicht befugt, denn als Sanitäter unterliegt er der Schweigepflicht!«, stellte Marie klar. »Wann ist der Unfall passiert?«
»Gestern am späten Nachmittag, so gegen sechs«, antwortete Rose. »Die Sirene des Krankenwagens hat durch das ganze Tal gehallt. Wahrscheinlich warst du da nicht im Dorf,...




