E-Book, Deutsch, 524 Seiten
Dueck Die Euphonomicon-Enthüllungen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-949345-14-2
Verlag: Polarise
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Homöopathie-Weltuntergangskrimi
E-Book, Deutsch, 524 Seiten
ISBN: 978-3-949345-14-2
Verlag: Polarise
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los!
Koksam im Jahr 2048. Die Koksa AG feiert sensationelle Welterfolge mit einer grünlichen Flüssigkeit, die sich chemisch nicht von Wasser unterscheiden lässt. Wie eine Droge macht 'Koksa' alle, die regelmäßig davon trinken, stark süchtig.
Kommissar Quergang und die Justizreferendarin 'Succsy' stoßen bei ihren Ermittlungen in einem zunächst unbedeutenden Fall auf viele Ungereimtheiten. Angestachelt von fremden Mächten entdecken sie die Wahrheit rund um Koksa - und schlittern mitten in eine globale Apokalypse ...
Für Liebhaber homöopathischer Katastrophen und Fans von H. P. Lovecraft.
Gunter Dueck (Jahrgang 1951) lebt als freier Schriftsteller, Philosoph, Business Angel und Speaker in Waldhilsbach bei Heidelberg. Nach einer Karriere als Mathematikprofessor arbeite er fast 25 Jahre bei der IBM, zuletzt bei seinem Wechsel in den Unruhestand als Chief Technology Officer. Dueck ist korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Fellow des amerikanischen Ingenieursverbandes IEEE und Fellow der Gesellschaft für Informatik. Er ist Autor vieler Spiegel-Bestseller, zuletzt 'Das Neue und seine Feinde', 'Schwarmdumm' und 'Heute schon einen Prozess optimiert?'.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Lovecraft, Homöopathie, Hahnemann, Sheldrake, Emoto, Verschwörungstheorien, Esoterik, Cthulhu, Chemtrails, Satire, Skepsis, Science-Fictionv
EINLEITUNG DER ERMITTLUNGEN (MITTWOCH, 27. FEBRUAR)
Diese Geschichte spielt in der Stadt Koksam, die stets grünlich-dunkel wirkte. Ihr jahrhundertealter urdeutscher Name wurde vor nicht allzu langer Zeit in Koksam geändert, weil die Stadt sehr stark von den großzügigen Infrastrukturen profitierte, die der Weltkonzern Koksa AG hier an seinem Hauptsitz sponserte. Geld regiert die Welt – ein jeder wird die Geschichte der Streitigkeiten und empörten Gegendemonstrationen aus der damaligen Presse kennen. Koksam war trotz des immensen Reichtums durch die Steuerzahlungen des Konzerns in weiten Teilen merkwürdig verkommen, aber das erklärt sich im Verlauf dieser Schilderung.
Sie beginnt so: Frau Kriemhild Suckade bereitete sich auf ihr Examen zur zweiten Staatsprüfung in Jura vor. Sie war damals als Justizreferendarin in Ausbildung tätig, wobei sie sich der besonderen Förderung des Generalstaatsanwaltes Harro Hell erfreute. Für ihr Examen behandelte sie als Hausarbeitsthema die Aufgabe, einen Kriminalfall von Anfang bis Ende zu begleiten, zu dokumentieren und um ihre eigenen Eindrücke zu ergänzen. Folgende Fragen waren ihr gestellt: Funktioniert das polizeiliche Ermittlungssystem wie geplant? Gibt es Verbesserungsvorschläge? Was muss angepasst werden? Sie hatte einige Wochen nach einem guten Thema für eine Abschlusshausarbeit gesucht und zunächst nichts Interessantes finden können.
Doch noch fehlte der konkrete Fall. Überraschend erhielt sie einen Anruf vom Generalstaatsanwalt: Sie möge sich schnellstmöglich beim Staatsanwalt Justus Stahl vorstellen. Dieser würde sie um die Begleitung eines wichtigen Falles bitten, den sie für ihre Hausarbeit verwenden solle. Hell bereitete sie darauf vor, dass sie den Fall unbedeutend und lächerlich finden könnte, äußerte aber, dass er selbst eine sehr spezielle Sicht darauf habe. Und gerade deshalb wolle er sie persönlich für diese wichtige Aufgabe gewinnen. Nach seinen hastigen Anweisungen legte er auf, sie hielt einige Sekunden irritiert ihr Phone in der Hand. Warum so plötzlich? Warum erklärte Harro nichts? Warum sprach er nicht mit ihr persönlich, wo sie sich oft auch privat trafen? Vielleicht war, so machte sie sich einen Reim darauf, ein Verbrechen geschehen, das unverzüglich vor Ort inspiziert werden musste.
Frau Suckade meldete sich wenig später bei Staatsanwalt Stahl in dessen Büro. Ein schicker Mensch, fand sie, als sie den Raum betrat. Sie hatte ein paar Augenblicke Zeit, ihn genauer zu betrachten, denn er hatte ihr bei ihrem Eintreten mit konzentriertem Blick auf seinen Computerbildschirm bedeutet, kurz noch zu warten, bis er »einen Satz zu Ende geschrieben hatte«. Stahlblaue Augen hatte er – nicht leuchtend lichtblaue wie sie selbst. Er murmelte routiniert freundlich: »Lassen Sie mich bitte noch diese eine Weisung abschicken. Moment. So. Fertig.« Dann schaute er auf, wandte sich ihr zu und verfing sich sofort staunend in ihren strahlend blauen Augen. Tatsächlich rieten ihr damals einige, als blonde Schönheit Karriere auf dem Laufsteg zu machen. Stahl stotterte kurz. Es tat ihm leid, dass er sie ein paar Sekunden hatte warten lassen, was sie sichtlich genoss.
»Schreckliches Wetter heute, nicht wahr?«, begann er mit einem Thema, das nun wirklich nicht geistreich klang, denn es herrschte seit einiger Zeit aus ungeklärten Gründen ständig schreckliches Wetter. Er schaute wie magisch angezogen auf ihre roten High Heels und stutzte kurz. Erst jetzt fiel ihm ein: »Oh, bitte setzen Sie sich doch.« Sie rückte einen der Stühle vor seinem Teak-Schreibtisch zurück, sodass sie sich bequem mit überschlagenen Beinen setzen konnte und er sie gut im Sichtfeld hatte, wie man so sagt. Ihr Gesichtsausdruck signalisierte: »Kommen Sie zum Punkt, Sir.« Unter Juristen ist das selbstverständlich, dachte sie.
»Frau Suckade«, begann er dann auch schnell, »ich soll einen völlig unbedeutenden Fall betreuen und darauf einen Kommissar ansetzen, der die Ermittlungen aufnimmt. Ich verfüge aber über kein freies Personal, schon gar nicht für so eine Angelegenheit. Ich finde auch nicht, dass der Fall eine besondere juristische Hausarbeit hergeben könnte, aber mir sind die Hände gebunden.«
Sie nickte verständnisvoll, das Gestell ihres Stuhls wippte. Das hatte sie erwartet.
Stahl fuhr ausschweifend fort: »Die Sucht- und Trunkenheitsdelikte infolge des Koksa-Konsums breiten sich in der Stadt seit Monaten rasant aus. Entschuldigung, ich erkläre wieder zu viel, das wissen Sie ja. Jedenfalls – das will ich noch sagen – weiß ich überhaupt nicht, wie ich mit meiner dünnen Personaldecke wenigstens die gröbsten Verstöße eindämmen soll. Straftaten und Ordnungsverstöße nehmen in den letzten Wochen so dramatisch zu wie die endlosen Regengüsse über Koksam. Bei diesem nassen Wetter haben wir den freudlosen Job, draußen mit den Süchtigen ein Auskommen zu suchen. Ich will Ihnen daher offen sagen: Ich habe gegen diesen Auftrag nachdrücklich protestiert. Das sollen Sie wissen. Von mir aus müsste diese Angelegenheit gar nicht verfolgt werden. Einstellen, fertig. Ich habe klar abgelehnt.«
Er spielte nachdenklich mit seinem schwarzen MarkenTintenfüller. Er liebte uralten Retro-Luxus.
»Ich bekam eine ziemlich deutliche Antwort von oben mit einer namentlichen Anweisung. Das ärgert mich ehrlich gesagt sehr – dass man mir hineinredet, meine ich. Ich spreche da ganz offen mit Ihnen. Ich soll Kommissar Tristan Quergang reaktivieren, der im Augenblick nicht wirklich arbeitet. Das bleibt bitte unter uns, ja? Er ist kürzlich wegen einer schweren Krebsdiagnose vom Dienst freigestellt worden. Das kann ich Ihnen wohl trotz Datenschutz sagen, weil er es Ihnen sofort aufbinden wird, wie ich ihn kenne. Er ist so ein Kauz, passen Sie gut auf, dass er Ihnen nicht plötzlich tot umfällt.«
Kriemhild Suckade blickte ihn bei dieser Enthüllung unangenehm berührt an, wie es sich gehörte, und war gespannt, worum es nun ginge. Sie wechselte die Stellung ihrer überschlagenen Beine, aber Stahl musste noch seinen Frust loswerden: »Dieser Quergang! Er steht außerdem kurz vor der Rente, egal. Genau den sollte ich anrufen, hieß es im Befehlston, der würde den Fall auch gerne übernehmen, denn er hatte ja heftig gegen seine Freistellung vom Dienst protestiert. Er hat fast wörtlich gesagt, dass er viel lieber im Dienst sterben würde als daheim vor Langeweile. In der letzten Zeit hat er ziemlich viel rumgejammert, weil seine Frau ihn unbedingt mit homöopathischen Mitteln aller Art quasi komplett heilen wolle. Eigentlich mag er seine Frau sehr, aber er nimmt es ihr übel, dass sie sich seit einiger Zeit als ›Hausquacksalberin profiliert‹. Vor Angst erzählt er natürlich alles Mögliche – denke ich. Was weiß ich, was er wirklich meint, wahrscheinlich weiß er es selbst nicht. Ich habe eigentlich keine Lust, mich in ihn hineinzuversetzen. Ich bin nicht für das Privatleben aller Mitarbeiter verantwortlich.«
Frau Suckade zog die Augenbrauen hoch. »Männer«, kommentierte sie süffisant, »bloß keine Gefühlsregung zeigen! Ist es wirklich so schlimm um ihn bestellt?«
Stahl glättete die Situation schnell: »Es scheint mit ihm tatsächlich zu Ende zu gehen. In seiner vorläufig letzten Dienstwoche kam er mit einer abstoßend schwarzen Perücke, sieht wie ein Mopp aus. – Sie werden ja sehen, er hat seine Haare durch eine Chemotherapie verloren. Er will für so etwas kein Geld mehr ausgeben. Äußerlich versucht er es mit Sarkasmus, aber er hat auch noch andere Sorgen, weil seine Frau in letzter Zeit der Koksa-Sucht verfallen ist – das sagt er Ihnen bestimmt auch. Egal. Ich selbst wünsche diesen Kommissar seit langem zum Teufel, denn die Art seiner Ermittlungen hat früher zu mehr Irritationen geführt als die eigentlichen Verbrechen. Er fasst seine Verantwortung zu weitreichend auf und will immer gleich alle Hintermänner eines Verbrechens mitverhaften. Das ist ehrenwert, im Prinzip ja, aber es gibt eben Komplikationen, viele erregte Telefonate und schließlich sehr aufwändige Gefechte mit teuren Anwälten, die wir nicht gewinnen. Danach darf ich das alles ausbaden.«
Sie hörte stumm, aber sehr aufmerksam zu. Er schien einen Kommentar von ihr zu erwarten. Als der ausblieb, bemühte er sich, möglichst charmant herauszubringen: »Bedauern Sie mich doch ein wenig, bitte!« – Frau Suckade stimmte ihm nun artig zu und fand seine Situation extrem frustrierend für einen echten Mann! Das betonte sie lächelnd. »Verraten Sie mir außer der extremen Lächerlichkeit des Falles, worum es wirklich geht?«
Stahl seufzte schwach, ließ seinen Tintenfüller unwillig auf die Schreibtischplatte gleiten und lehnte sich im Chefsessel zurück. »Es geht um nichts, das sagte ich ja bereits. Ich soll ein Nichts groß aufrollen! Warum? Es gibt nicht einmal ein richtiges Verbrechen, nur einen seltsamen Einbruch, bei dem jemand nichts mitnahm, sondern vielmehr etwas...




